Antidepressiva bei Schlafstörungen?

Hallo zusammen,

Ich habe schon immer das Problem, dass ich extrem viel wahrnehme, was auf der einen Seite eine sehe hohe Kreativität mit sich bringt, auf der anderen Seite immer wieder Schlafprobleme verursacht. Mit 16 habe ich das erste mal Cannabis probiert und war von der Wirkung fasziniert. Ich habe angefangen abends immer etwas Cannabis zu nehmen, um schlafen zu können. Das ganze geht jetzt seit 8 Jahren so. Leider bin ich teilweisse auch durch die Kombination mit Nikotin in extreme Suchtzustände geraten. Irgendwann habe ich nur noch für den nächsten Joint gelebt und konnte nur noch etwas empfinden wenn ich high war.

Mein normales Leben lief erstaunlicherweise extrem erfolgreich. Aber ich selber bin in letzter Zeit in so extreme Phasen abgerutscht (5 Gramm Weed am Tag waren keine Seltenheit!), dass ich unbedingt davon weg will.

Das Problem ist nur, wenn ich die ersten Entzugserscheinungen hinter mir habe, dass ich extrem Aktiv werden, den ganzen Tag arbeite, Sport mache, lese und abends einfach im Bett liege und alles durchdenke, und mal wieder nicht einchlafen kann.

Jetzt war ich mit dem Problem bei einem Arzt, dieser hat mir Antidepressiva empfohlen besser gesagt: Amitriptylin-neuraxpharm 10 mg welche ich über 3 Monate ein nehmen soll.

Allgemein scheint, das Mittel genau für, dass richtige zu sein:
http://www.netdoktor.de/medikamente/100008594.htm

Ich habe aber allgemein Respekt vor Sachen die in mein Gehirneingreifen, auch sonnst nehme ich eigentlich absolut keine Schulmedizin.

Meine grösste Angst ist, dass ich betäubt werde, meine Kreativität (die mein absolutes Kapital ist!) verliere, abstumpfe usw.

Würde mich sehr über weitere Erfahrungen mit diesem Medikament oder allgemein mit Antidepressiva freuen.

Liebe Grüsse
Tanja S.

Eine Lösung ohne Chemie!?
Ich habe gerade im Web noch einen weiteren Hinweiss gefunden:

„hochdosierte Johanniskrautdragees besitzen eine fast identische Wirkung wie SSRI (selektive Serotonin Wiederaufnahmehemmer), sind jedoch natürlich und frei verkäuflich. Die Wirkung setzt bei beiden Präparaten erst nach 2 bis 4 Wochen ein“

Weiss jemand was darüber?

Liebe Grüsse
Tanja

Hallo!

Normalerweise ist es bei den tryziklischen Antidepressiva so, dass sie vordergründig stimmungsaufhellend und antriebssteigernd wirken. (Deswegen hatte ich mich gewundert, dass Du das bei Unruhe verschrieben bekommst.) Das Amitriptylin entfaltet aber erst eine dämpende Wirkung, bevor die Stimmungsaufhellende eintritt.
Das was da als „dämpfend“ beschrieben wird ist aber eigentlich nur ein Ins-Gleichgewicht-bringen der Botenstoffe in Deinem Hirn, also wirst Du dadurch nicht betäubt oder sediert. Vielleicht fühlst Du Dich in der „Einschleichphase“ manchmal leicht „matschig“, aber anfängliche Nebenwirkungen von dieser Art kann man einem Medikament ja zugestehen. (Man kann davon auch mehr als 60 mg /Tag einnehmen, also sollten 10 mg keine allzu großartige Wirkung auf Deine Denkprozesse haben). :wink: Das Medikament wird auch bei Migräne oder chronischen Schmerzen verschrieben, wäre doch schlimm, wenn alle Kopfschmerzpatienten dann ohne Kopfschmerzen, aber nicht mehr ansprechbar wären. :wink:

Du kannst dem Medikament ja eine Chance geben und 4 Wochen abwarten. Bis dahin solltest Du eine Veränderung bemerkt haben.

Sehr hochkonzentrierte pflanzliche Mittel können auch helfen, es dauert nur wirklich einige Zeit! Da aber bloß nicht in den nächsten Schlecker gehen und Johanniskrautkapseln kaufen, sondern direkt zur Apotheke. Die Kombination der Wirkstoffe macht einiges aus.

„Moradorm“ (Hersteller:Bouhon) könntest Du versuchen. Die Inhaltsstoffe sind Baldrian, Hopfen und Passionsblume und recht hoher Konzentration. „Kytta Sedativum“ hat die gleichen Wirkstoffe in etwas niedrigerer Konzentration und ist dementsprechend günstiger. Vielleicht fragst Du nochmal in der Apotheke nach.

Liebe Grüße,
Christine

Chemie muss nicht immer falsch sein
Hallo,

also nachdem Du in letzter Zeit Deinen Körper mit so viel natürlichen Suchstoffen überstrapaziert hast, würde ich bei ein bißchen Chemie nicht zurückschrecken. Schließlich haben Medikamente einen Reinheitsgrad und sind relativ spezifisch in ihrer Wirkung. Ganz im Gegensatz zu den natürlichen Produkten wie Canabis und Zigaretten…

Da würde ich eher für Chemie sein als mit natürlichen Produkten herumzudoktoren. Bei solchen massiven Störungen würde ich dem ärztlichen Rat vertrauen.

Gruß
Juhe

Vielleicht ist das auch was für das Sucht-Brett… da sollten doch einige mit Erfahreungen sein.

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Hallo Tanja

Das was du jetzt hast sind Enzugserscheinungen.8 Jahre Cannabis Konsum sind schon eine lange Zeit und das Zeugs macht auch hochgradig abhängig.

So weich ist diese Droge gar nicht.

Das mit dem schlafen pendelt sich aber wieder ein auch wenn es lange dauern sollte.

Also ehrlich gesagt bevor ich Amitriptylin nehmen würde solltest du doch lieber erst einmal pflanzliche Sachen ausprobieren.

Ich selbst nehme auch Antidepressiva Trimipramin zum schlafen,Setralin und Promethazin.

Das schlafen funktioniert auch sehr gut mit dieser Kombination.

Du kannst dich ja auch gerne einmal informieren über Antidepressiva und zwar auf folgender Seite:http://www.adfd.org/forum/viewtopic.php?p=4734

Auch diese Medikamente sind nicht ganz ohne und machen meiner Meinung nach auch abhängig auch wenn die Pharmaindustrie uns etwas anderes vorgaukelt.
Ein Riesengeschäft eben.

Am besten du suchst dir einen guten Therapeuten/in die/der mit dir eine Verhaltenstherapie macht oder was sie/er eben vorschlägt.
Aber einen der sich mit Sucht auskennt wenn möglich.

Hast du dir das Zigaretten rauchen auch schon abgewöhnt?

Wünsche dir gaaaaanz viel Kraft und Geduld

Freundliche Grüsse vom Zitronenfalter

P.S.Bist übrigens sehr hübsch in deiner Vika :wink:

Hallo, Tanja,

erst einmal habe ich einige Fragen, deren Beantwortung bei der Klärung Deiner Frage hilfreich wären.

Zum einen ist mir aufgefallen, daß Du

allgemein Respekt vor Sachen [hast] die in [Dein] Gehirneingreifen

aber dennoch 8 Jahre lang jeden Tag Cannabis zu Dir nimmst. Hat sich Deine Abneigung gegenüber psychotropen Substanzen erst durch Deine Cannabisabhängigkeit entwickelt oder wie erklärt sich dieser Widerspruch?

Außerdem wäre es wichtig zu wissen, ob Du weiterhin Cannabis konsumierst: Hast Du das Cannabis abgesetzt?

Schließlich ist es zur Beantwortung Deiner Frage notwendig zu wissen, wogegen Dir Dein Arzt das Amitriptylin verschrieben hat. War dem Arzt klar, daß Du regelmäßig Cannabis nimmst? Soll das Medikament gegen Deine nächtlichen Grübeleien und gegen die Schlaflosigkeit helfen?

Grüße,

Oliver Walter

Hi Tanja,

Ich habe aber allgemein Respekt vor Sachen die in mein
Gehirneingreifen, auch sonnst nehme ich eigentlich absolut
keine Schulmedizin.

Ich will da auch ein bisschen einhaken. Also ich habe schon oft von Kiffern gehört (bzw. selber daran geglaubt) „was aus der Natur kommt kann ja nie so schädlich sein wie etwas synthetisches“. Vorallem wenn es um die Argumentation gegen die These „Marihuana als Einstiegsdroge“ geht (also im Vergleich zu XTC etc).

Nur die Sache ist die - was denkst du was THC macht? Das „wurschtelt“ auch munter an den Synapsen rum.

Und -ohne einen direkten Vergleich ziehen zu wollen- Heroin wird auch auf der Basis eines natürlichen Rohstoffes hergestellt, und Blausäure kommt auch natürlich in Pflanzen vor.
Und andererseits „Chemie“ steckt auch im Essen und wird von den meisten Menschen täglich konsumiert.

Ich finde da wird dieser Punkt, ob synthetische Stoffe „gut oder böse“ ist sehr relativ.

Und zum Antidepressiva: es kann helfen… Johanniskraut hat aber bei mir persönlich so rein gar nicht gewirkt, und ich schätze so den richtigen „Aha“-Effekt, wirst bei deinen bisherigen Konsumgewohnheiten, wahrscheinlich auch nicht haben.

Nichtsdestotrotz - ich wünsch dir alles Gute! Nutz dein kreatives Potential… Finger weg vom Alkohol und toitoitoi :wink:
mfg
Matze

ja…
hi tanja,

deine sorge in bezug auf das medikament sind verständlich. es gibt einen denkansatz dazu, der dir vielleicht weiterhelfen kann, so hooffe ich:
deine „drogenfreudigkeit“ ist möglicherweise dadurch entstanden, dass du gemerkt hast, wie gut dich cannabis und nikotin beeinflussen können. du beschreibst ja noch andere angenehme effekte, z.b. dass du unter einfluß von diesen giften besser einschlafen, besser empfinden und deine extreme aktivität managen kannst. dies zeigt quasi den jahrelangen versuch, dich selbst mit etwas zu versorgen, daß dir hilft. leider machen diese gift sehr süchtig und haben starke gesundheitsschädliche nebenwirkungen. die idee von deinem arzt ist eine sehr gute, nämlich dir ein medikament zu verschreiben, das dasselbe wirkungssprektrum hat wie deine „lieblingsdrogen“, nur dass das medikament legal und ohne suchtwirkung und mit viel weniger gefährlichen nebenwirkungen wirkt. außerdem ist die einnahme von erstmal drei monaten eine gute testphase, um anschliessend zu sehen, wie die wirkung, eventuelle nebenwirkungen und das weitere vorgehen zusammen mit dem arzt bestimmt werden kann.

was auf jeden fall lohnt, ist der blick auf die ursachen deiner extremen aktivität, die psychiatrisch gesehen, viele ursachen haben kann. einige deiner schilderungen könnten, achtung: könnten!, auf ein mögliches hyperaktivitätssyndrom hinweisen, das du beim spezialisten (spezialist auf „ads“ bei erwachsenen) abklären lassen solltest. sowohl die extreme aktivität, als auch deine natürliche reizoffenheit, aber auch deine kreative stärke passen in das diagnoseschema einer unterform der ads. sollten diese symptome mit dem antidpressivum verschwinden oder sich deutlich bessern, könnte das diesen verdacht ebenfalls stützen. hinzu kommt, dass ads-betroffene in der regel von jahrelangen selbstmedikationen mit joints und alkohol berichten und schnell von ihnen abhängig werden können.

dass du dich jetzt behandeln lässt, ist genau richtig!

andere ursachen sind für deine symptome genauso möglich (ferndiagnosen per internet sind ja eher quatsch!), wichtig ist eben nur, dass du hinschaust, was dich denn antreibt und nicht schlafen läßt. bezogen auf das medikament stellt ein antidepressivum niemanden ruhig (das tun sog. sedativa), sondern bewirken im hirnstoffwechsel einen besseren „durchmarsch“ von den anregenden und positiv stimulierenden „gut-drauf-stoffen“, die im hirn natürlich vorkommen. ein anregendes medikament gegen zu hohe aktivität? ja, denn es gibt eine stelle im gehirn, die auch die reihenfolgen von handlungen oder das ausmaß von wahrnehmung steuert, quasi eine „dirigenten“. wenn man den weckt, klappt vieles besser. aber es gibt da noch andere wirkungen, die helfen.

ganz sicher bleibt deine kreativität unter einfluss von dem antdepressivum erhalten, wahrscheinlich bessert sie sich sogar, ähnlich einem guten bergsteiger, der erstmals eine karte zur hand hat und nun noch besser vorwärtskommen kann.

irgendwann müßtest du nur deine ursachen abklären und das medikament wieder überflüssig machen, das geht mit psychotherapie. mail mich ruhig an, wenn du fragen hast.

Erst mal vielen Dank für alle eure Antworten…

Ich werde jetzt weiterhin die Tabletten nehmen aber nur 10mg am Tag und nach 4 Wochen entscheide ich dann wies weiter geht.

Zwischenzeitlich habe ich auch noch erfahren, dass Johanniskraut eine ähnliche Wirkung hat. Sollte es mir in 4 Wochen nicht besser gehen (wobei ich eigentlich schon jetzt sehr gut schlafen kann!) dann probiere ich das mal aus.

Eine allgemeine Frage: Warum nimmt nicht jeder Antidepressiva? Ist doch angenehm wenn man etwas besser drauf ist!?

Hört sich sehr naiv an die Frage aber ich kann mir gerade keine Antwort darauf geben und darüber hinaus habe ich bei meiner Internet Recherche erfahren, dass Millionen Amerikaner das Antidepressiva „Prozac“ als Modedroge nehmen um einfach etwas besser drauf zu sein…

Liebe Grüsse
Tanja

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doping!
hi tanja,
dass doping wirkt, kann niemand bestreiten. und so wirkt ein antidepressivum bei kranken und auch bei gesunden. die frage ist nur, wo der unterschied zwischen medikamentengebrauch gegen krankheiten und mißbrauch von medikamenten liegt.

ich würde niemandem raten, gegen verstimmungen oder zur „allgemeinen stimmungsaufbesserung“ antidepressiva zu nehmen. der suchtfaktor auf der gewöhnungsebene ist kritisch zu sehen, wie auch noch etwas: ist es im interesse unserer gesellschaft, nur noch chemisch aufgehellte charaktäre und persönlichkeiten um uns zu erzeugen? wo liegt die wertschätzung von niedergeschlagenheit, emotionalem tiefgang, langsamkeit, abweichung von der leistungsnorm und anderen zuständen, die von der gutdraufleistungbringen-stimmung abweichen? hör mir auf, da krieg´ich schnell zuviel und starke bedenken.

außerdem scheint da in den usa eine verschiebung der drogen zu passieren: weg vom trinker, hin zum schlucker von happy-chemo-pillen. bestand hat dabei aber das bedürfnis nach angepaßtheit, emotionsunterdrückung und leistungsbereitschaft. na gute nacht!