Aprilenwetter, Jungfrauenlieb'

Aprilenwetter,
Jungfrauenlieb’ und Lerchensang
und Rosenblätter
ist alles gar süß und währet nicht lang.

Dies Verslein fand ich in einem - ich weiß nicht so recht, wie es beschreiben - historischen Kriminalgruselroman.

Es soll wohl ein mittelalterliches Volkslied oder eine Spruchweisheit sein. Eventuell hat es der Autor Leo Perutz selber gereimt.

Aber vielleicht weiß ja jemand die Herkunft zu nennen.

Bei mir draußen gibt es grad Aprilenwetter.

Gruß Fritz

Es gibt eine Bauernregel, die ähnlich lautet:

Herrengunst, Aprilenwetter, Frauenlob und Rosenblätter, Kartenglück und Würfelspiel, wechseln viel - wer’s glauben will.

Bei uns ist es Mai!!! :smile:

Gruß
Monika

Hei, Monika,

das ist gut!
Sowas hab ich gemeint!
Wenn du jetzt noch die Herkunft angeben könntest. Aber das wird wohl schwer sein.

Gruß Fritz

Hi, stand im Internet, aber leider nur allgemein unter Bauernregeln…

Hallo Fritz,

guck hier:
http://gutenberg.spiegel.de/simrock/schildbg/schild0…

die Herkunft angeben könntest. Aber das wird wohl schwer sein.

Nö, war gar nicht schwer! :wink:

Gruß Gudrun

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Gut, Gudrun,

aber der Simrock ist ein Sprichwortsammler, sogar ein klaschischer!

Karl Simrock, Die deutschen Sprichwörter, ISBN 3-491-96080-0 Buch anschauen

Und da finden sich:

**Aprilenwetter,
Jungfrauenlieb# und Lerchengesang
und Rosenblätter,
ist alles gar süß und währet nicht lang.

Herrengunst, Aprilenwetter,
Frauenlob und Rosenblätter,
Kartenglück und Würfelspiel
wechseln viel - wer’s glauben will.**

In etwa die selbe Kerbe schlagen auch:

**Herrengunst und Lechrchensabg/Lautenklang
klinget wohl und währt nicht lang.

Großer Herren Gunst und Nelkenwein verraucht über Nacht.

Großen Herren und schönen Frauen
soll man dienen, doch wenig trauen.

Jungfernlieb ist fahrende Hab;
heute lieb, morgen schabab.

Jungfernherz, ein Taubenhaus,
Fliegt einer ein, der ander aus.

Auf Rosenblätter ist nicht zu bauen.

Rosen und Jungfrauen sind bald verblättert.**

Dank und Gruß
Fritz

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Simrock
Danke auch, Fritz,

Karl Simrock, Die deutschen Sprichwörter, ISBN 3-491-96080-0 Buch anschauen

daß Simrock im Gutenberg-Projekt mit ca. 12.000 Sprüchen vertreten ist, weißt Du, nehme ich mal an.

Jungfernlieb ist fahrende Hab;
heute lieb, morgen schabab.

Beim googlen nach „schabab“ fand ich auch diese Version:

Eitel Ehr ist fahrende Hab,
Heute lieb, morgen schabab.

(Nr. 1824)

Was ist das für ein Wort? Bedeutung ist klar, aber welche Sprache?

Gruß Gudrun

Guten Morgen, Gudrun!

daß Simrock im Gutenberg-Projekt mit ca. 12.000 Sprüchen
vertreten ist, weißt Du, nehme ich mal an.

Da ich von dem das altmodische Papierexemplat habe, dachte ich noch nicht ans Gutenberg-Projekt.

Was ist das für ein Wort? Bedeutung ist klar, aber welche Sprache?

Dazu Grimm:

_SCHABAB [Lfg. 14,11], imperativische bildung von abschaben (s. theil 1, 94 und schaben), im sinne von geh ab, zieh ab (GRIMM gramm. 2, 961. 984. 3, 304), adjectivisch, adverbial und substantivisch gebraucht.

Kann also bedeuten:

Hau ab! Geh fort! Verpiss dich!

oder:

Erledigt! Vorbei! Schluss! Basta!

Gruß Fritz_

Hallo Gudrun, hallo Fritz!
hier ist ein anderer Deutungsversuch, was meint ihr dazu:

Was ist das für ein Wort? Bedeutung ist klar, aber welche Sprache?

Rotwelsch:
Schab = Beute, unlauterer Gewinn
abschaben = sich etwas auf unlautere Weise aneignen *]

*] meine (unbewiesene) Vermutung: dass sich im weiteren auch der Ausdruck „abstauben“ (für „sich etwas unter den Nagel reissen“) von dem rotwelschen „abschaben“ herleitet

„Jungfernlieb (ad lib. Eitel Ehr) ist fahrende Hab,
Heute lieb, morgen schabab…“

Dann wäre die „fahrende Habe“ ein unsteter Besitz, wankelhaft:
heute gehörts einem noch, und morgen schon wem anderen - schabab, entwendet, verloren

Was haltet ihr davon?
Grüße aus Wien
(wo das Rotwelsche sich recht großzügig in der Umgangssprache breit gemacht hat)

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Luther und Rotwelsch und schabab!
Hoi, Michael,

deine Vermutung ist bedenkenswert.
Schon Luther dachte an eine Herkunft des Wortes aus dem Hebräischen.

. LUTHER dachte an hebräischen ursprung des in der älteren sprache viel gebrauchten wortes: im 7. versz das hebreisch wort ‚schabab‘ ist deutsch worden unnd heyst vorwerfflich ding, als kerich, schlacken, spene, schaum, spreu. LUTHER 8, 198, 24 Weim. ausgabe.

Aber das ist bei Etymologien immer so. Ein endgültiger Nachweis über eine Herkunft ist selten. :wink:

Gruß Fritz

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Dank Euch beiden!
Hallo Fritz, hallo Michael,

danke für die Erklärungen, die mich aber nicht so recht zufriedenstellen.

Bei GRIMM verstehe ich nicht, warum der Imperativ in einem Sprichwort vorkommen soll und die LUTHERschen Definitionen im Sinne von „Abfall“ bzw. „überflüssig“ wollen mir auch nicht einleuchten.

An Rotwelsch dachte ich bei „schabab“ eher nicht, denn auch die „fahrende Hab“ ist nichts Naserümpfendes, sondern ein Rechtsbegriff für beweglichen Besitz/Vermögen (im Ggs. zu liegendem B./V.), siehe Deutsches Rechtswörterbuch (Link im Deutschbrett!):

http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~cd2/drw/u/H01.h…
(Seite bis nach unten scrollen!)

Ich bin jetzt nicht wirklich schlauer, aber das liegt wohl nicht an Euch! :wink:

Gruß Gudrun