Hallo,
ich gebe Dir völlig recht. Man kann des den leuten m.E. aber auch nicht verdenken.
Die allgemein einzig bekannten Strafzwecke der negativen Generalprävention (man muss nur ordentlich Strafen, dann überlegt es sich der Täter schon) und der absoluten Straftheorie (der gehört in den Knast) sprechen die grundlegenden Emotionen und möglichen Überlegungen des Einzelnen zu Sinn und Zweck von Strafe an. Das über eine allgemeine Aufklärung über die übrigen Strafzwecke zu ändern halte ich einerseits für tatsächlich schwer möglich. Andererseits besteht hierfür aber auch kein Interesse.
Man darf nicht vergessen, dass Straftaten - völlig unabhängig vom Maß individueller Schuld oder auch der konkreten Wiederholungsgefahr - einen Defekt in der Gesellschaft auslösen, den sie nicht hinnehmen möchte/kann. Das ist wenig rational, beruht aber auf einem grundlegenden Wunsch nach Kontrolle. Da diese nun einmal auf den Staat abgegeben wurde, reagiert die Bevölkerung ablehnend auf eine milde Strafpolitik und stellt das Gewaltmonopol in Frage. Und das völlig unabhäng vom Anlass und den Umständen der Tat.
Das klingt für diejenigen, die sich mit Sinn und Zweck, insbesondere aber der Wirkung von Strafe auseinandersetzen - und hierüber idR. zu dem Ergebnis kommen, dass Strafe an sich überhaupt keinen Zweck (jedenfalls nicht den der Prävention und der Resozialisierung) erfüllt - sehr negativ. Stellt aber ein notwendiges Grundprinzip jeder sozialen Gemeinschaft dar, die auf Defekte reagieren muss.
Das zeigt sich auch sehr gut bei den Fahrlässigkeitsdelikten. Sobald irgendwo ein Schaden auftritt und idR. Menschen beeinträchtigt werden, kommt sofort der Schrei nach der Suche und der Bestrafung der Schuldigen auf. Dabei übersieht man zwar schnell, dass es gerade in einer technisierten Welt wie unserer ein allgemeines Lebensrisko gibt, dass durch menschliche Fehlerhaftigkeit bestimmt wird. Auch der Straßenvehr stellt ein solches dar. Dennoch will die Gesellschaft immer einen Schuldigen finden, da sie es für unerträglich hält, dass es a) keinen gibt und b) der eingetretene Schaden durch die Bestrafung von wenigstens einem nicht irgendwie kompensiert werden kann. Das klingt irrational, spiegelt aber ein natürliches Bedürfnis nach Kontrolle (solange es einen Schuldigen gibt, kann man die Gefahr jedenfalls theoretisch kontrollieren) und Wiedergutmachung wieder.
Darum reagiert man auch so negativ auf die Frage nach der Person des Täters und den Umständen. Denn die Erkenntnis, dass eine Straftat nicht auf einer zu 100% kontrollierbaren Willensentscheidung eines „bösen“ Menschen beruht, drängt die Vermutung auf, dass die Gesellschaft selbst Straftaten produziert, dies immer tun wird und das auch noch normal ist (für die Soziologie ist eine Gesellschaft ohne Straftäter eindeutig defekt). Diesen menschlichen Faktor wollen/können wir aber nicht hinnehmen. Generalprävention und Sühne sind die (emotinoell) logischen Antworten hierauf.
Gruß,
Dea
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