Ich bin mir nicht sicher, ob meine Frage hier richtig ist, aber ich denke, hier bekomme ich vllt. die passende Antwort.
Ich habe 3 polnische Nachbarn, die zusammen selbstständig auf dem Bau arbeiten. Die Tätigkeiten umfassen laut google: Isolierung, parkett-, fliesen und Fußboden allgemein verlegen, Stuckarbeiten und Bau- und Elektroinstallateur… Ein caddy mit den Materialien steht vor der Haustüre. Auch habe ich sie mal morgens, wenn ich selbst zur Arbeit gehe, gesehen. 2 der Arbeiter wohnen zusammen und sind meine direkten Nachbarn im 4. Stock.
Meine sorgen begründen sich darin, dass diese Personen anscheinend wohl alles auf dem Bau machen und ich vermute, dass sie sich dabei wohl kaum um Gefahrstoffe wie Asbest o.ä. kümmern werden. Sie haben immer verdammt dreckige, mit Staub uberzogene Hosen an. Jedenfalls habe ich, dass ich gesundheitsschäden davon trage, wenn ich durch das gleiche Treppenhaus relativ zeitnah durchlaufe, von dem sichtbaren Staub etwas mit meinen Schuhen aufnehme und in die Wohnung trage, meine Kleidung, oder allgemein durch luftzüge, wenn ich die Wohnungstür öffne… Und ich dann, während ich zuhause bin, regelmäßig Fasern einatme. Und da ist auch noch mein Mitbewohner, der sich um all das Leine Gedanken macht… Ich wohne seit 5 Monaten dort und noch für weitere 2 Monate. Spätestens dann ziehe ich beruflich bedingt aus.
Habt ihr Ratschläge, ob ich das ganze ignorieren oder aber irgendwie angehen soll??? Mich macht das ganze verdammt fertig, weil ich die Gefahr nicht einschätzen kann und dann das kopfkino losgeht (Lungenkrebs etc.). Auch spüre ich neuerdings hin und wieder Druck auf meiner Brust, ein stechen und Hustenreiz ohne Erkältung…
Sie haben immer verdammt dreckige, mit Staub
uberzogene Hosen an.
als ich mein Haus saniert habe, und auch bei den anschließenden Maurer- und Putzarbeiten war das bei mir auch so, ohne eine einzige Faser Asbest.
Auch spüre ich
neuerdings hin und wieder Druck auf meiner Brust, ein stechen
und Hustenreiz ohne Erkältung…
Dazu kann man aus der Ferne wenig bis nichts sagen.
Kalk ist in größeren Mengen ätzend und kann ev. zu solchen Symptomen führen, es kann aber genauso sein, daß es psychosomatisch ist.
Asbest ist in D seit 1993 verboten und solange Altbestände nicht schleifend/sägend bearbeitet werden ist die Gefahr der Exposition mit Fasern minimal. Sollten kleine Mengen doch mal freigesetzt werden, kommen noch kleinere Mengen auf die Hosen, noch kleinere in Dein Treppenhaus, noch kleinere auf Deine Schuhe, noch kleinere in Deine Atemluft. Wir wären dann schnell im Bereich der Homöopathie (und dann müsste das Zeug ja wieder heilden wirken?!)
Fazit:
Der Dreck mag ärgerlich sein und im schlimmsten Fall etwas ätzend, gefährlich ist er aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht
Asbestfasern sind von ihrer Gesundheitsgefahr her für den Menschen eindeutig krebserregend, jedoch sollte man auch die Realität und das Gefährdungspotential das hiervonausgeht mit berücksichtigen. In diesem Punkt schließe ich mich der Meinung von Kollege Gandalf im Großen und Ganzen an.
Hallo Karl.
Ich bin sicher: hier spielt Dir das Kopfkino einen großen Film vor.
Wie bereits Dieter und Gandalf etwas anders formuliert schrieben, gibt es zwar auf den Baustellen hier und da noch asbesthaltige Baustoffe, doch entweder konzentriert (z.B. in sehr alten Nachtspeicheröfen), in Magnesiaestrichen (ein Industrieestrich, weniger in Wohnobjekten verbaut) oder in alten PVC-Bodenbelagplatten und Eternitplatten auf dem Dach.
Man muss nicht nur unterscheiden zwischen den verschiedenen Asbestarten, denn nicht alle Asbestarten sind zwangsläufig kanzerogen.
Sondern dazu gibt es noch die locker oder fest in ein Gefüge eingebundenen Asbestfasern, die ebenfalls bei entsprechender Vorgehensweise keine große Gefahr (nur für den Verarbeiter) darstellen, wenn dieser beim Ver- oder Bearbeiten persönlichen Körperschutz trägt.
Soweit Du über das entsprechende Alter verfügst:
Erinnere DIch bitte an die Autobahnfahrten hinter einem LKW, dessen Bremsanlage einseitig festhing und an den Staub- und Geruchsnebel, welchen diese Fahrzeuge hinter sich herzogen.
Damals bestanden die Bremsbeläge noch aus erheblichen Asbestfaseranteilen …
Letztendlich noch folgender Hinweis:
Auch andere Stoffe, damit nicht nur Asbest, sondern beispielsweise auch Feinstaub, können nach derzeitigem Wissensstand Krebs dann auslösen, wenn die Partikel ein bestimmtes Längen-/Durchmesserverhältnis haben.
Das beruhigt zwar nicht unbedingt, mag aber die Angst vor schmutzigen Hosen rechtschaffender Handwerker im Treppenhaus nehmen …
Vielen dank schon mal für die ausführlichen antworten. Das hat mich schon ein bisschen wohler.
Lautet das Fazit also, dass ich der Situation für die letzten 2 Monate wenig Beachtung schenken uns bis zum Auszug so stehen lassen? Im schlimmsten Falle ist grob gesagt nicht gefährlicher als die durchschnittliche hintergrundbelastung mit Asbest, der fast jeder während seines Lebens ausgesetzt ist/war?
Und sich damit das Risiko für eine spätere Erkrankung der Lunge hiervon nur wenn überhaupt geringfügig beeinflusst wird ?
Ich meine ja, die Hintergrundbelastung müsste für die Menschen in den 60er/70er ja ohnehin schon viel höher gewesen sein und diese Leute, übertrieben gesagt, erkranken schließlich auch nicht alle an Lungenkrebs und werden alt… Sehe ich das richtig ?
Ich kenne mich bissel damit aus, weil ich früher auch mit Asbest zu tun hatte, und regelmässig zur Vorsorge gehe.
Beispiel:
In unsere Scheune hat mein Vater so 1975 eine Decke aus Asbestplatten eingebaut.
Der hat die vielen Platten mit der Kreissäge geschnitten, der ganze Hof war komplett weiss,
mein Vater sah aus wie ein Schneemann. Das ging über Tage.
Atemschutz hatte er nicht, weil Asbest damals als super-Jahrhundertbaustoff betrachtet wurde,
und es wusste halt niemand um die Gefahr.
Mein Vater ist jetzt 77, und es ist nix passiert.
Der Arzt hat mir gesagt, es kann jeder Lungenkrebs bekommen, eine einzige Faser an der richtigen Stelle reicht.
Und die eine Faser hat definitiv jeder schon drin.
Betroffen sind davon besonders Leute, die viele Jahre täglich mit Asbest zu tun hatten, und dann nach vielen Jahren, und geraucht haben.
Das ist ähnlich wie bei den Rauchern: alle sprechen nur über diejenigen, die sich mit 80 oder 90 noch bester (?) Gesundheit erfreuen, wie z.B. Helmut Schmidt. Die zigtausend Kranken und Todesopfer sind dann schon vergessen. Und nur weil wir alle schon mind. „eine Faser“ intus haben muss man die Gefahr nicht kleinreden. 2 Wochen Ferienjob im Hafen, die man mit dem Verladen von Asbestfasern verbracht hat waren ausreichend. Noch immer sind die Zahlen an Neuerkrankungen immens höher als erwartet, weil die Latenzzeit so lang ist. Die Rückstellungen der Berufsgenossenschaften dafür wren lange Zeit viel zu gering. Im Übrigen gibt es deutlich mehr Asbestquellen als bislang beschrieben wurde. Vieles wird unwissentlich oder aus Ignoranz „übersehen“.
Aber: um sich wirklich Sorgen zu machen sollte der Verdacht schon irgendwie untermauert werden.