ArbPlatz-Wechsel im 'Gesamtunternehmen'!?!

Hallo zusammen und einen guten Abend,

mal wieder ein Fall aus der Alltags-Praxis, für dessen Lösung ich um Eure Aufmerksamkeit bitte.

AG ist ein Wirtschaftsverband, Tarifvertrag gibt es keinen, genauso wenig einen BR.
AG hat eine 100%ige Tochtergesellschaft in der Rechtsform der GmbH, auch hier gibt es keinen TV und keinen BR. „Chef“ von beiden ist in Personalunion ein älterer, sympathischer Herr, der durchaus als AN-freundlich, zumindest aber als AN-umgänglich, gilt. Er genießt innerhalb der beiden Unternehmen (und auch außerhalb) hohen Respekt. Bisher hat er sich immer als fair und gerecht erwiesen, so die bisherigen Aussagen.

Innerhalb der GmbH wird nun aus Altergründen eine ANin vermutlich zum 01.03.2011 ausscheiden. An eine Neubesetzung der Stelle ist aus gewissen (betriebswirtschaftlichen) Gründen nicht gedacht.

Der AG (Wirtschaftsverband WV) bietet nun einem AN des WV an, zu diesem Zeitpunkt in die GmbH zu wechseln. Dieser AN wäre zum Zeitpunkt eines Wechsels bereits 13 Jahre und 11 Monate im WV beschäftigt. Neues Aufgabengebiet wäre das bisherige, alte.

Der betreffende AN hat in der Vergangenheit, ebenfalls in Personalunion, wie sein Chef, Aufgaben erledigt, die sowohl GmbH als WV betrafen, Gewichtung anfänglich, in den ersten Jahren, ca. 60-65% Prozent WV, jetzt aktuell ca. noch 45-50% Prozent WV. Dies liegt an verschiedenen Faktoren, deren Erläuterung es hier nicht bedarf. Fakt ist aber, dass die Ertragslage der GmbH eher positiv zu bewerten ist, die Ertragslage des WV sehe ich bei den vorgelegten Zahlen bei betriebswirtschaflich „Neutral“.

Arbeitsrechtlich stellt sich nun für den betreffenden AN die Frage, worauf er achten muss, wenn er tatsächlich in die GmbH wechseln würde. AG erklärte bisher in den Gesprächen, dass AN nicht schlechter gestellt werden würde, als bisher. (Ginge m.E. auch nicht wirklich, wenn es fair zugehen soll.)

Das würde bedeuten, dass vertraglich die bisherige Tätigkeitszeit/Zugehörigkeit von fast 14 Jahren anerkannt und festgeschrieben würde.
Ebenso würde der AN vermutlich ein höheres Gehalt erhalten (angeboten bekommen), da in der GmbH im Gegensatz zum WV kein Weihnachtsgeld gezahlt wird (so der AN). Ob die MA der GmbH so etwas wie eine Bilanzprämie (im März/April) erhalten, kann AN nicht sagen.
Kündigungsfristen des neuen AV würden sich an der bisherigen kumulierten Tätigkeitszeit/Zugehörigkeit für das „Gesamtunternehmen“ orientieren, also aktuell fünf Monate zum Monatsende aus AG-Sicht, aus AN-Sicht weiterhin 1 Monat zum Monatsende.
Urlaub würde auch analog zum bisherigen Verfahren/zur bisherigen Zugehörigkeit bei 30 Tagen bleiben.

Gibt es dabei einen (oder gar mehrere) „Fallstrick/e“? Worauf sollte der AN dringend und unbedingt achten? Ein Zeugnis für die fast 14 Jahre „Verbandsarbeit“ mit Hinweis auf die Fortführung unter dem Mantel „GmbH“ sollte aus Sicht des AN ebenfalls drin sein. Geht das? Was gäbe es noch zu beachten?

Danke für Zielführende (denn der AN möchte wohl im Prinzip schon) Aussagen und Antworten.

Schönen Abend noch und viele Grüße
RaBra

Hi!

Gibt es dabei einen (oder gar mehrere) „Fallstrick/e“? Worauf
sollte der AN dringend und unbedingt achten? Ein Zeugnis für
die fast 14 Jahre „Verbandsarbeit“ mit Hinweis auf die
Fortführung unter dem Mantel „GmbH“ sollte aus Sicht des AN
ebenfalls drin sein. Geht das? Was gäbe es noch zu beachten?

Wenn die ganzen Versprechungen in irgendeiner Form fixiert werden, sehe ich hier echt keine Fallstricke für den AN.

Abgesehen davon, aber das ist off topic: Hätte der AN eine Wahl?

Gruß
Guido

Hallo Guido,

Chapeau! Das gerade Du mir antwortest, hätte ich nicht erwartet. À la bonne heure!

Wenn die ganzen Versprechungen in irgendeiner Form fixiert
werden, sehe ich hier echt keine Fallstricke für den AN.

Der AN und ich kommen ggf. wieder, wenn der Vertrag vorliegt.

Gruß
Guido

Vielen Dank und viele Grüße zurück
RaBra

off topic
Hi!

Chapeau! Das gerade Du mir antwortest, hätte ich nicht
erwartet.

Geht es hier nicht darum, dass Menschen fragen und andere antworten?

Ich mag nicht der zurückhaltende, immer angenehme Zeitgenosse sein, aber ich stehe auf die ursprüngliche Idee dieser Plattform (auch, wenn ich die Entwicklung in den letzten Jahren ätzend finde)

Gruß
Guido

Hi!

Guten Abend, Guido,

ich habe mir ein paar Tage Zeit gelassen, um mal zu versuchen, Deine Anmerkungen [hier unten, und nur da] (und diese Einschränkung nur, damit mich auch absolut niemand falsch verstehen kann) nachzuvollziehen. Immerhin bin ich ja noch nicht so lange im Forum.

Geht es hier nicht darum, dass Menschen fragen und andere
antworten?

Ja, genau darum geht es. Und deshalb ist es auch gut, dass es oft genug zwei oder vielleicht auch mehr Meinungen gibt. Das ganze sollte aber dann seine Grenze finden, wenn es um ganz klare Regeln und Vorschriften geht. In so fern, kannst Du Dich auf Dein Wissen und die geltenden Gesetze berufen. Bei allem, was ich bisher von Dir gelesen habe, finde ich juristisch kein „Haar in der Suppe“. Auch wenn und gerade weil ich selbst ein Mal völlig anderer Meinung war und sehr, sehr irrte.

Aber, gerade das scheint mir die Krucks an diesem Brett, ja an fast allen „Rechtsbrettern“, zu sein. Hier steht m.E. leider allzuoft das real Machbare (mit oder ohne Sach- und Fachkenntnis, aus Ver- oder Einschüchterung der AN, aus Selbstherrlichkeit der AG nach dem Motto „Koste es, was es wolle …“) im Widerstreit zum faktischen Gesetzestext und dessen eindeutiger Handhabe durch die Gerichte. Gerade das ist es doch, was sozusagen „Unbelehrbare“ immer wieder zu Gallileos Ausspruch „Und sie dreht sich doch…“ verführt. Es geht, oder wird irgendwie gehend gemacht, oder es wird gemacht, dass es gehend gemacht werden kann.

Ich denke, Du verstehst, was ich meine. „Wo kein Kläger, da kein Richter …“ macht eine falsche Aussage/Behauptung nicht richtig, es „heilt“ aller-, allerhöchstens (und das mit Bauchschmerzen und ganz vielen ?) den Tatbestand, da es links oder rechts, warum auch immer, nicht durch Gerichte überprüfen lassen (wollen). Somit hast Du zwar Recht, aber den Rest interessiert es nicht sonderlich, weil sie ihren eigenen „Rechts-“(=Irr-)weg gehen wollen.

Das alles, Dein Engagement, ist aber keine vergeudete Liebesmühe. Denk’ bitte an die Bibel, das Gleichnis von den Schafen. Nicht die 99 sind das Problem, das eine kranke macht die Schwierigkeit aus. Und das ist meist der UP.

Ich mag nicht der zurückhaltende, immer angenehme Zeitgenosse
sein, aber ich stehe auf die ursprüngliche Idee dieser
Plattform (auch, wenn ich die Entwicklung in den letzten
Jahren ätzend finde)

Bleib’ bitte der nicht zurückhaltende, immer angenehme Zeitgenosse.
Lege den Finger in die Wunden, in die er gelegt werden muss. Denk’ aber bitte auch daran, dass nicht immer Recht ist, was vertraglich zu Recht erklärt werden kann (leider stellen sich die Nachteile erst später heraus, aber der jeweils „Geschäftsfähige“ wollte es so, und das gilt beidseitig).

Und halte bitte unbedingt an Deinem Verständnis der ursprünglichen Idee dieser Plattform fest. Ich werde gerne versuchen, es Dir gleich zu tun, obwohl ich die Entwicklung bereits nach wenigen Tagen ätzend finde und „dafür kannst Du genau mal garnichts“ (zitiert aus loderunners post an die UP aus unserem 1. Aufeinandertreffen, und dabei hoffe ich, dass mir loderunner nicht böse ist).

Sternchen kann ich ja noch nicht verleihen, aber 'ne 1+ hast Du bei mir aufgrund der verschiedensten Aspekte (sachlicher und emotionaler)
schon längst verdient. Und dabei spielt es für mich keine Rolle, ob Du das jetzt hören/lesen wolltest bzw. willst oder nicht. Du weißt schon: Quod scripsi, scripsi!

Gruß
Guido

Auch Dir viele Grüße und
die besten Wünsche zum 3. Advent
RaBra

PS: Denk’ bitte an alle die UPs/TEs und ein bisschen an Berthold Brecht: „Wer kämpft, kann verlieren! Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“

Hi!

Sorry, ich sehe Deine Antwort erst jetzt (zu Erklärung: Wegen der Entwicklung dieses Forums habe ich meine automatische Benachrichtigung deaktiviert, damit es mir leichter fällt, einige Zeitgenossen [sind nur wenige, und die, welche ich meine, wissen, dass ich sie meine] einfach mal zu ignorieren)

Ich denke, Du verstehst, was ich meine.

Ich verstehe absolut, was Du meinst.
Ich bin auch keine emotionslose Maschine, die der Meinung ist, dass unser Rechtssystem immer gerecht sei, ich versuche nur ganz klar, rechtliche Fakten von Emotionen zu trennen, was mir zugegeben auch nicht immer gelingt, erst gestern habe ich mich zu einer Äußerung hinreißen lassen, die hier eigentlich nach meiner eigenen Vorstellung nichts zu suchen hat.
Für den emotionalen Teil gibt es imho das Brett Jobs & Karriere.

Somit hast Du zwar Recht, aber den Rest
interessiert es nicht sonderlich, weil sie ihren eigenen
„Rechts-“(=Irr-)weg gehen wollen.

Nun, genau das ist, was ich hier meine: Es gibt Fakten, die man unter dem Begriff Arbeitsrecht packen kann - der Rest gehört irgendwo ins Psychologiebrett (und nein, ich meine das absolut nicht abwertend - nicht umsonst sagt man, dass gute Juristen eher schlechte Personaler seien) :smile:

Das alles, Dein Engagement, ist aber keine vergeudete
Liebesmühe. Denk’ bitte an die Bibel, das Gleichnis von den
Schafen. Nicht die 99 sind das Problem, das eine kranke macht
die Schwierigkeit aus. Und das ist meist der UP.

Naja, der Ursprungsposter stellt eine Frage, und hier sollten dann die arbeitsrechtlich korrekten Fakten folgen - soweit das machbar ist.

Bleib’ bitte der nicht zurückhaltende, immer angenehme
Zeitgenosse.

Du, das ist der Grund, warum ich hier kein MOD mehr bin - verbiegen wollte ich mich nicht.

Ein nicht ganz unbekannter Musiker antwortete mal auf die Frage, ob er ein Arschloch sei:
„Ich bin für viele Leute ein Arschloch, weil ich immer die Wahrheit sage. Wenn eine Band mich über deren Musik oder auch deren Outfit befragt und ich diese Band nicht mag, sage ich es ihnen. Für diese Leute bin ich dann ein Arschloch, weil ich die Wahrheit gesagt habe. Hätte ich aber gesagt, dass ich die Musik ganz toll finde, wären sie zufrieden, aber ich hätte gelogen. Ich lüge nicht; deshalb bin ich für viele ein Arschloch.“

Nun, natürlich sage ich nicht immer die Wahrheit, manchmal schweige ich einfach auch mal, schließlich verfüge ich nicht über das Vermögen eines Gene Simmons :smile:

Lege den Finger in die Wunden, in die er gelegt werden muss.
Denk’ aber bitte auch daran, dass nicht immer Recht ist, was
vertraglich zu Recht erklärt werden kann (leider stellen sich
die Nachteile erst später heraus, aber der jeweils
„Geschäftsfähige“ wollte es so, und das gilt beidseitig).

Der Lieblingsspruch eines der besten Experten in diesem Brett ist
„Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“ geht nicht. (*wink* an LeoLo)

PS: Denk’ bitte an alle die UPs/TEs und ein bisschen an
Berthold Brecht: „Wer kämpft, kann verlieren! Wer nicht
kämpft, hat schon verloren!“

Wenn man im Arbeitsrecht kämpft, hat es nun mal nicht selten mit dem Muss einer Klage zu tun…

Auch Dir ein schönes Wochenende
Guido