Antidepressiva verschreiben

Hallo,
ok der Passiv war mir entfallen. Besprich das mit Deinem Arzt. Es wäre sicher sinnvoll ein abgespecktes Sportprogramm weiterzubetreiben. Neben der evtl. ohnehin schon vorhandenen Latenz für psychische Probleme machst Du momentan garantiert das durch, was schon x Ex-Leistungssportler vor Dir durch gemacht haben. Nichts was massiv in die Biochemie eingreift (und genau das tut Leistungssport) sollte abrupt abgesetzt werden.

Gruss
Enno

Hallo,

Hier noch eine weitere Ergänzung (das hat jetzt nichts mehr mit Lyra zu tun, könnte aber den Einstieg bieten für eine allgemeinere Diskussion über Nutzen und Schaden von Psychopharmaka bzw. das richtige Verhältnis von Psychopharmaka und Psychotherapie).

In der Zeitung las ich, eine Meinungsumfrage in deutschen Fußgängerzonen habe ergeben, daß 87 % der Bürger der Meinung sind, eine akute schizophrene Psychose (mit Halluzinationen und Wahn) gehöre ausschließlich *psychotherapeutisch* behandelt.
Sowas ist natürlich Quatsch, ein solch akutes Krankheitsbild ist eine Domäne der Neuroleptika-Behandlung.

Schiweriger wird die Sachlage bei z.B. Depressionen und Angststörungen. Nicht zuletzt aus berufsständigen und abrechnungstechnischen Gründen plädieren da traditionell die Ärzte für Pharmakotherapie und die Psychologen für Psychotherapie (in diesem Board scheint mir hauptsächlich die letztgenannte Priorität vertreten zu sein).

In Wirklichkeit liegt die Wahrheit in der Mitte, und es kommt entscheidend auch auf den *Schweregrad* der Erkrankung an.

Leichte Depressionen können auch rein mit Psychotherapie und ohne Medikamente geheilt werden. Bei schwersten Depressionen ist es eher umgekehrt: da man mit den völlig versteinerten Patienten kaum ein Gespräch führen kann und sie eine konfliktbearbeitende Psychotherapie völlig überfordern würde, steht hier eher die Pharmakotherapie im Vordergrund.

In den meisten Fällen (mittelschwerer Störungen) ist eine schrittweise Kombination am besten. Bei schweren Angsterkrankungen
kann es beispielsweise sinnvoll sein, dem Betroffenen in den ersten Tagen niedrigdosiert Benzodiazepine (wie Tavor, Tafil, Adumbran oder Valium) zu geben, bis nach 1-2 Wochen der gleichzeitig verschriebene SSRI anfängt zu wirken, dann die Benzodiazepine wieder auszuschleichen und den Patienten für eine Psychotherapie anzumelden.

Das Medikament soll also die Zeit bis zur Aufnahme einer ambulanten Psychotherapie überbrücken (da, wo ich wohne, haben die niedergelassenen Psychotherapeuten Wartezeiten von 6-12 Monaten!!!). Wenn die Psychotherapie dann wirklich greift, kann das Präparat später allmählich wieder abgesetzt werden.

*So* wäre es richtig, doch leider werden da viele Fehler gemacht, wie z.B. von:

a) Psychologen, die Ressentiments gegen Psychopharmaka haben und ausschließlich psychotherapeutisch versuchen, das Problem anzugehen
(wodurch Krankheitsverläufe oft unnötig protrahiert werden).

b) Ärzten - insbesondere Hausärzten -, die ausschließlich auf Medikamente setzen und den Patienten nicht ausreichend für die Notwendigkeit einer anschließenden Psychotherapie motivieren.

Ferner ist mir noch aufgefallen, daß gerade junge depressive oder Angst-Patienten mit einer *Drogenkarriere* sich oftmals mit Händen und Füßen degegen wehren, ein Psychopharmakon einzunehmen, da sie „keine Chemie in ihren Körper lassen“ wollen (scheinbar wurden
Cannabis, LSD und Ecstasy *nicht* als „Chemie“ empfunden…).

So weit also.
Wenn Interesse besteht, könnten wir in diesem Zusammenhang ja mal über diese prinzipiellen Probleme diskutieren (ob hier oder unter separatem Titel, dazu kenne ich mich bei wer-weiss-was noch zu wenig aus), also über das Image von bzw. die (Vor-)Urteile gegenüber Psychopharmaka einerseits und das Verhältnis zwischen pharmako- und psychotherapeuticher Behandlung psychischer Erkrankungen im allgmeinen.

Viele Grüße,

Dr. Stefan Müschenich

Könnte mir bitte mal jemand darüber Auskunft geben, wer
Antidepressiva verschreiben darf/ das normalerweise tut??
Allgemeinmediziner?
Therapeut?
jede Apotheke??

Antidepressiva kann dir jeder Arzt verschreiben, meistens machen das Hausärzte oder Psychiater. Achtung: Psychologen sind keine Ärzte und dürfen daher auch keine Medikamente verschreiben.

Du solltest allerdings vorsichtig sein mit jeder Art von Psychoparhmarka. Es stimmt schon, dass Ärzte schnell verschreiben, aber was hast du davon? Wenn nicht gerade ein Placebo-Effekt einsetzt, dann gar nichts, denn Antidepressiva machen eigentlich nur Sinn in Verbindung mit einer Therapie. Und ihrer großen Risiken und schweren Nebenwirkungen wegen solltest du dir eine Einahme gut überlegen.

Levay

Tja, Lyra, das hast Du vorher nicht geschrieben… Schade
eigentlich, denn ich fühle mich aufs Glatteis gelockt mit
meiner Anteilnahme…
Dennoch:
wünsche Dir, dass Du Deinen Weg findest…
LG, Anja

Tut mir Leid Anja, ich wollte dich bestimmt nicht aufs Glatteis führen. Wäre wohl besser gewesen, hätte ich es nicht geschrieben…
Tut mir wirklich Leid, bitte bitte nicht allzu böse sein…

gmp Lyra

Hallo,

der Psychiater, und bei entsprechendem Befund auch ein normaler Arzt.

Grüße
Susi

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