Arbeitszeiten in der Uni - rechtens?

Hallo Allerseits,

mir stellt sich folges Problem: Ich bin Student der Zahnmedizin und im Rahmen der universitären Ausbildung steht bei uns das Behandeln von Patienten auf dem Stundenplan. Bislang war das so, dass die Behandlungszeit so von 9h bis 17h o. 19h30 ging (je nach Wochentag) und Mittwoch war frei. Jetzt steht ein größerer Umbau an und so wie es aussieht will unser Professor die Zeiten von 7h bis 22h ausdehnen (man arbeitet nicht immer, sondern teilt sich die Arbeitszeit mit anderen). Meine Frage jetzt: Nachdem ich wohl nicht unbegründete Zweifen hege, ob ich um 7h morgens wirklich einen Patienten auf meinen Stuhl bekomme (selbiges um 22h) sehe ich darin einen Nachteil zu der Situation zuvor. Gibt es im Falle eines Nichtbestehens des Kurses die Möglichkeit, auf Grund dessen zu klagen bzw. ist es generell überhaupt erlaubt, von mir als Student zu verlangen bis 22h zu arbeiten?

Vielen Dank für Antworten

Alex.

Hallo Alex,

habe ich richtig verstanden: Bedingt durch Umbauarbeiten sind das Raumangebot oder die zur Verfügung stehenden Behandlungsplätze begrenzt. Falls es so ist, bist Du im Begriff, Dir ins eigene Knie zu schießen. Wenn die Behandlungsplätze nämlich zu knapp sind, könnte sich der Prof auch auf den Standpunkt stellen, daß nur eine begrenzte Anzahl Studierender arbeiten kann. Der Rest muß sehen, wo er bleibt.

Gegen die Ausbildungszeiten ist nichts einzuwenden. Es wird ja nicht verlangt, daß jemand von 7 bis 22 Uhr ununterbrochen am Stuhl steht, sondern die Umstände bringen es mit sich, daß dem Studenten eine Unbequemlichkeit zugemutet werden muß. Ich bin kein Jurist, aber ich sehe für Dich nicht den Schatten einer Chance, durch Klage etwas zu werden.

Ganz am Rande: Es ist zwar nicht schön, aber Du solltest Dir die Kräfteverhältnisse bewußt machen. Ob Du einen Kursus schaffst, wird dem Prof herzlich egal sein. Ich nehme an, Dir ist das nicht so ganz gleichgültig. Ich behaupte, daß ein Prof, der es darauf anlegt, ohne Ausnahme jeden Studenten bei der nächsten Prüfung gepflegt an die Wand fahren lassen kann - unanfechtbar.

Es gibt mehrere Möglichkeiten und Wege, mit Prüfungssituationen umzugehen. Aber so viel ist sicher: Der Klageweg ist der ungeeignetste, weil nicht zu erkennen ist, daß so ein Weg zum Ziel führt.

In vielen Jahren eigener Ausbildung, u. a. 2 Studiengänge, erlebte ich etliche Dinge, die mir nicht paßten. Lärmende Baumaßnahmen, eine miserabel ausgestattete Bibliothek, ein betreuender Prof, der im ungeeigneten Moment mit Herzinfarkt ausfiel, ein Dozent mit vermeintlich zu hohen Ansprüchen, ein anderer hielt es für ausreichend, unverständlich brabbelnd laufende Meter Folie mit Handskizzen über den Projektor zu kurbeln usw. Dagegen kannst Du Protestveranstaltungen und Demos planen und irgendwie Luft ablassen. Das alles kostet Deine Energie und Deine Zeit. Letztlich ist entscheidend, daß Du den Schein bringst. Ja liebe Güte, dann tue genau das und erwäge nicht, in diesem Zusammenhang völlig nutzlose Juristen zu beschäftigen.

Wenn ich an meine eigene Studentenzeit zurück denke, war es in den höheren Semestern völlig normal, am Wochenende oder zu Zeiten, wo sich andere Leute in die Kissen kuscheln, im Labor zu hocken und Messungen zu machen. Einige Labore und Plätze waren tagsüber anderweitig belegt. Da hatte man manchmal die Chance, mehrere Stunden am Stück zusammen mit dem Prof oder dem Assi zu arbeiten. Dabei kam richtig etwas ‚rüber. Und im Moment hab‘ ich recht guten Einblick bei den Medizinern in Mainz. Unabhängig vom Wochentag ist es dort völlig normal, jemanden in der Nacht beim Mikroskopieren anzutreffen.

Du bist in keinem Anstellungsverhältnis mit Stundensatz. Du bist in der Ausbildung und möchtest in vernünftiger Zeit durchkommen. Also bitte…

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

nun, es war auch gar nicht gedacht, WIRKLICH zu klagen. Ich bin mir im klaren darüber, dass dies nicht der intelligenteste Weg ist, sich bei meinen Prüfern beliebt zu machen. Die Idee war eher, meinem lieben Prof mitzuteilen, dass man klagen KÖNNTE. Sicherlich versucht jeder, trotz der blöden Bedingungen den Kurs auf direktem Wege uz schaffen, doch erfahrungsgemäß bleiben immer einige hängen (wie gesagt: Viel ist von der „Qualität“ der Patienten, die man sich selbst suchen muss, abhängiG) - und möglicherweise hätte sich der Prof für den Fall, dass sein Handeln nicht ganz unanfechtbar gewesen wäre dafür entschieden, Gnade walten zu lassen. Ich bin sonst eigentlich wirklich nicht der Typ der solche Sachen auf dem Gerichtsweg erledigen will, aber der Prof verdients wirklich. Keiner sonst legt uns Studenten solche Brocken in den Weg wie er und es wäre uns Studenten eine Freude gewesen, ihn wenigstens einmal zu zeigen, dass auch wir so etwas wie Rechte haben. Im übrigen wäre mein Vorgehen sowieso eher in die Richtung gegangen, der Unidekan (oder wer sonst für sowas verantwortlich ist) über die Situation ins Bilde zu setzten und abzuwarten.

Aber nun, nachdem da sowieseo kein Hebel anzusetzten ist, fällt eh alles flach… :wink:

Danke Alex.

Hallo Alex,
die Frage ansich finde ich schon hammerhart.
Sei doch froh, daß Du trotz Umbau die Möglichkeit erhälst, Deine Ausbildung ohne Verzögerung fortzusetzen.

Nachdem ich wohl nicht unbegründete Zweifel
hege, ob ich um 7h morgens wirklich einen Patienten auf meinen
Stuhl bekomme (selbiges um 22h)

Bin ich mir gar nicht so sicher.

sehe ich darin einen Nachteil zu der Situation zuvor.

Glücklicherweise gibt es kein Gewohnheitsrecht für einen Stundenplan - das wäre der Horror für jeden Planer - und ich weiß, wovon ich rede.

Gibt es im Falle eines Nichtbestehens des Kurses die :Möglichkeit, auf Grund dessen zu klagen bzw.

Du suchst also ein Hintertürchen, falls (!) Deine Leistung nicht reicht?

ist es generell überhaupt erlaubt, von mir als Student zu
verlangen bis 22h zu arbeiten?

Warum eigentlich nicht? Vor allem, da es sich um eine Notsituation handelt.
Außerdem entspricht das doch eher dem „Rhythmus“ vieler Studierender. Das ist jetzt etwas gemein, aber Du kennst doch sicher die Begrüßungsformel „Guten Tag meine Damen und Herren, guten Morgen liebe Studenten.“

Studierende mit dieser Grundhaltung sind mir „die Liebsten“.
Du hast meinen latent vorhandenen Vorurteilen wieder Nahrung gegeben.
Grüße
J.Doe

Hallo Alex,
die Frage ansich finde ich schon hammerhart.
Sei doch froh, daß Du trotz Umbau die Möglichkeit erhälst,
Deine Ausbildung ohne Verzögerung fortzusetzen.

Nun, darauf habe ich meines Erachtens nach ein Recht. Abgesehen davon, daß der Umbau nur deshalb überhaupt vom Staat finanziert wurde, weil wir Studenten (!) uns darüm bemüht haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nachdem ich wohl nicht unbegründete Zweifel
hege, ob ich um 7h morgens wirklich einen Patienten auf meinen
Stuhl bekomme (selbiges um 22h)

Bin ich mir gar nicht so sicher.

Na wer soll denn da kommen? Es gibt prinzipiell 2 Arten von Patienten:

  1. Der Eilige: Kommt gerne um 7 Uhr, will dafür aber auch um 8 wieder draussen sein, damir er in die Arbeit kommt etc. - in der Studentenbehandlung unmöglich, alles dauert ewig. Kommt also nicht.
  2. Der Rentner: Hat Zeit, kommt aber nicht um 7.

sehe ich darin einen Nachteil zu der Situation zuvor.

Glücklicherweise gibt es kein Gewohnheitsrecht für einen
Stundenplan - das wäre der Horror für jeden Planer - und ich
weiß, wovon ich rede.

Davon rede ich nicht. Ich will nur verträgliche Zeiten. Wäre ohne Probleme zu realisieren: Programm reduzieren. Aber dann verdient ja der Chefarzt weniger.

Gibt es im Falle eines Nichtbestehens des Kurses die :Möglichkeit, auf Grund dessen zu klagen bzw.

Du suchst also ein Hintertürchen, falls (!) Deine Leistung
nicht reicht?

Könnte man so sagen, ja. Aber: Ich hab noch nie Trara gemacht, wenn ein Mißerfolg an meiner schlechten Leistung begründet war. Aber ich will nciht unter den Ideen anderer leiden müssen. Und immerhin muss ich auch mal ans Geld denken: Ein verlorenes Semester kostet mich locker mal 20000 DM.

ist es generell überhaupt erlaubt, von mir als Student zu
verlangen bis 22h zu arbeiten?

Warum eigentlich nicht? Vor allem, da es sich um eine
Notsituation handelt.

Na zum einen weil jeder normale Arbeitnehmer, soweit ich informiert bin, ab 20h Zuschlag bekommt, es kann sich also nicht mehr um die Regelarbeitszeit habdeln. Ausserdem: Hätten die Verantwortlichen besser geplant, wäre die Notsituation nie entstanden. Außerdem: Was gehts mich an? Wenn ich mir den Arm breche, ists auch eine Notsituation und keiner schenkt mir dann mein restliches Kursprogramm.

Außerdem entspricht das doch eher dem „Rhythmus“ vieler
Studierender. Das ist jetzt etwas gemein, aber Du kennst doch
sicher die Begrüßungsformel „Guten Tag meine Damen und Herren,
guten Morgen liebe Studenten.“

Nun ja, mag sein, aber wie passt dann der Behandlungsbeginn von 7h morgens in dein Weltbild?

Studierende mit dieser Grundhaltung sind mir „die Liebsten“.
Du hast meinen latent vorhandenen Vorurteilen wieder Nahrung
gegeben.
Grüße
J.Doe

Hallo J.Doe,

Deine Antwort zeigt mir, dass Du Dich offensichtlich nicht die Bohne mit der Situation im Zahnmedizin-Studium auskennst. Das an sich ist kein Problem - niemand weiss und kennt alles. Aber Du unterstellst mir Faulheit und was waeiss ich noch alles. Das ist jedoch falsch. Ich bin überzeugt, dass keiner sich auf die wohlbekannte faule Haut legt um dann im nachhinein zu sagen: „Ätsch, jetzt verklag ich Euch alle“. Jeder tut sein möglichstes, das beschwöre ich jederzeit. Aber lass mich die Sache nochmal erklären.

Das Semester, über das wir reden, ist mein letztes. Direkt anschließend folgt mein Staatsexamen, und direkt heißt in diesem Zusammenhang 3 Tage. Das Examen besteht aus 14 Prüfungen, davon 7 speziell zahnmedizinische, und die sind richtig hart, d.h. viele Stunden Vorbereitung pro Prüfung. An sich kein Grund zum Jammern, das haben viele als Prüfung zu überstehen. Jedoch in dem meisten anderen Studiengängen ist vorher genug Zeit zum lernen (und erzähl jetzt nicht, ich soll eben früh genug anfangen - kein Mensch merkt sich all die Details lange genug). Nun sehe ich mich in der Situation, dass ich ziemlich lange in der Uni bin (Vorlesungen sind ja nebenbei auch noch), wenn ich dann daheim bin, muß ich mich um meine Patienten kümmern (d.h. welche finden, Termine machen etc.) was tierisch Zeit kostet. Nebenbei muss ich noch essen, schlafen und lernen - vielleicht erkannst Du, dass ich in der Tat nicht Faul bin. Eigentlich wäre das auch noch kein riesiges Problem, nur ist die Abteilung, über die wir reden, seit Jahren bekannt, den Studenten nicht einen Milimeter entgegen zu kommen, im Gegenteil, immer mehr zu fordern. Es ist also nicht so, daß alle Zusammenarbeiten, sondern schon seit Jahren läuft das so, daß die Studis immer mehr geknechtet werden, und da seh ichs nun wirklich nicht ein, denen noch entgegen zu kommen.

Ich hoffe, jetzt die Situation in Gänze dargestellt zu haben

Alex :wink: