… wird von manchen als einer der großen deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit angesehen. Trotzdem wird er relativ wenig erwähnt, ist relativ unbekannt. Warum?
Danke
Laika
… wird von manchen als einer der großen deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit angesehen. Trotzdem wird er relativ wenig erwähnt, ist relativ unbekannt. Warum?
Danke
Laika
Servus,
ein Schlüssel für den Bekanntheitsgrad deutscher Autoren mit bissel Niwoh ist der Schulunterricht; es gibt Leser genug, die später in Belletristik bloß noch in Bestseller-Charts herumdümpeln. Arno Schmidt ist wegen seiner dezidiert antiklerikalen Äußerungen, die die Texte durchziehen (er gehört zu dem illustren Kreis der wg. § 166 StGB Angeklagten), für den Schulunterricht ungeeignet.
Die anderen pösen Sachen, die er geschrieben hat, wegen derer ihm unter der Adenauerschen Käseglocke noch die Verbreitung jugendgefährdender Schriften vorgeworfen wurde, kann man aus heutiger Sicht wohl kaum als Pornografie bezeichnen. Zündstoff enthalten sie dennoch unverändert, aber das zu erläutern würde hier zu weit führen.
Ferner erfordert die Lektüre vieler Texte von ihm ein gewisses Maß an Kenntnissen in Physik, Mathe, Geographie, Geschichte, Naturwissenschaften. Auch das macht sie nur bedingt für die Schule geeignet.
Nur mit einiger Konzentration lesbar sind spätere Sachen von ihm, vor allem die Summa „Zettels Traum“. Wenn man jetzt aber mal „Leviathan“, „Leere Spiegel“, „Brands Haide“ hernimmt und mit einem beliebigen Text von Heinrich Böll vergleicht (die Themen und auch deren Bearbeitung sind durchaus vergleichbar), bleibt als hauptsächliche Erklärung für das Aufsaugen des einen und das Ausspucken des anderen schon, daß der eine („Clown“ hin oder her) ein ordentlicher rheinischer Katholik war, während der andere sich als vielböser Antichrist präsentiert.
Schöne Grüße
MM
Moin Hundchen,
zum einen heißt der gute Arno Schmidt, damit findest Du vielleicht mehr.
… wird von manchen als einer der großen deutschen
Schriftsteller der Nachkriegszeit angesehen.
Ich will mal sagen, nicht von manchen, sondern von recht vielen.
Allerdings halten auch nicht wenige Arno Schmidt für einen Scharlatan.
Trotzdem wird er
relativ wenig erwähnt, ist relativ unbekannt. Warum?
Daß er nicht erwähnt wird, könnte ich nicht sagen, und unbekannt ist er nun auch nicht gerade.
Die Fangemeinde von ihm hat manchmal schon etwas sektenhaftes und die meisten sind recht polarisiert.
Was eine großflächige Rezeption von ihm verhindert ist sicher auch sein Schreibstil, der nun wahrlich nicht jedermanns Sache ist. Man mag sie, oder eben nicht. Zudem verlangt sein Werk auch ein sehr umfangreiches Wissen um viele andere Werke, die teilweise auch recht speziell sind.
Alles in allem ist sein Werk sehr anspruchsvoll und das ist nun mal Gift für Massenverlustierung.
Gandalf
derihnmag
statt „Leere Spiegel“ lies: „Schwarze Spiegel“. Asche über mein Haupt, da hat mir Janwillem van de Wetering einen Streich gespielt…
MM
Salü,
wie schon gesagt ist Schmidts größtes Handicap natürlich seine (durch allzu unbescheidene Ansprüche an Lese- und Verständnisfertigkeiten bedingte) mangelnde Kompatibilität zum Massengeschmack - die ja nun allerdings auch kein untrügliches Merkmal literarischer Qualität ist.
Damit verwandt ist die schiere Unmöglichkeit, Schmidt wiederkennbar zu verfilmen. Selbst die Modellfälle deutschen Bildungsbürgertums, die in „wer wird Millionär“ dem staunenden Publikum vorgeführt werden, werden zur Vermeidung allzu peinlicher Bloßstellung im Bereich Literatur ja nur mit Fragen zu Werken behelligt, die verfilmt wurden …
Und last not least hat Schmidt selbst von sich bekannt, lediglich ein zweitrangiger Autor zu sein:
Bin ich ein deutscher Schriftsteller vom zweiten Range […] besser zu werden, haben mich ungünstige Umstände verhindert; man vergesse nie, daß mein erstes Buch erschien, als ich 35 Jahre alt war - also um 15 Jahre zu spät.
Was andere Autoren zweiten Ranges über Schmidt zu sagen wussten, ist hier http://www.arno-schmidt-stiftung.de/arno/2_08.html schön zusammengestellt. Wobei (jedenfalls mir) auffällt, dass die eher abfälligen Äußerungen von Autoren (wie dem unsäglichen Hans Habe oder dem schrifststellernden Juristen Chotjewitz) stammen, die ich nun mit „Autoren zweiten Ranges“ ausdrücklich nicht gemeint haben will.
Freundliche Grüße,
Ralf