Architekt oder Bauträger?

Hi,

wir haben ein Haus geerbt und wollen das Wohnzimmer durch einen Anbau um rund 50 qm erweitern. In dem Zuge soll ebenfalls eine Terrasse gebaut werden. Also im Grunde genommen nichts Außergewöhnliches.

Wie gehen wir hier vor? Ist ein Architekt aufzusuchen oder reicht ein Bauträger, der das Projekt realisiert? Erstellt ein Bauträger auch eine Zeichnung für die Baugenehmigung? Ich habe gelesen, dass ein Architekt rund 9000 Euro für 50 qm kosten würde. Das erscheint mir doch recht teuer. Kann mir hier jemand eine Einschätzung geben?

Viele Grüße
Carsten

Hallo!

Ein Bauträger ist i.d. R. eine Baufirma, die schlüsselfertige Bauten erstellt und dazu eigene Architekten und Ingenieure hat, die auch „bauvorlageberechtigt“ sind = nur die dürfen Genehmigungsunterlagen erstellen und den Bauantrag .
jedenfalls hat es beim Bauträger nur mit 1 Ansprechpartner für alles zu tun
(das ist ein Vorteil)

beim Architekten gibt man den Auftrag für Genehmigungsplanung, Statik, Bauantrag und sucht sich dann selbst die ausführenden Handwerksfirmen.
Auf Wunsch und Berechnung macht er auch Bauleitung und weiteres, etwa Ausschreibung und Vergabe.
Aber hier hat man es trotzdem mit zig Handwerkern zu tun.

Und der Archi rechnet sicherlich nach Aufwand, Bausumme und der Honarordnung ab. Möglicherweise lässt sich auch ein Festpreis vereinbaren( meist bei kleineren Projekten, die nach HOAI abgerechnet sehr ungünstig für ihn wären)
9000 € ?
Nicht völlig undenkbar, kommt halt auf die Rahmenbedingungen, was er alles machen muss.

Und ob ein Bauträger günstiger wäre ? Der wird alles in einem Pauschalpreis kalkulieren, zu verschenken hat er nichts. Wenn er Architektenleistungen vergeben muss, dann muss er die ja auch bezahlen und in sein Angebot einrechnen.

Denn der 1. Schritt wäre ja die Vorklärung der Machbarkeit. Darf man in dem Umfang oder überhaupt anbauen usw. Gibt es besondere Schwierigkeiten usw.
Das könnte der Bauherr in spe auch selbst auf dem Bauamt klären.

mfG
duck313

hallo duck,

vielen dank für deine sehr ausführliche antwort. das hilft uns doch für den start sehr. ich denke wir werden die machbarkeit vorab prüfen und dann einen architekten aufsuchen. die gewerke würden wir gerne selber aussuchen, das erlaubt unsere zeit noch und wir verlieren das projekt nicht aus den augen. vielleicht naiv…mal sehen…ist unser erstes bauprojekt und hier gilt es auf erfahrungen und erkundigungen zurückzugreifen. eine überwachung des projekts durch den archi ist für uns nicht undenkbar, wenn es im finanziellen rahmen bleibt. das muss man vorab klären.

ich freue mich jetzt auf den „stress“ und hoffe das bleibt auch so :smile:

Viele Grüße
Carsten

Wenn ihr die Handwerker selber aussuchen wollt, ist ein Bauträger falsch.

Ein Bauträger ist eine Firma, welche von euch den Auftrag bekommt und dann den Rest selber erledigt. Planerstellung, Genehmigungen, Angebote, Auftragsvergabe - das würde ein Bauträger alles machen. Und er würde die Handwerker bezahlen, ihr zahlt immer nur an en Bauträger.

Meine negativen Erfahrungen mit Bauträgern sehen so aus:
Der Bauträger rechnet alle Kosten schön, setzt für alle Gewerke nur Minimal-Leistungen an und präsentiert ein super preiswertes Paket.
Die Handwerker wissen, dass zu der Minimalausstattung noch viele von euch direkt zu bezahlende Extras kommen, sie machen daher dem Bauträger ein Angebot zu einem extrem guten Preis.
Jedes Extra wird dann mit EUCH abgerechnet, aber zum super teuren Preis.
So sollte ein Kunde von mir für jede zusätziche Steckdose 50€ an den Elektriker zahlen, zudem war die Anzahl der vom Bautrüger geplanten Steckdosen unterhalb der 1-Sterne-Installation, also weit unter der üblichen Mindestausstattung.
Woher ich das weiß?
Der Kunde fragte, ob ich das Haus installieren wolle. Der Bautrüger hätte für den Entfall der Elektroinstallation den Preis um etwa 5000€ gemindert. Ich sagte, dass ich vollkommen unmöglich zu dem Preis auch nur annähernd die Elektrik machen könne.
Am Ende hat dann mein Kunde über 6000€ für „Extras“ an den Elektriker des Bauträgers direkt zahlen müssen. Und der Bau war keinsfalls üppig ausgestattet!

huiii, das ist ja alles andere als schön. das bestärkt mich in dem gedanken die handwerker selber auszuwählen. die auswahl der handwerker wird dann wohl eher das bauchgefühl entscheiden oder eben die bewertungen im internet (denen man ja auch nicht wirklich trauen kann).

also könnte das vorgehen so aussehen:

1.) machbarkeit prüfen
2.) architekt aufsuchen und zeichnung anfertigen lassen sowie baugenehmigung einholen
3.) handwerker aussuchen nach kostenvoranschlag.
4.) zeitplan erstellen
5.) start der bauphase nach zeitplan
6.) Abschluss der Bauphase und Endkontrolle durch architekten
7.) ehefrau jubelnd durch den anbau tanzen sehen

das ist zumindest die theorie.

Hallo,

meine Erfahrungen müssen nicht immer zutreffen!

Aber grundsätzlich habe ich halt Bedenken.

Ich würde aber auf jeden Fall auch den Architekten nach empfehlenswerten Handwerkern fragen. Vor allem aber die Handwerker selber!
Ich kenne z.B. rund zehn Gas-Wasser-Sani Firmen hier, genau eine davon würde ich auch bei mir arbeiten lassen.
Und von den vier lokalen Bauunternehmern sind zwei, die ich niemals akzeptieren würde.

Handwerker können die Arbeit anderer Gewerke oft schon ganz gut einschätzen.

Während der Bauphase muss aber ein Fachmann regelmäßig vorbeischauen.
Das kann euer Architekt mach oder ein externer Bausachverständiger.
Letztere sind teurer und pingelinger - das kann gut für euch sein.
Die Koordinierung und Kontrolle der Handwerker während der Bauphase könnt ihr kaum selber stemmen, dazu fehlt euch die Erfahrung. Es wird regelmäßig passieren, dass ihr gar nicht überblickt, welches Gewerk auf bestimmte Vorleistungen eines anderen angewiesen ist und welche Änderungen unbedingt an welches andere Gewerk mitgeteilt werden müssen.

Tach.
Ich denke mal laut: Erst mal nach den alten Antragsunterlagen stöbern. Und sollte der ehem. Planverfasser noch leben,…
Sonst Architekten zur Vor- Ort- Besichtigung laden und nach Machbarkeit, den Kosten für Bauantrag, Statik und EnEV befragen.
Unternehmer wählen, der einem den erweiterten Rohbau zum Festpreis und verb. Termin herstellt. Incl. Unterbau Terrasse. Tipp kommt u.U. vom Architekten.
Dann hat man nur noch die Ausbaugewerke und Terassengestaltung vor der Brust. Und alles überwacht durch Dekra oder TÜV. Bei 50 TSD Euronen Baukosten macht die Überprüfung/ Bauleitung nur ein paar Prozent aus.

Du, bei Regen auf der unfertigen Terrasse …

Viel Spaß.

B