Arbeitslosenzahlen - schön, schöner, schlecht!

Hallo MitleserInnen,

wie schönt man Statistiken? Fast jede® weiss, dass man ihnen nicht immer trauen kann, trotzdem nimmt man sie einfach hin. Ein Beispiel soll hier erwähnt werden, den vollständigen Artikel gibt unter: siehe unten.

**Die Prosperität einer Volkswirtschaft kann ausgedrückt werden durch das Volkseinkommens, üblicherweise innerhalb eines Jahres. Ist das Jahr gut verlaufen, werden die Auguren verschiedenster Institutionen, Verbände und Parteien lauthals diese Zahl verkünden. 2.666,6 Mrd. DM wurden in Deutschland im Jahr 1996 „verdient“. Dividiert durch die Anzahl aller Einwohner ergibt das den hübschen Betrag von 32.600 DM pro Einwohner. Dividiert man das Volkseinkommen durch die Anzahl aller Erwerbstätigen, dann kommt man sogar auf das staatliche Einkommen von 77.500 DM pro Erwerbstätigen.(1)

Wer würde angesichts solcher Einkommen nicht davon reden, daß Deutschland ein reiches Land sei und daß es sich offensichtlich für einen Arbeitnehmer lohne, dort zu arbeiten. Bekanntlich setzt sich das Volkseinkommen aber aus den zwei Einkommensarten „Bruttoeinkommen aus unselbständiger Arbeit (Erwerbseinkommen)“ und „Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen“ zusammen. Nur das Erwerbseinkommen ist aber eindeutig den Arbeitnehmern zuzurechnen. 2.666,6 Mrd. DM war, wie schon gesagt, der gesamte „Kuchen“ groß. Davon entfielen 1.895,2 Mrd. DM auf das Erwerbseinkommen. Nimmt man diese Zahl und dividiert sie durch die Anzahl der Erwerbstätigen (1996 = 34,421 Mio.) sinkt das Einkommen schlagartig auf 55.000 DM pro Erwerbstätigen. Fast unnötig ist es, zu erwähnen, daß nur die höhere Zahl in der Broschüre des Bundesministeriums für Wirtschaft angegeben wird. Das eindeutig zuzuordnende Einkommen der Erwerbstätigen wird auf diese Weise um 22.500 DM oder um fast 30% „geschönt“.**

Quelle: http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpoliti…

Marco

Sehe ich nicht als „Schönung“. Einkommen aus unselbstständiger Arbeit ist doch z.B. Gewinn an Selbstständige. Nun sind diese auch Erwerbstätig. Würde also Gewinn nicht berücksichtigt, würden die Unternehmensbesitzer in die Rechnung eingehen (Erwerbstätige), ihr Einkommen aber nicht.

Diese Rechnung wäre dann doch wohl offensichtlich falsch, oder?

Hallo Ralf,

kannst Du Deine Sätze bitte noch einmal neu formulieren, oder zumindest den zweiten Satz? Denn ich weiss nicht genau, ob ich das meine, was Du meinst. ;o)
   Doch ich versuche eine erste Deutung nach der Vermutung, wie Du es gemeint haben könntest: Ich muss zugeben, dass es verwirrend ist, wobei ich dem Autor dieses Artikel unterstellt habe, dass es um den tatsächlichen Verdienst geht, während - oder gerade weil - das ‚Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen‘ ein sehr dehnbarer Begriff zu sein scheint. Ich habe mich damit auseinanderzusetzen versucht, verlief mich jedoch in dem Wald verschachtelter Definitionen. (Und besonders „schön“ ist es, wenn Definition geringfügig geändert werden.)
   Sollte ich mich oder der Autor irren, wäre es zumindest ein weiterer Beweis dafür, wie sich Statistiken drehen und wenden kann. (Vor geraumer Zeit las ich zum Beispiel einen Artikel darüber, wie bei Meinungsumfragen Fragen so formuliert sein können, dass das Ergebnis in die gewünschte Richtung des Fragenstellers tendiert.) Nichtsdestotrotz kann man sich diesen Artikel mal anlesen.

Marco

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Sehe ich nicht als „Schönung“. Einkommen aus unselbstständiger
Arbeit ist doch z.B. Gewinn an Selbstständige. Nun sind diese
auch Erwerbstätig. Würde also Gewinn nicht berücksichtigt,
würden die Unternehmensbesitzer in die Rechnung eingehen
(Erwerbstätige), ihr Einkommen aber nicht.

Diese Rechnung wäre dann doch wohl offensichtlich falsch,
oder?

Hallo Ralf,

kannst Du Deine Sätze bitte noch einmal neu formulieren, oder
zumindest den zweiten Satz? Denn ich weiss nicht genau, ob ich
das meine, was Du meinst. ;o)

Ach, mir gefällt der zweite Satz. Ist halt so bodenloser Schwachsinn, dass ich ihn einfach lustig finde. Was sind das eigentlich für Leute hier, die so einen Unsinn schreiben? Ralf Henrichs - wohl nicht ganz dicht im Kopf.

)))

Ok, formuliere ich mal neu.

Statistische Bundesamt definiert Erwerbstätige so:
-----------ZITAT BEGINN----------------------
Zu den Erwerbstätigen rechnen Personen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen oder selbständig ein Gewerbe, einen freien Beruf oder eine Landwirtschaft betreiben oder als mithelfende Familienangehörige im Betrieb eines Familienmitgliedes mitarbeiten, ohne dafür Lohn oder Gehalt zu beziehen. Personen, die nur geringfügige oder aushilfsweise Erwerbstätigkeiten ausüben, wie zum Beispiel Kellner und Musiker, die nur stundenweise oder am Wochenende tätig sind oder arbeitende Studenten und Schüler, zählen ebenfalls zu den Erwerbstätigen.

Einbezogen sind ferner Berufssoldaten, Soldaten im Grundwehrdienst/ auf Wehrübung, Soldaten auf Zeit sowie Angehörige des Bundesgrenzschutzes und der Bereitschaftspolizei, Zivildienstleistende, ferner Ordensangehörige im erwerbsfähigen Alter und Strafgefangene, die in der Regel verpflichtet sind, in und außerhalb der Anstalt Arbeiten zu verrichten.
---------ZITAT ENDE---------------

Hier wichtig: Selbständige sind auch Erwerbstätig. Tauchen also bei der Rechnung Volkseinkommen durch Erwerbstätige mit im Nenner auf. Folglich sollte auch das Einkommen ALLER Erwerbstätigen - also auch der Selbständigen - im Zähler auftauchen. Und das ist nun mal das Bruttoeinkommen aus Unternehmenstätigkeit und Vermögen.

Daher ist die Rechnung „Einkommen aus unselbständiger Arbeit durch Erwerbstätige“ schlicht falsch, weil darin z.B. der Gewinn fehlt, der zu den „Einkommen aus Unternehmenstätigkeit und Vermögen“ zählt und nicht zum „Einkommen aus unselbständiger Arbeit“, wie der dummerhafte RalfHenrichs hier schrieb. Sollte erst einmal nachdenken, bevor er hier was postet.

So, ich hoffe das war nun erstens verständlich und zweitens richtig.
:wink:

P.S.: Sind eigentlich Beleidigungen gegen die eigene Person ein Verstoß gegen die Netiquette?

Wo ist der Zusammenhang zu den Arbeitslosen? (o.T)
.

Hallo Ralf,

sorry, da war ich wohl auch schon zu müde. Die Sache mit den Erwerbstätigen habe ich nicht angezweifelt, und mir war bewusst, dass die Selbständigen in diese Zahl einfliessen. Insofern hast Du vollkommen recht.
   Was ich anzweifle bzw. womit ich nicht zufrieden bin, ist die Anrechnung des Einkommens aus Vermögen. Da fliesst alles mögliche ein, aber ich betrachte es nicht als Verdienst.
   Einmal auf die Spitze getrieben: Lebte hierzulande die gesamte Bevölkerung von den Zinsen ihres beträchtlichten Vermögens, so würde der Durchschnitt daraus auch unseren Verdienst bescheinigen, aber wirklich verdient haben wir nichts, sondern andere müssen die Zinsen verdienen.

P.S.: Sind eigentlich Beleidigungen gegen die eigene Person
ein Verstoß gegen die Netiquette?

Wie beim Suizid erledigt sich das nach der Ausführung. ;o)

Marco