Hallo
Frau Mustermann geb.26.10.84, war in der Zeit vom
…bis…
01.04.2007 bis 31.10.2008
in einem befristeten Arbeitsverhältnis in meiner … als…
mit 38 Wochenstunden beschäftigt.
… meiner Apotheke als Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte beschäftigt.
Solche Daten gehören zwingend ins Zeugnis um es beurteilen zu können.
Um jetzt nicht alles anhand der einzelnen Formulierungen zu zerlegen: dieses Zeugnis ist das Papier nicht wert, auf dem es es steht. Es widerspricht allen möglichen Standards eines Arbeitszeugnisses und macht deswegen einen besonders schlechten Eindruck. Es mag sein dass die Apothekerin es nicht besser wusste und unbewusst so schlecht geschrieben hat. Nur weiß man das als Leser nicht, es kann ja auch sein dass du so schlecht warst, wie das Zeugnis sagt. Insofern würde ich das komplett neu schreiben lassen.
Zu den Äußerlichkeiten; das Zeugnis muss…
- auf offiziellem Firmenpapier geschrieben sein
- darf nur geknickt sein wenn man es kopieren kann ohne dass die Knicke auf den Duplikaten sichtbar sind
- das Adressfeld darf nicht, wie bei einem Brief, ausgefüllt sein
- das Datum SOLLTE (ist aber nicht einklagbar) auf den Tag des Ausscheidens aus dem Unternehmen datiert sein (nicht etwa auf das Datum, an dem der Text geschrieben wurde)
- die Unterschrift muss von einem hochrangigen Vertreter der Firma (Chef, Leiter Personalabteilung, …) persönlich geleistet worden sein. „I. A. Müller, Sekretärin des Abteilungsleiters“ reicht nicht
- unter der Unterschrift müssen Name und Funktion des Unterzeichnenden nochmal in Maschinenschrift stehen.
Nun zum Inhalt.
Da gibt es idealerweise eine Gliederung, nämlich zuerst von wann bis wann man als was gearbeitet hat („vom … bis … als … in meinem Unternehmen beschäftigt“). Danach folgt eine Aufgabenbeschreibung, in der zusammengefasst wird, welche Aufgaben man erledigt hat. Dann folgt eine fachliche Beurteilung und schließlich das Kapitel „Führung“, also das Sozialverhalten. Darunter ein Schlußsatz und die Unterschrift.
Diese Struktur ist in deinem Zeugnis schon nicht erkennbar.
Ansonsten sind ganz viele Formulierungen furchtbar unglücklich oder, wenn bewusst gesetzt, extrem schlecht.
Zum einen kommt nicht rüber dass du eine qualifizierte Arbeit erledigt hast, sondern du wirst als Handlanger dargestellt - Schaufensterdekoration, Gestaltung der Auslage, Erstellen von Etiketten, Handzetteln und Aushängen sind „Idiotenaufgaben“, für die man keine Vollzeitkraft braucht, sondern sowas läuft nebenher. Wenn dir jetzt attestiert wird sowas gemacht zu haben, man aber nicht auf wesentlichere Aufgaben eingeht, stehst du da als jemand, der entweder nicht mehr leisten konnte oder wollte. Insofern sollte hier also viel mehr über qualifizierte Aufgaben geredet werden und nicht solchen banalen „Spielkram“.
Was deine Führung, das Sozialverhalten, angeht, steht dort:
stets freundlich,zuvorkommend,pünktlich
und um ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten
bemüht. Loben erwähnen möchte ich ihre
Hilfsbereitschaft,Wendigkeit und ihr freundliches und
kommunikatives Verhalten am Telefon.
Was heißt das im Klartext?
- man kann nichts besonders Gutes schreiben, also erwähnt man Selbstverständlichkeiten wie Freundlichkeit und Pünktlichkeit, die normalerweise vorausgesetzt werden und normalerweise nicht erwähnt werden müssen, sondern sowas gilt als selbstverständlich
- „gutes Verhältnis zu Kollegen“ heißt: viel schwätzen anstatt zu arbeiten; das wird noch hervorgehoben indem die Kollegen vor den Vorgesetzten erwähnt werden und von den Kunden ist gar nicht die Rede; man wird das so auslegen als ob du mit Kunden gar nicht umgehen konntest. Man verschweigt sowas dezent, aber dadurch fällt es auf und wer Zeugnisse lesen kann merkt sowas sofort. Die richtige Reihenfolge, und die Genannten sollen auch alle erwähnt werden: Vorgesetzte - Kollegen - Kunden. Zu jedem sollte kurz etwas gesagt werden, also dass die Vorgesetzten dir vertrauten, die Kollegen dich schätzen und dui bei Kunden beliebt warst, sinngemäß…
- „Wendigkeit“ heißt im Klartext: du hast dich immer aus der Affaire gezogen, also viel Mist bauen, für nichts Verantwortung übernehmen
- „kommunikatives Verhalten am Telefon“: gerne lange Herumlabern…
Das alles ist also grottenschlecht und kann unter keinen Umständen so bleiben! Nebenbei strotzt der Text vor Rechtschreib- und Satzbau-Fehlern, beispielsweise gehört hinter Satzzeichen wie ein Komma oder ein Punkt immer ein Leerzeichen…
Frau Mustermann hat sich rasch eingearbeitet und war in dieser
Zeit mit allen Aufgaben betraut, die in ihre
Zuständigkeitsbereiche fallen.
Das ist schon rein logischer Unsinn; du warst während der Einarbeitung mit allen Aufgaben betraut? Hä??? Und danach dann nicht mehr? Und was fällt in deine Zuständigkeitsbereiche? Das ist also völliger Quatsch, der ganze Satz.
Ich danke ihr für Ihr Engagement und Ihre geleistete Arbeit
und wünsche ihr weiterhin viel Erfolg und Freude an der
Arbeit.
Persönlich begleiten sie meine besten Wünsche.
Hier fehlt der Ausdruck des Bedauerns, heißt: man ist froh dich los zu sein. Da auch kein Grund für dein Ausscheiden genannt wird wird jeder es so auslegen als dass man dich lieber heute als Morgen los werden wollte und dir keine Träne nachweint.
Fazit: grauenhaft. Lass’ es komplett neu machen!
Gruß,
MecFleih