Hallo,
ich fange ab Januar in einer neuen Firma an, nachdem ich jetzt ein halbes Jahr arbeitslos war - das erste und einzige Vorstellungsgespräch war ein Volltreffer.
Ich stehe seit Herbst auf der Warteliste (bis zu einem halben Jahr Dauer) für DBT-Gruppen (Dialektisch-Behaviorale-Therapie) in der psychiatrischen Ambulanz unseres Krankenhauses.
Voraussichtlich bekomme ich da im März einen Platz, d.h. die Gruppen finden 1 Jahr lang einmal die Woche von 16 bis 18 Uhr statt, das ist die spätmöglichste Gruppe.
Jetzt hab ich keinen blassen Schimmer, wie ich das meinem neuen Arbeitgeber verklickern soll, dass ich eben mal schnell jede Woche, ein Jahr lang mittwochs um halb 4 gehen muss.
Ich muss in der Firma jeden Tag bis halb 5 arbeiten, etwa 30 min Fahrtzeit bis zur Klinik.
Jetzt wäre das „Zeitmanagement“ sicherlich nicht das Problem in der Arbeit, denn ich könnte vorschlagen, dass ich diese eine Stunde, wo ich mittwochs eher gehen müsste, an anderen Tagen reinarbeite.
Aber man fragt mich doch sicherlich, warum das Ganze für ein Jahr und jeden Mittwoch.
Aber was dann?
Ich will mich nicht unbedingt outen, dass ich einen „Knacks“ habe und in der Psychiatrie eine Gruppe mache … und das in einer NEUEN Firma, bei einem NEUEN Chef und NEUEN Kollegen.
Wie würdet ihr das denn anpacken?
Vielen Dank für jeden wertvollen Tip.
Chris
hallo chris
Aber man fragt mich doch sicherlich, warum das Ganze für ein
Jahr und jeden Mittwoch.
normalerweise fragt man nicht, wenn du vorschlägst, diese stunden wieder einzuarbeiten.
und wenn du die therapie erst in einem halben jahr hast, schau dass du dich von deiner besten seite zeigst - arbeite kompetent, mach ein paar überstunden, wenn dir das nicht zu viel wird…
in diesem halben jahr hast du auch genügend zeit deinen kollegen einen guten eindruck zu verschaffen - also wäre outen meiner meinung nach kein problem
welcher job ist das? musst du mit menschen reden?
wenn nicht, denke ich, deinem chef wird das - wenn du gut arbeitest - nichts ausmachen wenn du dich ‚outest‘
wenn er dich fragt, kannst du ihm auch sagen, dass du eine therapie hast und ich denke dass dein chef es für zu privat hält, wenn er nachbohrt und fragt welche therapie du hast.
Aber was dann?
Du willst aus privaten Gründen früher gehen. (Wenn du die Zeit wieder einarbeitest brauchst du keine Bestätigung oder?) private Gründe - und wenn er nett ist, fragt er auch nicht nach.
Ich will mich nicht unbedingt outen, dass ich einen „Knacks“
habe und in der Psychiatrie eine Gruppe mache … und das in
einer NEUEN Firma, bei einem NEUEN Chef und NEUEN Kollegen.
Ich glaube nicht, dass es noch so viele Menschen gibt, die dann wirklich von einem „Knacks“ sprechen.
Du hast ein halbes jahr zeit um deiner ‚Normalität‘ zu beweisen, um dich bei deinen kollegen beliebt zu machen.
Trotzdem wäre Ehrlichkeit dem Arbeitgeber gegenüber mMn am Besten. Ein Kündungsgrund ist es sicherlich nicht und wenn du mit deinem Arbeitgeber allein sprichst werden auch deine Kollegen nichts davon erfahren.
Versuch mal dieses Jahr dazu zu nützen dich von deiner besten Seite zu zeigen und auch dazu deinen Arbeitgeber einzuschätzen.
LG
Hallo Chris
Hiermit sollte man ähnlich umgehen wie mit den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (vulgo auch „Krankschreibung“), auf dem Blatt für den Arbeitgeber steht nie die Diagnose drauf und ich sage meinen Patienten auch zuweilen, dass das den Arbeitgeber nix angeht. Auch „interessierte“ oder 2wohlmeinend nachfragende" Kollegen, die wissen wollen, was man denn „habe“, kann man freundlich, aber nmissverständlich darauf hinweisen, dass das eine persönliche Angelegenheit sei.
In deinem Fall würde ich dem Arbeitgeber von einem festen wöchentlichen Arzttermin schon etwas sagen, aber keinesfalls mehr. Auch nicht nach Nachfragen. Da kann man dann wieder - siehe oben.
So kann der Abeitgeber rätseln, ob du nun regelmäßig zur Hyposensibilisierung wegen deines Heuschnuopfens gehst oder zur Krankengymnastik wegen deines Rückens oder zur Lichtbehandlung wegen deines Hautproblems. 
Gruß, Branden
Hi Chris,
obwohl das „Was machst Du da?“ niemand was angeht, kann ich mir vorstellen, dass Du in der neuen Umgebeung niemand misstrauisch machen willst: sage einfach, Du gehtst dort zur Rückenschule odgl. - bei orthopädischen Sachen ist das i. d. R. akzeptiert und es gibt keine Nachfragen. Wenn es tatsächlich auffliegt, sagst Du halt, dass Du Dich nicht getraut hast und dass es letztlich auch niemand was angeht . . .
Hallo Chris,
ich würde auch einfach nur sagen, dass Du einen „aufwändigen Arzttermin“ hast. Punkt.
Keinesfalls mehr! Niemals. Das hat nichts mit sympatischer Offenheit zu tun oder dergleichen. Schon gar nicht in der Probezeit. Psychotherapie ist in der Arbeitswelt ein ganz heikles Thema. Das mag sehr hart und unsympathisch klingen, aber es ist so. Es kann Dich Deine Karriere kosten. Auch wenn Du Dich im Arbeitsalltag ganz normal verhälst. Für andere ist hier nicht relevant, warum Du das tust, wie schwer die Störung ist oder wie dringend Du eine Therapie brauchst. Ob Du z.B. als Opfer eines nächtlichen Raubüberfalls eine Verhaltenstherapie machst, um ohne Angst wieder ein Parkhaus betreten zu können. Finger weg von jedem „Outing“!
Ich habe es selber erlebt, wie der schlichte Satz „Ich hab manchmal Flugangst“, einen Kollegen Kopf und Kragen gekostet hat. Der Chef meinte nur lapidar: „Wer weiß, was der noch alles für Macken hat.“
Viele Grüße
Anni