Arme GKV's

Hi Ihr!

In meiner näheren Umgebung (Duisburg) gab es ein wirklich krasses Beispiel für die Ohnmacht der Gesetzlichen Krankenversicherungen!

Bei der BKK Novitas war ein Kind mit einer sehr schweren Stoffwechselkrankheit (sorry, habe den Namen vergessen) versichert.
Die Therapie hätte bis zu 40.000 DM im Monat gekostet, doch die BKK Novitas verweigerte die Zahlung, da ihr die Hände vom Gesetzgeber gebunden sind und diese Leistung nicht erbracht werden darf!

Nachdem eine Klage erfolgte, und das Urteil positiv für den Versicherten ausging, bedankte sich die BKK beim Richter für die Tatsache, dass sie dem Versicherten helfen darf!

Mein Gott - es ging hier um eine Krankheit, die tötlich enden kann!

Gruß
Guido, der zum Glück bald privat versichert ist und sich vor allem um seinen Sohn etwas weniger Sorgen machen muss!

Hi, Guido,den Fall, was du hier anführst, habe ich auch verfolgt,
daß ist jedoch nur einer von vielen negativen Fällen, was GKV n betrifft.Ich würde jetzt am liebsten hier richtig loslegen, aber die DAK und Barmer usw.- Leute werden über interna hier immer sehr wütend.
Nur mal ein Präzedenz Fall, wie er klassischer nicth sein kann,
Für läppische 200 - bis 300 DM Fälle, die man als Ausnahmeregelungen gemäß § 2 SGB V günstig und effektiv erledigen könnte, laufen reihenweise über die Sozialgerichte mit Gegengutachten ( manchmal mehrere) Obergutachten, Nebengutachten und dies alles von externen Gutachtern, wo die Seite mit 120,- DM vergütet wird.
Hier kommt es weder auf den Kranken, nach daß ihm gehofen wird, noch ( komischerweise) auf die Kosten für Gericht, Rechtsanwälte, Gutachter usw. an.
Dann wird sich noch jenseits der GKV Portale gewundert, daß soviele Austritte aus den großen Kassen erfolgen, mit Sorgenfalten auf den Stirnen und Drohungen von Entlassungen an die Mitarbeiter, diese arbeiten dann mit noch größerem Druck im Nacken usw.
Die Sozialgerichte sind überhäuft mit Fällen, wie z.B. bei der Barmer, wo alles , was ein bißchen mehr kostet, wie Rollstühle, Dreiräder usw. immer erst abgelehnt wird, da wird gewartet, was der Richter sagt, alle Fälle werden seitens der Barmer mit Revisionen vor den nächsten Instanzen vbis rauf zum BSG eingebracht, wie auch bei der DAK, mit dem Hintergrund, wir brauchen ja erst zu zahlen , wenn der Bundes Sozialrichter nach5 - 8 Jahren dann endlich ein Urteil fällt, darüber sterben die meisten Leute dann weg, bezahlt werden braucht dann nicht mehr, Erbschaften gibt es hierbei auch nicht.
Die Barmer lehnt jeden Fall einfach kategorisch immer nur ab, und arbeitet somit auf Zeit und drüberwegsterben, die DAK auch, aber bei der DAK haben die Ablehnungen wenigstens Hand und Fuß, bloß hier wird synonym mit der Barmer auch einfach auf Zeit gesetzt, was denselben Effekt auf verschiedenen Ebenen hat.
Die BKK n sind nicht so häufig bei den Sozialgerichten anzutreffen, die arbeiten teilweise wirtschaftlich, was den 200- 500 DM Rahmen betrifft, im
o.a. Sinne.
Tschüß

Nee - ausnahmsweise wollte ich nicht schimpfen!
Hi Aaron!

In diesem Fall war es ja nicht so, dass die Kasse nicht zahlen wollte - sie durfte nicht!!!

Wenn ich das richtig verstanden habe, hat die BKK Novitas sogar bei der Klage hilfreich zur Seite gestanden…

Gruß
Guido

Hi, ich habe den Kommantar der BKK so verstanden:
Wir können nicht zahlen, darum gehen Sie bitte zum Sozialgericht, daß die den Weg frei machen, dann müssen wir zahlen, aber vorher keine müde Mark.
Neme an, daß dort nicht so viel Geld in der kleinen Krankenkasse vorhanden ist, und Ausgleichszahlungen von den anderen Kassen erfolgen wohl nicht, den Grund hat man ja nicht genannt.
Tschüß

Hallo,
das ist eine Problematik unter der alle Kassen gleichermasen
zu leiden haben. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es hier
z.T. ums Überleben geht und müssen, ich betone ausdrücklich
müssen eine Leistung ablehnen weil das Gesetz dagegen steht.
Oftmals uns unverständlich !!!
Sicher hat man recht wenn man sagt eine Leistung im Rahmen
von 200-500 DM - was ist das schon für ein Betrag - nichts !!
wenn dem Betroffenen damit geholfen wird. Für eine BKK mit
ca. 100.000 Mitgliedern ist das kein grosses Problem
und kann auch relativ problemlos und ohne grosses Aufhebens
erledigt werden aber für eine Kasse mit 8 Millionen Versicherten
sieht die Sache anders aus.
Folgendes Beispiel: Ich zahle eine Leistung, die nicht im
Leistungskatalog der GKV steht, z.B. einen Heilpraktiker ä-
Kostenfakrot ca. 300,00 DM. Der Versicherte freut sich und
sagt nun allen die es hören wollen, dass seine Kasse eine
gute Kasse wäre, denn sie habe ihm die Heilpraktikerkosten
erstattet. Das spricht sich rum - nach dem Schneeballeffekt
kommen nun immer mehr Versicherte und beantragen die Erstattung
der Behandlung von Heilpraktikerkosten - tja und was ich dem
einen zugestehe muss ich dem anderen doch auch zugestehen
oder etwa nicht ?
Und auf einmal habe ich einen Rattenschwanz am Bein hängen, den
ich aber so nicht wollte, mal davon abgesehen, dass mir
nicht nur mein Arbeitgeber wegen grober Fahrlässigkeit ans
Leder geht, sondern auch alle anderen (Mitbewerber, Ärzte,
PKV´en) auch. So sieht die Praxis aus -
Wenn ich aber sehe dass ich eine lebensnotwendige Behandlung
die als einzigste helfen kann, nicht bezahlen darf weil
eine nicht nachvollziehbare gesetzliche Bestimmung dies nicht
zulässt und ich gezwungen bin dies den Angehörigen zu
erklären, ja dann packt mich die kalte Wut auf einen Gesetzgeber, (egal wer regiert), der es nicht in das Ermessen
der jeweiligen Kasse stellt die notwendigen Leistungen
zu gewähren.

Günter

Hi, um zu deinem ersten Absatz oben zurückzukommen, ist die Situation, wie du sie schilderst, paradox, es müßte genau umgekehrt sein, daß die großen Kassen kleinere Beträge leichter erstatten könnten,
aber das Problem bei den großen Kassen ist in der immer mehr sich verselbständigenden Institutionalisierung zu suchen, wo letztendlich der Versicherte nur noch verschwommen wahrgenommen wird, ( ein regelrechter Diskur),dies ist ein Entwicklungsprozeß, der soziologisch gesehen, immer wieder bei zunehmender Institutionalisierung wahrgenommen wird, Betrachte doch nur mal die großen Banken, da wird der Kunde teilweise nur noch im großkapitalistischen Rahmen wahrgenommen, das Fußvolk muß zur Postbank o.ä.
Tschüß

hallo, Guido, hallo, alle,
habt Ihr die Sendung Stern-TV gesehen? Ein Kind hatte eine sehr seltene, unheilbare Hautkrankheit (oder meintest Du diesen Fall?). Die Kasse hat die Behandlung abgelehnt, weil es sich nicht rentiert!!! Das zumindest war die Aussage von G. Jauch.
Das ist die gleiche mensschenurnwürdige Begründung, wie bei 80 jährigen, die eine Hüftgelengoperation brauchen. Denen wird teilweise die Leistung ebenfalls abgelehnt, weil´s sich icht mehr rentiert!
Übrigens: das Kind ist gestorben!
Es ist bestimmt nicht alles rosig, was mit der Privaten zu tun hat, doch hier ist ein krasser Unterchied zu GKV. Hier wird nicht gefragt: rentiert es sich, sondern: hat der Kunde das versichert?

Hallo Aaron,
mal davon abgesehen dass du mir noch eine Antwort schuldest
hier noch ein Hinweis ganz persönlich für Dich:
Eine Krankenkasse, egal wie gross oder wie klein, ist nicht
mit einer Bank zu vergleichen.
Ich bin nicht so blauäugig um nicht zu erkennen und auch zu
wissen dass es auch hier um Milliardenbeträge geht, aber
gottlob geht es hier immer noch an erster Stelle um Menschen,
und zwar um welche, die Hilfe benötigen, die krank sind und
denen geholfern werden muss.
Ich habe daher auch kein Verständnis für diejenigen, die
nur und ausschliesslich ihren eigenen Vorteil sehen und
auch nur aufs Geld schauen - mag sein dass diese Argumentation
von einem der bei einer Ersatzkasse tätigt ist „kommen muss“
aber ich vertrete diesen Standpunkt gegen wen auch immer.
Denn wenn es nicht diese Überzeugungen gäbe dann wäre der
Abzockerei noch mehr Tür und Tor geöffnet.
Derjenige der seine Krankenkasse regelmäßig benötigt, ich habe
da gerade einen Fall von Knochenmark-Transplantation
(Kostenfaktor um die 150.000,00 DM), den interessiert es
einen Sch…, ob seine Kasse einen Beitragssatz von 11,0 %
oder 15,0% hat.
Soviel vorerst mal.

Günter

Hallo Raimund,

allein die Aussage, egalob von Jauch oder sonstwem, es rentiert
sich nicht ist menschenverachtend, da gebe ich Dir recht.
Was heisst eigentlich rentiert ???
Rentieren tut sich meines Wissens nach eine Sache doch nur,
wenn ich daraus einen Vorteil erziele .
Wenn das so wäre, dürften wir alle etwas teueren Behandlung
nicht mehr bezahlen, vor allem für Leute, die selbst keinen
Beitrag leisten (Familiemnversicherung in der GKV).
Beispiel gefällig :
1 jähriges Kind - Krebs !! - Beitrag 0,00 DM
Kosten der bisherigen Behandlung ca 100.000,00 DM
Was soll sich da rentieren ???
Es ist unsere Pflicht für alle bei uns Versicherten die
Leistung zur Verfügung zu stellen, die uns per Gesetz
und rechtsprechung aufgegeben sind, und genau da liegt
der Hund begraben.
Es ist leider traurige Tatsache dass es immer wieder
Fälle gibt in denen den Kassen die Hände gebunden sind, weil
es z.B. Bundessozialgerichtsurteile gibt, die eine
Leistungsgewährung verhindern (Das ist auch ein Stück
Menschenverachtung).
Wenn Du als Vertreter einer Privatkasse dem Versicherten
erklären musst, dass eine Krebsoperation nicht bezahlt werden
kann weil er dafür keine Versicherung abgeschlossen hat, sondern
nur für ambulante Behandlung, dann stehst Du genauso so
ohnmächtig da, wie ich, wenn ich einem Versicherten erklären
muss, dass ein bestimmtes „schweineteures“ Medikament von der
Kasse nicht bezahlt werden kann weil es der Gesetzgeber
verbietet.
Ich will nicht verhehlen dass wir nahezu tgl. angehalten werden
die Ausgaben zu reduzieren und wir tun dies auch, aber
bitteschön nur da wo es auch angebracht ist.
Soviel vorerst.

Gruss

Günter

hallo, Günter,
leider gibt der Gesetzgeber den Kassen vor, was sie zu tun und zu lassen haben (schön für mein Geschäft, klar!).
Andererseits ist es problematisch, wenn man den Kassen freie Gestaltung genehmigt. Dann muss man auch zulassen, dass Kassen, die teuer sind, deshalb pleite gehen. Und was ist dann mit den Versicherten? Die haben ja ein verbrieftes Recht auf Aufnahme (außer den freiwillig Versicherten). Und hier ligt die nächste Krux: wo geht der der freiwillig V. hin, wenn seine Kasse pleite geht und die neue danken den Kopf schüttelt? Die Private nimmt ihn vielleicht nicht (evtl. schwer krank).
Also, die GKV gehören zwar mal durchgeforstet (ist bestimmt nicht alles Gold was da glänzt) aber sie sind bitter nötig.
Grüße
Raimund