Arbeitsvertrag nach Befristungsgesetz

Hallo zusammen!
Es ist ja mittlerweile schwer in Mode gekommen, in Servicecentern (Callcentern) nur noch Arbeitsverträge befristet auf 2 Jahre auszustellen. Das ganze nennt sich dann Fluktuationsmanagement. In irgendeinem Gesetz steht, dass wenn ein ein solcher Arbeitsvertrag innerhalb von 2 Jahre maximal 2 mal verlängert werden kann, er darf aber nicht länger als 2 Jahre gehen, nur maximal 2 Jahre. Soweit so gut. Was passiert, nachdem ein Angestellter mit einem solchen Vertrag die 2 Jahre voll hat? Meistens dies: er darf gehen! Und nun kommt der Ersatz, der die Produkte nicht kennt, die Arbeitsabläufe nicht, die Kollegen nicht, keine Erfahrung hat usw. Wo ist der Sinn? Gut, der alte Mitarbeiter müsste wahrscheinlich nach 2 Jahren etwas mehr verdienen aber ist das einer Firma nichts wert, die viel auf guten Service legt? Sonst spricht doch alles dagegen! Wie seht ihr das?
Kann mir jemand sagen, wo man Gesetzliches zu diesem Thema findet und hat jemand vielleicht ähnliche Erfahrung wie oben beschr. Mitarbeiter gemacht?

Kann mir jemand sagen, wo man Gesetzliches zu diesem Thema
findet und hat jemand vielleicht ähnliche Erfahrung wie oben
beschr. Mitarbeiter gemacht?

Hallo,

das Gesetzliche hast Du doch schon halb selbst genannt:

„Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge“ = Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG)
http://www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/index.html

Du vergißt bei Deiner Argumentation einen wichtigen „Sinn“, nämlich Arbeitnehmer noch mehr schutzlos irgendeiner betriebswirtschaftlichen Logik zu unterwerfen und sie vor allem besser unterdrücken und ausbeuten zu können. Vor allem, wenn man ihnen die „Möhre“ der unbefristeten Weiterbeschäftigung vor die Nase hält, auch wenn es idR total unrealistisch ist.

&Tschüß

Wolfgang

Genau danach suche ich ja, nach dem Sinn!
Gibt es einen außer die Kohle, die man nach 2 Jahren mehr verdienen müsste?

Genau danach suche ich ja, nach dem Sinn!
Gibt es einen außer die Kohle, die man nach 2 Jahren mehr
verdienen müsste?

Hallo,

außer der Kohle gibt es natürlich für Arbeitgeber noch andere Gründe.
Befristete AN engagieren sich viel weniger gewerkschaftlich, gründen eher selten BR’s oder nehmen Hilfe des BR’s in Anspruch, sind fügsamer bei Arbeitszeit, Urlaub, Überstunden…
Reicht das ?

&Tschüß

Wolfgang

Hallo,
nein, reicht noch nicht.
Einen BR nimmt man als Befristeter eher ihn Anspruch, nach einer Entfristung wahrscheinlich weniger. Fügsamer bei Arbeitszeiten, Urlaub und Überstunden müssen diejenigen auch nicht sein. Wenn ihnen das nicht passt, macht man mal schön krank! Wen interessierts? Man ist ja nach 2 Jahren eh weg vom Fenster. Wen interessiert es, ob ich morgens pünktlich im Büro bin? Ah, ich muss Weihnachten arbeiten? Mann, der Rücken tut zu der Zeit immer besonders weh!
Als unbefristeter Arbeitnehmer identifiziert man sich doch viel mehr mit einem Unternehmen, dessen Produkten und Dienstleistungen, man geht mit einer ganz anderen Motivation ins Büro. Und genau das Gefühl kann man an die Kunden (speziell in Callcentern) weitergeben.

still searchin’…

B.

Sorry, aber dann kennst Du nicht die Realität in vielen Betrieben, denn die meisten Befristeten hoffen nun mal doch auf 'ne Verlängerung bis zuletzt und lassen sich mit dieser Perspektive - ganz egal, wie realistisch sie ist - richtig schön knechten. Außerdem sind sie bei Dingen wie z. B. Krankheit oft ganz schön schnell draußen.

&Tschüß

Wolfgang

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Leider kenne ich die Realität in den Betrieben, und das sehr gut! In den Großstädten sind nunmal viele Callcenter, man kennt einige Leute, hat schon persönlich die Erfahrung machen mussen und für jemanden, der überhaupt keine Ahnung vom Innenleben eines Callcenters hat, der schicke doch mal die Jungs von google los. Es sind alle gleich!
Beim Thema Krankheit muss ich wiedersprechen - das kann man sehr lange durchziehen und interessiert doch keinen!
Natürlich hofft man und wenn man keine Entfristung bekommt, kann man im nächsten Callcenter wieder anfangen.

Warum kann man den wenigen herausragenden Mitarbeitern keine Entfristung und 100 Schleifen mehr im Monat geben, bevor diese mit sämtlichem Fachwissen UND MEHR zur Konkurrenz rennen und neue MA an ihre Stelle kommen, die die Produkte nicht kennen, die Arbeitsabläufe nicht, die Kollegen nicht, keine Erfahrung haben und bei weitem nicht so engagiert sind, ganz zu schweigen von der Motivation des neuen MA, denn ER weiss auch, dass das Spielchen nach 2 Jahren zu Ende ist.
Die Sinnfrage des Fluktiationsmanagements ist nun immer noch offen!

Hallo,

ergänzend zu dem, was schon geschrieben wurde: Bei einem unbefristeten Vertrag hat man nach 6 Monaten Kündigungschutz. Ein befristeter AV läuft mit Ende der Befristung einfach aus. Der Arbeitgeber muß sich also keine Gedanken um Kündgungsschutzklagen oder Abfindungen machen…

VG