Arbeitslos, keine Ausbildung, Schulden - wo Hilfe?

Hallo,

Ich weiß nicht, ob ich in diesem Unterforum so ganz richtig bin, aber meine Frage schien mir auch in keines der anderen zu passen. Wird auch etwas länger, also seid gewarnt :wink:

Ein guter Bekannter von mir hat ziemliches Chaos in seinem Leben und absolut keinen Plan, wie er da wieder raus kommt - ich kann ihm auch nicht helfen, da ich mich viel zu wenig auskenne, diese Dinge betreffend.
Was er bräuchte, ist eine Beratungsstelle, die ihm hilft, sein Leben wieder vernünftig zu organisieren, das Ganze wieder in normale Bahnen zu lenken, denn allein kriegt er das wohl nicht auf die Reihe. Vielleicht könnt ihr mir da ein paar Tipps geben, an wen er sich wenden könnte.

Zur Informaton, was alles an Problemen anliegt:

Er ist 26, hat einen mittelprächtigen Realschulabschluß und 2 abgebrochene Ausbildungen hinter sich (einmal krankheitsbedingt, einmal verursacht durch Bankrott des Ausbildungsbetriebs). Er hat diverse Jobs gehabt, einen Teil davon auch über Zeitarbeitsfirmen. Vor gut 2 Jahren ist er arbeitslos geworden, hat sich dann auch nicht ernsthaft um einen neuen Job bemüht, da wenige Monate später ein Umzug in ein anderes Bundesland anstand. Arbeitslosengeld hat er aber auch nicht bezogen (dazu gleich mehr).
Am neuen Wohnort hat er auch noch keine Arbeit gefunden, bezieht aber ebenfalls kein Arbeitslosengeld, da bei der Beantragung Schwierigkeiten mit den Nachweisen der früheren Arbeitgeber aufgetreten sind. Daraufhin ist er nicht weiter zum Arbeitsamt gegangen, auch wenn eine Umschulung mal im Gespräch war und zumindest ALG2 noch eine Alternative gewesen wäre, soweit ich informiert bin.

Frühere Jobs hat er über Beziehungen bekommen, hat also keine Ahnung, wie man sich richtig bewirbt und dergleichen.
Dazu kommt, dass er seit Jahren einiges an Schulden mit sich herum schleppt (dürften sich im Bereich von etwa 1000 bis 2000 € bewegen) - welche ja auch nicht weniger werden, im Gegenteil.
Sein Lebensunterhalt wird derzeit von seiner Freundin bestritten (die beiden wohnen zusammen), welche aber nur eine Halbtagsstelle hat, da sie gerade ein Promotionsstudium absolviert. Das Geld ist also entsprechend knapp.
Weiterhin ist mein Bekannter nun seit ebenfalls mehr als 2 Jahren nicht mehr krankenversichert - ein großes Risiko, wie ich finde, denn sollte doch mal was ernsthaftes sein, wird das mächtig teuer…

Mir ist klar, dass er den Großteil seiner Probleme selbst verursacht hat - oder zumindest durch Untätigkeit/Faulheit/Ignoranz/Wasauchimmer nicht ihre Entstehung/Vergrößerung verhindert hat. Aber mir geht es hier nicht um Schuldzuweisungen, und Kommentare wie „Selbst schuld“ o.ä. helfen weder mir noch ihm.

Was ich suche, ist eine geeignete Beratungsstelle, die sich mit den genannten Problemen auskennt, die ihn etwas an die Hand nimmt, ihm seine Möglichkeiten aufzeigt und ihn auch zumindest teilweise bei den nötigen Schritten unterstützt. So eine Art Lebenshilfe, damit er sein Leben in den Griff bekommt, denn momentan sehe ich echt schwarz für ihn und seine Zukunft.

An wen könnte er sich wenden?
(Er wohnt im Raum München, falls das wichtig ist)

Schon mal herzlichen Dank für eure Hilfe!

Grüße,

Jona

Hallo Jona,
http://www.muenchen.de/Rathaus/soz/bezirkssozarbeit/…
Grüße
Almut

Hallo Jona,

dein Engagement ist lobenswert - leider wird es nur etwas nützen, wenn der junge Mann es will und wenn er die Kraft aufbringen will, da raus zu kommen. Es ist eine undankbare Aufgabe, deshalb hier meinen Dank an dieser Stelle - das findet man nicht oft.

Eine Beratung ist sicherlich ein Weg, um das finanzielle Desaster abzumildern… mehr wird sie jedoch nicht bringen. Im Gegenteil, meine Erfahrungen sind, dass sich die Betroffenen auf die Beratungsstelle verlassen und selbst nicht wirklich aktiv werden.

Es gibt eigentlich nur einen Weg: Der junge Mann muss arbeiten. Er muss irgendeinen verdammten Job annehmen, selbst wenn dieser total unterbezahlt und schmutzig ist. Hier geht es nicht in erster Linie um Geld, sondern darum, dass er wieder ein geregeltes Leben führt und das Gefühl bekommt, etwas zu leisten.

Aus diesem vielleicht schlechten Job muss er so nach und nach bessere Jobs machen, bis er sich wieder im Griff hat. Er ist ganz unten angekommen und muss von dort an beginnen zu laufen - möglichst bergauf. Einen anderen Rat kann man kaum geben. Deine Unterstützung wird er wohl brauchen.

Entweder er schafft es durch diese Schei…situation oder er geht in ihr unter.

Herzliche Grüße
Sven Reinhardt

Ich weiß nicht, ob ich in diesem Unterforum so ganz richtig
bin, aber meine Frage schien mir auch in keines der anderen zu
passen. Wird auch etwas länger, also seid gewarnt :wink:

Ein guter Bekannter von mir hat ziemliches Chaos in seinem
Leben und absolut keinen Plan, wie er da wieder raus kommt -
ich kann ihm auch nicht helfen, da ich mich viel zu wenig
auskenne, diese Dinge betreffend.
Was er bräuchte, ist eine Beratungsstelle, die ihm hilft, sein
Leben wieder vernünftig zu organisieren, das Ganze wieder in
normale Bahnen zu lenken, denn allein kriegt er das wohl nicht
auf die Reihe. Vielleicht könnt ihr mir da ein paar Tipps
geben, an wen er sich wenden könnte.

Zur Informaton, was alles an Problemen anliegt:

Er ist 26, hat einen mittelprächtigen Realschulabschluß und 2
abgebrochene Ausbildungen hinter sich (einmal
krankheitsbedingt, einmal verursacht durch Bankrott des
Ausbildungsbetriebs). Er hat diverse Jobs gehabt, einen Teil
davon auch über Zeitarbeitsfirmen. Vor gut 2 Jahren ist er
arbeitslos geworden, hat sich dann auch nicht ernsthaft um
einen neuen Job bemüht, da wenige Monate später ein Umzug in
ein anderes Bundesland anstand. Arbeitslosengeld hat er aber
auch nicht bezogen (dazu gleich mehr).
Am neuen Wohnort hat er auch noch keine Arbeit gefunden,
bezieht aber ebenfalls kein Arbeitslosengeld, da bei der
Beantragung Schwierigkeiten mit den Nachweisen der früheren
Arbeitgeber aufgetreten sind. Daraufhin ist er nicht weiter
zum Arbeitsamt gegangen, auch wenn eine Umschulung mal im
Gespräch war und zumindest ALG2 noch eine Alternative gewesen
wäre, soweit ich informiert bin.

Frühere Jobs hat er über Beziehungen bekommen, hat also keine
Ahnung, wie man sich richtig bewirbt und dergleichen.
Dazu kommt, dass er seit Jahren einiges an Schulden mit sich
herum schleppt (dürften sich im Bereich von etwa 1000 bis 2000
€ bewegen) - welche ja auch nicht weniger werden, im
Gegenteil.
Sein Lebensunterhalt wird derzeit von seiner Freundin
bestritten (die beiden wohnen zusammen), welche aber nur eine
Halbtagsstelle hat, da sie gerade ein Promotionsstudium
absolviert. Das Geld ist also entsprechend knapp.
Weiterhin ist mein Bekannter nun seit ebenfalls mehr als 2
Jahren nicht mehr krankenversichert - ein großes Risiko, wie
ich finde, denn sollte doch mal was ernsthaftes sein, wird das
mächtig teuer…

Mir ist klar, dass er den Großteil seiner Probleme selbst
verursacht hat - oder zumindest durch
Untätigkeit/Faulheit/Ignoranz/Wasauchimmer nicht ihre
Entstehung/Vergrößerung verhindert hat. Aber mir geht es hier
nicht um Schuldzuweisungen, und Kommentare wie „Selbst schuld“
o.ä. helfen weder mir noch ihm.

Was ich suche, ist eine geeignete Beratungsstelle, die sich
mit den genannten Problemen auskennt, die ihn etwas an die
Hand nimmt, ihm seine Möglichkeiten aufzeigt und ihn auch
zumindest teilweise bei den nötigen Schritten unterstützt. So
eine Art Lebenshilfe, damit er sein Leben in den Griff
bekommt, denn momentan sehe ich echt schwarz für ihn und seine
Zukunft.

An wen könnte er sich wenden?
(Er wohnt im Raum München, falls das wichtig ist)

Schon mal herzlichen Dank für eure Hilfe!

Grüße,

Jona

Hallo,

also die gute Nachricht ist ja daß er bisher nicht krank ist und durch seine Freundin ein Dach über dem Kopf hat. Ansonsten liest sich Deine Schilderung so als ob sein Werdegang bisher nicht einfach nur durch Faulheit, sondern auch unglückliche Umstände bestimmt war, denn es hatte ja alles Gründe.

Der Dreh- und Angelpunkt ist natürlich jetzt sein Wille zur Veränderung. Von außen kannste da wenig machen, letztlich muß er natürlich etwas verändern wollen. Wenn er sich mit der Situation arrangiert und denkt daß es ja irgendwie läuft und deswegen kein wirklicher Handlungsbedarf besteht - dann ist es natürlich schwer da von außen einzugreifen.

Ich kann Dir keine Beratungsstelle etc. nennen und weiß nicht ob es da überhaupt Beratungsstellen gibt. Bestenfalls Anlaufstellen für Arbeitslose…?

Was für ihn sehr wichtig wäre, wäre daß er schnellstmöglich einen Job antritt. Es mag vielleicht schwer sein und auch nicht auf Anhieb klappen einen befriedigenden Vollzeit-Arbeitsplatz zu finden, aber er könnte beispielsweise einen 400-EUR-Job antreten. Die gibt es wie Sand am Meer, und um Zeitungen auszutragen, in der Würstchenbude tätig zu sein, kleinere Lagerarbeiten zu machen, in einer Gebäudereinigung zu arbeiten etc. muß man kein perfektes Vorleben haben, solche Jobs sind sehr häufig vorhanden und schnell ist man dabei.

Ich würde nun Folgendes vorschlagen: er soll sich dann einen Arbeitgeber suchen, der bereit ist ihn nicht als „geringfügig Beschäftigten“ (so heißen die 400-EUR-Jobber offiziell) anzustellen, sondern nur eine Stelle antreten wo der Arbeitgeber bereit ist ihn alternativ für 401 EUR einzustellen, als „normalen“ sozialversicherungspflichtigen Angestellten.

Über diesen Trick kann er Folgendes erreichen: wer sozialversicherungspflichtig angestellt ist muß im Zusammenhang mit dem Arbeitgeber krankenversichert sein. Außerdem ist man dann „normaler Angestellter“ und nicht nur „geringfügig Beschäftigter“. Allein schon wegen der Krankenversicherung ist es sehr wichtig daß Dein Bekannter auf diese Weise wieder zu einer Versicherung kommt - die ist nämlich blöderweise in D an die Berufstätigkeit gebunden.

Bei einem 400-EUR-Jobber muß der AG pauschale Abgaben zahlen - die aber geringfügig teurer sind als das, was er abführen muß wenn er einen sozialversicherungspflichtigen 401-EUR-Mitarbeiter einstellt. Es macht nicht viel aus, aber immerhin, ein paar EUR kann der AG sogar noch sparen.

Dann hat Dein Bekannter schon mal wieder eine Versicherung und einen Einstieg in ein geregeltes (Berufs)Leben geschafft. Aus dieser Position heraus läßt es sich einfacher bewerben als jetzt, und für das ASelbstbewußtsein ist es ja auch gut wenn er wieder etwas Sinnvolles tut.

1000-2000 EUR Schulden halte ich für Peanuts. Die hat er nach ein paar Monaten vom Hals wenn er jeden Monat einen Teil seines Gehaltes zur Tilgung verwendet.
Und es kommen natürlich 401 zusätzliche EUR in die Haushaltskasse, sicher auch zur Freude der Freundin.

Gruß,

MecFleih

Hallo,

Vielen dank euch Dreien für die Antworten!
Besonders an MecFleih für den Hinweis auf die Sache mit den 401-€-Jobs - das war mir bisher unbekannt und meinem Bekannten offenbar auch. Das ist ein guter Ansatzpunkt und es sollte wohl wirklich nicht allzu schwierig sein, einen solchen Job zu aufzutreiben.

Allgemein möchte ich noch sagen:

Ja, natürlich ist mir klar, dass der Wille zur Veränderung bei ihm vorhanden sein muss, damit es vorran geht. Ich bin mir auch sicher, dass dieser Wille grundsätzlich da ist, dass es aber momentan eine „Kaninchen-vor-der-Schlange“-Situation ist - er sitzt quasi erstarrt vor Schreck vor dem Berg an Problemen und weiß einfach nicht, wo er anfangen soll und wie. Es fehlt nur ein Schubs (oder auch Tritt *g*), um in Bewegung zu kommen… Den werde ich ihm nun mal verpassen :wink:

Viele Grüße,

Jona

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