Antibiotikum und Pille - Verhütung

Hallo,

wie lange muss ich nach dem Antibiotikum verhüten?
Man sagt mindestens 2 Wochen, aber am besten den ganzen Zyklus.
Meine letzte Pille habe ich am 25.01.2012 eingenommen, habe darauf meine Periode am 29.01.2012 bekommen.
Nun musste ich am 31.01.2012 Antibiotikum einnehmen, wegen einer Mittelohrentzündung.
Die erste Pille habe ich dann wieder am 02.02.2012 eingenommen und das letzte Antibiotikum am 06.02.2012.

Wann darf man wieder ohne Kondom Geschlechtsverkehr haben?
Wenn man den ganzen Zyklus abwartet, bedeutet dies man könnte am ersten Tag der Einnahme des nächsten Pillenstreifens wieder ohne Kondom verhüten, oder ab wann?

Bitte um eine Antwort.

…bedeutet dies man könnte
am ersten Tag der Einnahme des nächsten Pillenstreifens wieder
ohne Kondom verhüten

So ist es. Hast du das AB gleichzeitig mit der Pille eingenommen, ist der Zyclus „hinüber“ und zusätzliche Verhütung notwenig.
LG

ich habe es in der sogenannten „Pillenpause“ genommen.

Hallo,

Hier ist es wieder mein Lieblingsthema.

Ich suche noch echte Studien, die einen signifikanten Einfluß der Antibiose (!) auf die Wirkung der Pille haben. (also nicht wegen krankheitstypischer Folgen).

Vielleicht werden ich diesmal fündig.

Klar wird es empfohlen, weil es sich kein Pharmahersteller leisten kann, eine Freigabe zu geben, und dann für die Folgekosten aufkommen muss, weil man das Gegenteil genauso schwer beweisen kann.

Liebe Grüsse

Anja

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Hallo Anja,

hm, Dein Einwurf hat mich doch zum Nachdenken (und -lesen) gebracht.

Klar wird es empfohlen, weil es sich kein Pharmahersteller
leisten kann, eine Freigabe zu geben, und dann für die
Folgekosten aufkommen muss, weil man das Gegenteil genauso
schwer beweisen kann.

Ebenso sieht es schließlich aus, wenn ein Arzt mögliche Wechselwirkungen mit der Pille verkennt und die Patientin dadurch schwanger wird… Aber zum Thema:

Für eine verringerte Wirksamkeit der Pille im Zusammenhang mit Antibiotika gibt es ja zwei Ansätze.

  1. Östrogen wird in der Leber abgebaut. Medikamente, die hepatische Enzyme induzieren, sorgen damit für einen schnelleren Abbau und damit eine geringere Wirksamkeit des Östrogens.

  2. Östrogen unterliegt einem enterohepatischen Kreislauf, wird also mit der Galle ausgeschieden und später aus dem Darm wieder aufgenommen. Störungen der Darmflora können diesen Kreislauf unterbrechen und damit den Östrogenspiegel senken.

ABER:

zu 1.: Unter den stark enzyminduzierenden Medis findet sich als Antibiotikum nur Rifampicin - und das wird außer gegen Tuberkulose doch eher selten angewendet. (Andere Medikamente aus dieser Gruppe sind da relevanter, aber das führt jetzt vielleicht zu weit.)

zu 2.: Der enterohepatische Kreislauf wird bei Östrogen wohl ziemlich überschätzt - wenigstens sagen das einige Studien, z. B. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11257243 ). Konsequenterweise wird z. B. hier: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10384856 das Fazit gezogen, dass eine relevante Beeinflussung der Kontrazeptiva nur bei einem geringen Prozentsatz der Frauen tatsächlich eintritt.

Kurz und gut: Wahrscheinlich ist das Risiko, dass sich Pille und Antibiotika DIREKT beeinflussen, geringer, als gemeinhin angenommen wird. Trotzdem werde ich weiterhin brav darauf hinweisen, dass man im „kritischen“ Zeitraum sicherheitshalber noch andere Methoden verwenden sollte… :wink:

Danke für den Anstoß und
viele Grüße

niere

Hallo,

Klar wird es empfohlen, weil es sich kein Pharmahersteller
leisten kann, eine Freigabe zu geben, und dann für die
Folgekosten aufkommen muss, weil man das Gegenteil genauso
schwer beweisen kann.

Ebenso sieht es schließlich aus, wenn ein Arzt mögliche
Wechselwirkungen mit der Pille verkennt und die Patientin
dadurch schwanger wird… Aber zum Thema:

Ja genau. :smile:

Für eine verringerte Wirksamkeit der Pille im Zusammenhang mit
Antibiotika gibt es ja zwei Ansätze.

  1. Östrogen wird in der Leber abgebaut. Medikamente, die
    hepatische Enzyme induzieren, sorgen damit für einen
    schnelleren Abbau und damit eine geringere Wirksamkeit des
    Östrogens.

Das stimmt so im Prinzip, und gilt für andere Medikamente genauso.

  1. Östrogen unterliegt einem enterohepatischen Kreislauf, wird
    also mit der Galle ausgeschieden und später aus dem Darm
    wieder aufgenommen. Störungen der Darmflora können diesen
    Kreislauf unterbrechen und damit den Östrogenspiegel senken.

Das stimmt so im Prinzip, und gilt für andere Medikamente genauso.

zu 1.: Unter den stark enzyminduzierenden Medis findet sich
als Antibiotikum nur Rifampicin - und das wird außer gegen
Tuberkulose doch eher selten angewendet. (Andere Medikamente
aus dieser Gruppe sind da relevanter, aber das führt jetzt
vielleicht zu weit.)

Respekt!!! …aber wer das einnimmt, muss sowieso anderes verhüten. Ebenso bei anderen Exoten.

zu 2.: Der enterohepatische Kreislauf wird bei Östrogen wohl
ziemlich überschätzt - wenigstens sagen das einige Studien, z.
B. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11257243 ).
Konsequenterweise wird z. B. hier:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10384856 das Fazit gezogen,
dass eine relevante Beeinflussung der Kontrazeptiva nur bei
einem geringen Prozentsatz der Frauen tatsächlich eintritt.

Ja einem sehr gerringen Prozentsatz. Wobei dabei noch andere Faktoren ursächlich sind. Zudem muss man sich auch vor Augen führen, dass man je nach „Tagesform“ unterschiedliche Mengen der Pille zu sich nimmt. Durch weitere andere Faktoren, die auch das Enzymsystem der Leber beeinflußt, kommt es zusätzlich auch zu einer Schwankung des Hormonspiegels.
Wenn man nach diesem Kriterien gehen würde, dürfte die Pille insgesamt evtl unsicher sein, was sie aber nicht ist. Das liegt daran, dass mit der Einnahme der notwendige Mindestspiegel meist schon durch Verstoffwechslung einer geringen Menge der Pille erreicht wird. Aus diesem Grunde denke ich, dass die Wechselwirkung der meisten Antibiotika keinen so großen und signifikanten Einfluß haben.

Es gibt im allgemeinen viele Studien auf das Cyt. 450 System. Viele Pharmahersteller versuchen ihre Medikamente über gewisse Vorteile bei der Verstoffwechslung in dem System „verkaufen“ zu wollen. Vieles hört sich theoretische gut und logisch an. Studien dazu zeigen manchmal sogar einen nachweisbaren Unterschied im Medikamentenspiegel beim Einzelnen. Dieser Unterschied verwischt sich aber oft wieder, wenn man die Gruppe quer durchleuchtet, so dass andere Effekte teilweise den gleichen Effekt haben könnten.

Kurz und gut: Wahrscheinlich ist das Risiko, dass sich Pille
und Antibiotika DIREKT beeinflussen, geringer, als gemeinhin
angenommen wird. Trotzdem werde ich weiterhin brav darauf
hinweisen, dass man im „kritischen“ Zeitraum sicherheitshalber
noch andere Methoden verwenden sollte… :wink:

Die Frage ist, ob man überhaupt Lust hat, in den Phasen, in denen man AB einnimmt andere Dinge machen zu müssen. Klar auch die Zeit danach, wenn es einem besser geht, kann betroffen sein…

Also
Jeder muss selbst entscheiden. Nur ein konkreter Nachweis fehlt jetzt irgentwie noch…

Liebe Grüsse

Anja