Anziehungskraft des Bösen?

Hallo,

ich bin seit jeher eingefleischter Fantasyfan und bin auch in entsprechenden Foren unterwegs.

Was mir im Laufe der letzten Jahre immer wieder aufgefallen ist, ist folgendes:

Die Leute finden jene Figuren besonders Interessant und Faszinierend die quasi das Böse repräsentieren.

An dieser Stelle könnte ich einige Beispiele nennen, nur kann die Breite Masse der Leser mit diesen Namen wohl kaum etwas anfangen.

Waran mag das Liegen? Am Bösen selbst?

Oder ist eher die Macht das Faszinierende?
(die „bösen“ Figuren sind meist weit überlegen; kommandieren eine überlegene Streitmacht oder haben Gottgleiche Fähigkeiten)

Liegt es vielleicht auch daran die diese Figuren den Oberbefehl haben, niemandem Rechenschaft schuldig sind und tun können was sie wollen; gefürchtet sind?

Es hat mich immer gewundert das diese Figuren mindestens so gefragt waren wie die eigentlichen Helden der Story die für das Gute gekämpft haben.

Ausbrechen aus Konventionen
Hi,

ich glaube, daß das, was Du beschreibst, weniger mit „dem Bösen“ an sich zu tun hat, sondern generell den Reiz dessen, was unüblich ist, umfasst. Der Mensch möchte halt was besonderes sein, nicht den gängigen Moralvorstellungen entsprechen und nicht namenls in der Masse untergehen. Weil das aber im echten Leben eher wenige auch so umsetzen können, tun sie es eben in der Phantasie, indem sie solche Figuren toll finden, die sich nicht an irgendwelche Regeln halten. Und am nächsten Tag gehen sie dann wieder brav ins Büro…

Gruß,

Malte

Moin,

Es hat mich immer gewundert das diese Figuren mindestens so
gefragt waren wie die eigentlichen Helden der Story die für
das Gute gekämpft haben.

das mag zum einen daran liegen, daß jeder seinen Mr. Hyde zumindestens erahnt, ihn aber nicht auszuleben wagt, also die Faszination des Verbotenen. Zum anderen ist ein guter Held meist auch moralisch(er) und somit ‚normal‘, was seine Faszination eher schmälert, bzw. ihn langweilig(er) sein läßt.

Gandalf

Waran mag das Liegen? Am Bösen selbst?

Oder ist eher die Macht das Faszinierende?

Hallole,

der Böse kommt ja in die Hölle, dafür kann er hier auf Erden die Sau rauslassen.

Und wir wissen nicht was schlimmer ist: das scheiss langweilige Leben oder die Hölle. So sind wir immer irendwie im Zweifel.

Schöne Grüsse

einer von den bösen Jungs

Noch ein Aspekt dazu
Hi Kaldo

Die Leute finden jene Figuren besonders Interessant und
Faszinierend die quasi das Böse repräsentieren.

Ergänzend zu Gandalf (dessen Antwort ich teile) möchte ich noch anmerken, dass mich auch oft der sogenannte Bösewicht im Film mehr fasziniert hat als der Gutmensch. Das liegt aber imho daran, dass die Persönlichkeut des Bösewichtes viel interessanter vom Drehbuch und von den Darstellern präsentiert wurde; also dass oftmals der Bösewicht ein weitaus interessanteres Profil hatte als der etwas blass wirkende Held.
Das ging mir als Junge schon so, wenn ich Western sah. Die Guten mit dem weißen Hut waren oberflächlich gezeichnete Langweiler, während die Bösewichte mehr Charakter besaßen.
Sogar im Zeichentrickfilm ist es so: Der „böse“ Onkel vom kleinen Löwen ist ja die weitaus ineressantere Figut als der Vater, an dessen Persönlichkeit ich mich gar nicht mehr erinnern kann.
Gruß,
Branden

Huhu!

Ein anderer Aspekt wär vielleicht noch das, was ich als Kind oft sagte:
„Ich will lieber einen von den Bösen sein, denn die haben nie Angst!“

Da ist auch heut noch durchaus was dran.

Nicht jeder „Gute“ ist ja von Anfang an ein Superheld. Ich kenne mich jetzt bei Fantasy nicht so besonders aus, aber in anderen Bereichen ist es ja oft so, dass die Guten (vor allem Frauen) anfangs eher ängstlich oder panisch auf eine Situation reagieren. Ich fands und finds immer erstrebenswerter, keine Angst zu haben. Darum wollte ich immer lieber einer der Bösen sein:smile:

hi, dazu eine philosophische antwort:

das gegenteil einer sache, hier das böse als gegenteil vom guten, hat unheimlich viel ähnlichkeit mit der ursprünglichen sache.

schwarz und weiss gehören sehr nah zusammen, wie auch tod und leben, licht und schatten.

auch deswegen interessieren sich viele für das böse, weil das gute sowieso immer nah bei einem ist.