Arbeitsamt und Mirwirkungspflicht (lang)

Hallo liebe www-ler,

eine ehem. Arbeitskollegin und Freundin von mir hat ein Problem, bei dem ich ihr gern helfen würde. (Zumindest in Form von Zuspruch…)

Leider kenne ich mich in Arbeitsamtdingen überhaupt nicht aus und stelle meine Frage deshalb mal hier, vielleicht fällt euch ja was ein.

Zur Situation: Meine Freundin ist Anfang dreißig und Mutter zweier Kinder (14 und 1 Jahr). Eine richtige abgeschlossene Ausbildung hat Sie nicht, da sie damals nach der Trennung vom Vater ihres ersten Kindes ihr Studium geschmissen hat. Danach hat sie mal hier und da gejobbt und zuletzt war sie als Sekretärin in einer TV-Redaktion angestellt. Hierzu muss man allerdings bemerken, dass ihre Sekretärinnen Tätigkeit wenig mit dem zu tun hat, was man im Allg. von diesem Berufsbild erwartet. So tippt sie nur langsam, kann nicht schnell Diktat schreiben und schon gar nicht vom Band uws. … Bewerbungen auf eine solche Stelle erscheinen ihr von daher sinnlos.

Angebote vom Arbeitsamt gab es für Sie bisher nicht eins. (Sie sucht übrigens eine Teilzeitstelle). Sie ist wirklich patent, kann ne ganze Menge aber traut sich kaum, eine Bewerbung überhaupt zu verschicken, zumal Sie ja nicht mal ein Abschlusszeugnis vorweisen kann. Sähe also so aus: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnis ihres ehemaligen AG’S. Nicht gerade viel, oder?

Nun endlich zum eigentlichen Problem:

Bei ihrem letzten Termin im Arbeitsamt wurde ihr mitgeteilt, dass man Minimum 7 Bewerbungen pro Woche von ihr erwarten würde, andernfalls ziehe man in Erwägung eine ALU-Sperre zu verhängen.

Nun meine Frage: dürfen die das wirklich?
Haben die nicht auch zu berücksichtigen, dass sie nicht einmal weiß, worauf sie sich bewerben soll, da sie faktisch keinen Beruf hat??? Und davon ab, Teilzeitstellen sowieso knapp sind?

Würd ihr gern helfen und sie etwas beruhigen, denn eine Sperre würde ihr finanziell das Genick brechen…

Wer kennt sich also aus oder hat anderweitige Ideen für ihre Situation?

Für jeden noch so kleinen Rat wäre ich stellvertretend dankbar!!!

Lieben Gruß,
Ironlady

Hallo Ironlady,

Zur Situation: Meine Freundin ist Anfang dreißig und Mutter zweier Kinder (14 und 1 Jahr). Eine richtige abgeschlossene Ausbildung hat Sie nicht, da sie damals nach der Trennung vom Vater ihres ersten Kindes ihr Studium geschmissen hat. Danach hat sie mal hier und da gejobbt und zuletzt war sie als Sekretärin in einer TV-Redaktion angestellt. Hierzu muss man allerdings bemerken, dass ihre Sekretärinnen Tätigkeit wenig mit dem zu tun hat, was man im Allg. von diesem Berufsbild erwartet. So tippt sie nur langsam, kann nicht schnell Diktat schreiben und schon gar nicht vom Band uws. … Bewerbungen auf eine solche Stelle erscheinen ihr von daher sinnlos.

Klar, aber es gibt ja noch andere Jobs, z.B. (*) Bürokraft, bzw. Bürohilfskraft, je nachdem welches Wissen sie über Büroarbeit hat.

Angebote vom Arbeitsamt gab es für Sie bisher nicht eins.

Normal. Nicht auf das Arbeitsamt verlassen. Wie gesagt im SIS nachschauen, in den Tageszeitungen, falls möglich auch im Internet.

(Sie sucht übrigens eine Teilzeitstelle).

Gibt es auch Angebote im SIS des Arbeitsamtes.

Sie ist wirklich patent,kann ne ganze Menge aber traut sich kaum, eine Bewerbung überhaupt zu verschicken, zumal Sie ja nicht mal ein Abschlusszeugnis vorweisen kann.

Wieso, sicher die Bewerbung kann abgelehnt werden, aber sie hat etwas getan, und jeder Versuch kann gelingen oder nicht. Solange sie nichts tut, kommt sie auch nicht weiter.

Sähe also so aus: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnis ihres ehemaligen AG’S. Nicht gerade viel, oder?

Na und, frisch gewagt, ist halb gewonnen.

Bei ihrem letzten Termin im Arbeitsamt wurde ihr mitgeteilt, dass man Minimum 7 Bewerbungen pro Woche von ihr erwarten würde, andernfalls ziehe man in Erwägung eine ALU-Sperre zu verhängen.
Nun meine Frage: dürfen die das wirklich?

Ja. Ob es unbedingt 7 Bewerbungen sein müssen, weiß ich nicht, aber wenn man selbst überhaupt nichts tut, dann erhält man eine Sperre.

Haben die nicht auch zu berücksichtigen, dass sie nicht einmal weiß, worauf sie sich bewerben soll, da sie faktisch keinen Beruf hat???

Siehe weiter oben (*)

Und davon ab, Teilzeitstellen sowieso knapp sind?

Na und. Es gibt aber welche. Die soll sie sich ansehen (SIS) und sich auf die bewerben, telefonisch (notieren, mit wem man gesprochen hat und das Ergebnis, damit man es vorlegen kann) oder schriftlich, von denen sie glaubt die entsprechende Arbeit zu können.

Wer kennt sich also aus oder hat anderweitige Ideen für ihre Situation?

Als Langzeitarbeitslose und alte Frau (ab 35 ist man zu alt) habe ich meine Erfahrungen damit. Die eine Menge kann, aber halt nicht mehr wie 20 aussieht.

Für jeden noch so kleinen Rat wäre ich stellvertretend dankbar!!!

Ich hoffe, ich konnte helfen.

Lieben Gruß zurück,
Monika

Hallo Ironlady,

ja, im Rahmen der Überprüfung der Mitwirkungspflicht dürfen die das wirklich. Um zu Recht, wie ich finde.
Die Nachweise von Eigenbemühungen werden eigentlich nur von den Bewerbern verlangt, die nicht von sich aus Nachweise über ihre Bewerbungen vorlegen. Die Anzahl oder die Art der Eigenbemühungen legt der jeweilige Vermittler selbst fest.
Es gibt jede Menge Möglichkeiten seine Bemühungen anchzuweisen. Die Zeiten in denen man warten konnte bis in der Zeitung mal was passendes steht sind vorbei.
Du solltest Deiner Freundin Mut machen sich initiativ zu bewerben. Gelbe Seiten, Branchenverzeichnisse, Messekataloge, Internet… kann man alles nutzen. Sie sollte auch ganz allgemein formulierte Bewerbungsschreiben an ausgesuchte Zeitarbeitsfirmen schicken (am besten die, die einem Verband wie dem BZA angehören).
Sie sollte www.arbeitsagentur.de nutzen und sich dort auch ein Profil anlegen, wenn sie die Möglichkeit hat einigermassen regelmässig das Internet zu nutzen. Dabei geht es ja jetzt nicht um Zwangsaktionismus. Sie möchte ja wirklich eine Stelle finden, oder?
Vor allem sollte sie sich Gedanken über machbare Alternativen machen, da der Markt zunehemend auch von sehr qualifizierten kaufmännischen Kräften überflutet ist.
Ích hoffe Euch ein paar Anregungen gegeben zu haben mit denen Deine Freundin nachweisen kann, dass sie an der Aufnahme einer Tätigkeit interessiert ist.

Liebe Grüße
Bianca

Liebe Ironlady,
gleich vorab: mit Zuspruch oder sonstigen positiven Anmerkungen kann ich nicht aufwarten
(also lieber nicht weiterlesen, wenn Deine Frustrationstoleranz eher niedrig liegt…).
Der Markt ist überschwemmt von qualifizierten arbeitslosen Sekretärinnen, die sich mittlerweile auch nicht mehr scheuen, eine eher unqualifizierte Arbeit anzunehmen…
Die vom Arbeitsamt diktierte „Bewerbungspflicht“ von 7 Bewerbungen pro Woche ist der blanke Hohn. Das sind Taschenspielertricks, mit denen sich das Arbeitsamt seiner Verantwortung entzieht, weil sie ja (wie auch im Falle Deiner Freundin) selbst nichts anzubieten haben, also muss die Behörde fordern, um vom eigenen Versagen abzulenken.
Ich habe jahrelang als Chefsekretärin und auch in Führungspositionen gearbeitet. Nach Eintreten meiner Arbeitslosigkeit habe ich im gesamten Rhein-Main-Gebiet Blind-Bewerbungen an Institutionen losgelassen, die meiner Ausbildung und meinem bisherigen beruflichen Lebensweg entsprechen. Erfolg: Null. Meine Daten sind in allen bekannten Jobbörsen gespeichert. Erfolg: Null. Den Kauf der FR und der FAZ am Wochenende habe ich mittlerweile aufgegeben, da die Chance, dort eine entsprechende Stelle zu finden, ebenfalls Null ist. Das SIS des Arbeitsamtes ist so schlecht organisiert, dass man sich jedes Stellenangebot sorgfältigst durchlesen muss. Bei 41 „Treffern“ auf der Suche nach einer Sekretariatsstelle im Rhein-Main-Gebiet muss ich mindestens 15 verwerfen, da sie „verhandlungssicheres“ Englisch fordern, dann weitere 15, weil wiederum andere Fremdsprachen (türkisch oder slowenisch z.B.) gefordert sind, etwa 8 sind falsch eingeordnet und entsprechen nicht dem Berufsbild einer Sekretärin und die letzten drei überhaupt „möglichen“ entfallen, weil sie Bewerber nicht über 30 Jahren erwarten (ich bin 49).
Das ist Fakt.
Dass die (Blind-)Bewerbungsunterlagen in einem Zustand zurückkommen, der eine zweite Versendung unmöglich macht, möchte ich kaum noch erwähnen.
Tja, so ist das.
Schön, dass wir mal drüber gesprochen haben…
Vielleicht tröstet es Deine Freundin, dass sie nicht alleine ist (4.6 Mio. Arbeitslose können doch in ihrem Frust nicht irren…)
Gruß,
Anja

Hallo ironlady,

Darling, leider auch von mir nichts wirklich Positives. Soweit ich die neuen Vorschriften kenne, muß man jetzt jegliche Arbeit annehmen, egal welche Vor-und Ausbildung man/frau hat.
Sie soll aber auf jeden Fall Belege über die entstandenen Kosten sammeln, es ist üblich geworden, Bewerbungsunterlagen nicht mehr zurück zusenden. Und da kommt einiges zusammen, wenn das Ganze einen guten Eindruck machen soll. Zumindest vor ein paar Jahren wurden diese Auslagen noch erstattet.

Grüße

Sabine

Hallo liebe Schreiber,

auch im Namen meiner Freundin einen herzlichen Dank für eure sehr ausführlichen Antworten!
Waren einige sehr schöne Anregungen bei!

o)

Lieben Gruß,
Ironlady

Bewerbungen:Gerichtsurteil für Langzeitarbeitslose
Hallo ironlady,

es gibt meines Erachtens nach ein Urteil vom Verwaltungsgericht Münster aus dem Jahre 2000. Demnach ist dem AA verboten, eine pauschale Zahl von Bewerbungen bei LZA (Langzeitarbeitslosen, d. h. diejenigen, die über ein Jahr ohne Job sind) zu verlangen.

Dem Urteil nach könne ein LZA zu sog. „Sinnlos-Bewerbungen“ gedrängt werden. Das Urteil selbst spricht nur davon, dass es zulässig sei, von einem Arbeitslosen in „angemessener Zahl“ Bewerbungen nachzuweisen.

Eine pauschale Zahl ist dagegen laut diesem Urteil unzulässig.

Ich habe das irgendwo bei www.tacheles-sozialhilfe.de gefunden.

Einfach dort mal suchen oder nachfragen.

In diesem Sinne Gruß aus Gallien

Asterix

Hallo,

nichts gegen deine Freundin, aber will sie sich nicht mal lieber Gedanken machen, wie sie ihre Situation ändert. Natürlich ist es schwer und es gibt immer genügend Gründe, warum man gerade jetzt nichts ändern kann.

Jetzt sein mal ehrlich: sie hat immerhin Abitur. Sie kann eine Ausbildung annehmen. Natürlich heisst das einschränken. Aber viel weniger als jetzt wirds finanziell nicht werden. Nur mit der Zeit wirds eng. Aber da muss sie irgendwann durch.

Auch Kinder vertragen es ganz gut, wenn man etwas weniger Zeit hat, aber dafür etwas leistet - was nicht Hausarbeit ist.

Peter

PS: ich weiss wovon ich rede! Aus eigener Erfahrung.