Nahrungsmittelschwerpunkte (Trennkost)
Hallo Kathy,
was genau meinst Du mit Nahrungsmittelschwerpunkten?
Nun ja… Zunächst einmal wurde bei der modernisierten Trennkost die Trennerei an sich deutlich vereinfacht:
-
sämtliche tierischen Produkte mit Ausnahme tierischer Fette (die sind nach wie vor neutral) gehören zur Eiweißgruppe, so auch mein vielzitiertes Lieblingsbeispiel ‚Käse‘, der bei Hay je nach Fettgehalt zur Eiweiß- (magere Käsesorten) oder neutralen Gruppe (fette Sorten) gezählt wurde;
-
ebenso verhält es sich mit Sauermilch- und Weißkäseprodukten (Buttermilch, Sahne, Joghurt, Creme fraiche, Quark, Mozzarella, Feta, Frischkäse & Co.): heutzutage nicht mehr die neutrale sondern Eiweißgruppe;
-
während Obst - mit Ausnahme von Heidelbeeren und Melonen (die waren schon immer neutral) sowie Bananen, Trockenfrüchten, Rosinen, frischen Feigen und Datteln (Kohlenhydrate) - früher zur Eiweißgruppe gezählt wurde, ist Obst bis auf Bananen und Trockenfrüchte heute grundsätzlich neutral.
Was hat es denn nun mit den Nahrungsmittelschwerpunkten an sich?
Prinzipiell ist das, was Hays sich da ausgedacht hat, unmöglich zu realisieren, weil in vielen Lebensmitteln schon von Natur aus gleichzeitig Kohlenhydrate und Eiweiß vorhanden sind. Das beste Beispiel ist der angeblich beste Eiweißlieferant namens Milch, in dem witzigerweise deutlich mehr Kohlenhydrate als Eiweiß stecken (Vollmilch: ca. 3.5 g Eiweiß, ca. 4.8 g Kohlenhydrate pro 100 ml).
Die Hay’sche Trennkost war also eine 1A-Mogelpackung und diejenigen, die diese komplizierte ursprüngliche Trennerei mitmachten, futterten munter Eiweiß und Kohlenhydrate zusammen. *ätschibätschlangenasemach*
Die Kunst der modernen Trennkost, besteht keinesfalls darin, die Lebensmittel möglichst genau zu trennen, sondern sie - je nach Tageszeit, Verfassung und Bedürfnissen - optimal zu kombinieren.
Man kann morgens sehr wohl ein Vollkornbrötchen (KH) mit Putenbrust (E) oder Käse (E) genießen, man kann auch abends (je nachdem, wie man gepolt ist - ich für meinen Teil brauche abends Eiweiß, sonst kriege ich Hörner *g*) einen Teller Reis (KH) mit Parmesan (E), Nudelsalat (KH) mit Mozzarella (E) oder ein Baguette (KH) mit gekochtem Schinken (E) verputzen. Nur: das Verhältnis muss stimmen.
Das heißt: eine kohlenhydratbetonte Mahlzeit kann ich durchaus mit Eiweißhaltigem (Fisch, Krabben, Aufschnitt, Käse) aufmotzen, aber ich nehme davon dann höchstens 30 g (also eine normale Portion, sprich: wenn der Schinken bzw. der Käse normal geschnitten ist, wäre es eine Scheibe, vielleicht etwas mehr). Wenn Käse, Putenbrust, Schinken, was-weiss-ich hauchdünn aufgeschnitten sind, machen 30 g nicht nur optisch eine Menge her, sondern sind völlig ausreichend. Genauso geht es anders herum: selbstverständlich kann ich meinem Käse- oder Schinkensalat (E) ein paar hübsche gelbe Farbtupfer gönnen, indem ich da 2-3 Löffel Maiskörner (KH) reinschmeiße (wenn Du rote Farbtupfer haben willst, kommen Kidney-Bohnen zum Einsatz).
An der Betonung bzw. dem Schwerpunkt des Gerichtes in Richtung Eiweiß bzw. Kohlenhydrate ändert sich nichts. Man bekommt jedenfalls weder einen Buckel noch fällt gleich tot um, wenn man Kohlenhydrate und Eiweiß miteinander verwurschtelt. 
In der Hoffnung, Deine Neugier etwas befriedigt zu haben (falls nein bzw. falls Du weitere Infos und/oder Rezepte haben möchtest: gib Laut) und einen wunderschönen Rest-Sonntag wünschend grüßt Dich
Renee
PS. Man fällt auch nicht tot um, wenn man bei einer Grillfete nicht nur Steaks, Würstchen, Spieße & Co. (E) mit Salat futtert sondern sich dazu auch ein Stück Baguette oder eine gebackene Kartoffel (KH) gönnt. *g*