Arbeitszeit - Grenzen

Hallo zusammen,

angeregt von einer Diskussion in einem anderen Brett und auch schon aus selbst erlebten rein fiktiven Fällen heraus hätte ich mal ne Frage nach der gesetzlichen Arbeitszeitregelung. In unserem Beispiel gehen wir jetzt mal von normalen Angestellten im „Innendienst“ aus, also von Menschen, die nicht x% des Tages mit Reisen verbringen.

So, nun meine ich mich zu erinnern, daß es immer mächtig Ärger gibt, wenn man länger als 10 (?) Stunden (abzüglich der Pausen) arbeitet. Und meine Frage wäre, ob es nun Berufsgruppen gibt, die von dieser Regelung generell ausgenommen sind? Also was ist mit Piloten auf einem Flug, der mit Vor- und Nachbereitung 12 Stunden dauert? Müssen die ne Ersatzcrew mitschleppen oder gibt’s da Ausnahmeregelungen? Oder was ist mit dem Forscher, der regelmäßig in seinem Labor die Zeit vergisst und länger als 10 Stunden vor sich hin forscht? Oder mit dem Arzt? Hier soll es nicht um einen Notfall gehen, der 2 Sekunden vor Feierabend noch „rein kommt“ sondern um den Regelfall. Und wie werden die berühmt-berüchtigten 30-Stunden-Dienste gewertet?
Eine Erweiterung der Frage bezieht sich auf Ruhezeiten nach derlei Schichten. Bei Piloten weiß ich, daß nach längeren Flügen so-und-so-viele Stunden Ruhezeit vorgeschrieben sind. Genauso ist’s meines Wissens üblich, daß regelmäßige Arbeitszeit am Wochenende mit der gleichen Menge Freizeit unter der Woche vergolten wird (es mag auch großzügigere Regelungen geben -mich interessiert mehr das gesetzliche Minimum)

*wink*

Petzi

Hallo Petzi,

So, nun meine ich mich zu erinnern, daß es immer mächtig Ärger
gibt, wenn man länger als 10 (?) Stunden (abzüglich der
Pausen) arbeitet. Und meine Frage wäre, ob es nun
Berufsgruppen gibt, die von dieser Regelung generell
ausgenommen sind?

Meines Wissens ist die Grenze für alle(!) bei 48h pro Woche (bei 6 Arbeitstagen). Macht also eigentlich 8h pro Tag.

Arbeitest Du nur 5 Tage => knapp 10h als Durchschnitt, dann wirds rechtlich eng.

Allerdings gibt es meines Wissens keine Regelung (außer den 24h:wink:), wieviel h Du pro Tag arbeiten darfst. Alleine die Pause bis zur nächsten Arbeitsaufnahme verlängert sich und muss vom AG sichergestellt werden. Stichwort: Ruhezeiten.

Grüße
Jürgen

Hi,

soweit ich weiß…
(bin nur Laie)

  1. das Arbeitszeitgesetz (oder wie das heißt) schreibt vor, daß die durchschnittliche (Netto-) Wochenarbeitszeit max. 48h betragen darf. (also egal ob 5 oder 6-Tage-Woche) (in Ba-Wü haben die Beamten eine reguläre 41h-Woche, wenn ich recht gehört habe)
  2. Die Berufsgenossenschaften begrenzen i.d.R. die (Netto-)Arbeitszeit auf 10 h/Tag und machen bei eventuellen Leistungsansprüchen, welche aus einem Unfall entstehen Probleme. Sowohl der Mitarbeiter als auch dessen Chef könte was auf den Deckel bekommen.

Gruß

Winni

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Hi Petzi!

Schön, daß du dich dafür interessierst, das weckt in einem wieder die Hoffnung :smile:))

Ich kann nicht wirklich für die anderen Fälle reden, aber zum Ärzteproblem vielleicht.

Oder mit dem Arzt? Hier soll es nicht um einen
Notfall gehen, der 2 Sekunden vor Feierabend noch „rein kommt“
sondern um den Regelfall. Und wie werden die
berühmt-berüchtigten 30-Stunden-Dienste gewertet?

Ganz einfach: Es ist eine Frage der Definition.
Diese langen Dienste werden nicht „Arbeitszeit“ genannt, sondern „Bereitschaftsdienst“. Allein aus diesem Grunde gelten die Arbeitszeit- und -pausen-Regelungen hier nicht.

Blöderweise ist es so, daß man bei einem Bereitschaftdienst davon ausgehen kann, daß man nur hin und wieder arbeiten muss, den überwiegenden Teil der Zeit aber ruht. Daher sind per Gesetzt keine Pausen nötig (und auch keine zeitliche Begrenzung der Dienste - das weiß ich jetzt nicht 100%ig, daher in Klammern).
Blöderweise deshalb, weil die Realität eben anders aussieht. Denn eigentlich hat man oft im Bereitschaftdienst genausoviel zu arbeiten wie zu „normalen“ Arbeitszeiten.

Diese langen Dienste wären nur dann rechtlich nicht zulässig, wenn sie als das definiert werden, was sie tatsächlich sind, nämlich normale Arbeitszeit!

Vor kurzem wurde dies sogar durchgesetzt, vielleicht hast du davon schon gehört. Es gab nämlich ein EU-Urteil, nachdem diese Bereitschaftdienste als normale Arbeitszeit gelten müssen!

An der Umsetzung diesen Urteils happert es aber sehr um nicht zu sagen, es hat sich praktisch nichts geändert :frowning:(

Aber die Klagewelle rollt noch, mal abwarten :wink:

Hier noch paar Links zu dem Thema:
http://www.thieme.de/viamedici/politik/artikel/urtei…
http://www.thieme.de/viamedici/aktuelles/artikel/arb…
http://www.wdr.de/tv/westpol/archiv/2000/10/08_4.html#0
http://www.pflege-im-op.de/Nachrichten/Bereitschafts…

Und es gibt auch Gegenwehr gegen dieses Urteil, z.b. hier nachzulesen:
http://www.marburger-bund.de/bundesverband/presseste…

Naja, beim googeln dürftest du noch viel mehr finden zu dem Thema.
Aber vorsicht, du öffnest da wahrhaftig die Box der Pandora *ggg*
Es brodelt nämlich ganz schön unter dem Deckmäntelchen des SChweigens :wink:)

Eine Erweiterung der Frage bezieht sich auf Ruhezeiten nach
derlei Schichten.

Die sind auch vorgeschrieben - allerdings weiss ich jetzt grad nicht, ob generell oder erst durch dieses EU-Urteil *grübel*-, aber auch hier gilt:
In der Realität klappt das manchmal nicht (oft schon, aber nicht immer
), denn wenn einer heimgeht, muß trotzdem ein anderer da sein für die Patienten. Ist kein anderer Arzt da, muß man bleiben.

Zugegeben, einen solchen Fall hab ich nur selten erlebt und da ich mich zu diesem Thema nicht umgehört hab, kann ich nicht viel mehr dazu sagen.

Gruß,
Sharon

Hallo Petzi,

So, nun meine ich mich zu erinnern, daß es immer mächtig Ärger
gibt, wenn man länger als 10 (?) Stunden (abzüglich der
Pausen) arbeitet.

richtig, die regelmäßige Arbeitszeit darf - neben den berühmten 48 Stunden pro Woche - 10 Stunden am Tag nicht überschreiten. Eine Ausnahme besteht bei schweren Notfällen, z. B. nationalen Katastrophen, da dürfen es auch 12 Stunden werden, danach ist aber endgültig Schluss.

Und meine Frage wäre, ob es nun
Berufsgruppen gibt, die von dieser Regelung generell
ausgenommen sind? Also was ist mit Piloten auf einem Flug, der
mit Vor- und Nachbereitung 12 Stunden dauert?

Weiß nicht, ob das unter die Notfallregelung fällt. Darf aber auf keinen Fall der Regelfall sein.

Müssen die ne Ersatzcrew mitschleppen oder gibt’s da Ausnahmeregelungen?
Oder was ist mit dem Forscher, der regelmäßig in seinem Labor
die Zeit vergisst und länger als 10 Stunden vor sich hin forscht?

Da kann es schon Ärger geben, wenn ihm während der überzognenen Zeit oder auf dem Heimweg was passiert. Zu den Ärzten hast du ja schon gekriegt.

Eine Erweiterung der Frage bezieht sich auf Ruhezeiten nach
derlei Schichten. Bei Piloten weiß ich, daß nach längeren
Flügen so-und-so-viele Stunden Ruhezeit vorgeschrieben sind.
Genauso ist’s meines Wissens üblich, daß regelmäßige
Arbeitszeit am Wochenende mit der gleichen Menge Freizeit
unter der Woche vergolten wird (es mag auch großzügigere
Regelungen geben -mich interessiert mehr das gesetzliche
Minimum)

Mit der Wochenend-Arbeitszeit kenne ich mich dagegen nicht so aus.

Liebe Grüße, Karin