Hallo,
Klar wird es empfohlen, weil es sich kein Pharmahersteller
leisten kann, eine Freigabe zu geben, und dann für die
Folgekosten aufkommen muss, weil man das Gegenteil genauso
schwer beweisen kann.
Ebenso sieht es schließlich aus, wenn ein Arzt mögliche
Wechselwirkungen mit der Pille verkennt und die Patientin
dadurch schwanger wird… Aber zum Thema:
Ja genau. 
Für eine verringerte Wirksamkeit der Pille im Zusammenhang mit
Antibiotika gibt es ja zwei Ansätze.
- Östrogen wird in der Leber abgebaut. Medikamente, die
hepatische Enzyme induzieren, sorgen damit für einen
schnelleren Abbau und damit eine geringere Wirksamkeit des
Östrogens.
Das stimmt so im Prinzip, und gilt für andere Medikamente genauso.
- Östrogen unterliegt einem enterohepatischen Kreislauf, wird
also mit der Galle ausgeschieden und später aus dem Darm
wieder aufgenommen. Störungen der Darmflora können diesen
Kreislauf unterbrechen und damit den Östrogenspiegel senken.
Das stimmt so im Prinzip, und gilt für andere Medikamente genauso.
zu 1.: Unter den stark enzyminduzierenden Medis findet sich
als Antibiotikum nur Rifampicin - und das wird außer gegen
Tuberkulose doch eher selten angewendet. (Andere Medikamente
aus dieser Gruppe sind da relevanter, aber das führt jetzt
vielleicht zu weit.)
Respekt!!! …aber wer das einnimmt, muss sowieso anderes verhüten. Ebenso bei anderen Exoten.
zu 2.: Der enterohepatische Kreislauf wird bei Östrogen wohl
ziemlich überschätzt - wenigstens sagen das einige Studien, z.
B. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11257243 ).
Konsequenterweise wird z. B. hier:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10384856 das Fazit gezogen,
dass eine relevante Beeinflussung der Kontrazeptiva nur bei
einem geringen Prozentsatz der Frauen tatsächlich eintritt.
Ja einem sehr gerringen Prozentsatz. Wobei dabei noch andere Faktoren ursächlich sind. Zudem muss man sich auch vor Augen führen, dass man je nach „Tagesform“ unterschiedliche Mengen der Pille zu sich nimmt. Durch weitere andere Faktoren, die auch das Enzymsystem der Leber beeinflußt, kommt es zusätzlich auch zu einer Schwankung des Hormonspiegels.
Wenn man nach diesem Kriterien gehen würde, dürfte die Pille insgesamt evtl unsicher sein, was sie aber nicht ist. Das liegt daran, dass mit der Einnahme der notwendige Mindestspiegel meist schon durch Verstoffwechslung einer geringen Menge der Pille erreicht wird. Aus diesem Grunde denke ich, dass die Wechselwirkung der meisten Antibiotika keinen so großen und signifikanten Einfluß haben.
Es gibt im allgemeinen viele Studien auf das Cyt. 450 System. Viele Pharmahersteller versuchen ihre Medikamente über gewisse Vorteile bei der Verstoffwechslung in dem System „verkaufen“ zu wollen. Vieles hört sich theoretische gut und logisch an. Studien dazu zeigen manchmal sogar einen nachweisbaren Unterschied im Medikamentenspiegel beim Einzelnen. Dieser Unterschied verwischt sich aber oft wieder, wenn man die Gruppe quer durchleuchtet, so dass andere Effekte teilweise den gleichen Effekt haben könnten.
Kurz und gut: Wahrscheinlich ist das Risiko, dass sich Pille
und Antibiotika DIREKT beeinflussen, geringer, als gemeinhin
angenommen wird. Trotzdem werde ich weiterhin brav darauf
hinweisen, dass man im „kritischen“ Zeitraum sicherheitshalber
noch andere Methoden verwenden sollte… 
Die Frage ist, ob man überhaupt Lust hat, in den Phasen, in denen man AB einnimmt andere Dinge machen zu müssen. Klar auch die Zeit danach, wenn es einem besser geht, kann betroffen sein…
Also
Jeder muss selbst entscheiden. Nur ein konkreter Nachweis fehlt jetzt irgentwie noch…
Liebe Grüsse
Anja