Hallo,
als ich deinen Beitrag gelesen habe, habe ich gemeint, ich lese mein Leben
)
Mir geht es haargenauso im Moment.
Es ist schwierig, zu entscheiden, ob man Antidepressiva als „Krücke“ mitnimmt, oder nicht.
Sie sind keinesfalls „Problemlöser“. Wenn man an eine Einnahme denkt mit dem Hintergedanken, dass löse irgendwelche Probleme oder Sorgen, wird man bitter enttäuscht.
Es mag Indikationen geben, für die sie doch angezeigt sind, z.B. Zwänge sind therapeutisch nur schwer zugänglich, angeblich medikamentös besser in den Griff zu bekommen.
Wie gesagt, angeblich. Ich habe wegen diverser Kontrollzwänge SEROXAT genommen. Das ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, kein trizyklisches Antidepressivum.
Erfahrungsgemäß hat jeder ganz eigene, andere Erfahrungen mit diesen Medikamenten.
Ich hatte auf SEROXAT extremes Zittern und Schwindel, Flimmern vor Augen - recht „toll“ bei Bildschirmarbeit übrigens
)
Es hatte gegen Zwänge und Depressionen GAR keine Wirkung gehabt (1 Jahr eingenommen).
Wohl aber gegen meinen damaligen Liebeskummer und meine Soziophobie.
Merkwürdig daran ist allerdings, dass ich diese Wirkung nur indirekt durch das Feedback anderer merkte, nicht direkt selbst. Ich MEINTE, keine andere Wirkung in zwischenmenschlichen Kontakten zu haben,aber die ANDEREN haben mich angesprochen, ich hätte eine Ausstrahlung wie wenn ich frisch verliebt wäre, und was denn mit mir bloß los sei, weil ich so strahle … dass war mir selbst nicht so bewusst - muss aber wohl so gewesen sein, sonst hätten andere, auch Fremde, das nicht so wahrgenommen.
Aufgrund der starken Nebenwirkungen musste ich es aber absetzen.
CITALOPRAM ist auch eines aus dieser Gruppe, bei mir völlig ohne jede Wirkung - aber auch ohne Nebenwirkungen, bis auf ein bisserl Hautausschlag.
ZOLOFT habe ich bis vor kurzem genommen - starke Nebenwirkungen in Hinblick auf starkes allg. Schwächegefühl und Hautausschlag und - ganz übel, wenn es einem eh schon dreckig geht - unbestimmte Angst- und Beklemmungsgefühle. Sowas soll sich zwar angeblich in den ersten 2-3 Wochen zurückbilden, nachlassen, aber weit gefehlt - ich hatte es ständig, da ließ nichts nach. Also abgesetzt.
Derzeit nehme ich gar nichts, denn ich bin mir mittlerweile nicht mal mehr sicher, ob das überhaupt was nutzt. Von Stimmungsaufhellung keine Spur, aufgrund der Nebenwirkungen hat man, finde ich, eher noch mehr Probleme, als man ohnehin schon genug hat.
Also mache ich ganz herkömmlich eine Therapie, hab mir aber einen Therapeuten gesucht, der wirklich ganz pragmatisch an meine Probleme rangeht. Eine Art „Kaffeeklatsch“ in dem Sinn, hingehen, er fragt „wie war die Woche“, ich sage „schlimm“ und erzähle, wie die Woche war, und die Stunde ist rum … das bringts nicht.
Entsprechend der eigenen Probleme muss wirklich in einer Therapie GEARBEITET werden und nicht nur blablabla. Plaudern kann man mit Freunden oder notfalls der Telefonseelsorge auch.
Aber schon immer hatte ich
Probleme, Beziehungen zu finden und Kontakte überhaupt.
Deshalb diesbezüglich wenig Selbstvertrauen und Hang zu
Traurigkeit.
Das kenne ich nur zu gut aus eigener Erfahrung. Aber mit Tabletten hab ich es nicht lösen können.
Ich bin mit der Therapie der Sache auf den Grund gegangen, denn für dieses Übel gibt es Ursachen!
Die eine Ursache ist recht banal: Minderwertigkeitsgefühle, wenig Selbstvertrauen, kein Selbstwertgefühl. Die andere(n) Ursachen liegen meist in Kindheits-/Erziehungsfragen.
Da muss gearbeitet werden, nicht geschluckt werden! Mit jeder Therapiestunde, die ich eine neue Erkenntnis gewonnen habe, bzw. mit jeder Stunde, in der wir konkret was „gearbeitet“ haben, habe ich ein klitzekleines Stückchen Vertrauen mehr in mich gewonnen und die ersten zwei, drei Tage hatte ich die Stärke, auf andere sicherer zuzugehen. Das ließ dann zwar nach 3 Tagen wieder nach, aber ich denke, mit fortschreitender Therapie kann man dieses „konservieren“.
Ich halte auch aus eigener Erfahrung gar nichts vom Rumdoktorn an Symptomen, sei es mit Medikamenten oder z.B. mit verhaltenstherapeutischen Übungen. Sie bekämpfen allenfalls Symptome, die Ursache bleibt weiterhin verschüttet und tritt irgendwann, wenn man mal keine Medikamente mehr nimmt, umso heftiger zutage.
Für alles gibt es eine Ursache; jeder menschlichen Reaktion, jeder Reaktion des Körpers, der Psyche auf etwas, geht eine Ursache voraus. An DIE muss man ran. Oft muss man da mit einer Psychoanalyse tief graben - das aber lohnt sich sehr!
Seit fast zwei Jahren gehe ich in Therapie. Trotzdem komme ich
nicht von der Stelle.
Viel zu lange gewartet! Das ist dann definitiv die falsche Therapie und/oder der falsche Therapeut!
Ich warte maximal ein halbes Jahr in einer Therapie, wenn sich dann nicht wenigstens IRGENDWAS bewegt, gehe ich zu einem anderen Therapeuten. Ich habe 4 ausprobieren müssen, bis ich meinen jetzigen gefunden habe, wo der Draht absolut passt, wo seine Herangehensweise absolut sich mit meinen Vorstellungen vom Fortkommen deckt. Das ist immens wichtig. Man darf sich nicht blind auf einen Therapeuten verlassen, so nach dem Motto, der wirds schon richten - 6 Monate, denke ich, sind adäquat, herauszufinden, ob man mit dem Therapeuten kann oder nicht, ob aber auch ER mit einem kann, sprich, einem ein bisserl wenigstens wieder „auf den Weg“ helfen kann. Vieles braucht Zeit, lange Zeit oft, aber wenn man selbst das Gefühl hat, zu stagnieren, dann sollte man über einen Wechsel nachdenken.
Wenn ich unter Menschen gehe, habe ich
den Eindruck, mir fehlt die „Ausstrahlung“, um auf Menschen zu
wirken und werde nicht wahrgenommen, bin mangels Übung von
Smalltalk-Situationen überfordert, mit einer Frau zu flirten,
dazu fehlt mir überhaupt jedes Selbstvertrauen, fühle mich
nicht akzeptiert, bloß geduldet, bin aufgrund vieler
entsprechender Erfahrungen mehr oder weniger soziophobisch.
Geht mir 1:1 genauso - nur eben mit Männern. Als Frau hab ich es da doppelt schwer. Du kannst an den Symptomen nicht rumdoktorn … das alles, was du da beschreibst, hat eine Ursache. Du kennst offenbar deinen eigenen Selbstwert nicht, kannst ihn nicht leben. Frag dich warum, erarbeite das mit dem Therapeuten. Oft liegt die Ursache in extrem strenger oder in liebloser Erziehung in der Kindheit z.B. Das aufzuarbeiten, ist Aufgabe der Therapie, wenn sie Sinn machen soll.
Zäume das Pferd nicht von hinten auf, du MUSST an die Ursachen ran. Alle „Nebensächlichkeiten“ wie Kontaktaufnahme, neue Liebe, Beziehung KANN sich NUR ergeben, gesund ergeben, wenn der Ursache Herr geworden ist.
Überlege doch mal: wenn man so viele Sorgen mit sich selbst hat, wie will man da einer Partnerschaft gewachsen sein? Eine Partnerschaft darf nie Therapiefeld sein. Und welche Frau mag einen Mann, der ihr nicht eine starke Schulter bieten kann? Ich weiß, ich hab leicht reden, ich hab selbst die gleichen Problem wie du, aber ich als Frau stelle eben auch fest: Männer nehmen alle Beine in die Hand, wenn sie nur annähernd von meinen Probleme Wind bekommen - kann ich übrigens verstehen: jeder möchte ja einen starken Partner und sich nicht noch mehr Probleme aufhalsen.
Wenn du in einer Therapie dein Selbstwertgefühl aufbauen kannst, an dir arbeiten kannst, deine Probleme aufarbeiten kannst, wird sich der Rest mit der Kontaktaufnahme usw. automatisch ergeben.
Ein Tip in Sachen Kontakte wäre: such dir z.B. über den Sozialpsychiatrischen Dienst in deiner Stand (Telefonbuch!) Leute. Dort sind Gleichgesinnte, die alle ihr Päckchen zu tragen haben, mehr und weniger. Dort macht man gemeinsame Unternehmungen z.B. oder nur im Zweiter-Trupp. Der Vorteil an solchen Bekanntschaften dort ist, dass der andere tausendfach mehr Verständnis für einen hat, als ein, ich sage mal, „Normalo“, das hab ich erfahren müssen.
Antidepressivum = stimmungshebend und ev. antriebssteigernd.
Davon erwartete ich mir mehr Ausstrahlung nach außen und mehr
Handlungsfähigkeit, in der Folge auch wieder
Erfolgserlebnisse, dadurch wieder mehr Selbstvertrauen.
Das ist die falsche Reihenfolge! Selbstvertrauen, das echt und beständig ist, kommt aus einem selbst und ist nicht Produkt von Leistung, Lob o.ä. von außen, es kommt von INNEN! Nur dann ist es echt und trägt einen auch durch Krisen.
DAS wiederum zu erlernen, ist Sache des Therapeuten (wie gesagt: notfalls wechseln). Aber wie du das oben beschreibst, zäumst du das Pferd von hinten auf, das kann nicht halten und nicht gut gehen.
ERST kommst DU, arbeite Probleme aus der Kindheit auf, die womöglich URSACHE für dein geringes Selbstwertgefühl sind (Elternrolle?), DANN ergibt sich AUTOMATISCH mit der Zeit eine veränderte Ausstrahlung und daraufhin neue Kontakte. DAS ist die richtige Reihenfolge. Erzwinge nicht verbesserte Auswirkungen, Symptome, sondern geh dem Übel an die Wurzel.
er mir zu laufen und schwimmen (ich laufe auch wieder, mit
etwas Überwindung). Der Therapeut sagte ähnliches
Das höre ich auch immer wieder. Aber ich hab keine Kraft für jedwede körperliche Betätigung. Aber in der Tat, in jeder psychosomatischen Klinik ist Sport ganz oben auf dem Plan - leider
((
Beim Sport schüttet der Körper Glückshormone aus, Adrenalin, das Stresshormon, baut sich ab - alles ein Gegensteuern für Depressionen jeder Art.
Aber ich weiß, wie schwer es ist, sich aufzuraffen - ich habe es bisher nicht geschafft. Momentan ist es für mich ein Kraftakt, aufzustehen und mir ein Glas Wasser zu holen, so blöd es klingt.
mir auch, daß Erlebnisse längerfristig vielleicht doch auch
auf die mit der Stimmung zusammenhängenden Transmittersysteme
im Gehirn rückwirken.
Alles schon richtig. Aber man kann das alles so schön mit Medikamenten kaschieren, dass es einem vorübergehend VERMEINTLICH besser geht.
Aber hast du eigentlich gewusst, dass unser Unterbewusstsein einen größeren Teil unserer Psyche einnimmt als unser Bewusstsein?
Weißt du, was das bedeutet?
Die Psyche vergisst nichts!
Und wenn du nicht an die Ursachen jedweder seelischen Störung gehst, sondern sie nur schön zudeckst und ruhigstellst mit Medikamenten, dann rächt sich das über kurz oder lang in weitaus schlimmerer Version! Ich kann dich aus eigener Erfahrung nur davor warnen.
Medikamente mögen in schlimmen, z.B. suizidgefährdeten Fällen ihre Berechtigung haben, aber sie führen meiner Ansicht nach und aus meiner Erfahrung NICHT zu einem ERFOLG.
Natürlich möchte ich mir eventuelle Nebenwirkungen nicht
antun, wenn es nichts bringt.
Naja, wie schon geschrieben: man hat doch weiß Gott genug psychische Störungen und Hindernisse, sich dann noch mit körperlichen Nebenwirkungen rumzuschlagen, finde ich schlicht eine Zumutung. Ich hab es nicht weitergemacht und vertraue voll auf meinen Therapeuten UND, was mir sehr wichtig ist, auf WISSEN.
Wie heißt es so schön trivial: Wissen ist Macht.
Auch Macht über die eigene Psyche, die eigene Angst, die eigenen Zwänge. Was ich WEISS, macht mir keine ANGST mehr. Je nach Symptom gibt ja Literatur en masse. Ein guter Tip sind Bücher von Dr. Rolf Merkle oder z.B. bei mir mit einer Borderline-Störung das Buch „Ich hasse dich, verlass mich nicht“.
Auf diese ganzen Medikamente hab ich eine Grundnebenwirkung und das war eine extreme körperliche Schwäche, wie wenn ich 10 Wochen Grippe gehabt hätte. Angeblich sollte sich das nach 2 Wochen geben. Es hat sich nach einem Jahr nicht gegeben.
Jetzt bin ich aber schon depressiv, was einen auch körperlich erschöpft, und dann das noch schön „fördern“ in Form von Nebenwirkungen in Form einer unglaublichen Schwäche, ständig butterweichen Knien? Nein danke.
Ich habe übrigens für dich wie für alle mit Depressions- und Angstproblemen einen Gold werten Tip: http://www.angst-und-panik.de
Das ist ein Forum erster Sahne. Hier ist alles zu gestreut und allgemein, gut für Kurzauskünfte.
Wenn du aber fundiertere Meinungen haben möchtest, auch Hilfe im Ernstfall oder wenn es dir mal richtig schlecht geht, dann geh unter http://www.angst-und-panik.de. Dort schreiben auch Psychologen mit, und viele, viele Betroffene.
Sie haben mir aus mancher Angst herausgeholfen und mir wertvolle Tips, auch zur Medikation (gibt dafür dort eine spezielle Rubrik!).
Hoffe, dir ein wenig weitergeholfen zu haben.
Alexandra