Hallo,
tut mir leid meine Frage so verklausuliert und abstrakt zu stellen aber in Wesentlichen dreht es sich bei mir um Folgendes: Vor ungefähr drei Wochen bin ich durch ein Ereignis in meinem Leben in ein aus meiner Sicht relativ extremes Loch gefallen. Was das genau war, möchte ich im Detail gar nicht beschreiben, schlichtweg weil ich glaube, daß es einerseits zu kompliziert ist, als daß ich alle Aspekte und v.a. alle Auswirkungen auf mich hinreichend bildlich erklären könnte und ich andererseits der Meinung bin, daß fremde Leute - daß bleibt man ja im Internet im Grunde genommen - ohne Einblick in meine Situation, keine großartig hilfreichen Ratschläge geben können, die über allgemeine Plattitüden hinausgehen (was nicht heißen soll, daß die Plattitütden zwangsläufig jeglichem Wahrheitsgehalt entbehren würden - sie helfen mir momentan nur einfach nicht weiter). Nur damit man sich vielleicht eine ungefähre Vorstellung machen kann: Es dreht sich im Prinzip alles um eine Frau und einen unerfüllten Beziehungswunsch meinerseits.
Meine persönliche Situation präsentiert sich momentan so: Wenn ich mich abends hinlege, liege ich stundenlang wach, und schlafe meistens erst in den frühen Morgenstunden (d.h. gegen 5-6 Uhr) ein und werde nach ungefähr drei Stunden wieder wach und kann nicht weiterschlafen. Ich bin zwar tagsüber nicht wirklich müde, aber nachdem daß jetzt schon einige Zeit so geht, merke ich, daß mir der Schlaf fehlt.
Ansonsten drehen sich meine Gedanken permanent im Kreis und ziehen mich extrem runter. Das geht soweit, daß ich in letzter Zeit mehrmals täglich heule, was bei mir zuletzt vor 10 Jahren vorgekommen ist.
Ich rauche täglich mehr als 50 Zigarretten, esse in einer Woche soviel wie andere in 2-3 Tagen (habe einfach keine Appetit) und meine Wohnung sieht aus wie eine Müllkippe.
Morgens kann ich mich zwar noch aus dem Bett bewegen, aber ich weiß nicht mehr wofür eigentlich. Einfachste Dinge überforden mich. Triviales Beispiel: Vorgestern wollte ich zum Friseur gehen. Auf dem Weg dahin wurde ich durch verschiedene Dinge (d.h. hauptsächlich durch das, was mir im Kopf rumging) so runtergezogen, daß ich mich schwer zusammenreißen mußte nicht in Tränen auszubrechen. Als ich dann da war, sah ich mich völlig außerstande mir von irgendjemand in den Haaren rumfummeln zu lassen und dabei fröhlich smalltalk zu betreiben und bin unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren und habe erstmal stundenlang vor mich hingeheult. Das ist mir wirklich peinlich, weil ich bis vor kurzem relativ hart im Nehmen war.
Hinzu kommt, daß sich mein Freundeskreis im Grunde genommen auf genau eine Person beläuft und die kann ich auch nicht permanent für meinen Scheiß in Beschlag nehmen.
Auch zu meiner Restfamilie besteht keine nennenswerte Verbindung, sodaß ich relativ vereinsamt bin.
Was in meine momentane Stimmung sicherlich mit einspielt, aber definitv nicht der Auslöser ist, ist der Umstand, daß ich vor zwei Monaten arbeitslos geworden bin, und eigentlich fleissig Bewerbungen schreiben und Vorstellungsgespräche arrangieren müßte. So wie es mir momentan geht, fühle ich mich aber nicht in der Lage, meine eigenen Vorzüge gegenüber einem Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt anzupreisen.
In den letzten Tagen wußte ich mir am Abend nicht anders zu helfen, als mich zu betrinken. Jetzt gerade schaue ich auf sieben vor mir stehende leere Bierflaschen, was wahrscheinlich der einzige Grund ist, aus dem ich zu diesem seelischen Offenbarungseid bereit war (für den ich mich, wenn ich das alles im nüchternen Zustand nochmal lese wahrscheinlich ziemlich schämen werde).
Das erschreckt mich, weil ich es einerseits geschafft habe, meinen durchschnittlichen Alkoholkonsum der letzten zehn Jahre innerhalb von zwei Tagen zu verdoppeln, und weil ich merke, daß es zwar nicht dazu führt, daß es mir nicht mehr miserabel ginge, aber alles doch ein wenig abdämpft und insofern schnell zur Gewohnheit werden könnte.
Schlußendlich denke ich zumindest seit der letzten Woche darüber nach, wie ich dieser ganzen Sache ein schnelles Ende setzen könnte. D.h. wie ich mir ein Ende setzen könnte.
Es besteht zwar bestimmt nicht die Gefahr, daß ich morgen vom Dach springe oder mich vor eine Zug werfe, aber letztlich nicht etwa weil ich mich nicht so fühlen würde, sondern einfach deshalb, weil ich eine zu methodische Person bin, und mich der Gedanke vor schmerzhaften, unüberlegten und unsicheren Kurzschlußreaktionen zusammen mit der Überlegung, daß ich sowas unmöglich auf die Schultern erwähnter Frau legen könnte, abhält.
Kurzum: Auch wenn ich darüber relativ distanziert rede, geht es mir momentan dreckig, wie es mir noch nie vorher ging.
Deshalb will ich am Montag mit meinem Hausarzt über Antidepressiva sprechen.
Mir ist klar, daß die keineswegs eine Lösung für meine Probleme wären,
aber es kann unmöglich so weitergehen, und für den konkreten Moment sehe ich keinen anderen praktikablen Ausweg.
Da mein Wissen über derartige Psychopharmaka relativ oberflächlich ist, hier nun nach langer Vorrede meine Fragen:
Kommen Antidepressiva - jedenfalls soweit ich meine Situation geschildert habe - für mich überhaupt in Frage, d.h. würden sie mir etwas nutzen?
Muß ich damit rechnen, daß sie persönlichkeitsverändern wirken? D.h. in dem Sinne, daß ich dann nicht mehr verliebt wäre, oder meiner eigenen Situation gegenüber lethargisch (naive Frage, ich weiß)?
Grüße und danke im Vorraus