Asbest oder doch nicht ?

Hallo!
Wir haben ein Stück Platte von unserer Innenverkleidung zur Analyse zu FIBRECOUNT nach Holland geschickt. Ergebnis war: Asbestart Chrysotil mit 2-5% Prozentsatz nicht festgebunden.
Daraufhin haben wir eine Luftanalyse veranlasst. Vor der Analyse wurde nochmal ein kleines Stück der Platte zur Analyse entnommen und untersucht. Die neue Analyse ergab, dass keine Asbestfasern vorhanden sind.
Wem sollen wir nun glauben?

Über eine schnelle Antwort währen wir sehr dankbar.

MfG Seydler

Hallo,

wie begründet sich ihre Vermutung, dass in der Platte (nehme mal an Leichtbauplatten o.ä.) Asbest sein soll? Eine grundsätzliche Skepsis bei Baumaterialien vor 1993 ist angebracht, danach gab es in Deutschland ein Verkaufs- & Verarbeitungsverbot von Asbest in allen Bereichen. Aus Brandschutzgründen wurden solchen Platten auch Weißasbest (Chrysotil) beigefügt, ein Gehalt von 2-5% ist mir persönlich etwas wenig, da die meisten Produkte in diesem Bereich (Brandschutz), nach meiner Erfahrung, zwischen 10%-15% liegen. Ich würde die 2te Analyse mit Begründung des ersten Ergebnisses reklamieren und die Testergebnisse anfechten.
Haben Sie auch identische Teile entnommen? Probenahme unter gleichen Bedingungen?
Sie schreiben nicht, was es für eine Platte ist. Es gab auch Faserzementplatten für Innenverkleidungen, dabei handelt es sich aber um festgebundene Asbestprodukte.
Es wurden zwischen 1960- 1993 ca. 3000 Artikel (Leichtbauplatten, Vinyl-Bodenplatten, Bügeleisen, Bügelbrettbezüge, Heizkörperdichtungen, Bremsbeläge, Stoffvorhänge etc. etc.) mit Asbest versetzt.
Da bei Ihnen das Asbest in der gefährlichen, nicht gebundenen Variante vorliegt, könnte es sich um eine eventuelle Beschichtung der Platte handeln, aber die Platte selbst (im Kern) ist asbestfrei. Es gab auch Asbestpappe, die als Beschichtung aufgeklebt wurde (z.B. unter Fensterbänken), dabei liegt aber der Asbestgehalt wesentlich höher, teilweise sogar über 90%
Leichtbauplatten werden auch gespachtelt. Spachtel- & Fugenmassen wurden wegen den positiven Verarbeitungseigenschaften von Asbest auch mit Asbest in Höhe von 2-5% versetzt und diese Spachtelmassen können je nach Dichte auch analytisch als ‚nicht festgebunden‘ eingestuft werden. Selbst in Putzen hat man schon Asbest gefunden.
In der Regel bringt ihnen eine Raumluftanalyse keine Erkenntnis. Je nach Lage, wo Sie wohnen, können Sie mit einer durchschnittlichen Hintergrundbelastung von um die 150 Fasern pro qm Luft (oder mehr) rechnen. Es kommt nur immer auf die Faserkonzentration an. Eine Raumluftmessung, wo man nicht eine Faser findet, würde mich auch skeptisch machen. Freigaben nach Asbestsanierungen richten sich auch nach einem Faserkonzentrationswert, dieser liegt aber nicht bei 0, da realistisch nicht machbar.
Aufgewirbelte Fasern setzen sich nach ca. 10- 15 min wieder ab, so dass eine Raumluftmessung oft keine realistisches Ergebnis bringt, wie hoch die Belastung wirklich ist. In meinen Augen ist stets die Analyse einzig richtig zur Bestimmung, Raumluftmessung zur Erfolgskontrolle nach Sanierungen.
Asbest ist und bleibt gefährlich, besonders im leicht gebundenen Zustand, aber man kommt zwangsläufig durch die Altlasten und die Vergangenheit damit in Berührung (Nachbars Dach, Außenfassaden, etc.) , auch wenn in den eigenen 4 Wänden nichts asbesthaltiges verbaut ist.

Alles Gute

Welche der Nachproben stellte sich als asbestfrei heraus? Die Auszählung der Luftprobe, oder die zweite Feststoffprobe?

Wenn in der Luftprobe keine Fasern auftauchen, dann bedeutet das, dass aktuell keine Gefährdungen vorhanden sind, bzw. vorhandene (ggf. asbeshaltige) Baumaterialien zur Zeit der Probenahme keine Fasern freisetzten.

Dass bei Feststoffproben mal eine asbesthaltig und eine andere asbestfrei herauskommt kommt immer wieder mal vor - v.a. wenn es sich um Sandwichmaterialien mit Gehalten um die Definitionsgrenze (=1%) handelt.
Allgemein werden je nachdem in welcher Menge dieses Baumaterial vorliegt 2-5 Proben genommen.
In den meisten Ländern wird per „first positive“ herangegangen, was heißt, dass wenn eine der Proben sich als asbesthalting herausstellt, die anderen gar nicht erst analysiert werden, sondern das Material gesamt als asbesthaltig eingestuft wird…

Das 1. Analyseergebnis spricht für ein fest gebundenes Asbestprodukt (Asbestzement?). Worauf bezieht sich das Analyseergebnis bei dem keine Asbestfasern nachgewiesen wurden?

D. Müller
Sachverständiger für Bau- und Gebäudeschadstoffe

Das Analyseergebnis ohne Asbestfasern bezieht sich auf die zweite Feststoffprobe.
Wir haben noch mal ein drittes Stück Analysieren lassen, Ergebnis ist aber noch nicht bekannt.

Zur Probenahme gehört schon etwas Erfahrung dazu. Ich nehme an Sie haben die Probe selber genommen, oder?

MfG
D. Müller
www.schadstofffrei.de