Hallo Eltern und Interessierte,
könnte antiautoritäre Erziehung (in der missverständlichen Variante des „alles gewähren Lassens“) Eurer Meinung nach als eine Form von Vernachlässigung/Verwahrlosung des Kindes angesehen werden?
Danke und Gruß
Irene
Hallo Eltern und Interessierte,
könnte antiautoritäre Erziehung (in der missverständlichen Variante des „alles gewähren Lassens“) Eurer Meinung nach als eine Form von Vernachlässigung/Verwahrlosung des Kindes angesehen werden?
Danke und Gruß
Irene
Hallo Irene!
Das kommt wohl sehr auf den eigenen Standpunkt an.
Für mich heißt eine Erziehung ohne Grenzen schon, dass Kinder vernachlässigt werden.
Wenn ich als Erwachsener einem Kind ALLES durchgehen lasse, das Kind KEINE Konsequenzen zu spüren bekommt, da hilft das allerbeste Vorleben von Verhaltensweisen nichts.
Vor allen Dingen, wenn das Umfeld noch „anders“ erzogen ist.
Sogar ein Tier, welches geärgert wird, wird ab einem bestimmten Zeitpunkt beißen zur Selbstverteidigung.
Aber wer würde wohl ein Kind das einen beißt, zurückbeißen? Mit antiautoritärer Erziehung wird es ja nicht gelernt haben, dass es Grenzen überschreitet.
Wie gesagt, meine persönliche Meinung, ich lasse mich aber gerne über andere Erfahrungen aufklären.
Angelika
Hallo Eltern und Interessierte,
könnte antiautoritäre Erziehung (in der missverständlichen
Variante des „alles gewähren Lassens“) Eurer Meinung nach als
eine Form von Vernachlässigung/Verwahrlosung des Kindes
angesehen werden?
Hallo Irene,
hinter der Idee des Gewährenlassens steckt die Vorstellung, dass Kinder dank ihrer Instinkte selbst wissen, was sie brauchen. Essen, schlafen, spielen wann immer sie wollen. Bei einer antiautoritären Erziehung können ja Eltern vorhanden sein, die zwar keine Vorgaben machen, aber ihren Kindern alles zur Verfügung stellen was sie brauchen, auch sich selbst als Menschen und Ansprechpartner. Das hat noch nichts mit Lieblosigkeit zu tun, wenn man seinem Kind keine Grenzen setzt.
Vernachlässigung oder Verwahrlosung würde für mich bedeuten, dass es an Lebensnotwendigem fehlt, oder dass Kinder ignoriert werden und keine Ansprache haben. Das kann es auch in einem streng reglementierendem Elternhaus geben.
Vor vielen Jahren habe ich einen Vortrag von einem Erziehungswissenschaftler gehört. Der erklärte uns interessierten Eltern warum Erziehung für Kinder so lebensnotwendig ist - also Erziehung im Sinne von Vorgaben machen und Grenzen setzen. Erst durch Erziehung bekommt der Mensch die Selbstsicherheit, die er z.B. für seine Weiterentwicklung und Herausbildung seiner Talente braucht, von der Entwicklung sozialer Fähigkeiten gar nicht zu schreiben.
Im Endeffekt könnte antiautoritäre Erziehung wie eine Vernachlässigung eines Kindes wirken.
viele Grüße
claren
Hi,
hinter der Idee des Gewährenlassens steckt die Vorstellung,
dass Kinder dank ihrer Instinkte selbst wissen, was sie
brauchen.
Du sagst es, es ist eine Vorstellung. Und mittlerweile weiß man, daß diese Vorstellung falsch ist!
Das hat noch nichts mit
Lieblosigkeit zu tun, wenn man seinem Kind keine Grenzen
setzt.
Da man heute wissen kann und muß daß dies der Entwicklung des Kindes großen Schaden zufügt, würde ich den Satz so nicht schreiben (auch wenn die Motivation der eltern wirklich liebevoll ist). Für mich sind diese Eltern durchaus vergleichbar mit denen, die glauben ohne Prügel kann man ein Kind nicht erziehen (dabei meine ich nicht die Eltern die aus Frust, Überforderung o.ä. schlagen, sondern jene, die Schläge ganz bewußt als Erziehungsstil einsetzen - deren Motivation ist auch nicht lieblos).
Im Endeffekt könnte antiautoritäre Erziehung wie eine
Vernachlässigung eines Kindes wirken.
Wenn man hier das „könnte“ durch ein „wird“ ersezt, kann ich dem zustimmen!
Gruß Stefan
ja,
absolut
Hallo Irene,
es kommt darauf an.
Wenn das Kind sich trotzdem geborgen fühlen kann nicht unbedingt, aber ich halte einen solchen Fall für eher hypoteticsh.
Wir versuchen mit einem Minimum an Ge- und Verboten auszukommen, die werden allerdings konsequent eingehalten, mit ggf. Sanktionen.
Bisher scheint es zu klappen (5 und 7 Jahre).
Gandalf
Hallo Irene
Antiautoritäre Erziehung kommt aus der Zeit (68er) als es als chic galt den Geschlechtspartner öfter als das Hemd zu wechseln und Begriffe wie Verantwortung wurden schon als rechtsradikal eingestuft.
Wenn bei diesem „Verantortungsbewusstsein“ noch Kinder gezeugt wurden, hat man sie halt in die Ecke gesetzt, sich nicht drum gekümmert, machen lassen was sie wollen und diesem dann den hochtrabenden Namen „Antiautoritäre Erziehung“ verpasst.
Viele Grüße
Ratz
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Jan Uwe Rogge -
vielleicht meinst du den?
Vor vielen Jahren habe ich einen Vortrag von einem
Erziehungswissenschaftler gehört. Der erklärte uns
interessierten Eltern warum Erziehung für Kinder so
lebensnotwendig ist - also Erziehung im Sinne von Vorgaben
machen und Grenzen setzen. Erst durch Erziehung bekommt der
Mensch die Selbstsicherheit, die er z.B. für seine
Weiterentwicklung und Herausbildung seiner Talente braucht,
von der Entwicklung sozialer Fähigkeiten gar nicht zu
schreiben.
Sein Buch „Kinder brauchen Grenzen“ http://www.pbv.at/webmanager/view.php?docid=2173&sch…
sollte eigentlich von jedem, der auch nur entfernt mit Kindern zu tun hat, gelesen (und beherzigt) werden.
Chao!
Helene, die immer wieder reinschaut in dieses Büchl
Danke
Ich danke euch sehr herzlich für Eure Antworten und möchte nun auch erklären, warum ich diese Frage stellte:
Ich habe des öfteren von Distanzlosigkeit bei Kindern gehört und dass dies ein Warnsignal für Leute, die mit Kindern beruflich zu tun haben (Lehrer, Erzieher, Kindergärnter und Sozialarbeiter im Familienbereich)ist. Ich habe mich erkundigt, wie sich diese Distanzlosigkeit zeigt und habe in weiterer Folge distanzlose Kinder sehr rasch erkannt - es ist wirklich eindeutig und sehr leicht zu unterscheiden von zutraulichen, offenen und aufgeweckten Kindern ohne Scheu.
Dann habe ich nachgefragt, was die Ursache für Distanzlosigkeit ist und erfahren, dass diese bei vernachlässigten Kindern vorkommt - in vielerlei Hinsicht vernachlässigten Kindern.
Nun begegnete mir ein 7 jähriger Bub im Verwandtenkreis - ich habe ihn, seit er ein Baby war, nicht mehr gesehen. Ich weiß, dass seine Eltern ihn antiautorität erzogen haben und habe von Anfang an immer wieder „Schauergeschichten“ gehört, wie es sich im Familienkreis abspielt.
Dieser 7-jährige wirkte auf mich eindeutig distanzlos. Nachdem ich die Eltern schätze und ihnen nicht unterstelle (und mir auch nicht vorstellen kann), dass sie ihr Kind offensichtlich vernachlässigen, begann ich mir Gedanken zu machen, eben in diese Richtung: was ist antiautoritär, wie wird es gelebt, was verstehen „stinknormale“ Eltern darunter und könnte es nicht in weiterer Folge… usw.
Dank eurer Hilfe komme ich nun auch zu dem Schluss, dass die nämlichen Eltern ihrem Kinde mit dem grenzenlos gewähren lassen nichts gutes getan haben.
Das Kind eckt überall an, wird nicht gemocht, fällt ständig aus dem Rahmen und ist eigentlich, soweit ich es beurteilen kann, kreuzunglücklich (und seine Umgebung mit).
Selbstverständlich kann auch in einem anderen Elternhaus, mit strengen Regeln, Vernachlässigung auftreten, wie in einem der postings erwähnt, das ist mir schon klar.
Und dieses erwähnte Buch „Kinder brauchen Grenzen“ hatte ich auch gelesen und finde es wirklich hilfreich und gut.
Schöne Grüße
Irene
Ich habe des öfteren von Distanzlosigkeit bei Kindern gehört
und dass dies ein Warnsignal für Leute, die mit Kindern
beruflich zu tun haben (Lehrer, Erzieher, Kindergärnter und
Sozialarbeiter im Familienbereich)ist. Ich habe mich
erkundigt, wie sich diese Distanzlosigkeit zeigt und habe in
weiterer Folge distanzlose Kinder sehr rasch erkannt - es ist
wirklich eindeutig und sehr leicht zu unterscheiden von
zutraulichen, offenen und aufgeweckten Kindern ohne Scheu.
Was ist denn diese Distanzlosigkeit und wie erkennst Du die?
Gruß Maid 
Was ist denn diese Distanzlosigkeit und wie erkennst Du die?
Hallo Maid,
Erkennen tut man das sehr leicht.
Wenn du z.B. dem Kind einen Blick zuwirfst oder es anlächelst, erkennt es in dir das potentielle Opfer.
Das Kind stürzt sich förmlich auf dich, egal, ob du ein wildfremder Mensch bist, den es zum ersten Mal sieht oder jemand, den es zwar schon mal gesehen hat, aber wo kein Naheverhältnis besteht.
Es nimmt deine Hand, hängt sich an deinen Arm, versucht, an dir hochzuklettern, redet ununterbrochen, versucht dich wohin zu ziehen etc.
Der Körperkontakt steht absolut im Vordergrund, aber nicht schmeichelnd oder zaghaft sondern ganz vehement, wild oft sogar grob.
Dazu gehört auch, auf den Schoß zu klettern, fest zu umarmen, Nase zwicken und dann in weiterer Folge zu sekkieren. Dich mit etwas zu beschmieren (z.B., wenn man bei einem Essen sitzt).
Es lässt nicht locker, auch wenn du ihm zu verstehen gibst, dass du kein Interesse daran hast, mit ihm zu sein oder es sogar ermahnst, es solle nicht so wild sein usw.
Und dann urplötzlich kann es sein, dass das Kind sich ein neues „Opfer“ sucht und du bist im Nu vergessen. Dann ist ein anderer dran. Da siehst du dann, dass du gar nicht gemeint warst.
Im Gegensatz dazu ist ein Kind, dem du sympathisch bist und das gerne Kontakt mit dir hätte und dir nahekommen will, sehr zurückhaltend. Schleicht sich fast unbemerkt an deine Seite. Sucht Blickkontakt. Zeigt dir ein Spielzeug oder ein Buch. Fragt, ob du vielleicht spielen willst oder vorlesen und sucht auch den Kontakt zu seiner Bezugsperson (Eltern oder sonstwer, mit dem es unterwegs ist) nicht zu verlieren. Kehrt immer wieder zu der Bezugsperson zurück, um dann evtl. wieder zu kommen. Es merkt auch, wenn du nicht willst, zieht sich dann zurück.
Vom eigenen Gefühl her ist es so: ein distanzloses Kind erzeugt Unwohlsein, es ist dir nicht geheuer, auch wenn du Kinder magst. Es ist dir unangenehm, dieses Abgrapschen.
Ein anderes Kind erwärmt dein Herz, es rührt dich, du freust dich, weil es dich anscheinend mag und es freut dich, sich mit ihm zu beschäftigen.
Lieben Gruß
Irene
Danke Dir Irene,
jetzt kann ich mir erstmal was rechtes darunter vorstellen. Ich habe solche Kinder auch schon erlebt…jetzt muß ich aber erst mal drüber nachdenken und wo bzw. in welchen Situationen das war.
Gruß Maid 
Meine Güte, was sind hier ‚Experten‘ am Werk!?!?!?
Hallo zusammen
Wie sagt doch mein Lieblingskabarettist Dieter Nuhr so schön: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten“.
Mir fällt schon seit einiger Zeit auf, dass sich hier im Brett gerne mal Leute zu Wort melden, die mit ihrem unglaublichen Unwissen vielleicht lieber nicht auch noch so lautstark hausieren gehen sollten - sonst wird´s echt peinlich! Antiautoritäre Erziehung hat eben nichts mit der Haltung des „alles gewähren Lassens“ zu tun! Diese Erziehungsform heißt „Laissez-faire“. Anti autoritär erzogene Kinder sind auch nicht zwangsläufig distanzlose Kinder - nach meiner Erfahrung (ich möchte aber nicht so weit gehen, daraus ein allgemein gültge Regel abzuleiten) sind sie sogar Erwachsenen gegenüber eher uninteressiert.
Vielleicht solltet ihr euch demnächst einfach mal ein bisschen informieren, bevor ihr euch in Stammtischniveau auf ein Thema einschießt, von dem keiner Ahnung hat … oder … befolgt doch einfach den Rat von Dieter Nuhr!
Gruß, Frank
Hallo Frank,
ich verstehe nicht, worüber du dich so aufregst und das Zitat mit dem „Fresse halten“ finde ich nicht gerade nett.
Ich verstehe diesen Ort hier als ein offenes Diskussionsforum und wenn ich mich recht erinnere, wurde sehr wohl eine Unterscheidung zwischen der - sagen wir einmal - „regulären“ antiautoritären Erziehung und dem, was dabei herausgekommen ist getroffen. Nämlich, dass sie von vielen einfach missverstanden wurde und wird.
Was das Stammtischniveau betrifft (wobei es auch an Stammtischen oft recht interessante und gute Aussagen gibt, kommt halt auf den Stammtisch an:wink:) so habe ich bei keinem der postings das Gefühl gehabt, mich an einem solchen zu befinden.
Ich habe auch nicht bemerkt, dass jemand „lautstark hausieren“ geht. Dein posting ist von meinem Gefühl her eine Herabwürdigung aller, die sich Gedanken gemacht haben und ihre Ansichten und Erfahrungen eingebracht haben Das finde ich nicht in Ordnung.
In Ordnung fände ich es, wenn du dein fundiertes Wissen zur Verfügung stellen würdest und zwar ohne verbal hinzuhauen.
Einen schönen Samstagmorgen wünscht
Irene
Oh, ein Elch!
Hallo, Fralli,
ich fand deinen Beitrag unheimlich informativ, weiterführend und hilfreich. Oh, hättest du doch deinen eigenen Ratschlag befolgt!
Antiautoritäre Erziehung ist ein Experiment, das (oft mehr schlecht als recht verstanden) dem Vorbild von Summerhill (!Suchbegriff) folgend in zahllosen „Kinderläden“ umzusetzen versucht wurde. (Alexander Neill, Wilhelm Reich sind wichtige Namen in diesem Zusammnhang) Sie stellt das Pendant zu der autoritätsfördernden/-hörigen Erziehung früherer Zeiten dar.
Wie alle Extreme zeitigen sowohl antiautoritäre als auch autoritative Erziehung eher unerwünschte Ergebnisse - auf der einen Seite den unangepassten, und daher sich schwer in soziale Systeme einfügenden Menschen, auf der anderen den geduckten, obrigkeitshörigen Bürger, der sich widerspruchs- und kritiklos der Obrigkeit unterordnet.
Beides kann nicht das Ziel der Erziehung sein. Freiwillige Einordnung in soziale Systeme, Selbstachtung, Selbstbehauptung, gleichzeitig aber Rücksichtnahme sowie Anerkennung und Achtung der Rechte des Mitmenschen sind Eigenschaften, die ein funktionierendes Sozialsystem erst ermöglichen.
Eine Erziehung, die keine Werte (anything goes) vermittelt ist daher genauso unbrauchbar wie eine, die dem Menschen jede Eigeninitiative (was nicht erlaubt ist, ist verboten!) austreibt. Beides deformiert den Menschen, beides macht ihn für ein gleichberechtigtes Miteinander unbrauchbar. Beides führt entweder in die Ellbogengesellschaft oder den Obrigkeitsstaat, Sozialformen, die aus meiner Sicht nicht gerade wünschens- und lebenswert sind.
Es muß also ein Mittelweg gefunden werden, es müssen Grenzen und Regeln gesetzt und ihre Einhaltung eingefordert und durchgesetzt werden. Aber diese Grenzen und Regeln müssen sinnvoll und nachvollziehbar sein. Und diese Grenzen und Regeln müssen sich der sich erweiternden Einsichtsfähigkeit des heranwachsenden Menschen anpassen.
Die autoritative Erziehung machte letztendlich eine Gesellschaft möglich, in der es ein „Drittes Reich“ geben konnte. Die Folgen antiautoritärer Erziehung können wir bereits heute als „soziale Kälte“, „Neoliberalismus“, „Ellbogengesellschaft“ aber auch als Outsourcing sozialer Aufgaben an „soziale Dienstleister“ (Schulen, Pflegeheime) beobachten.
Wir sollten eine lebenswerte Gesellschaft zwischen diesen Extremen anstreben.
Gruß
Eckard
Hallo Frank,
Wie sagt doch mein Lieblingskabarettist Dieter Nuhr so schön:
„Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten“.
eben!
Wenn man den Ursprungsartikel liest steht da
könnte antiautoritäre Erziehung (in der missverständlichen Variante des „alles gewähren Lassens“)
da wird also klargemacht (zumindestens mir), daß nicht das ‚klassische‘ Konzept der Antiautoritären Erziehung gemeint ist.
ABer vielleicht hab ich das nurt mißverstanden.
Gandalf