Artikel im deutschen

Hallo,

wie erklärt man einem, der der deutschen Sprache nicht so mächtig ist, den Unterschied der Artikel „der, die, das“.
Möglichst einfach!
Woran erkennt man, welcher Artikel benutzt werden muss?
z.B.
„das Glas“
„die Tür“
„der Keller“

Vielen Dank!
JOKER

Hallo!

Woran erkennt man, welcher Artikel benutzt werden muss?

An nichts ist es erkennbar; es muß gelernt werden. Du kannst es nicht erklären, weil es gemeinhin keine Regeln gibt. Lediglich der Plural ist eindeutig.

Gruß!
Tino

Hallo JOKER,

ganz so schlimm wie Tino sagt, ist es nicht.
So gibt es feste Regeln für alle Wörter, die durch Ableitungen von anderen Wörtern enstanden sind. Und das sind mehr als 50% der Nomen.

Ich lass dir mal ein Regelblatt zukommen.

Fritz

Fritz, das Regelblatt bitte auch an mich (owT)
Gruß & Dank :wink:

Ich hätte das Blatt auch gern. o.w.T.

Bitte ich auch, oder einf. ins Brett stellen! (oT)

Genusregeln oder die deutschen Artikel
Auf Wunsch!

Leider geht hier meine Formatierung verloren.
Ich hoffe, es ist trotzdem verständlich.
Fritz

Regeln für das Geschlecht deutscher Wörter

Wir unterscheiden im Deutschen zwischen dem
A. natürlichen Geschlecht und B. dem grammatischen Geschlecht.
A. Das natürliche Geschlecht wird bestimmt durch das Geschlecht der Person oder des Wesens, das gemeint ist, unabhängig von den grammatischen Regeln.

Also: der Vater, der Onkel, der Pate, der Witwer, der Neffe, der Bruder, der Schwule, der Arbeiter, der Hengst, der Stier, der Kater …

und: die Mutter, die Schwester, die Tante, die Hexe, die Witwe, die Amme, die Kusine, die Stute, die Kuh, die Färse, die Katze …

und: das Kind, das Kalb, das Fohlen, das Kitz, das Ferkel …

Hält die deutsche Sprache keine eigene Femininform bereit, wird diese mit dem Suffix (der Nachsilbe) -in gebildet: die Arbeiterin, die Kollegin, die Fernfahrerin, die Ministerin …

Für manche Fremdwörter haben wir die Ableitungen:
der Friseur => die Friseuse, der Direktor => die Direktrice.

Interessant ist hierbei, dass normalerweise zuerst die Maskulinform besteht und davon die Femininform abgeleitet wird.

Diese Ableitung gelingt immer, selbst bei solchen: Der Landamann => die Landamännin (Schweiz), Amtmann => Amtmännin, der Kaufmann => die Kaufmännin, der Soldat => die Soldatin.
Den Feministinnen verdanken wir Formen wie Bürokauffrau, Landfrau.

Es gibt einige wenige, wo dies umgekehrt zu sein scheint: die Hexe => der Hexer, die Hure => der Hurer, die Witwe => der Witwer. Kurios ist, dass die Schlampe negativer betrachtet wird als der Schlamper und die Schlamperin, dass es zwar die Nutte, aber keinen Nutter gibt; während es logisch scheint, dass es keinen Hebammer und keinen Ammer gibt.

Der Grund für dieses Phänomen, dass es einmal sowohl die Maskulin- als auch die Femininform gibt, das andere mal nicht, ist darin zu sehen, dass es die Verben „hexen, huren und schlampen“ gibt, und von diesen die männliche und weiblich Form des Täters genannt werden können. Die Verben „*nutten und *ammen“ dagegen gibt es nicht. Es gibt aber auch kein Verb „*witwen“ und doch gibt es davon das männliche und das weibliche Nomen.

Bei den Tiernamen bleibt dabei oft unerklärbar, warum die Gattungsbezeichnung das jeweilige Geschlecht hat. Warum heißt es: das Pferd, das Rind, das Kamel, die Katze, die Ziege, die Gämse, der Bär, der Bison (auch: das), der Hase, der Elefant? Niemand weiß es! In diesen Fällen muss der richtige Artikel mit dem Wort gelernt werden; von den Deutschen in der Kindheit durch Imitation und während der Schulzeit als vorhandene Festlegungen, von Ausländern im Deutschkurs.

Und so ist es bei allen Wörtern, die nicht durch ihr „Wesen“ geschlechtlich festgelegt sind. Bei manchen dieser Wörter hilft die Etymologie bei der Bestimmung des Geschlechts. Verlassen kann man sich nicht darauf.

Dass das Weib neutrum ist, ist auf eine völlig rätselhafte Herkunft, über die keine Übereinstimmung besteht, zurückzuführen. Hierzu kann man zum eigenen Vergnügen die Artikel in den etymologischen Wörterbüchern befragen.
Bei anderen wird durch die Semantik (die Bedeutung) das Geschlecht festgelegt.
Dies wird in der untenstehenden Tabelle in den ersten drei Feldern dargestellt.

Alkoholika sind bis auf das Bier maskulin, selbst la grappa wird deutsch der Grappa, Wodka (das Wässerchen) wird der Wodka. Ob das so ist, weil Alkohol nur was für Männer ist, ist fraglich.

Autos sind - sowohl was Marken, als auch Typen angeht - männlich; Motorräder und Schiffe sind weiblich, auch wenn der Namengeber ein Mann war, z. B die Bismarck. Wetterphänomen sind auch meist Maskulina, bis auf das Gewitter.
Aber das hat seine Gründe.

B. Damit wären wir bei dem grammatischen Geschlecht. Dies tritt auf, wenn es sich um Nomen (Substantive, Hauptwörter) handelt, die durch Ableitungen mittels Präfixen (Vorsilben) oder Suffixen oder durch Weglassen der Endung aus anderen Wortarten entstanden sind.

Beispiele:
Verb => Nomen: wohnen => e Wohnung (feminin)
Verb => Nomen: springen => r Sprung- (maskulin)
Verb => Nomen: schreien => s Geschrei (neutrum)
Verb => Nomen: essen => s Essen (neutrum)
Adjektiv => Nomen: schön => e Schönheit (feminin)
Adjektiv => Nomen: jung => r Jüngling(maskulin)
Adjektiv => Nomen: groß => e Größe (feminin)
Adverb => Nomen: heute => s Heute (neutrum)
Verb => Nomen: meckern => e Meckerei (feminin)
Nomen => Nomen: r Bäcker => e Bäckerei (feminin)
daher auch: r Türke => e Türkei

Nomen => Nomen: e Bank => s Bänkchen (neutrum)
hierher gehört auch das Mädchen, das aus e Magd => das Mägdchen entstanden ist, ebenso das inzwischen so gut wie ausgestorbene Fräulein und die Hunde besitzenden Herrchen und Frauchen.

Dass es dabei immer auch Ausnahmen gibt, macht die deutsche Sprache so interessant.
So heißt eine Regel, dass Nomen mit der Endung -er, die von Verben gebildet sind, männlichen Geschlechts sind; also arbeiten => der Arbeiter. Dennoch gibt es die Trauer, die Dauer, die Lauer. Man muss also annehmen, dass diese Nomen nicht von den Verben abgeleitet wurden, sondern umgekehrt, die Verben von den Nomen.

Ebenso sagt eine andere Regel, dass Nomen, die aus Verben durch das Abtrennen der Infinitivendung entstanden sind, maskulin sind; also kaufen => der Kauf. Und doch gibt es das Spiel, das Ziel

Wörter mit der Endung -e sind meist feminin; dennoch gibt es eine Reihe von Maskulina auf -e: der Kunde, der Bote, der Grieche, der Russe, der Löwe, der Hase.

Einige Regeln über die Wahl des Artikels

Diese Regeln sind hierarchisiert: je weiter oben im Schema sich eine Regel befindet, desto „sicherer“ ist sie.
maskulin feminin neutrum
Semantische Kategorien Tage
Monate
Jahreszeiten
Niederschläge
Alkoholische Getränke
Autos
Männliche Personen

Schiffe, Luftschiffe
Motorräder

Weibliche Personen Sprachen
Länder
Städte
Mehrsilbler Lehr-er
Feig-ling
Lux-us
Mot-or

Blick(ohne Endung)

Kund-e Tass-e
Freund-in
Frei-heit
Wirklich-keit
Freund-schaft
Zeit-ung
Toler-anz
Ess-enz
Mus-ik
Nat-ion
Pie-tät
Nat-ur
Dos-is
Mecker-ei Tisch-chen
Tisch-lein
Deriv-at
Jogg-ing
Kli-ma
Muse-um
Abonne-ment
Niv-eau
Mott-o

Ge-tränk

Einsilbler Kor-b
Mun-d
Ru-f
Ta-g
Dru-ck
Ty-p
Ti-sch
Rau-ch
Rei-s
Ru-ß
Ha-lm (l+ Konsonant)

FR

Will bitte wissen aus welchem Lehrmittel das Regelblatt stammt.

Gruss Haegar CH, der die deutsche Sprache auch gerne so gut verstehen und erklären können, mögen, wollen.

Diese Regeln
sind eine Zusammenfassung, die ich aus der Dudengrammatik, aus diversen Lehrbüchern und eigenen Beobachtungen zusammengestellt habe.
Weniger für Schüler als für junge, neue Kollegen, meist waren es Kolleginnen, die zwar wussten, wie es geht, aber nicht, wie es zu erklären sei.
Fritz

Gegenthese @ Fritz
(Hallo, nix für ungut! *g*):

Der Genus im Deutschen ist lexikalisches Wissen, das sich nicht sicher aus Regeln ableiten lässt. Statt sich zu sehr auf die Regeln zu fixieren sollte man vielleicht lieber den sicheren Umgang mit Wörterbüchern üben, gerade im Ausländerunterricht (aber das ist eine These von mir; kannst du das aus deiner praktischen Erfahrung bestätigen, Fritz?).

„Das beherrschende Genussystem im Deutschen ist ein formalgrammatisches System, das in seinen Systemzügen nur im Rahmen einer historischen Grammatik erklärt und übersichtlich gemacht werden kann. Im Rahmen einer Darstellung der Gegenwartssprache ist es für die Mehrzahl der Substantive nicht möglich, praktikable Regeln zur Genusbestimmung zu geben. Bei vielen Substantiven muß die das Genus repräsentierende Artikelform zusammen mit dem Substantiv gelernt werden.“
(Helbig/Buscha, Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht)

Gruß
Wolfgang

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Hallo Wolfgang,

was du sagst, gilt etwa für die Hälfte der deutschen Nomen.
Vielleicht auch bloß für 45%.

Die müssen in der Tat gelenrt werden wie die unregelmäßigen Verben.

Aber für die abgeleiteten Nomen gibt es Regeln und die zu kennen ist hilfreich für Deutschlerner und auch für Deutsche.

Fritz

Hallo Fritz,

ein paar kleine Spitzfindigkeiten am Rande:
die Bowle

und natürlich im Reiche der zusammengesetzten Wörter:

die Weinschorle

Bei den neutra nicht zu vergessen: das Radler
oder für Nordlichter: das Alsterwasser
das Kölsch
das Krefelder

Interessanterweise sind das alles Mischgetränke, die nicht maskulin sind.
Lernen wir daraus, dass ein „echter Mann“ nur ungepanschtes trinkt?
Oder sind Getränke mit mehreren Ingredienzien für das simple männliche Gemüt zu kompliziert? Fragen über Fragen…

Grüße,

Hasta Lavista (maskulin)

Alkoholika sind bis auf das Bier maskulin, selbst la grappa
wird deutsch der Grappa, Wodka (das Wässerchen) wird der
Wodka. Ob das so ist, weil Alkohol nur was für Männer ist, ist
fraglich.

spontan fallen mir noch Caipirinha und Berliner Weisse ein, und bei den Cocktails gibt’s bedingt durch die sehr phantasievollen Namensgebung natürlich noch viel mehr, z.B. Bloody Mary…

Grüße,

Hasta Lavista

Spitzfindigkeiten und so…
Hallo HastaLavista,

ein paar kleine Spitzfindigkeiten am Rande:
die Bowle

die muss ja nun auch nicht unbedingt Alkohol enthalten. Meines Wissens nach ist dieser Begriff auch abgeleitet vom englischen „bowl“, was soviel wie „Schüssel“ heißt. Und eine Schüssel ist eben femininum…

und natürlich im Reiche der zusammengesetzten Wörter:

die Weinschorle

Woher der Begriff „Schorle“ stammt, weiß ich nicht. Aber von der Endung her (-e) macht es schon Sinn, dass es femininum ist.

Bei den neutra nicht zu vergessen: das Radler
oder für Nordlichter: das Alsterwasser
das Kölsch
das Krefelder

und überall hier ist „Bier“ zu ergänzen, daher sind diese Bezeichnungen Neutra.
Bei Alsterwasser ist natürlich das Genus durch „Wasser“ festgelegt.

Gruß
Uschi

Woher der Begriff „Schorle“ stammt, weiß ich nicht. Aber von
der Endung her (-e) macht es schon Sinn, dass es femininum
ist.

Hallo, Uschi und Hastalavista,
hier hab ich was dazu
Schorle
Die Bezeichnung „Schorle“ für ein Mixgetränk aus Wasser und Wein leitet sich wohl von dem Trinkspruch eines französischen Offiziers ab, der im 19 Jhd. in Deutschland stationiert war (in Würzburg ?). Vor jedem Glas pflegte er zu sagen:„Toujour l’amour“ also in etwa: „jeden Tag Liebe“ sehr français, gell. Daraus wurde „Schorlemorle“ und dann die Kurzform „Schorle“.

gefunden bei http://www.w-akten.de/reddeutsch.shtml
Beste Grüße
Eckard.

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Hallo Uschi,

Danke für Deine Ausführungen. Natürlich lässt sich meist logisch erklären, warum nun fem. oder neutr., aber mir kam es auch mehr darauf an zu zeigen, dass die „einfache Regel“ von FR „Alkoholika, wenn nicht zusammengesetzte Wörter, sind maskulin“ auch in die Irre führen kann.

BTW: wo bitte ergänze ich beim Radler das Wort Bier?
Beim Krefelder kann ich das noch nachvollziehen, so a la:
Krefelder Bier.
Aber beim Radler?

Grüsse,

Hasta Lavista

und du meinst…
…ich wäre jetzt um eine Antwort verlegen? *g*

Nene, HastaLavista, dafür erfinde ich jetzt ne Begründung:

also, das Radler ist das für den verkehrstüchtig bleiben sollenden Radfahrer mit Limonade verdünnte Bier *lach*

Gruß
Uschi :wink:

Nö, Uschi,

die Radler ist die für den Radfahrer aufgrund der für Radfahrer liberaleren Blutalkohol-Grenzwerte mit Bier aufgepeppte Limonade
*grins*

Eine Erklärung, warum Bier Neutrum ist, liegt wohl darin, dass Bier das zum Zwecke flüssiger Nahrungsaufnahme während der Fastenzeit modifizierte Getreide ist.

*zwinker*

innerbayrische Grüße,

Hasta Lavista

nachkarten :wink:
Jetzt geh weida, HastaLavista,

die Radler ist die für den Radfahrer aufgrund
der für Radfahrer liberaleren Blutalkohol-Grenzwerte mit Bier
aufgepeppte Limonade
*grins*

Bei uns hoaßt des doch 's Limo und net so preissisch „die Limonade“…

innerbayrische Grüße,

d’ Uschi (die jetzat liaba nix mehr zu dem Thema sagt…)

Hi,

Lediglich der Plural ist eindeutig.

…und das Diminutiv. Ich hatte einen Bekannten, der deswegen immer ein Bierchen, ein Weinchen, ein Salätchen bestellte.

Gruß

j.