Antiblockiersystem?

Hallihallo,
jetzt haben wir gerade eine erbitterte Diskussion geführt, welche Vorteile ABS für ein Fahrzeug besitzt. Ich erinnere mich noch aus der Schule an die Worte meines Physik-Lehrers: rollende Reibung ist stärker als rutschende Reibung. Daher wird der Bremsweg kürzer, wenn ein Fahrzeug ABS besitzt. Das kommt im übrigen auch dem nahe, was ich mit dem Fahrrad erlebe…! :o)
In der Diskussion wurde allerdings steif und fest behauptet, der Bremsweg würde länger, nur die Kontrollierbarkeit des Fahrzeuges würde sich deutlich erhöhen. Die Verlängerung sei darauf zurückzuführen, daß blockierende Reifen mit Abstand den höchsten Reibungswiderstand hätten! ???
Ist jetzt die Aussage meines Physiklehrers sowie meine eigene Beobachtung falsch? Mir fehlt die schlüssige physikalische Begründung. Oder wird bei blochierenden Reifen einfach durch verschmorendes Gummi etc. die Bodenhaftung erheblich herabgesetzt?
Auf jede Antwort freut sich

Christian
*derimmomentinseinengrundfestenerschüttertist*

Manchmal lohnt sich ein Blick ins Stimmt’s-Archiv
http://www.archiv.zeit.de/daten/pages/199950.stimmts…

Hallo MrStupid,
damit hast Du mir bereits sehr in der Diskussion weiter geholfen.
Jetzt bleibt nur die Frage: warum ist rollende Reibung stärker als rutschende? Wie kann man das physikalisch begründen?
Würde mich ja interessieren, auch wenn der Bremsweg offensichtlich nicht wesentlich verändert ist…
Tschüssi,

Christian

Jetzt bleibt nur die Frage: warum ist rollende Reibung stärker
als rutschende? Wie kann man das physikalisch begründen?

Genau, das verstehe ich auch nicht. Ich habe in der Schule jedenfalls folgendes gelernt:

Haftreibung > Gleitreibung > Rollreibung

Ist ja auch irgendwie logisch, sonst würde man ja Sprit sparen, wenn man mit angezogener Handbremse fährt :wink:

Ich stelle mir das in etwas so vor (ist aber pure Vermutung):
ABS macht so eine Art ständigen Wechsel zwischen Gleit- und Rollreibung und verhinder dadurch, das sich eine bestimmt Stelle des Reifens übermäßig erhitzt, was vermutlich den Reibungskoeffizienten herabsetzen würde.

Könnte das sein?

Ciao
Journey

Jetzt bleibt nur die Frage: warum ist rollende Reibung stärker
als rutschende? Wie kann man das physikalisch begründen?

Das ist so:
Die Oberflächen der beiden sich berührenden Körper (also Rad
und Strasse) sind natürlich nicht glatt sondern bestehen aus
lauter Höhen und Tiefen. Stell sie dir wie Schleifpapier vor,
oder noch besser: stell dir einen Querschnitt der beiden
Oberflächen in Fahrtrichtung vor. Das sieht dann aus wie zwei
sich entgegenstehende unregelmässige Sägeblätter.
Wenn das Rad auf der Strasse steht greifen Zacken der
Radeoberfläche in Löcher der Strassenoberfläche und umgekehrt.
Um das Rad zu Verschieben muss man soviel Kraft aufwenden, dass
die Zacken aus den gegenüberliegenden Vertiefungen gleiten, die
begrenzende Zacke überwinden und in die nächste Vertiefung
rutschen. Das Rad wird also ein winziges Stückchen angehoben
und fällt dann wieder tiefer.
Wenn das Rad jetzt entlang der Strasse rollt, greifen dann
dauernd Zacken der Oberfläche des Rades in Vertiefungen der
Strasse und umgekehrt, das Rad haftet also recht gut.
Wenn das Rad jetzt blockiert und die beiden Oberflächen
relativ schnell anneinander vorbeigleiten haben die Zacken
nicht mehr die Zeit, ganz in die gegenüberliegenden Vertiefungen
zu fallen sondern die Spitzen der einen Zacken stossen schon
auf die Flanken der gegenüberliegenden Zacken. Die Oberflächen
können sich nicht mehr so stark verhaken.
Wenn du dir zwei gegenüberliegende Sägen vorstellst, kannst du
dir das halbwegs veranschaulichen:
Eine Säge liegt am Boden, die Zacken nach oben, die andere
darauf die Zacken nach unten.
Wenn die Sägen relativzueinander stillstehen, greifen die Zacken
ganz ineinander. Wenn ich die obere Säge jetzt langsam ziehe,
wird sie langsam über die untere Säge dahinrumpeln. Je schneller
ich sie aber ziehe, um so weniger tief fallen die Zacken
ineinander und um so leichter kann ich sie ziehen.
An dem Beispiel sieht man auch schön, wovon die Stärke der
Haftung abhängt:

  1. vom Anpressdruck: je fester die beiden Sägen aneinandergedrückt
    werden, desto besser haften sie.
  2. von der Geschwindigkeit mit der sie aneinander vorbeigleiten:
    je schneller, umso geringer ist die Haftung.

So, ich hoffe, das war halbwegs verständlich.
Christof

Rollreibung ist die beim Fahren (sehr gering, wenig Sprit)
Gleitreibung ist die beim Vollbremsen (mehr, guter Bremsweg)
Haftreibung ist die bei ABS- oder nicht-voll-bremsung. Das ist vielleicht nicht einsichtig, aber:

Ein Rad das rollt, REIBT nicht mit Gummi über den Asphalt, vielmehr ist jeder Gummipunkt, für den Zeitpunkt, wo er am Asphalt klebt in Ruhe(Haftreibung). Beim Normalen Fahren haftet nichts, beim Bremsen aber muß ich jeden mm neu die „Haftung“ durchbrechen, daher das gute Bremsverhalten.

achim

war didaktisch nicht gut, aber ging so schnell nicht besser