Arbeiten Reinigungsunternehmen nachhaltig - Erfahrungen?

Wir achten bei uns in der Firma stark auf Nachhaltigkeit und versuchen das auch bei Dienstleistern mitzudenken. Jetzt steht ein Wechsel bei der Büroreinigung an, und da kam die Frage auf, ob „nachhaltige Gebäudereinigung“ überhaupt realistisch ist. Hat jemand Erfahrung damit? Kann man als Reinigungsfirma wirklich ressourcenschonend arbeiten oder ist das nur ein nettes Schlagwort? Klar, im Büro geht vieles vielleicht mit milden Reinigungsmitteln, aber wie schaut’s aus bei härteren Verschmutzungen? Bin gespannt auf Einschätzungen aus der Praxis. Danke euch schon mal!!

Sicher wäre das möglich.
Du musst nur eine solche Firma finden und dann ist es eine Frage des Preises. Ganz billig wird das nicht.

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Was verstehst Du unter „mild“?

Ja, natürlich geht das und natürlich gibt es Anbieter für Reinigungsdienstleistungen (Beispiel), die diesen Markt bedienen. Die Frage ist halt nur, ob es die bei Euch in der Nähe gibt und ob am Ende nicht doch - wie so oft - der Preis das ausschlaggebende Kriterium ist.

Selbstverständlich ist das realistisch. Ihr seid ja nun nicht die Einzigen, für die das Thema ein relevanter Faktor ist. Ich war schon vor 20 Jahren an der Einführung eines Umweltmanagementsystems nach EMAS in einer Uniklinik beteiligt. Da gehört der Komplex Facility Management und Reinigung zu den Top Themen. Kein Unternehmen, das solche Systeme einführt, kommt aus, ohne auch gesicherte Nachweise zu haben, dass die Dienstleister “sauber” (sic!) sind. Vor 20 Jahren ist das noch über Einzelnachweise, Dokumentation, Kontrolle gelaufen, weil es tatsächlich schwierig war, zertifizierte Dienstleister zu finden. Das ist schon seit einigen Jahren anders.

Es gibt einige Label, an dem man sich orientieren kann. Neben dem genannten EMAS, ein europäisches Umweltmanagementsystem, quasi der Mercedes unter den Systemen (wird auch eher von großen (auch Reinigungs-)Unternehmen praktiziert, gibt es noch das EU Ecolabel und den blauen Engel mit etwas anderen Schwerpunkten. Außerdem noch die DIN EN ISO 14001 als internationales Umweltmanagementsystem aus der DIN ISO-Reihe. Wenn man nach diesen Labeln guckt, hat man schon mal einen ersten Anhaltspunkt. Wenn einem die Sache wichtig ist, sollte man auf irgendeine dieser Zertifizierungen achten, weil nur die einigermaßen Gewähr liefern, dass da auch gelegentlich einer von außen mal drauf guckt und das nach echten Standards abläuft.

Was das Thema Ressourcen Schonung und “milde” Mittel angeht, ist mir das aus der genannten Erfahrung vor 20 Jahren schon nachhaltig (sic) in Erinnerung. Natürlich gibt es ökologische und nicht ökologische Reinigungsmittel. Aber man grundsätzlich sagen, dass, egal welches Reinigungsmittel, die Devise Viel hilft viel nicht taugt. Auch die Temperatur spielt eine Rolle. So greifen zu viel oder zu scharfe Reinigungsmittel auch Oberflächen an und sind auch deshalb nicht sinnvoll und nachhaltig. Zu hohe Temperaturen sind nicht nur unökologisch, sondern auch deshalb schlecht, weil die Reinigungsmittel auf eine bestimmte Temperaturzone optimiert sind. Wer zu hohe Temperaturen verwendet, bekommt also sogar u.U. schlechtere Reinigungswirkung. Kleine Tipps auch für den eigenen Haushalt.

Die Wahl vernünftiger Reinigungsmittel ist eigentlich weniger eine des Preises, sondern dass man nur darauf achtet und sich mit der Anwendung auch unter ökologischen Aspekten auskennt. Der Preis der ja nun weit überwiegend am Faktor Arbeit hängenden Dienstleistung wird eher darüber bestimmt, ob auch soziale Standards eingehalten werden. Wer ein Reinigungsunternehmen nur nach dem günstigsten Preis aussucht, übernimmt quasi zwangsläufig die Verantwortung dafür, dass es Defizite an dieser Stelle gibt. Es ist möglich, diese Standards zu verletzen, auch wenn man teuer ist. Es ist aber unmöglich, diese Standards einzuhalten, wenn man sehr billig ist.

Noch ein paar Stichworte, auf die es u.a. noch ankommt: Hygiene sollte immer auch eine Rolle spielen. Denn Hygiene und Nachhaltigkeit stehen in enger Wechselbeziehung, positiv so wie negativ korrelierend. Wasser. Eine blöde Kiste ist der Einsatz von Microfasern. Die sind ökologisch in dem Sinne, dass sie helfen, drastisch Wasser und u.U. sogar vollständig Reinigungsmittel zu reduzieren, aber kacke wegen Mikroplastik. Das Thema kann man mal ansprechen, um zu testen, wie so ein Unternehmen drauf ist. Ansonsten noch Umgang mit Abfall.

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Wow, danke für euren Input. Was ich unter mild verstehe? Ich meinte damit weniger „nur mit warmem Wasser drüber“, sondern eher Reinigungsmittel, die Oberflächen nicht angreifen, keine aggressiven Tenside haben und sparsam dosiert werden können. Dass Temperatur und Dosierung so einen massiven Einfluss auf Reinigungswirkung UND Nachhaltigkeit haben, war mir wirklich nicht bewusst. Der Hinweis mit „viel hilft viel“ funktioniert nicht – trifft wahrscheinlich auf die Hälfte der Haushalte zu, die Badezimmerspray wie Scheuermilch benutzen.

Dein Beuspiel klingt ganz spannend. Ich bin allerdings aus Österreich (Raum Wien). Bin heute mal über Blitzblank gestossen, vielleicht hat damit ja jemand anders schon konkret Erfahrung gemacht? Ich glaub der Preis ist meinem Arbeitgeber relativ egal, solang sie wirklich umsetzen, was sie versprechen und man sich nicht auf mehrere Jahre verpflichtet haha. Preis ist halt leider oft das erste Ausschlusskriterium, aber wie du sagst: Sehr billig und trotzdem nachhaltig & fair wird schwierig bis unmöglich. Ich glaub, das ist letztlich das, was man intern auch vermitteln muss, wenn man nachhaltige Reinigung durchsetzen will:
Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur bessere Mittel, sondern faire Arbeitsbedingungen + Ausbildung + vernünftige Abläufe.

Ich hatte ehrlich gesagt nicht auf dem Radar, dass es im Bereich Facility Management schon so weitgehende Standards gibt. Vor allem EMAS sagt mir bisher gar nichts, ich hab’s jetzt mal gegoogelt, und wenn ich das richtig verstanden habe, geht’s dabei ja nicht nur um „wir nehmen ein paar öko-zertifizierte Putzmittel“, sondern um ein komplettes Umweltmanagement inklusive Kontrolle, Dokumentation und externen Audits. Das klingt auf jeden Fall nach mehr als nur grünen Labels im Prospekt.

Gibt es bei nachhaltiger Gebäudereinigung eigentlich auch Konzepte für „Tagreinigung“? Hintergrund: Bei uns wurde das als Argument gebracht, weil weniger Nachtbeleuchtung nötig wäre und Reinigungskräfte bessere Arbeitszeiten hätten. Klingt logisch, aber ich frage mich, ob das wirklich ein relevanter Teil von Nachhaltigkeit ist oder eher eine HR/organisatorische Komponente.

Danke dir auf jeden Fall ulischnee!! das war echt super hilfreich und vor allem verständlich erklärt. Gerade den Teil zu Hygiene vs. Nachhaltigkeit fand ich spannend, weil ich auch lange dachte „weniger Mittel = weniger sauber“, aber wie du schreibst, geht’s ja eher um richtig dosieren und das passende Mittel für die passende Oberfläche. Die Idee, dass viel Chemie am Ende sogar schlechter reinigt und Oberflächen beschädigt, leuchtet total ein.

Und ich glaub, da passiert bei vielen ehrlich gesagt die erste Fehlannahme: „Öko = lauwarmes Wasser und bisschen Essig“, aber eigentlich steckt dahinter ja echt Fachwissen, Temperaturbereiche, Materialkunde usw.

Schönen Abend euch schonmal und danke für weiteren Input!
LIGRÜ aus Wien

Das kannst du laut sagen.
Die weniger (aus)gebildete Putzfrau mit nassem Lappen und Wischeimer ist schon längst passé, zumindest im Profibereich. Ausbildungszeit 2 bis 3 Jahre.

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Genau das. Deshalb sprach ich vom Mercedes unter den Umweltmanagementsystemen Wobei man fairerweise sagen muss, dass die Metapher “Mercedes” ja schon länger nicht mehr stimmt für Qualität. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

EMAS ist sehr umfangreich, etwa vergleichbar mit dem, was EFQM im Bereich Qualität ist. Wobei bei EMAS Kontrolle eine etwas größere Rolle spielt. Das hat auch damit etwas zu tun, dass es im Bereich Umwelt wesentlich restriktivere rechtliche Vorgaben gibt von Emmissionen bis zu Hygiene und Arbeitssicherheit.*

Kein Wissen, nur eine Einschätzung Aufgrund gewisser Erfahrungen: Ich schätze, dass der Aspekt unter Umweltgesichtspunkten keine Rolle spielt. Das bisschen Stromverbrauch, dass bei Nachtbeleuchtung erforderlich ist, macht den Kohl nicht fett und schon gar nicht, wenn die Beleuchtung Energie arm ist. Beim Thema bessere Arbeitszeiten ergibt das schon mehr Sinn. Allerdings gibt es Menschen, die in den Abendstunden arbeiten wollen. Insofern täte ich mich jetzt schwer, das pauschal zu berurteilen.

Das ist genauso wie immer, wenn es um “Chemie” geht: Es wird unter dem Begriff sofort negativ assoziiert und der grüne Schaum im Fluss vor dem inneren Auge erscheint, während man bei “natürlich” sofort die Blumenwiese im Kopf hat. Der “Trick” funktioniert ja auch bei Medikamenten und Co. Beides ist so völliger Quatsch.

Wisch mal mit Essig eine Marmoroberfläche. Die ist hinüber. Eine zerstörte Oberfläche ist aber das Gegenteil von nachhaltig, weil nicht Ressourcen schonend.

Ein Umweltmanagementsystem, egal ob EMAS oder DIN EN ISO hat den Vorteil, dass man als Laie sich doch ziemlich zuverlässig darauf verlassen kann, dass Nachhaltigkeit ernst genommen wird. Natürlich kann man im Detail immer Schindluder betreiben. Aber Schnitzer fallen bei den regelmäßigen Audits auf. Auch macht sich eigentlich nicht jemand die Mühe, ein solches System einzuführen und aufrechtzuerhalten (man muss sich regelmäßig externer Prüfung unterziehen!), der das nicht ernst meint.

*Nachtrag zum Thema Arbeitssicherheit: Die spielt bei EMAS eine Rolle! Grundsätzlich wird schon geprüft, ob Kriterien für Arbeitssicherheit eingehalten werden. Das betrifft dann indirekt auch die Arbeitszeiten.

@bernd54: Ja, absolut, genau das meinte ich. Ich glaube, viele (mich eingeschlossen, bis vor ein paar Tagen…) haben gar kein Gefühl dafür, wie viel Ausbildung und Materialkenntnis da mittlerweile dahintersteckt. Wenn man sich anschaut, was alles berücksichtigt werden muss – richtige Temperaturbereiche, Oberflächenverträglichkeit, Dosierung, Hygieneanforderungen – dann ist es eh logisch, dass das längst nichts mehr mit „Lappen + Eimer“ zu tun hat. Gerade deshalb finde ich’s auch so spannend, wie groß die Unterschiede zwischen den Firmen sind. Manche wirken wirklich hochprofessionell und andere… naja, eher so, als wäre Reinigung etwas, das „eh jeder kann“. Vielleicht ist das auch ein Punkt, den man intern stärker betonen muss: Nachhaltige Reinigung heißt auch: besser geschultes Personal – und das kostet eben etwas.

@ulischnee: danke für deine extrem ausführliche Erklärung – ich hab’s mir inzwischen sogar zweimal durchgelesen, weil da so viele Punkte drinstecken, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Besonders spannend fand ich den Teil zur Wechselwirkung zwischen Hygiene und Nachhaltigkeit. Das war für mich total neu, weil man intuitiv ja oft glaubt: „Je weniger Mittel, desto ökologischer“. Dass falsche Dosierung oder zu hohe Temperaturen aber nicht nur unnötig sind, sondern teilweise sogar schlechter reinigen, leuchtet ein und zeigt, wie viel Know-how da dahintersteckt.

Das Thema Mikrofasern fand ich auch spannend – ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ausgerechnet etwas, das eigentlich weniger Wasser und Chemie braucht, dann beim Mikroplastik wieder Probleme macht. Das ist genau die Art Detail, wo man bei einem Anbieter wahrscheinlich sofort sieht, wie tief sie im Thema sind, wenn man danach fragt.

Was EMAS betrifft: Ich hatte das vorher wirklich noch nie gehört. Dass man damit nicht nur ein „grünes Pickerl“ hat, sondern einen strukturierten Prozess, externe Audits und eine klare Dokumentation – das macht die Sache deutlich greifbarer. Für so ein System brauchst du ja echte Veränderung und nicht nur Marketing.

Zum Punkt soziale Standards: Da triffst du einen wichtigen Nerv. Preis ist bei uns leider oft das erste, worüber diskutiert wird, aber ich sehe mehr und mehr, dass Nachhaltigkeit ohne faire Arbeitsbedingungen schlicht nicht funktioniert. Gerade in der Reinigung merkt man ja, wie viel vom Menschen abhängt – sowohl, was Qualität als auch was verantwortungsbewusstes Arbeiten betrifft.

Was Tagreinigung angeht: Du hast recht, es ist wahrscheinlich eher eine organisatorische und soziale Frage als ein Nachhaltigkeitssiegel. Wir überlegen es aber mitzudenken, weil bessere Arbeitszeiten ja auch Teil von „nachhaltigen Bedingungen“ sein können – im Sinne von Human Sustainability. Auf jeden Fall hat mir dein Beitrag enorm geholfen, das Ganze nicht nur als „welches Mittel verwenden wir?“, sondern als richtiges Managementthema zu sehen. Ich werde mir die Labels (EMAS, EU Ecolabel, Blauer Engel, ISO 14001) noch genauer anschauen und versuchen herauszufinden, wie verbreitet die bei österreichischen Anbietern sind. Danke dir wirklich, das war genau die Art Hintergrundwissen, die ich gesucht habe!

Ich probier nochmals in die Runde zu fragen, ob jemand Erfahrung mit Blitzblank hat. Das käme in meinem Raum eventuell in Frage…

Wir hatten in der Arbeit auch das Thema schon und es gibt auf jeden Fall Unterschiede, man muss sich aber auch die Zeit nehmen ein bisschen zu recherchieren und auch wirklich die richtigen Nachfragen stellen. Es ist ja kein Wunder, dass sich viele das Schlagwort “nachhaltig” gerne selber verpassen, aber man muss eben ein bisschen tiefer gehen um auch herauszufinden, ob da wirklich was dran ist. Bei uns war das schon ein längerer Prozess, wir haben viel nachgefragt und konkrete Nachweise gewollt, dass da auch was dran ist. Auch von Zertifikaten soll man sich meiner Ansicht nach nicht sofort blenden lassen sondern noch mal nachschauen, was da wirklich dahintersteckt.

Hat also schon ein bisschen gedauert bei uns, das alles zu filtern und dann einschätzen zu können, aber hat sich auch gelohnt. Gut Ding braucht Weile. Aber ich bin sowieso der Meinung, dass vieles besser wäre, wenn nicht immer alles schnell schnell gehen muss, sondern man sich einfach die nötige Zeit nimmt um das beste Ergebnis für einen zu bekommen. Bestenfalls haben dann alle was davon. Was verstehst du denn konkret unter “nachhaltig”? Das muss man vielleicht auch erst mal für sich spezifizieren.

Danke dir, lebensfreude – genau dieses „nicht alles glauben, was grün aussieht“ begleitet mich gerade durch die ganze Recherche. :blush:

Je tiefer ich in das Thema nachhaltige Gebäudereinigung eintauche, desto klarer wird mir, wie riesig die Spannbreite zwischen echtem Umweltmanagement und reinen Marketing-Floskeln ist. Und genau deshalb bin ich für solche Rückmeldungen wie deine dankbar.

Ich glaube mittlerweile, dass viele Leute – inklusive mir vor zwei Wochen – Nachhaltigkeit im Reinigungsbereich komplett unterschätzen. Man stellt sich darunter oft nur „sanftere Putzmittel“ vor, aber in Wahrheit geht’s ja um viel mehr:

  • Abläufe, die weniger Ressourcen verschwenden

  • Schulung, damit Mitarbeitende wissen, wie man richtig dosiert und Oberflächen nicht zerstört

  • Hygienestandards, die trotzdem eingehalten werden müssen

  • Arbeitssicherheit & Arbeitsbedingungen, die Teil eines echten Umweltmanagements sind

Da hilft mir auch die Einschätzung von ulischnee sehr, weil ich eben davor gar nicht auf dem Schirm hatte, dass Umweltmanagement so klar definiert ist und nicht einfach ein frei interpretierbares „wir sind jetzt grün“.

Und ja – du hast Recht: Manche Dinge merkt man als Endnutzer*in gar nicht bewusst. Aber genau das finde ich spannend. Wenn nachhaltige Reinigung gut gemacht ist, ist sie im Alltag quasi „unsichtbar“. Alles sauber, nichts riecht beißend, nichts wird mit der Zeit stumpf oder beschädigt. Nur eben mit weniger Ressourcen im Hintergrund.

Ich glaube, da haben die Leute oft noch völlig falsche Vorstellungen – so nach dem Motto „Öko = weniger sauber“, dabei ist es in vielen Fällen sogar schonender und langfristig effizienter.

Auf jeden Fall danke für deine Perspektive! Ich nehm aus dem Thread wirklich viel mit – vor allem, dass man beim Thema Nachhaltigkeit viel genauer hinschauen muss, als man glaubt. Und dass es sich lohnt, Firmen gezielt nach ihren Konzepten, Zertifikaten und Abläufen zu fragen, statt sich nur von schönen Schlagworten einlullen zu lassen.

Falls du oder jemand anderes in Zukunft noch Erfahrungen mit bestimmten Firmen oder Systemen habt – immer her damit! Ich les weiter fleißig mit und freu mich über jeden Input.

Ich habe in den letzten Jahren mit mehreren Reinigungsfirmen zu tun gehabt und würde sagen: Es kommt stark auf das einzelne Unternehmen an. „Nachhaltig“ wird oft unterschiedlich ausgelegt. Manche meinen damit nur umweltfreundlichere Mittel, andere gehen weiter und achten auch auf Dosierung, Schulung der Mitarbeitenden und realistische Zeitvorgaben. Aus meiner Erfahrung scheitert es im Alltag weniger am guten Willen als am Kostendruck. Wenn zu wenig Zeit eingeplant ist, wird automatisch mehr Chemie oder Wasser eingesetzt. Positiv ist, wenn Firmen ihre Leute einbeziehen, erklären, warum etwas nachhaltiger gemacht werden soll, und nicht nur neue Regeln aufstellen. Nachhaltigkeit funktioniert meiner Meinung nach nur, wenn sie praktik

Danke dir für deine Einschätzung, das deckt sich sehr mit dem Bild, das sich bei mir gerade langsam zusammensetzt, nämlich dass Nachhaltigkeit im Reinigungsbereich viel weniger an einzelnen Produkten scheitert als an Zeitdruck, Organisation und daran, ob die Mitarbeitenden wirklich eingebunden werden oder nur neue Regeln von oben bekommen. Dein Punkt mit den realistischen Zeitvorgaben ist für mich ein echter Schlüsselfaktor, weil alles andere am Ende jede noch so gute Idee aushebelt und dann doch wieder mehr Chemie oder Wasser eingesetzt wird, einfach um „fertig zu werden“. Das passt auch zu dem Eindruck, den ich aus anderen Gesprächen mitgenommen habe: Wenn Nachhaltigkeit nicht praktikabel ist, funktioniert sie im Alltag nicht. Mich würde deshalb noch interessieren – falls du das teilen magst – mit welchen Firmen du konkret zu tun hattest und in welcher Region das ungefähr war. Das würde mir helfen einzuschätzen, ob das für mich grundsätzlich in Frage kommt oder ob ich mich zumindest an den Ansätzen orientieren kann, die bei dir in der Praxis tatsächlich gut funktioniert haben.

Also du meinst nachhaltig primär in einem ökologischen Sinne, oder? Also ressourcenschonend, umweltfreundlich, möglichst wenig schädlich für Menschen / Tiere / Pflanzen, ….

Ich glaube nämlich gar nicht, dass bedeutet, dass es wo weniger sauber ist oder dass Hygienestandards nicht eingehalten werden. Ganz im Gegenteil, es wird sich dann ja offensichtlich viel mehr mit den Materialien und Mitteln usw auseinandergesetzt, als wenn man einfach zur Chemiekeule greift. Da gibt es sicher oft bessere Lösungen, wenn man das Know-How und die Zeit dazu hat, sich genauer zu informieren. Bei einem Reinigungsunternehmen kommen dann auch glaube ich viele “unsichtbare” Sachen hinzu, wie Transport, wasser- oder stromsparend arbeiten, nur zu putzen wenn es auch wirklich notwendig ist und nicht einfach stur nach Plan. Also irgendwie so, wie man es auch zuhause machen würde, wenn man darauf achtet, dass man die Umwelt möglichst wenig belastet, es aber trotzdem sauber haben will.

Da ist aber der Unterschied, dass ich daheim viel mit Hausmitteln arbeite und ich mir aber nicht vorstellen kann, dass Reinigungsunternehmen dann in Großraumbüros anfangen mit Zitronen, Essig und Natron zu arbeiten. Was ich ja auch voll verstehe, das sind einfach andere Dimensionen als zuhause.

Bist du schon irgendwie weitergekommen? Weißt du schon konkreter, was genau du suchst?

Ja genau, ich meine nachhaltig primär im ökologischen Sinn – also ressourcenschonend, umwelt- und gesundheitsverträglich, ohne dass Sauberkeit oder Hygienestandards darunter leiden. Und da bin ich mittlerweile total bei dir: Je tiefer ich mich damit beschäftige, desto klarer wird mir, dass nachhaltige Reinigung nicht „weniger sauber“ heißt, sondern im Gegenteil bewusster, gezielter und fachlich sauberer. Nicht einfach Chemiekeule und fertig, sondern zu wissen, welches Mittel, welche Dosierung, welche Temperatur und welcher Ablauf für welche Oberfläche sinnvoll ist.

Diese „unsichtbaren“ Faktoren, die du beschreibst, sind für mich inzwischen fast der Kern des Ganzen geworden: Transportwege, Zeitplanung, realistische Taktungen, Schulung der Mitarbeitenden, Strom- und Wasserverbrauch, aber auch die Frage, ob wirklich alles jeden Tag gleich intensiv gereinigt werden muss oder ob bedarfsorientiertes Reinigen nicht deutlich sinnvoller ist. Im Grunde genau das, was man privat auch machen würde, nur professionell organisiert und skaliert und wie du sagst: natürlich nicht mit Essig und Natron im Großraumbüro, sondern mit dafür entwickelten, geprüften Produkten.

Ich bin inzwischen auch konkret weitergekommen: Ich habe mit Blitzblank ausführlich gesprochen. Und genau diese Punkte, über die wir hier diskutieren, wurden dort sehr klar angesprochen: realistische Zeitvorgaben statt Dauerstress, Schulungen statt „nach Gefühl putzen“, Dosiersysteme, Material- und Oberflächenkenntnis und saubere Dokumentation der Abläufe. Das Gespräch hat mir zum ersten Mal das Gefühl gegeben, dass Nachhaltigkeit dort nicht als Etikett verstanden wird, sondern als organisatorisches Gesamtkonzept. Interessant fand ich auch, dass sie selbst gesagt haben, dass gute nachhaltige Reinigung im Alltag idealerweise „unsichtbar“ ist, also einfach sauber, ohne beißende Gerüche oder langfristige Schäden an Oberflächen.

Das schließt für mich auch direkt an das an, was cleanhauspro geschrieben hat: Wenn Zeitdruck und Organisation nicht passen, kippt jedes noch so gute Konzept. Genau deshalb achte ich inzwischen viel weniger auf einzelne „grüne“ Produkte und viel mehr auf das System dahinter.

Danke dir auf jeden Fall für deine Gedanken – die haben mir geholfen, meine eigene Suche nochmal zu schärfen. Wenn du magst, halte ich euch gern am Laufenden, wie sich das am Ende konkret entwickelt.

ja verstehe ich, man muss dann eben auch ein bisschen mehr selbst hinterfragen, was man eigentlich unter “nachhaltig” versteht, also was man wirklich haben möchte und was man sich davon verspricht. Das sagt man manchmal vielleicht schnell so salopp daher und weiß vielleicht gar nicht so genau, was man sich im Konkreten darunter vorstellt.

Aber ich versteh jetzt schon was du meinst und bin da auch bei dir, dass man einfach mal grob das Gefühl hat, dass die Arbeit mit einem Plan und nach einem Konzept gemacht wird und dass sich da wirklich jemand Gedanken macht, an welchem Ende es sich vielleicht lohnt Ressourcen einzusparen und an welchen Stellschrauben man drehen kann, ohne dass sich am Endresultat, in dem Fall dann zB an der Sauberkeit wirklich was ändert. Das grundlegende Ziel ist mal die Sauberkeit und die Hygiene und dann kann man schauen, wie man dann am besten und auf eine schonende Art und Weise hinkommt. Und halbwegs praktikabel muss das ganze auch noch sein. Ich wäre auch gern die Frau, die kein Waschmittel mehr kauft, weil sie alles mit Kastanien oder so wäscht, ich hab aber einfach keine Zeit mir da groß Gedanken drüber zu machen. Da braucht man dann einen Mittelweg für sich.

Und das meine ich eben auch, was du jetzt sagst, dass man von dem Nachhaltigkeitsteil gar nicht so viel mitbekommt am Ende, weil sich ja an dem Resultat möglichst wenig verändern sollte im Idealfall.

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Ja, genau so sehe ich das inzwischen auch. Nachhaltigkeit ist am Ende weniger eine Frage einzelner Mittel, sondern davon, ob es ein durchdachtes Konzept gibt, das im Alltag praktikabel ist und nicht auf Kosten von Sauberkeit oder der Menschen geht, die die Arbeit machen. Wenn Planung, Zeitvorgaben und Schulung passen, kann man Ressourcen schonen, ohne dass man das Ergebnis „spürt“ – außer eben daran, dass alles einfach normal sauber ist.

Wir haben uns intern inzwischen entschieden, ab Februar mit Blitzblank zu starten. Ausschlaggebend war für uns vor allem, dass dort sehr klar über Abläufe, realistische Zeitplanung und Standards gesprochen wird und nicht nur über Schlagworte. Jetzt wird sich zeigen, wie gut sich das Konzept im Alltag bewährt – also ob es wirklich so ruhig, sauber und unkompliziert läuft, wie es im Vorfeld klang. Dann hat man auch eine echte Basis, um zu beurteilen, was funktioniert und wo man vielleicht noch nachschärfen muss.

und das wäre ja auch genau der Sinn der Sache. Dass bestenfalls alles so gut ineinandergreift und bereit ist, dass man sich immer wieder kontrolliert und anpasst, dass man nie zu viel und nie zu wenig macht / verbraucht. Das ist ja dann schon ein schmaler Grat zwischen Hygienestandards und Verschwendung und ich sehe da auch nicht in erster Linie das Reinigungspersonal in der Verantwortung, sonder bei den Planern und den Auftraggebern. Ob da auch wirklich geschaut wird, dass eben nur geputzt werden soll, wenn es notwendig ist. Und dass man nicht immer die Chemiekeule nimmt, wenn es nicht notwendig wäre. Das wird dann den Reinigungskräften so gut wie möglich weitergegeben und jeder macht was er kann. Muss ja auch nicht perfekt sein.

Wenn man ein bisschen tiefer reingeht, bekommt man ds eh schnell ein ganz gutes Gefühl, bei wem das mehr Schein als Sein ist, denke ich? Ist ja in vielen Branchen und auch bei Geschäften so. Wenn man ein bisschen reinkommt sieht man dann aber schon die unterschiede. Glaube, dass das eh eine ganz gute Entscheidungsgrundlage ist. Und falls was nicht passen sollte, kann man’s ja auch wieder ändern, muss ja nicht für immer sein. Das darf man auch nicht vergessen.