Antriebslosigkeit/Depression?

Hallo zusammen,

eine Bekannte von mir hat momentan psychische Probleme und weiß nicht wie sie damit fertig werden soll bzw. was die Ursache ist. Vielleicht habt ihr eine Idee…

Sie ist 19 Jahre alt, Schülerin und ist seit einigen Wochen krank geschrieben, da sie es nicht mehr schafft die Schule zu besuchen. Die schulischen Leistungen sind seit einige Wochen (seit dem Beginn ihrer Probleme) erheblich schlechter geworden, sie denkt „ihr ist alles zu viel“, sie „schafft es nicht mehr“. Sie bringt es nicht fertig zu überlegen was sie für die Schule anziehen soll, wann sie los fährt, was sie zu Essen mitnehmen soll…ihr fällt es schon wahnsinnig schwer sich zwischen einem grünen oder einem roten Apfel zu entscheiden. Sie findet sich selber und ihr Leben „scheiße“.
Mittlerweile sitzt sie fast nur noch daheim und weiß nicht mehr weiter…weiß nicht was mit ihr los ist. Sie schafft es nicht einmal Joggen zu gehen (was ziehe ich an?) oder einkaufen zu gehen (was kaufe ich ein?).

Ein Hausarzt hat ihr nach 5 minütigem Gespräch Antidepressiva verschrieben und sie nach Hause geschickt.

Wie hört sich das für euch an?

Vielen Dank und Grüße,
Alex

Lieber Alex,

mir ging es lange Zeit wie deiner Bekannten. Ich hatte total viele Burnouts in der Schule- war ständig krank geschrieben- nichts ging mehr. Ich konnte mich nicht konzentrieren, mir nichts merken. Es war bei mir jedenfalls so, dass mich sehr viele Dinge aus der Vergangenheit belasteten und mir ständig die Kraft raubten. Mein Unterbewusstsein knabberte stets daran, während ich mir Mühe gab einen normalen Menschen zu mimen und in der Schule gut zu sein. Beides kann so nicht funktionieren. Sie sollte, wie auch ich es getan habe, dringend mindestens eine ambulante langfristige Therapie beginnen. Den Zustand den du beschreibst- da wird sie von allein, ohne prof. Hilfe schlecht herausfinden, denn es wird meist schlimmer. Als bei mir wirklich gar nichts mehr möglich war- auch keine Therapie(sprich: kein Haare kämmen, essen etc habe ich auch eine hohe Dosis Antidepressiva bekommen, die ich über Jahre hinweg PARALLEL zur Therapie einnahm- als Unterstützung. Doch ohne Therapie beseitigen sie die Ursache der Depressionen nicht und sind eine „lustige“ Zeitüberbrückung…
Am besten du unterstützt sie in der Suche nach einem guten Therapeuten. Einfach in deinem Umkreis googlen und bei einigen anrufen und nach nem Platz fragen- leider dauert es oft länger, bis man „reinkommt“ und landet auf ner Warteliste. Wenn es gar nicht mehr weitergeht und kein Platz frei ist, wird ihr wahrscheinlich nichts anderes übrig bleiben als ein Crashkurs = stationär/ Klinik, das wird gesundheitlich sicher das Beste für sie sein auch wenns unangenehm ist.

Viel Glück
Vampy

Hi Alex!

Sie ist 19 Jahre alt, Schülerin und ist seit einigen Wochen
krank geschrieben, da sie es nicht mehr schafft die Schule zu
besuchen. Die schulischen Leistungen sind seit einige Wochen
(seit dem Beginn ihrer Probleme) erheblich schlechter
geworden, sie denkt „ihr ist alles zu viel“, sie „schafft es
nicht mehr“. Sie bringt es nicht fertig zu überlegen was sie
für die Schule anziehen soll, wann sie los fährt, was sie zu
Essen mitnehmen soll…ihr fällt es schon wahnsinnig schwer
sich zwischen einem grünen oder einem roten Apfel zu
entscheiden. Sie findet sich selber und ihr Leben „scheiße“.
Mittlerweile sitzt sie fast nur noch daheim und weiß nicht
mehr weiter…weiß nicht was mit ihr los ist. Sie schafft es
nicht einmal Joggen zu gehen (was ziehe ich an?) oder
einkaufen zu gehen (was kaufe ich ein?).

Hört sich wirklich sehr nach einer Depression an!

Ein Hausarzt hat ihr nach 5 minütigem Gespräch Antidepressiva
verschrieben und sie nach Hause geschickt.

Und?

Wie hört sich das für euch an?

Wenn das alles ist: Käse.
Wenn er ihr empfohlen hat, einen Therapeuten zu suchen: Genau richtig!

Das Antidepressivum holt sie erstmal aus diesem Loch und kann auch die Antriebskraft wieder etwas erhöhen. Dadurch wird sie dann auch „therapiefähig“.

Unterstütze sie bei der Suche nach einem Therapeuten und bleib mit ihr dran, wenn nicht gleich der erste auch der Richtige ist. Die Chemie muss stimmen.

Alles Gute dir und deine Bekannten
wünscht
ChrisTine

Hallo Alex,

wie meine Vorredner schon schrieben, hört sich das nach einer Bilderbuchdepression an. Ich halte an dieser Stelle Antidepressiva grundsätzlich für angeraten, jedoch nicht auf die Art und Weise wie sie der Hausarzt verordnet hat. Sie braucht als verschreibenden Arzt einen, der begreift, wie Antidepressiva wirken, vorzugsweise einen Psychiater. Die Gabe von Antidepressiva verlangt insbesondere in den ersten Wochen eine engmaschige Überwachung (meint Kontakt) des Patienten, weil das die Zeit ist, in der durch das Medikament der Antrieb gesteigert wird, ohne daß die stimmungsaufhellende Wirkung schon greift. Das ist die Zeit, die gern zum Suizid genutzt wird.

Ob eine Gesprächstherapie bei einer Depression wirksam ist, ist nach wie vor umstritten. Naturgemäß wird sich ein depressiver Mensch kaum zu so etwas aufraffen können und sich nur fragen, was der Quatsche denn jetzt auch noch soll. Sollte deine Freundin nach Einsetzten der Wirkung der Medikamente bereit dazu sein, spricht natürlich nichts dagegen. Aber vorrangig werden ihr erst mal die Medikamente helfen und nicht die Therapie.

Alles Gute

Avera

Hallo,

auf alle Fälle schnellstmöglich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Schlimmstenfalls bringt auch das nix, aber man muss es auf alle Fälle probieren. Was wäre denn die Alternative?

Nur noch ein paar grundsätzliche Gedanken zum Thema „Depression“. In den allermeisten Fällen sind Depressionen Symptome irgendwelcher zugrundeliegener Probleme. Man kann zwar die Symptome behandeln und damit einen kurzfristigen Erfolg haben, aber besser ist es natürlich, man packt das Übel an der Wurzel. Das setzt aber voraus, dass man das eigentliche Übel kennt, bzw. erkennt. Das ist manchmal sehr schwierig und kann Jahre dauern.

Hab vor einigen Jahren mal Unterrichtsmaterial eines Managementseminars in die Finger bekommen. Grob vereinfacht gesagt, reduzierte sich das Ganze inhaltlich auf eine einzige Aussage: „Die Realität können wir nicht ändern, das einzige was wir beeinflussen können, ist die Wahrnehmung und Interpretation dieser Realität“. Dieser Satz hat mich seither nie mehr losgelassen. Ich glaube, das ist letztlich der Schlüssel zur Auflösung jeder Depression und jeder psychischer Störung (sofern diese nicht organische Ursachen hat!) Das ist natürlich leichter gesagt, als getan. Logo, sonst gäbe es keine Psychologen mehr. Trotzdem finde ich diese Aussage faszinierend und vor allem die Konsequenzen daraus. Der Unterschied zwischen einem depressiven und negativ denkenden Menschen und einem fröhlichen und positiv eingestellen Menschen liegt einzig und allein in der unterschiedlichen Wahrnehmung und Interpretation der Realität.

Gruß, Rolo