Anzeichen für Demenz?

Hallo,

meine Mutter (75) hatte vor 3 Jahren einen leichten Schlaganfall, seit dem fallen Ihr manchmal Namen oder Begriffe nicht ein und sie umschreibt dann umständlich. Sie war deswegen bei einem Neurologen in Behandlung.
Seit einiger Zeit nehmen aber Ihre kognitiven Fähigkeiten immer weiter ab. Sie hat sich jetzt innerhalb von 1,5 Wochen 3 mal in der nahe liegenden Stadt (ca 15.000 Einwohner) verfahren, obwohl sie sich dort aber eigentlich gut auskennt. Der Neurologe sagt, das könne mit dem Schlaganfall zusammenhängen, aber eigentlich verbessern sich doch solche defizite mit der Zeit, oder?
Sie ist auch häufig sehr Begriffsstutzig. Sie wollte jetzt mein Auto abmelden, welches auf sie angemeldet ist und ich musste Ihr bestimmt 5 mal erklären, was sie dazu braucht, bis sie es verstanden hatte.

Kann das tatsächlich mit dem Schlaganfall zusammenhängen und/oder stress/altersbedingt sein, oder sollte sie sich vielleicht mal von einem Spezialisten auf Demenz untersuchen lassen?
Ihre Schwester (78) ist vor ca 4 Jahren auch an Demenz erkrankt.

Bin für jeden Hinweis dankbar, Kudel

Hallo Kudel,

ich kann dir nur von meiner Ex-Schwiemu berichten, bei der die Demenz mit Wortfindungsstörungen vor gut einem Jahr anfing. Es erschien überhaupt nicht dramatisch bis zum rapiden Absturz im November 2012.

Mehrere - kleine - Autounfälle, bei Verabredungen kam sie zu überhaupt nicht vereinbarten Zeiten und hatte dann irgendeine merkwürdige Erklärung dafür, die auch nicht wirklich logisch war.

Sie konnte nicht mehr sagen, in welchem Jahr wir leben. Sie kam mit Zahlen insgesamt nicht mehr klar. z.B. der eine Unfall sollte 80.000,00 dann doch lieber 8.000,00 und letztlich 800,00 Euro gekostet haben… Schreiben ist kaum noch möglich. Sie vergisst essen und trinken.

Neurologische Untersuchungen bei stationärem Klinikaufenthalt ergaben dann die Diagnose Demenz Ende November. Da war sie schon kaum noch fähig einen Satz zu sprechen, schreiben ging gar nicht mehr.

Die Dame ist ebenfalls 73. Ob die Sprachstörungen ursächlich auf einem Schlaganfall beruhen und nur Begleitung zur Demenz sind, darüber streiten sie die Geister in weiß.

Letztlich kann dir da nur ein Spezialist klare Antworten geben.

Seit sie übrigens nach ihrem Tiefpunkt zu Weihnachten im Pflegeheim lebt „wacht sie wieder auf“ - soll heißen, sie ist viel lebendiger und fröhlicher als vorher; wenn auch nach wie vor verwirrt.

Gruß und alles Gute
A.A.

Hallo Kudel,

mich macht stutzig, dass der Neurologe wohl nicht mal die einfachsten Tests gemacht hat, anhand derer man zumindest tendenziell sehen kann, ob eine Demenz vorhanden ist.

http://www.curendo.de/fileadmin/media/pdf/Demenztest…

Was ich aus unserer eigenen Erfahrung ganz wichtig finde ist, zu beobachten ob Deine Mutter ausreichend trinkt, und ob sie ihre Medikamente wirklich so einnimmt wie vorgesehen.

Dadurch können, und grade bei einem überstandenen Schlaganfall, Demenzsymptome ausgelöst bzw. verstärkt werden. Letztendlich kann man das aber alles fachärztlich abklären!

http://www.wegweiser-demenz.de/diagnose-demenz-demen…

Manchmal versteckt sich auch eine Depression hinter der Vergesslichkeit, und wenn die Depression behandelt wird, verringern sich die Demenzsymptome.

Bedenklich finde ich, dass Deine Mutter noch Auto fährt. Zunächst findet sie sich in der Stadt nicht mehr zurecht, dann vielleicht ist es die falsche Richtung der Auffahrt der Autobahn.

Meinem Schwiegervater haben wir damals erklärt, dass er durch seine Grunderkrankung (Herz, Schlaganfall) nicht mehr fahren DARF, und dass die Kosten für ein Taxi bei Zugrundelegung von Sprit, Versicherung und Steuern sowie Betriebskosten billiger sind, als für 500 km im Jahr einen eigenen PKW angemeldet zu haben.

Das hat sofort gewirkt!

Wäre es meine Mutter, so würde ich versuchen in einer gerontopsychiatrischen Ambulanz einen Untersuchungstermin zu bekommen. Die kennen sich gut mit Demenz aus und können auch beraten, falls sich der Verdacht bestätigt:

https://www.google.de/search?q=gerontopsychiatrische…

Alles Gute, ich weiß, wie anstrengend das alles sein kann,

Angelika

Danke für die Antworten. Dann werde ich ihr mal einbläuen, den Arzt mal direkt auf einen Test anzusprechen.
Sie fährt schon sehr vorsichtig und nur noch in der näheren Umgebung, sonst mit der Bahn, aber richtig glücklich bin ich damit auch nicht.
In ca 1 - 1,5 Jahren geht sie in ein Altenwohnheim, wo sie dann das Auto abmeldet, ich hoffe bis dahin geht alles gut.

Gruß, Kudel

Hallo Kudel,
das ihr Namen und Begriffe nicht einfallen nennt man Wortfindungs- bzw. Abrufstörung. Es ist eine direkte Folge des Schlaganfalls, der wohl eines der großen Sprachzentren im Gehirn betroffen hat.
Die Begriffsstutzigkeit könnte auch damit zusammenhängen, denn im Rahmen einer Aphasie (Sprach- und/ oder Sprechstörung nach Abschluss des Spracherwerbs, in diesem Falle durch neurologische Erkrankung) kann es auch zu Sprachverständnisstörungen kommen.
Wichtig ist, dass sie sich in logopädische Behandlung begibt, damit sie die beeinträchtigten Funktionen verbessert und die noch vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten erhält. Sprich mal den Hausarzt drauf an, er kann eine Verordnung ausstellen.
Nach einem Schlaganfall verändert sich in gewisser Weise die Struktur der Synapsen. „Abgestorbene“ Teile müssen schließlich in ihrer Funktion vertreten werden.
Die angesprochenen „Defizite“ verbessern sich nur in der sogen. Akutphase, also innerhalb der ersten Wochen nach dem Insult von allein. Danach braucht es Training.
Eine dazukommende Demenz möchte ich nicht aus der Ferne ausschließen, aber ich denke, Sprachtherapie kann deiner Mutter schon sehr helfen.
Liebe Grüße
Regenmädchen