Hi,
zunächst zu den Äußerlichkeiten. Das Zeugnis muss…
- auf offiziellem Firmenpapier geschrieben sein
- darf nur geknickt sein wenn man es kopieren kann ohne dass die Knicke auf den Duplikaten sichtbar sind
- das Adressfeld darf nicht, wie bei einem Brief, ausgefüllt sein
- das Datum SOLLTE (ist aber nicht einklagbar) auf den Tag des Ausscheidens aus dem Unternehmen datiert sein (nicht etwa auf das Datum, an dem der Text geschrieben wurde)
- die Unterschrift muss von einem hochrangigen Vertreter der Firma (Chef, Leiter Personalabteilung, …) persönlich geleistet worden sein. „I. A. Müller, Sekretärin des Abteilungsleiters“ reicht nicht
- unter der Unterschrift müssen Name und Funktion des Unterzeichnenden nochmal in Maschinenschrift stehen.
Nun zum Inhalt.
Frau Anita Müller, geboren am xx.xx.xxxx, ist seit dem
01.03.2006 bei der xxxx GmbH als Teilzeit-Mitarbeiterin im
Procurement Mangement tätig.
besser: „… war vom xx.xx.xxxx bis zum xx.xx.xxxx als „Berufsbezeichnung“ in unserem Unternehmen tätig.“
Das Aufgaben- und Tätigkeitsfeld von Frau Müller beinhaltet
den vollständigen Sourcing-Prozess von Filterkomponenten:
§ Lieferantensuche, -auswahl und –bewertung mit dem
Schwerpunkt indisch-chinesischer Markt
§ Angebotsanfrage, - verhandlung und –abwicklung
§ Vertragsverhandlung, -gestaltung und –prüfung
§ Bestellung
§ Terminverfolgung
Das Aufgaben- und Tätigkeitsfeld von Frau Müller beinhaltete [Vergangenheit, es ist ja vorbei] den vollständigen Sourcing-Prozess von Filterkomponenten, insbesondere:
§ Lieferantensuche, -auswahl und –bewertung mit dem
Schwerpunkt indisch-chinesischer Markt
§ Angebotsanfrage, - verhandlung und –abwicklung
§ Vertragsverhandlung, -gestaltung und –prüfung
§ Bestellung
§ Terminverfolgung
Wozu die §-Zeichen? Gedankenstriche oder Punkte wären okay, aber dieses hier sieht komisch aus. Ein kritischer Leser fragt sicjh was das soll, ob man dein Zeugnis durch solche Mätzchen lächerlich (und damit unglaubwürdig) machen will.
Außerdem würde ich noch „administrative Tätigkeiten“ als letzten Punkt der Aufzählung dazu schreiben. Das heißt alles und nichts
sieht aber immer ganz gut aus…
Nach der Tätigkeitsbeschreibung folgen dann 2 Blöcke: zuerst eine Leistungsbeurteilung, in der deine fachlichen Leistungen gewürdigt werden, und danach der Bereich „Führung / Sozalverhalten“, also wie du dich als Mitarbeiter verhalten hast.
Frau Müller kennen wir
Das ist eine sehr distanzierte Formulierung. Besser: Frau Müller ist eine engagierte…
als engagierte, zuverlässige
Mitarbeiterin, die sich schnell in unsere Betriebsorganisation
integrieren konnte.
Das ist schön, braucht aber nicht eigens erwähnt zu werden weil es selbstverständlich ist. Sich zu integrieren ist absolutes Minimum, was man von einem Mitarbeiter erwartet. Sowas wird nur erwähnt wenn es sonst nichts Gutes zu sagen gibt. Da es aber bei dir anders ist sollte dieser Satz ersatzlos verschwinden, vor allem nicht obendrein so hervorgehoben am Anfang stehen.
Ihre Aufgaben erledigte sie unter hohen
Termindruck mit hoher Qualität,
Begriffe wie „stets“, „immer“, „jederzeit“ sind in Zeugnissen wichtig um die Kontinuität zu unterstreichen. Hier würde ich also zu einem „mit stets hoher Qualität“ raten.
selbständig und stets zu
unserer vollsten Zufriedenheit.
Weiter nach hinten, an den Schluss der Leistungsbeurteilung, denn das ist ja das Fazit.
Frau Müller zeigte eine rasche
Auffassungsgabe. Sie war sehr erfolgreich bei
Preisverhandlungen und hat ein ausgezeichnetes
Verhandlungsgeschick.
Auch hier: stets, immer, jederzeit… einstreuen!
Durch ihre kulturellen und sprachlichen
Kompetenzen waren bei den Verhandlungen mit internationalen
Geschäftspartnern diese immer erfolgreich,
Das klingt so als seien die Geschäftspartner erfolgreich gewesen… es soll aber wohl sagen dass du erfolgreich warst. Also: ändern!
zudem folgten
daraus gute langfristige Geschäftsbeziehungen.
OK.
Da du aber ja auch noch weitere Aufgaben hattest, sollten deine Erfolge auf anderen Tätigkeitsfeldern ebenso Erwähnung finden.
Ihr Verhalten
gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden
war stets tadellos.
Von der Formulierung her OK, aber zu knapp. Es sollte etwas umfangreicher sein, also dass du dich schnell und gut im Kollegenkreis zurecht gefunden hast, man an dir … schätzte, du vielleicht sehr gut darin warst auf die kulturellen Bedürfnisse der Kunden zu achten etc.
Frau Müller scheidet auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen
aus, da wir ihr zum jetzigen Zeitpunkt keine Vollzeitstelle
bieten können.
OK.
Wir bedauern Ihr Ausscheiden und wünschen ihr
persönlich und beruflich alles Gute.
Was nicht fehlen darf: Dank für die geleistet Arbeit und dass du „weiterhin“ erfolgreich sein mögest. Ansonsten interpretieren besonders spitzfindige Leute hinein dass es bisher nicht so war:
„Wir danken Frau X für die gute Arbeit und bedauern ihr Ausscheiden aus unserem Unternehmen. Für ihren persönlichen und beruflichen Lebensweg wünschen wir ihr alles Gute und weiterhin viel Erfolg.“
"Wir hoffen, dass es in
Zukunft zu einer erneuten Zusammenarbeit kommen wird."
Überflüssig. Einfach weglassen.
Gruß,
MecFleih