Hallo,
momentan wird hier (NRW) diskutiert, die Arbeitszeit von Lehrern von 53 Stunden pro Woche auf 45 zu senken. Die Jahresarbeitszeit soll künftig 1804h sein.
Weiss jemand, wie diese Stunden gerechnet werden? Und wie sie in der Praxis, vermutlich nach Fächern und Schulformen deutlich gestreut, anfallen?
Mit bestem Dank
achim
Hallo,
leider nicht. Mich würde es aber wundern, wenn offiziell die Arbeitszeit mit 53 Stunden angenommen würde.
Soweit ich weiß ist die Arbeitszeit für Beamte grundsätzlich gleich. Rein theoretisch arbeitet ein Lehrer also auch 40 Stunden (oder was eben im Beamtengesetz bzw. der zugehörigen Verordnung des Landes steht).
Dass die Arbeitszeit der Lehrer de Facto deutlich darüber liegt, wurde zwar in mehreren Studien zum Leidwesen der Kultusministerien, die damit eigentlich eine Deputatserhöhung begründen wollten, aufgezeigt, das wurde soweit ich weiß aber immer entweder offiziell nicht zur Kenntnis genommen bzw. die Studien verschwanden einfach im Archiv.
Gruß
Werner
hallo,
achim!
Mir sind (Bereich: Gym, By) zwei Rechnungen bekannt:
a) aufgrund von wissenschaftlichen Untersuchungen und/oder Maßnahmen der Unternehmuungsberatung werden eruiert und summiert:
Unterrichtszeit (= Pflichtdeputat) + [Zeit für Vorbereitung + Nacharbeit (d.h. Korrekturen + Listenschreiben + Rechnereingabe + u.ä.)] + Aufsichtszeiten + Elternsprechzeit (d.h. regelmäßíge Wochensprechstunde + Klassenelternabende u.ä.) + Konferenzen + Dienstbesprechungen + …
b) Unterrichtszeit mal 2
Das Problem, das dringend gelöst werden müsste: Es müssten Faktoren festgelegt werden, durch die berücksichtigt werden:
Schülerzahl pro Klasse, Korrekturaufwand pro Fach (Anzahl der zu schreibenden Arbeiten, Dauer der Korrektur), Klassenstufe (Unterstufe, Sekundarstufe I, Sek.-St. II/Kollegstufe, Abiturfach).
Warum diese längst fällige Differenzierung (durch die das vielbeschrieene burn-out-Syndrom der Lehrer z. T. vermieden werde könnte) nicht durchgeführt wird? Weil die Lehrerverbände nicht mitziehen: Wahrscheinlich würden ganze Gruppen von Fachlehrern, die sich dann benachteiligt sähen, aus dem Verband austreten …
Kann jemand mitteilen, wie man mit diesem Problem in Österreich umgeht?
Schöne Grüße!
Hannes
Hallo,
Warum diese längst fällige Differenzierung (durch die das
vielbeschrieene burn-out-Syndrom der Lehrer z. T. vermieden
werde könnte) nicht durchgeführt wird? Weil die Lehrerverbände
nicht mitziehen: Wahrscheinlich würden ganze Gruppen von
Fachlehrern, die sich dann benachteiligt sähen, aus dem
Verband austreten …
In Hamburg wurde vor etwa drei Jahren genau das gemacht, was du hier darstellst.
Ein Freund ist dort an einer Berufsschule und nach seinem Eindruck hat dadurch niemand wesentlich weniger Unterricht zu geben, sondern nur ein Teil der Kollegen mehr.
Es wurden alle möglichen Faktoren eingeführt, so das kein Normalsterblicher mehr durchblickt, wie sich das Stundendeputat zusammensetzt und mit dem netten Nebeneffekt, dass man im Grunde nie vorher weiß, wieviel man überhaupt unterrichten muss.
Gruß
Werner
Hallo, Hannes,
kann Dir nur zustimmen.
m.E. ist das Problem nur dadurch zu lösen, dass Lehrer - wie andere Beschäftigte auch - eine bestimmte Arbeitszeit an der Schule zu verbringen haben (nicht nur die Pflicht-Lehrstunden). Das aber würde auch bedeuten, dass den Lehrern Vollarbeitsplätze in der Schule eingerichtet werden müssten. Ich halte es für illusorisch, dass das geleistet werden wird.
Nach meiner privaten Rechnung (als Rentner habe ich die Zeit, mich mit der Uhr in der Hand hinter sie zu stellen) leistet meine Frau (Grundschullehrerin) neben ihren 24 Pflichtstunden noch 10 weitere Stunden (Hausaufgabenbetreuung in der OGaTa, Konferenzen, Weiterbildungen), ca 20 Std für Vorbereitung und Korrektur, sowie weitere 2 Stunden für (außerterminliche) Elterngespräche. Macht schlicht und ergreifend 56 Wochenstunden, von denen etwa die Hälfte an der Schule, die andere Hälfte am häuslichen Schreibtisch. Nicht eingerechnet sind Verwaltungsarbeiten (z.B. SAV-Verfahren, Gutachten etc) und Klassenfahrten.
Ich bin überzeugt, dass die Rechnung bei SekII Lehrern noch ungünstiger ausfällt.
Gruß
Eckard
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Hallo Eckhard,
wobei du diese Stunden noch etwas „verdünnen“ musst, da Lehrer ja etwa 6 Wochen Unterrichtsfreie Zeit zusätzlich haben. Die Belastung während der Unterrichtswochen wird damit im Jahresdurchschnitt relativiert. Oder hattest du das bei deiner Aufrechnung schon berücksichtigt?
Gruß
Werner
Hallo Eckard,
Einerseits:
Die 24 Pflichtstunden deiner Frau entsprechen 18 Zeitstunden. Also eine wöchentliche Arbeitszeit von 50 Stunden. Das gibt es in anderen Berufen auch.
Andererseits:
Die Verantwortung, die eine Grundschullehrkraft trägt, ist immens, auch gemäß der aktuellen Bildungsforschung. Ob die Bezahlung angemessen ist, kann man durchaus bezweifeln.
Alles Gute
Felix
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Hallo Achim,
momentan wird hier (NRW) diskutiert, die Arbeitszeit von
Lehrern von 53 Stunden pro Woche auf 45 zu senken. Die
Jahresarbeitszeit soll künftig 1804h sein.
NRW möchte freiwillig mehr Lehrer einstellen und mehr Geld ausgeben, um den Lehrern eine Freude zu machen? Klingt irgendwie unglaubwürdig.
Normalerweise sind bei der Diskussion um Lehrerarbeitszeit immer zwei Dinge zu berücksichtigen:
-
Politiker, die das Thema aufbringen, geht es nur darum, Geld zu sparen (und dies nicht offen aussprechen zu müssen). Das ist am Hamburger Modell überdeutlich.
-
Gerechte Arbeitszeitmodelle wird es nie geben, weil die individuelle Belastung des einzelnen Lehrers von unendlich vielen Faktoren abhängig ist:
- Fächer
- Lehrplan und Prüfungsplan
- Zusammensetzung und Größe der Klasse (Ausländeranteil, Leistungsstärke, Anzahl verhaltensgestörter Kinder)
- soziale Situation des Stadtteils
- Ehrgeiz und Geschick des Schulleiters
- Reformwut der Bildungspolitiker
- Zustand des Schulgebäudes der vorhanden Materialsammlungen
- etc.
Fazit: Es wird immer faule und fleißige Lehrer geben. Fraglich ist, ob eine sehr besonnende und kluge Form der Qualitätsüberprüfung vielleicht ein wenig Besserung bringen kann (die dann aber auch wieder viel Geld kosten müsste, sollte sie von kompetenten Leuten durchgeführt werden). Ärgerlich, wenn - wie in Hamburg - auf die Schulleiter dadurch so viel Zusatzarbeit zukommt, dass andere wichtige Aufgaben liegen bleiben!
Gruß!
Christian
Weiss jemand, wie diese Stunden gerechnet werden? Und wie sie
in der Praxis, vermutlich nach Fächern und Schulformen
deutlich gestreut, anfallen?
Mit bestem Dank
achim
Hallo,
Die 24 Pflichtstunden deiner Frau entsprechen 18 Zeitstunden.
Also eine wöchentliche Arbeitszeit von 50 Stunden. Das gibt es
in anderen Berufen auch.
Das würde ich so nicht sehen.
Ein Lehrer, der an einem Vormittag 5 Unterrichtsstunden hat, ist ca. von 7:30-12:30 in der Schule (selbst, wenn keine Freistunde dazwischen ist). Das entspricht also locker 5 Zeitstunden, die auch bei jedem anderen Bürojob als Arbeitszeit gerechnet würden.
Meist sind zwischen 2 Schulstunden 10 Min Pause, in denen er von einem Klassenzimmer ins andere geht oder auch mal aufs Klo - gilt überall als Arbeitszeit.
In der großen Pause kurz ins Lehrerzimmer, schauen ob er Kollege xy trifft um eine Terminänderung abzusprechen, oder zum Kopierer, oder die Schüler haben eine Frage - gilt ebenfalls in jedem Bürojob als Arbeitszeit.
Oder er hat ohnehin Pausenaufsicht.
In keinem akademischen Beruf wird nur die reine Arbeitszeit gerechnet. (Ich weiss, Handwerker etc. haben es da etwas schwerer.) Aber in keinem Büro werden Zeiten, mit denen man auf dem Gang mit dem kollegen redet, auf dem Klo ist, sich einen Kaffee holt, Unterlagen kopiert, zur Besprechung geht und dort 10 Minuten wartet bis sie anfängt, von der Arbeitszeit abgezogen. Und bei einem Lehrer kannst du davon ausgehen, dass er am Vormittag ca. 5-6 Stunden tatsächlich in der Schule verbringt (und dabei 5-6 Schulstunden konzentriert vor der Klasse steht).
Mit vielen Grüssen,
Walkuerax
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Hallo,
Quelle dafür?
Seit wann will jemand diese Arbeitszeit senken?
Wir doch dauernd nur erhöht. Oder ist hier Trollalarm?
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
In der großen Pause kurz ins Lehrerzimmer, schauen ob er
Kollege xy trifft um eine Terminänderung abzusprechen, oder
zum Kopierer
ja richtig! Das hatte ich vergessen:
Wenn ich um halb acht an der Kreuzung vor der Schule im Stau steh, frage ich mich manchmal, obd das nicht schon das Ende der Schlange vor dem Kopiergerät ist …
Gruß!
H.
Pressemeldungen in der letzten Woche, NRW (owt)
Ruhrnachrichten und Westfälische Rundschau.
Ohne Quellenangaben, daher die Frage.
Kollegens,
da wird diskutiert, irgendwo…
da wird vielleicht sogar eine Absichtserklärung gegeben.
Die gibt inzwischen in Massen und bedeuten nichts.
Ich lese sie ungefähr so intensiv wie SPAM.
Politische Absichtserklärungen sind politischer SPAM.
Werner Willmann hat es am 25. schon geschrieben:
Der Arbeitgeber rechnet eine 40Std.-Woche ab,
auch wenn er, wie bei uns, die Pflichtstundenzahl erhöht.
Bei den Dienstherren gibt es überhaupt kein Interesse daran,
die Arbeitszeit konkret zu erfassen.
Da können wir schon froh sein,
dass wir inzwischen nicht mehr als faules Pack mit Halbtagsjob diffamiert werden.
Und nun muss ich wieder arbeiten.
salut und herzlichst
Ole Welzel
Hallo, Hannes,
kann Dir nur zustimmen.
m.E. ist das Problem nur dadurch zu lösen, dass Lehrer - wie
andere Beschäftigte auch - eine bestimmte Arbeitszeit an der
Schule zu verbringen haben (nicht nur die
Pflicht-Lehrstunden). Das aber würde auch bedeuten, dass den
Lehrern Vollarbeitsplätze in der Schule eingerichtet werden
müssten.
Genau das haben vor einigen Jahren die Lehrer in Bremen gemacht: gläserne Schule. Da ist eben auch manches liegen geblieben oder hat länger gedauert. Der zuständige Minister hat das sofort und unter Strafandrohung verboten. Hier in Aschaffenburg weigert sich die Stadt, Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Das Finanzamt geht aber vom Gegenteil aus.
Nun ja, das eine Jahr noch…
herbert