Liebe SuperGirl,
Du hast selbstverständlich recht und ich bin über alle Massen neugierig. Und dazu noch jemand, der diese Neugier auch noch unverschämt und penetrant vertritt.
Oder mal ohne Unfug: Selbstverständlich KANN man Zeugnisse anhand von Textfragmenten analysieren. Natürlich KANN man damit auch der Wahrheit nahe kommen. Und natürlich KANN man auch im Kaffesatz lesen oder die Innereien von geschlachteten Hühnern betrachten. Aber seriös ist das nicht.
Irgendeiner der alten Philosophen (hab leider vergessen welcher das war - alte Philosophen waren nie so mein Thema *fg*) hatte mal gesagt: „Das ganze ist mehr als die Summe der Teile“. Das Beispiel dazu war ein Puzzlespiel: Die ganzen Teile lose in der Sammlung kann man natürlich für sich angucken und sagen „ah, gelbes Teil - das ist die Sonne“ - wenn man dann aber das zusammengepuzzelte Bild anschaut stellt man fest, dass das mitneffen die Sonne ist sondern ein gelbsüchtiger Chinese.
Und so ähnlich ist das mit Zeugnissen auch: ein einzelner Satz ohne den gesamten Kontext kann durchaus positiv ausgelegt werden, wird jedoch im Zusammenhang schnell relativiert. Und gerade bei Zeugnissen gibt es ja eine gewisse „Geheimsprache“, die unter anderem durch „Auslassungen“ arbeitet.
Als Beispiel: wir haben das Zeugnis einer Verkäuferin, wo unter anderem der Satz „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ steht. Wunderbar - jeder Zeugnistextgenerator sagt Dir „Note 1“. Nun steht aber bei der gleichen Verkäuferin KEIN WORT darüber, wie ihr Verhalten gegenüber Kunden war. Was schliessen wir daraus? Es war unter aller Sau (oder wurde vergessen zu erwähnen)! Die Dame hat sich vielleicht den obigen Satz eingeklagt und der Personaler versucht nun seine Kollegen auf diese Tour zu warnen.
Genauso sind Austrittstermine „mitten im Monat“ eher unüblich. Wird das durch einen netten Abschlussatz „erfolgt auf ihren eigenen Wunsch, da sie kurzfristig ihren ultimativen Traumjob gefunden hat“ relativiert ist alles in Ordnung. Fehlt dieser Abschlussatz oder steht stattdessen „wünschen wir ihr endlich mal Erfolg“ ist das ein Totschlagsargument.
Analügt natürlich auch für die Aufgaben: leider weiss ich immer noch nicht, was Du getan hast, darum ein Bürobeispiel. Wenn im Zeugnis einer Sekretärin bei den Aufgaben steht
- Kaffe kochen
- kopieren
- Blätter lochen
habe ich ein anderes Bild von der Dame als wenn da steht
- Führung der Korrespondenz in englisch, französisch und suaheli
- Organisation von internationalen Tagungen und Messen
- Terminplanung für 345 Top-Manager
Entweder…tust du SO bewerten wie es ist oder lass es sein.
Tun wir’s mal ANDERS sagen: Nur wenn Du Dein Zeugnis vollständig (mit der Ausnahme aller beteiligten Namen und Geburtsdaten sowie Adressen) reinstellst hast Du eine Chance, auf eine seriöse Bewertung. Isch könnt fast schwören, dass es dazu ne FAQ gibt, die ich aber mal wieder nicht finde *zuM.L.schiele*
Ich bin hier nicht verflichtet mein ganzes Lebenslauf
reinzuschreiben!
Selbstverständlich nicht. Den will doch auch keiner von Dir. Lediglich hatte ich Dich gebeten, Dein Zeugnis hier vollständig reinzustellen. Tust Du das nicht - okay, hab ich wenig Probleme damit, Du nimmst Dir damit nur die Chance auf verdammt gute Antworten. Und damit meine ich nicht so sehr mich (ich bin kein Personaler sondern nur persönlich interessiert), sondern eher die Experten, die sich hier rumtreiben, wie Xolophos, Leo, Bobesch, M.L. und noch einigen mehr. Wenn Du darauf verzichten kannst, dann tu das beruhigt, ich für meinen Teil würde das nicht wollen.
Achja, zum zusammenkopieren vom Zeugnis: Das hat einfach damit zu tun, dass Du damit den Experten die Arbeit deutlich erleichterst und zeigst, dass Du ein sehr netter, umgänglicher und höflicher Mensch bist.
*wink*
Petzi