nach einer ambulanten Knieoperation mit Vollnarkose wird man
aufgefordert, sich danach abholen oder mit Taxi nach Hause
bringen zu lassen. Der Arzt sagt dabei, er wäre für die
Sicherheit des Patienten auch während der Heimfahrt zur
Wohnung verantwortlich. Trifft dies zu?
Jein. Der Arzt ist insoweit dafür verantwortlich, dass er den Patienten über angemessenes Verhalten aufklären muss und ihn erst entlässt, wenn er sich davon überzeugt hat, dass der Patient ggf. unter Einhaltung von Vorsichtsmaßnahme auch gehen kann. Eine solche Vorsichtsmaßnahme ist, den Patienten nicht ohne Betreuung nach einer OP zu entlassen.
Wenn ja, würde dies
auch zutreffen, wenn der Patient sich nicht daran hält und
andere Verkehrsmittel wählt?
Das Verkehrsmittel ist nicht der Schlüssel in dem Fall, sondern die Begleitung. Die gilt nicht nur für den Nachhauseweg, sondern auch für die ersten 24 Stunden nach OP, in denen der Patient nicht alleine sein soll nach einer Vollnarkose.
Was mich wundert an der Schilderung: Begleitung in dem Sinne ist eine durchaus verantwortungsvolle Aufgabe! Die kann eigentlich nicht an einen Taxifahrer „deligiert“ werden. Von daher müsste der Arzt sich versichern, dass tatsächlich auch eine Begleitung erfolgt.
Wobei genau genommen hier zwei Risiken ins Spiel kommen: Das Risiko für die Narkose und deren Folgen trägt der Anästhesist, der damit auch verantwortlich ist für diesen Teil der Aufklärung und ggf. auch der Umsetzung (vergewissern, dass der Patient auch abgeholt wird). Der andere Teil betrifft ein evt. Risiko für das Operationsergebnis. Hierfür kann die Wahl des Verkehrsmittel dann schon ggf. eine Rolle spielen. Es kann also sein, dass Busfahren und langes Laufen nicht ratsam ist. Bei einer Knie-OP nicht unplausibel.
M.E. verläuft daher die Trennlinie der Verantwortung so:
Ist eine Begleitperson erforderlich - was nach Vollnarkose der Fall ist - dann muss die „Übergabe“ (des Patienten und der einhergehenden Verantwortung) in der Praxis auch an die Begleitperson erfolgen. Taxifahrer reicht m.E. nicht. So kenne ich das jedenfalls, sogar ausdrücklich. (Mit eigener Begleitperson im Taxi fahren ist natürlich OK)
Wenn eine Begleitperson nicht erforderlich ist und es „nur“ darum geht, Verhaltensregeln nach OP in Bezug auf das OP-Ergebnis aufzustellen, dann verhält sich die Empfehlung, ein Taxi / Auto statt Bus zu nutzen ähnlich wie die, bspw. nicht zu belasten oder soundsoviel Stunden liegen zu bleiben: Mit Aufklärung durch den Arzt liegt die Verantwortung für das eigene Verhalten beim Patienten.