Arbeitszeugnis: wer kann deuten (reloaded)

Hallo nochmal,

so, hier nochmal das komplette Zeugnis (Zwischenzeugnis) von Anfang an. Wäre schön, wenn jemand uns sagen kann, ob es so ok ist und ob da vielleicht „versteckte“ Hinweise eingebaut sind (wenn überhaupt). Was könnte man besser machen???

Danke !!!

Herr X trat am 16 August 2002 als Design Engineer im Bereich CDE Engineering in unserem Unternehmen ein.

Die Firma Y ist eines der weltweit führenden Unternehmen in der automobilen Innenausstattung und Elektronik.
Mit weltweit 75.000 Mitarbeitern entwickeln, produzieren und liefern wir Sitzsysteme, Instrumententafeln/Cockpits, Dachhimmel- und Türsysteme, elektrisches Energiemanagement und zunehmend integrierte Innenraumlösungen für alle bekannten Automobilmarken.

Zu Beginn siner Tätigkeit war Herr X für den Kunden CDE zuständig. Zu seinen Hauptaufgaben in diesem Bereich gehörten im Wesentlichen:

  • Airbagintegration für das Projekt XS im Bereich XY
  • verantwortlich für die XY-Variante Voll-/Teil-Lederausstattung
  • Steuerung der Lieferanten für das Projekt XY sowie verantwortlich für die interne Abstimmung mit dem Werk in AB bezüglich des Änderungsmanagement.

Im Jahr 2005 wechselte Herr X in den Bereich XX. Hier beinhalteten seine Tätigkeiten:

  • maßgeblich verantwortlich für die Implementierung des Systems ABC beim Kunden XX
  • Erstellung einer Abbidlung der Engineering XX ins ABC-System in Abstimmung mit dem Lead Engineer
  • Erstellung sowie Abverfolgung der Freigaben im ABC-System
  • Erstellung der entsprechenden End-Items zu Beginn des Serienstart in Abstimmung mit dem OEM/Werk.

Herr X verfügt über gute Fachkenntnisse und eine schnelle Auffassungsgabe.

In neuen Situationen findet er sich schnell und sicher zurecht.
Er überblickt schwierige Zusammenhänge, erkennt das Wesentliche und ist in der Lage, schnell praxisorientierte Lösungen aufzuzeigen.

Die Urteilsfähigkeit von Herrn X ist geprägt durch seine klare und logische Gedankenführung, die ihn zu sicheren Urteilen befähigt.

Seinen Aufgabenbereich bewältigt er stets selbstständig, sicher und gewissenhaft.

Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllt Herr X stets gewissenhaft und zu unserer vollen Zufriedenheit.

Das persönliche Verhalten von Herrn X gegenüber Vorgesetzten, Kunden und Kollegen ist stets einwandfrei.

Dieses Zwischenzeugnis wurde auf Wunsch von Herrn X erstellt.

Wir nutzen die Gelegenheit und bedanken uns bei Herrn X für die bisherige Zeit und die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Was könnte man besser machen???

Steht wenigstens „Arbeitszeugnis“ drüber?
Ist ein Datum angegeben? Welches?

Mir drängt sich der Verdacht auf, dass X vom Bereich CDE nach XX gewechselt ist, weil er dort nichts auf die Reihe bekommen hat.

Herr X verfügt über gute Fachkenntnisse und eine schnelle Auffassungsgabe.

Nutzte sie aber nicht, sonst würden wir das sagen…

Er überblickt schwierige Zusammenhänge, erkennt das Wesentliche und ist in der Lage, schnell praxisorientierte Lösungen aufzuzeigen.

Praxisorientiert, aber nicht praktikabel. Und er kann sie nur aufzeigen, nicht jedoch umsetzen…

Die Urteilsfähigkeit von Herrn X ist geprägt durch seine klare und logische Gedankenführung, die ihn zu sicheren Urteilen befähigt.

Aber nur befähigt. Er urteilt trotzdem meist schlecht.

Seinen Aufgabenbereich bewältigt er stets selbstständig, sicher und gewissenhaft.

Ist mit den kleinsten Kleinigkeiten überfordert, aber trotzdem rechthaberisch und lahm.

Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllt Herr X stets gewissenhaft und zu unserer vollen Zufriedenheit.

Aber auch nur die. Eigeninitiative oder Verantwortungsbewusstsein hatte er nicht.

Das persönliche Verhalten von Herrn X gegenüber Vorgesetzten, Kunden und Kollegen ist stets einwandfrei.

Ist also gewechselt, weil er mit den Kunden nicht klar kam.

Wir nutzen die Gelegenheit und bedanken uns bei Herrn X für die bisherige Zeit und die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Wünschen tun wir ihm aber lieber mal nichts, weil das vor Gericht negativ gegen uns verwendet werden könnte…

Unterschrieben wann von wem?

Viel Laberababer, aber keine Erfolge und Ergebnisse.

Mit Absicht schwarzseherisch interpretiert:
Fachlich nichts auf der Pfanne, tut nicht was man erwartet hat und kommt nicht mit den Kunden zurecht.

Gruss,
Michael

Interessehalber
Hallo,

mir ist klar, dass Du jetzt nur das Gelesene interpretiert hast; Du hast selbst „schwarzseherisch“ geschrieben.

Angenommen, der AN ist wirklich so schlecht. Warum sollte er dann noch im Unternehmen beschäftigt werden? Kann man davon ausgehen, dass das Zeugnis zwar schlecht zu interpretieren, vom Arbeitgeber gar nicht so gemeint ist?

VG
MOnroe

Meinen und nicht meinen…

Angenommen, der AN ist wirklich so schlecht. Warum sollte er dann noch im Unternehmen beschäftigt werden?

Sozialauswahl, starke Gewerkschaften, Künigungsklausel - enkbar ist vieles.

Kann man davon ausgehen, dass das Zeugnis zwar schlecht zu interpretieren, vom Arbeitgeber gar nicht so gemeint ist?

Das ist oft so.
In diesem Fall sind jedoch viele Floskeln - auch in der richtigen Reihenfolge - typisch aus dem Zeugnisgenerator, aber halt leider in sehr schlechter Notenwahl.

Das Zeugnis ist zu nah am Standard, um „zufällig“ schlecht gemeint zu sein.

Es ist definitiv kein 1er oder 2er Zeugnis, selbst wenn man sehr sehr gutmütig interpretiert - was aber aufgrund der deutschen Gesetzeslage kein Personaler tut.

Gruss,
Michael

Hallo Michael,

Das Zeugnis trägt den Titel: Zwischenzeugnis.

Es wurde erstellt, weil dieses Entwicklungswerk geschlossen wurde und ca. 75 % der Leute NICHT in andere Bereiche in anderen Werke übernommen werden konnten.
Dies bedeutet, daß Herr X auch von den Kündigungen betroffen ist.

Eigentlich sollte Herr X doch auch noch ein Abschlußzeugnis bekommen??

Im Zeugnis auf der ersten Seite steht KEIN Datum, dafür aber neben den Unterschriften. Es steht dort „Ort, im April 2009“.
Unterschrieben wurde vom obersten Bereichsmanagement und vom Personalleiter.

Der Bereich wurde - laut seiner Aussage - gewechselt, weil das Projekt beendet war und ein neues anstand.

Danke nochmal für Deine Infos!!!

Kann man nehmen wie man will…

Eigentlich sollte Herr X doch auch noch ein Abschlußzeugnis bekommen??

Sollte er am Tag des Ausscheidens bekommen.

Der Vorteil an einem Zwischenzeugnis ist, dass man sich „aus einem ungekündigten Arbeitsverhältnis“ bewerben kann, und das hat viele, VIELE Vorteile in Bezug auf Karrierechancen und Gehaltsspielraum.

Diese Vorteile sollte man nutzen, so lange man tatsächlich noch im Beschäftigungsverhältnis steht.

Im Zeugnis auf der ersten Seite steht KEIN Datum, dafür aber neben den Unterschriften. Es steht dort „Ort, im April 2009“.

Eher unüblich, aber bei einem Zwischenzeugnis relativ egal.

Der Bereich wurde - laut seiner Aussage - gewechselt, weil das Projekt beendet war und ein neues anstand.

Das lese ich aber aus dem Zeugnis nicht, und wird auch kein anderer Personaler.

Gruss,
Michael

hi,

Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllt Herr X stets
gewissenhaft und zu unserer vollen Zufriedenheit.

ist wohl ein „gut“ laut der seite hier:
http://personalrat.verwaltung.uni-muenchen.de/zeugni…

gruß

Hi!

ist wohl ein „gut“ laut der seite hier:

Nö, ist schlicht als einzelnes Fragment nicht beurteilbar, wenn man den Rest ignoriert…

http://personalrat.verwaltung.uni-muenchen.de/zeugni…

Die Seite ist - nun ja - unbrauchbar

Gruß
Guido

Hi Monroe,

der Arbeitsmarkt für spezialisierte Fachkräfte war, ist und bleibt aus AG-Sicht leer.
Unter diesem Hintergrund wird ein vernünftiger AG einen Entwicklungsingenieur im schlechten Dreier- bis guten Viererbereich unter allen Umständen behalten wollen.
Im Entwicklungsprojekt entsprechend an nichtleitender Stelle integriert mit gelegentlichen aufmunternden Fusstritten wird er zum gemeinsamen Unternehmenserfolg durchaus hinreichend beitragen.

Gruss,
TR

Hallo T. Reiter,

natürlich ist es von Vorteil, daß Herr X eine richtige Fachkraft ist.
Und da Herr X diesen Job seit mehr als 14 Jahren macht (in insgesamt „nur“ 2 Firmen - inklusiver dieser), kann er meiner Meinung nach auch nicht soooo schlecht sein. Sonst wäre er ja nicht lange in den Firmen geblieben.

Da die Firma ja dieses Werk schließt, ist eine Personalagentur vor Ort, die den gekündigten Mitarbeitern hilft, sich zu bewerben etc.

Diese Firma hat das Zeugnis nicht so negativ interpretiert.

Da ein Abschlußzeugnis noch folgt, wird versucht, es besser schreiben zu lassen.
Trotzdem nohcmal Danke an alle für die Bemerkungen!!