Argentinisch

Hallo,

wenn wir Tee trinken, tun wir die Teeblätter in einen Filter, ein Sieb oder ein Teeei, um sie getrennt vom Wasser zu halten.

Die Argentinier machen das umgekehrt: Sie trinken ihren Mate aus einem kleinem Becher, in dem sich die Teeblätter befinden mit Hilfe eines Art Hohllöffels, wie an einem einem Stohhalm saugend, durch ein unten angebrachtes Sieb hindurch. Und dann gießen sie heißes Wasser aus einer Thermosflache nach, aus der oben zwei Röhrchen herausschauen: eins zum Ausgießen und eins für die Luft, die dabei hinein muss.

Diesen „Trinklöffel“ nent man in Argentinien bombilla.

Wie aber nennt man den Becher, der meist eine ovale Form hat,
und entweder aus Plastik oder aus einem Hohlkürbis besteht?

Wie nennt man die Thermosflasche mit den beiden heraus ragenden Röhrchen, die es so nur in Argentinien gibt?

Gruß
Peter

Auch hallo,

diese Art des Teetrinkens ist nicht nur in Argentinien üblich, sondern auch in den angrenzendenden Nachbarländern, Uruguay, Paraguay und Brasilien weit verbreitet. Die Tradition geht zurück auf die Indianer des Stammes Guarany.

Ich kann Dir hier zu der brasilianischen Art des „Chimarrão“-Trinkens etwas erzählen, dürfte allerdings nicht allzusehr von der argentinischen Sitte abweichen.

Das Trink-Gefäß nennt man „cuia“ und wird aus der Frucht des „Porongo“-Baums (eine Bambusart) gewonnen. Die Verwendung eines Gefäßes aus anderem Material wie Plastik wäre - zumindest in Brasilien - ein Sakrileg, da geht es schon ganz stilecht zu :smile:). Die Paraguayer sind da nicht so, die nehmen auch Marmeladegläser, oder was sie sonst gerade zur Hand haben. Bei denen gibt’s auch den kalten Mate, der dann nicht mehr „Chimarrão“ heißt, sonderen „Tererê“, der dann auch gesüßt und Zitronensaft zugegeben wird.

Übrigens werden die Mate-Blätter zu ganz feinem Pulver zermahlen, um den authentischen Chimarrão machen zu können, es werden also keine Blätter verwendet.

Der Trinklöffel ist aus Silber und heißt bei uns „bomba“.

Na, und ob diese Thermoskanne mit den 2 Röhrchen in Argentinien einen bestimmten Namen hat, kann ich Dir nicht sagen, hier verwenden wir eine ganz normale „garafa térmica“, oder, wenn man in einer Runde draußen am offenen Feuer sitzt, eine „chaleira“, also einen Wasserkessel.

Für jeden in der Runde wird die cuia mit dem Matepulver mit nicht zu heißem Wasser aufgefüllt, wenn er seine Portion ausgetrunken hat, kommt eine neue Wasserfüllung rein und wird an den nächsten weitergegeben. So kann man schon eine ganze Weile in netter Runde beim Chimarrão zusammensitzen. :smile:))

Viele Grüße

Moni

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nicht nur argentinisch
Hallo Moni,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Dass es diese Sitte auch in Brasilien gibt, überrascht mich. Ich habe mal an einer Seereise von Europa nach Südamerika teilgenommen, da erkannte man die Argentinier immer daran, dass sie mit Matebecher und besagter Thermoskanne auf dem Deck herum liefen oder standen.

In Argentinien waren die die Blätter des Mate grün, ich trank ihn gerne. In Brasilien waren die Blätter geröstet, hatten einen braun-bläulichen Schimmer, der Tee daraus schmeckte mir überhaupt nicht.

Viele Grüße
Peter

Hallo Peter,

doch, doch, die Brasilianer - zumindest in den südlichen Bundesländern Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná - sind eifrige (um nicht zu sagen süchtige) Chimarrão-Trinker. Es gibt schon einen gravierenden Unterschied zwischen „Chimarrão“ und Mate-Tee. Chimarrão ist auch hier, wie in Argentinien, das Pulver aus den grünen Mate-Blättern, für den normalen Mate-Tee (der in den nördlicheren Bundesländern getrunken wird) werden die Blätter geröstet, nicht zu Pulver zermahlen, nur zerkleinert und normal aufgebrüht wie jeder andere Tee. Schmeckt wirklich nicht so besonders, aber ein Chimarrão ist was ganz anderes, sozusagen eine ganze Wissenschaft für sich :smile:))

Wenn Du mal Gelegenheit hast, den Süden Brasiliens zu bereisen, wird Dir auch auffallen, dass alle Welt immer ein Gestell mit Thermoskanne, Chimarrão-Paket, cuia und bomba mit sich rumträgt, um zu jeder Zeit, von früh morgens bis spät abends, seiner Leidenschaft frönen zu können. Heißes Wasser bekommt man ja überall, und die anderen Utensilien schleppt man halt mit sich rum. :smile:))

Viele Grüße
Moni

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