Liebe/r Wer-weiß-was-Experte/in,
ich bin seit 1. November 2010 festangestellt in einer Werbeagentur als Mediengestalterin beschäftigt. Leider habe ich keinen schriftlichen Arbeitsvertrag bekommen. Nach damaliger Auskunft hieß es, keiner der Kollegen hätte einen. Mein Chef hatte ursprünglich eine freiberufliche Kraft gesucht. Ich hatte meine Selbstständigkeit einige Monate vorher allerdings aufgegeben, da ich mir die private Krankenversicherung nicht mehr leisten konnte. So wollte ich nur in eine Festanstellung eintreten. Mein Chef sagte mir daraufhin zu, er sei sicher, dass er soviel Arbeit hätte, dass er mich für 15 Stunden die Woche beschäftigen könne.
So nahm ich die Stelle an und wir vereinbarten einen Stundensatz von 20,- EUR brutto die Stunde, nach den ersten drei Monaten sollte ich dann 25,- EUR die Stunde bekommen (was allerdings nie eintrat).
In den ersten Monaten bestätigte sich seine Aussage auch…ich hatte meist zwischen 70 und 80 Stunden pro Monat gearbeitet, die über eine Steuerberaterin abgerechnet wurden. Ich erhielt also immer den Lohn für die real geleisteten Arbeitsstunden.
Die Arbeitszeit gestaltete sich hier je nach Anwesenheit meines Chefs. Ich hatte also keine festen Arbeitszeiten, sondern wenn er Bedarf sah und gedachte, ins Büro zu fahren, rief er mich an und ich kam. Dieser (absolut flexible) Umstand brachte mich dann auch dazu, meinen noch nebenbei laufenden 400-Euro-Job zu kündigen, da ich nie fix wusste, wann ich Zeit hatte (zudem reichte mir das Geld, da ich meist auf mehr als die besagten 15 Stunden in der Woche kam).
Bereits im letzten Monat wurden die Anrufe seitens meines Chefs immer seltener. Diesen Monat habe ich noch kein einziges Mal gearbeitet, sodass ich (sollte ich wieder nur nach den geleisteten Arbeitsstunden bezahlt werden) keinerlei Einkünfte hätte. Ich versuchte ihn mehrmals telefonisch zu erreichen, aber entweder war er nicht da oder wollte nicht da sein. Zurückgerufen hat er - trotz der Bitte meinerseits - auch nicht.
Ich sollte vielleicht auch noch erwähnen, dass ich den Lohn für April statt am 1. Mai erst am 20. Mai erhalten habe (angeblich, weil die Firma auf die Zahlung eines Kunden warten musste, um mich bezahlen zu können)
Was vielleicht auch noch wichtig ist: Ich bin zu 50 % schwerbehindert…
Nach langer Einführung nun meine Fragen:
Inwieweit ist mein Chef verpflichtet, mich 15 Stunden pro Woche zu beschäftigen, wenn er es mündlich zugesagt hat ? Gibt es da rechtliche Grundlagen ?
Kann er sich einfach so aus dem Vertrag „schleichen“, indem er mir keine Arbeit mehr gibt ?
Wird sich nicht auch die gesetzliche Versicherung - früher oder später - melden, weil sie die Beiträge haben möchte ?
Wer kann mir einen Rat geben, wie ich mich nun verhalten soll ?
Sollte er mir kündigen, habe ich dann eventuell Anspruch auf eine Abfindung (die Agentur hat zwar weniger als 10 Mitarbeiter, ist aber nur die Niederlassung einer Schweizer Firma, die sicher mehr als 10 Mitarbeiter hat).
Da ich diesen Monat bereits Schwierigkeiten hatte, meinen Lebensunterhalt zu bestreiten…möchte ich noch gar nicht daran denken, wie es erst im nächsten Monat wird.
Wie verhalte ich mich richtig ?
Ich danke Euch jetzt schon sehr und hoffe, dass Ihr mir weiterhelfen könnt.