'Antijagd'-Training

Hallo allerseits,

leider jagt mein Hund. Er ist zwar kein Hardcore-Jäger, aber in gewissen Situationen flitzt er einfach ab und ist dann nicht erst einmal nicht mehr abrufbar. Natürlich mache ich mir Gedanken über Jagdpächter, Rehkitze, befahrene Straßen und nicht zuletzt darüber, dass es nicht jeder so klasse findet, u.U. plötzlich einem frei laufenden 70-cm-Hund ohne sichtbarer Halterin gegenüberzustehen. Obwohl er sich dann wohl eher verdrücken würde, denn fremde Menschen machen ihm ein bisschen Angst.

Wir arbeiten zurzeit u.a. an diesem „Problem“, in dem ich mit ihm ein Praxisseminar für den Umgang mit dem jagenden Hunden besuchen. Themen sind dort: Schleppleinentraining, Aufbau eines Superschlachtrufs, Aufbau eines Umkehrsignals, Vertiefung des Komm-Signals, jagdliche Beschäftigung durch Futterbeutel, Blickkontakttraining, Orientierungstraining, Ablenkungstraining u.v.m.

Mich würde interessieren, ob eure Hunde auch ein „Jagdproblem“ haben oder hatten und wie ihr damit umgeht, welche Methoden ihr empfehlen könnt.

Eine Bekannte war außerdem recht erfolgreich mit dem Einsatz eines Sprühhalsbandes. Sie setzt es allerdings erst ca. drei Monate ein und von anderer Seite habe ich gehört, dass es langfristig keine Wirkung zeigen würde. Kann jemand vielleicht auch dazu von Erfahrungen berichten?

Danke und Gruß
Christiane

Hallo Christiane,

ja, das Problem kenn ich dann doch auch! Bei uns war es dasselbe unser Hund
ungefähr die gleiche Größe wie deiner, hatte auch eine Zeitlang die Angewohnheit
davonlaufendem Wild hinterher zu laufen. Genau wie du hatten wir eben auch die
Sorge, daß ein Jäger/Förster dann die Möglichkeit hat ihn zu erschießen! Auch
Autos oder andere Fußgänger könnten sich erschrecken, da man ja nicht gleich auf
den ersten Blick sieht, daß er ein lammfrommer Doofi ist!

Das was du da erzählst von dem Seminar klingt schon ehrlich gesagt, supergut!
Das mit dem Ablenken klappt teilweise auch sehr gut, wenn ich z.B.: mit ihm an
einer Stelle laufe, an der vermehrt Wildwechsel ist und ich mit ihm Stock spiele
ist da kein Versuch eine Fährte aufzuspüren.
Wir haben es eine Zeitlang mit Schleppleine versucht, also Wild aufstöbern und
dann die Schleppleine einsetzten. Da hat mein Schatz aber nicht wirklich drauf
angesprochen. Und dann haben wir, bitte verurteil mich jetzt nicht, aber mir war
es lieber so, als daß er erschossen wird, ein Teletac (oder wies auch immer
geschrieben wird) eingesetzt.
Das sind die Halsbänder mit denen man Strom abgeben kann! Ich halte absolut
nichts von diesen Bändern und würde sie auch nie zur Erziehung benutzen, außer
in diesem speziellen Fall!
Wir sind dann (oder besser gesagt mein Freund und unser Züchter, konnte und
wollte mir das nicht selber geben) los und haben Wild gesucht! Als ein Hase
gefunden, Hund los, gerufen keine Reaktion und dann auf den Knopf und
gleichzeitig mit einem lauten, deutlichen Platz verbunden!

Aber das mit dem Sprühhalsband klappt bestimmt auch, wenn sie das Sprühen mit
einem Kommando verbindet, dann kann sie das Halsband normal auch bald weglassen!
Wir haben auch nie wieder das Band benutzt, ich muß halt immer aufpassen, bevor
er losspringt, wenn er was sieht, oder ich etwas sehe, dann ruf ich Platz, er
legt sich hin (zwar ziemlich langsam, aber immerhin) und dann geh ich hin und
kann ihn anleinen. Dazu muss ich sagen, daß er höchstens 10 m von mir weggeht,
dann kann ich ihn auch schnell erreichen!

Aber so wie du das Seminar erzählt hast, klingt das genau richtig und ich wünsch
dir, daß es klappt und ihr bald ne hasenfreie Spazierzeit habt!

LG
Marisa

Aus meiner Sicht machst Du schon das richtige und optimale. Von meinen beiden wollte nur die eine am ANfang auf die Hauskatzen los…aber das haben wir Dank Hundetraining in den Griff bekommen.
Teletakt ist mittlerweile verboten, Sprühhalsbänder verlangen GROSSE Erfahrung, denn der Schuss muss erfolgen, wenn der Hund gerade darüber NACHDENKT durchzustarten, ist also nix für Laien.

Aber…einen richtig ausgeprägten Jagdtrieb wird man niemals ganz abstellen können…schon aus Tierschutzgründen sollte der Hund dann an die schleppleine, es gibt genügend Spiele die man mit seinem Hund machen kann dass er auch so seine Freude hat und ausgelastet ist.

Hallo Christiane,

Du machst schon so viel, das wird sicher auf Dauer gut wirken.
In dieser Richtung haben wir mit unseren beiden Settern auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Mit guter Erziehung und vor allem einem sicheren Abrufen ist schon das meiste erreicht. Ansonsten biete ich meiner Hündin beim Spaziergang viele Alternativen (Futterbeutel, Clickern, Ball, Suchen, Buddeln, Spielen etc). Die Hündin von meinem Mann hat gewissermaßen ein eignenes Revier (großer etwas verwilderter Garten), in dem sie Jagen darf und da kann sie sich austoben. Auf freiem Gelände läßt sie sich gut Abrufen und wir können beide daher auch bei aufgescheuchten Rehen oder Kaninchen zurückrufen.
Letztendlich jagt jeder Hund und es ist nur eine Frage, wieweit man das Steuern kann. Den Einsatz von Geräten mit Knöpfchen lehne ich ab(bis auf ganz extreme Ausnahmen und in fachkundigen Händen), weil der Laie damit viel zu schnell sehr viel falsch machen kann.
Der andere Weg (den Du anscheinend schon gehst) ist sehr viel mühevoller, aber letztlich auch erfolgreicher.

*Lästerschalter ein*
Das ist mir allemal lieber als diese ständigen Stolperfallen (auch Hütehunde genannt) die alles kommentieren und jeden Verbellen, der mir zu nahe kommt und mich möglicherweise noch in die Hacken zwicken, wenn ich das Rudel verlassen muß um mal im Gebüsch zu verschwinden.
*Lästerschalter aus*

Mit Deinem Weg hast Du sicher guten Erfolg.

Grüße
Gordie

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Danke und Info
Hallo allerseits,

erst einmal danke für eure ermunternden Worte! :smile:

Heute bin ich dann in einer Buchhandlung gaaaaaanz zufällig an Blochs Wolf im Hundepelz vorbeigekommen und konnte es nicht stehenlassen.

Wen’s interessiert - zur Kanalisierung des Jagdverhaltens stehen dort noch zwei Dinge, die mir neu waren:

f) am Hundehalsband einen Fellrest seiner „Lieblingsbeute“ befestigen, bis der Hund durch Reizüberflutung im wahrsten Sinn des Wortes „die Nase voll hat“
g) nach der Empfehlung des Hundetrainers Joachim Füger ein Stück Hartholz relativ mittig durchbohren und mit einer Kurzleine verknoten, dann den Leinenhaken am Halsband befestigen und den Hund apportieren lassen. Lässt er das präparierte Holzstück fallen, fällt es in Brusthöhe herunter und behindert den Hund schlicht und ergreifend beim schnellen Laufen.

Grüße
Christiane

Verbot Teletakt - wo geregelt?
Hallo,

Teletakt ist mittlerweile verboten, …

Wo ist das eigentlich genau geregelt?

Ich habe folgende Stellen gefunden:

TierSchG § 3
Es ist verboten,

1b. an einem Tier im Training oder bei sportlichen Wettkämpfen oder ähnlichen Veranstaltungen Maßnahmen, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind und die die Leistungsfähigkeit von Tieren beeinflussen können, … anzuwenden

11. ein Gerät zu verwenden, das durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten eines Tieres, insbesondere seine Bewegung, erheblich einschränkt oder es zur Bewegung zwingt und dem Tier dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt, soweit dies nicht nach bundes- oder landesrechtlichen Vorschriften zulässig ist.

Ein generelles Teletakt-Verbot kann ich hier nicht finden. Nach diesen Vorschriften ist es nur dann unzulässig, sofern dem Tier dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Wo findet sich das Verbot, ein Teletakt mit geringer Impulsstärke anzuwenden, wenn dem Tier dabei keine nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden?

Ich möchte hier keine Diskussion über das Für und Wider von Teletaktgeräten lostreten, es geht hier ausschließlich um die rechtlichen Grundlagen, um die es immer wieder Unklarheiten gibt. Seit Jahren heißt es überall, Teletaktgeräte seien verboten, und ich wüsste gerne mal, wo das so uneingeschränkt steht.

Im Übrigen müsste §3 Abs. 1b (siehe oben) auch auf Stachelhalsbänder anwendbar sein, wenn damit an der Leine geruckt wird, und bei extrem starkem Leinenrucken sogar unabhängig vom Halsband (Schäden an der Halswirbelsäule möglich).

Grüße
Sebastian

  1. ein Gerät zu verwenden, das durch direkte Stromeinwirkung
    das artgemäße Verhalten eines Tieres, insbesondere seine
    Bewegung, erheblich einschränkt oder es zur Bewegung zwingt
    und dem Tier dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder
    Schäden zufügt, soweit dies nicht nach bundes- oder
    landesrechtlichen Vorschriften zulässig ist.

Mit Bezug auf diesen Paragrafen gibt es ein entsprechendes Gerichtsurteil.

http://www.landkreis-konstanz.de/index.phtml?NavID=2…

Im Übrigen müsste §3 Abs. 1b (siehe oben) auch auf
Stachelhalsbänder anwendbar sein

In Österrich sind die Dinger meines Wissens auch verboten.

Gruß,

Myriam

Hallo Myriam,

jetzt sind wir doch mal ein Stück weiter.

Mit Bezug auf diesen Paragrafen gibt es ein entsprechendes
Gerichtsurteil.

http://www.landkreis-konstanz.de/index.phtml?NavID=2…

Anhand der Aktenzeichen habe ich

sowohl das gesamte Urteil des VG Gelsenkirchen,
http://www.vommeulenwald.de/html/urteil.html
2.
als auch das der Berufungsinstanz (OVG NRW) gefunden
http://www.justiz.nrw.de/includes/php/druckversion.p…
gefunden.

Damit ist die Frage endgültig geklärt: Teletakt-Geräte sind und bleiben verboten, auch das Argument, man könne sie so einsetzen, dass dem Tier keine Schmerzen zugefügt werden, ist in dem Urteil eindeutig zurückgewiesen worden.

Und die Chance, dass das BVG das anders sieht, sehe ich nicht.

Grüße
Sebastian