Atomares Bändermodell

Moin,

man liest wie selbstverständlich in verschiedenster Literatur, dass sich aus (beispielsweise) 10^20 Atomen gleicher Energie bei Zusammenschluss zu einem Kristall 10^20 Niveaus unterschiedlicher Energie ergeben. Kann mir das jemand plausibel erklären? Zwar habe ich mir schon mal die Berechnungen dahinter angesehen (Potential-Töpfe, Umwandlung in Delta-Funktion, reziproker Raum, etc.) aber so richtig plausibel klingt mir das nicht. Vor allem, weil urplötzlich mal die Energie-Achse um 90° gedreht wird und so aus äquivalenten Energien lauter unterschiedliche werden sollen :-?

Vielleicht hat’s eine® so gut verstanden, dass er/sie ganz simpel erläutern kann, wie diese „Aufspaltung“ zu interpretieren ist :wink:

thx
moe.

Hallo,

man liest wie selbstverständlich in verschiedenster Literatur,
dass sich aus (beispielsweise) 10^20 Atomen gleicher
Energie bei Zusammenschluss zu einem Kristall 10^20 Niveaus
unterschiedlicher Energie ergeben. Kann mir das jemand
plausibel erklären?

Das Stichwort heisst Pauliprinzip: zwei Elektronen innerhalb eines Systems dürfen keine genau gleichen Zustände annehmen. Wenn sich zwei Atom nähern, beeinflussen sie sich, und verschieben die Niveaus etwas. Dann ist es wieder Pauli-erlaubt, und in beiden Atomen können die unteren Zustände besetzt sein.

Grüße,
Moritz

Hallo,

man liest wie selbstverständlich in verschiedenster Literatur,
dass sich aus (beispielsweise) 10^20 Atomen gleicher
Energie bei Zusammenschluss zu einem Kristall 10^20 Niveaus
unterschiedlicher Energie ergeben. Kann mir das jemand
plausibel erklären?

Das Stichwort heisst Pauliprinzip: zwei Elektronen innerhalb
eines Systems dürfen keine genau gleichen Zustände annehmen.
Wenn sich zwei Atom nähern, beeinflussen sie sich, und
verschieben die Niveaus etwas. Dann ist es wieder
Pauli-erlaubt, und in beiden Atomen können die unteren
Zustände besetzt sein.

Soll das heißen, wenn ich mir einen Wasserstoff-Kristall erzeugen würde (nur wegen der Anschaulichkeit des Ein-elektronen-Atoms), dann würde sich ein elektron im 1s1, das nächste im 1s2, das nächste im 2s1 … Orbital befinden? Das würde ja wiederum heißen, dass alle Atome im Kristall unterschiedliche Atomdurchmesser hätten ?!

thx
moe.

Soll das heißen, wenn ich mir einen Wasserstoff-Kristall
erzeugen würde (nur wegen der Anschaulichkeit des
Ein-elektronen-Atoms), dann würde sich ein elektron im 1s1,
das nächste im 1s2, das nächste im 2s1 … Orbital
befinden?

Nein. Wenn sich 2 Atome sehr nahe kommen, wird das Energieniveau des einen Elektrons um einen winzig kleinen Betrag nach oben verschoben, und das vom anderen eine Winzigkeit nach unten. Es wird also kein Elektron in ein anderes Orbital angeregt, dazu bräuchte es ja Energie. Wenn nun viele Atome zusammenkommen, verschieben sich die Niveaus eben noch etwas mehr, sodass ein Quasi-Band entsteht. Das besteht also gewissermaßen aus Milliarden von einzelnen Niveaus, aber im Mittel ist es immer noch ungefähr derselbe Energiebetrag wie beim einzelnen Atom.

Olaf

Soll das heißen, wenn ich mir einen Wasserstoff-Kristall
erzeugen würde (nur wegen der Anschaulichkeit des
Ein-elektronen-Atoms), dann würde sich ein elektron im 1s1,
das nächste im 1s2, das nächste im 2s1 … Orbital
befinden?

Nein. Wenn sich 2 Atome sehr nahe kommen, wird das
Energieniveau des einen Elektrons um einen winzig kleinen
Betrag nach oben verschoben, und das vom anderen eine
Winzigkeit nach unten.

Es gilt also nicht mehr, dass Elektronen diskrete Energieniveaus haben?

Es wird also kein Elektron in ein
anderes Orbital angeregt, dazu bräuchte es ja Energie. Wenn
nun viele Atome zusammenkommen, verschieben sich die Niveaus
eben noch etwas mehr, sodass ein Quasi-Band entsteht.

Kann man also aus einem Nichtleiter (oder Halbleiter) einen Leiter machen, in dem man nur genügend viele Atome zusammenbringt?

Das
besteht also gewissermaßen aus Milliarden von einzelnen
Niveaus, aber im Mittel ist es immer noch ungefähr derselbe
Energiebetrag wie beim einzelnen Atom.

Oder ist diese „Aufspaltung“ viel geringer, als man sie in grafischen Darstellungen immer sieht und die Isolationswirkung wird durch die Anhäufung mit Elektronen nicht vermindert? Wenn die Breite (oder besser Höhe) des Bandes aber von der Anzahl der zusammengeführten Atome abhängig ist, dann müsste doch früher oder später doch eine Auswirkung auf die Isolationsfähigkeit/Leitfähigkeit der Gitterstruktur festzustellen sein, oder? Oder gilt die Aufspaltung einer Vielzahl von Energieniveaus nur für einen begrenzten räumlichen Bereich?

weiterhin dankbar für Erleuchtendes:
moe.

Hallo!

Nein. Wenn sich 2 Atome sehr nahe kommen, wird das
Energieniveau des einen Elektrons um einen winzig kleinen
Betrag nach oben verschoben, und das vom anderen eine
Winzigkeit nach unten.

Es gilt also nicht mehr, dass Elektronen diskrete
Energieniveaus haben?

Es sind nicht mehr die Energieniveaus der Atome, sondern die Molekülorbitale. Lass Dir das mal von einem Chemiker erklären (die wissen da besser bescheid).

Kann man also aus einem Nichtleiter (oder Halbleiter) einen
Leiter machen, in dem man nur genügend viele Atome
zusammenbringt?

Nein, kann man nicht. Bei einem Isolator sind alle Energieniveaus innerhalb eines Bandes voll besetzt. Das Pauli-Prinzip verbietet den Elektronen ihren Platz zu tauschen (weil keiner frei ist). Deswegen können Isolatoren den Strom nicht leiten.

Bei einem Leiter gibt es innerhalb des Bandes noch freie Niveaus, die von jedem beliebigen Elektron besetzt werden können, ohne dass dafür viel Energie erforderlich wäre.

Bei Halbleitern gibt es (wie bei Isolatoren) auch keine freien Niveaus im sogenannten „Valenzband“. Aber das niedrigste freie Band (Leitungsband) ist energetisch so nah, dass es von thermisch angeregten Elektronen leicht erreicht werden kann. Deswegen leiten undotierte Halbleiter bei höheren Temperaturen besser.

Wenn
die Breite (oder besser Höhe) des Bandes aber von der Anzahl
der zusammengeführten Atome abhängig ist, dann müsste doch
früher oder später doch eine Auswirkung auf die
Isolationsfähigkeit/Leitfähigkeit der Gitterstruktur
festzustellen sein, oder? Oder gilt die Aufspaltung einer
Vielzahl von Energieniveaus nur für einen begrenzten
räumlichen Bereich?

Durch zusätzliche Atome verändert sich weniger die Lage der Bänder, sondern die Dichte der Niveaus innerhalb der Bänder. Insofern haben 1 kg Silizium dieselben Eigenschaften wie 2 kg Silizium (wenn man von Masse und Volumen absieht :wink: )

Allerdings gebe ich Dir recht, dass es einen Bereich geben muss, wo diese Dinge von der Atomzahl abhängen. Schließlich hat ein einzelnes Atom keine Bänder, ein makroskopischer Kristall jedoch sehr wohl. Ich glaube aber, dass dieser Übergangsbereich bei Aglomeraten von einigen bis einigen hundert Atomen liegt. Ein bisschen was zum Thema „Cluster“ findest Du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Cluster_%28Physik%29

Michael

Hallo!

Nein. Wenn sich 2 Atome sehr nahe kommen, wird das
Energieniveau des einen Elektrons um einen winzig kleinen
Betrag nach oben verschoben, und das vom anderen eine
Winzigkeit nach unten.

Es gilt also nicht mehr, dass Elektronen diskrete
Energieniveaus haben?

Es sind nicht mehr die Energieniveaus der Atome, sondern die
Molekülorbitale. Lass Dir das mal von einem Chemiker erklären
(die wissen da besser bescheid).

Naja, beschäftigt sich das Molekül-Orbital-Modell nicht ausschließlich mit zwischen-atomaren Bindungen? Also lediglich mit der Elektronen-Verteilung zwischen zwei Atomen? Für mich würde das heißen, dass zwischen je zwei verbundenen Atomen ein Molekül-Orbital-System besteht. Angenommen ich betrachte ein Atom A, dass zu B, C, D und E kovalente Bindungen trägt. Dann spricht doch nichts (auch nicht das Pauli-Prinzip) dagegen, dass die Bindung A-B den Bindungen A-C, A-D und A-E äquivalent ist, oder? Hat das Pauli-Prinzip nicht ohnehin nur im Atom-Orbital-Modell aussagekraft? Ich wüsste jetzt auf Anhieb nicht, wie die entsprechenden Quantenzahlen im MO-Modell definiert sind.

Kann man also aus einem Nichtleiter (oder Halbleiter) einen
Leiter machen, in dem man nur genügend viele Atome
zusammenbringt?

Nein, kann man nicht. Bei einem Isolator sind alle
Energieniveaus innerhalb eines Bandes voll besetzt. Das
Pauli-Prinzip verbietet den Elektronen ihren Platz zu tauschen
(weil keiner frei ist). Deswegen können Isolatoren den Strom
nicht leiten.

Ich dachte Isolatoren (Halbleiter im Grundzustand) leiten den Strom nicht, weil die verbotene Zone zwischen Valenzband und Leitungsband zu breit ist, als dass Elektronen sie überwinden könnten?

Bei einem Leiter gibt es innerhalb des Bandes noch freie
Niveaus, die von jedem beliebigen Elektron besetzt werden
können, ohne dass dafür viel Energie erforderlich wäre.

Bei Halbleitern gibt es (wie bei Isolatoren) auch keine freien
Niveaus im sogenannten „Valenzband“. Aber das niedrigste freie
Band (Leitungsband) ist energetisch so nah, dass es von
thermisch angeregten Elektronen leicht erreicht werden kann.
Deswegen leiten undotierte Halbleiter bei höheren Temperaturen
besser.

Wenn
die Breite (oder besser Höhe) des Bandes aber von der Anzahl
der zusammengeführten Atome abhängig ist, dann müsste doch
früher oder später doch eine Auswirkung auf die
Isolationsfähigkeit/Leitfähigkeit der Gitterstruktur
festzustellen sein, oder? Oder gilt die Aufspaltung einer
Vielzahl von Energieniveaus nur für einen begrenzten
räumlichen Bereich?

Durch zusätzliche Atome verändert sich weniger die Lage der
Bänder, sondern die Dichte der Niveaus innerhalb der Bänder.

Warum? Ist der Energiebetrag zwischen zwei Niveaus nicht fest definiert? Soll also heißen, die erste stattfindende Aufspaltung setzt den oberen und unteren „Niveau-Rand“ des Bandes schon fest?

Insofern haben 1 kg Silizium dieselben Eigenschaften wie 2 kg
Silizium (wenn man von Masse und Volumen absieht :wink: )

Hmmm…

Allerdings gebe ich Dir recht, dass es einen Bereich geben
muss, wo diese Dinge von der Atomzahl abhängen. Schließlich
hat ein einzelnes Atom keine Bänder, ein makroskopischer
Kristall jedoch sehr wohl.

Nach dem, was ich bisher so an Infos gefunden habe, sollte das Bändermodell ab 3 Atomen anwendbar sein. Bei 3 Atomen gibt es zwei Potential-Töpfe, womit auch zwei Bänder möglich wären… theoretisch… :wink:

Ich glaube aber, dass dieser
Übergangsbereich bei Aglomeraten von einigen bis einigen
hundert Atomen liegt. Ein bisschen was zum Thema „Cluster“
findest Du hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Cluster_%28Physik%29

Danke

langsam geht’s ans Eingemachte :wink:
weiterhin dankbar für sachdienliche Hinweise:
moe.

Naja, beschäftigt sich das Molekül-Orbital-Modell nicht
ausschließlich mit zwischen-atomaren Bindungen?

Nein. Molekülorbitale können sich theoretisch über beliebig viele Atome erstrecken.

Also lediglich
mit der Elektronen-Verteilung zwischen zwei Atomen?

Bei Benzol verteilen sich die π-Elektreonen des Rings beispielsweise über sechs C-Atome und bei einem Metall können es auch gerne mal 1020. Das ist ja der Grund für die freie Beweglichkeit der Elektronen des Leitungsbandes. Wenn die in Molekülorbitalen zwischen zwei Atomen festsitzen würden, hätten sie erhebliche Schwierigkeiten, von einem Ende eines Drahtes zum anderen zu kommen.

Atomen ein Molekül-Orbital-System besteht. Angenommen ich
betrachte ein Atom A, dass zu B, C, D und E kovalente
Bindungen trägt. Dann spricht doch nichts (auch nicht das
Pauli-Prinzip) dagegen, dass die Bindung A-B den Bindungen
A-C, A-D und A-E äquivalent ist, oder?

Das kommt darauf an, was Du unter "äquivalent " verstehst. Das Pauli-Prinzip verbietet Elektronen mit dem gleichen Satz von Quantenzahlenin einem Molekül. Die Orbitale müssen sich also in midestens einer Quantenzahl voneinander unterscheiden. Da die Energie nur von der Hauptquantenzahl abhängt, heißt das allerdings nicht, daß sich die Energien der Molekülorbitale voneinander unterscheiden müssen.

Hat das Pauli-Prinzip
nicht ohnehin nur im Atom-Orbital-Modell aussagekraft?

Nein.

Ich
wüsste jetzt auf Anhieb nicht, wie die entsprechenden
Quantenzahlen im MO-Modell definiert sind.

Das ist ohne Schrödingergleichung auch nicht so einfach zu erklären.

Naja, beschäftigt sich das Molekül-Orbital-Modell nicht
ausschließlich mit zwischen-atomaren Bindungen?

Nein. Molekülorbitale können sich theoretisch über beliebig
viele Atome erstrecken.

Ja, die Orbitale schon, aber das Molekülorbital modell? Wie sieht denn da die Grafik aus (siehe unten)??

Also lediglich
mit der Elektronen-Verteilung zwischen zwei Atomen?

Bei Benzol verteilen sich die π-Elektreonen des Rings
beispielsweise über sechs C-Atome

hast Du dafür zufällig eine Grafik parat?

und bei einem Metall können
es auch gerne mal 1020.
Das ist ja der Grund für
die freie Beweglichkeit der Elektronen des Leitungsbandes.
Wenn die in Molekülorbitalen zwischen zwei Atomen festsitzen
würden, hätten sie erhebliche Schwierigkeiten, von einem Ende
eines Drahtes zum anderen zu kommen.

Wie gesagt, ich meine nicht die Elektronen/Orbitale an sich, sondern die Modellvorstellung mit bindenden und antibindenden. Das hab ich bisher immer nur für den Raum zwischen 2 Atomen gesehen.

Atomen ein Molekül-Orbital-System besteht. Angenommen ich
betrachte ein Atom A, dass zu B, C, D und E kovalente
Bindungen trägt. Dann spricht doch nichts (auch nicht das
Pauli-Prinzip) dagegen, dass die Bindung A-B den Bindungen
A-C, A-D und A-E äquivalent ist, oder?

Das kommt darauf an, was Du unter "äquivalent " verstehst. Das
Pauli-Prinzip verbietet Elektronen mit dem gleichen Satz von
Quantenzahlenin einem Molekül. Die Orbitale müssen sich also
in midestens einer Quantenzahl voneinander unterscheiden. Da
die Energie nur von der Hauptquantenzahl abhängt, heißt das
allerdings nicht, daß sich die Energien der Molekülorbitale
voneinander unterscheiden müssen.

??? Dann sind wir wieder bei meinem anfänglichen Problem: Warum werden aus xyz äquivalenten Energie-Niveaus der einzelnen Atome durch „zusammenschieben“ xyz verschiedene Energie-Niveaus ?!

Hat das Pauli-Prinzip
nicht ohnehin nur im Atom-Orbital-Modell aussagekraft?

Nein.

Dann werde ich mich da mal fortbilden… bis zum nächsten Posting :wink:

Ich
wüsste jetzt auf Anhieb nicht, wie die entsprechenden
Quantenzahlen im MO-Modell definiert sind.

Das ist ohne Schrödingergleichung auch nicht so einfach zu
erklären.

von mir aus auch mit Schrödingergleichung, auch wenn das zur Anschaulichkeit natürlich eher wenig beträgt :wink:

thx
moe.

Hallo!

Naja, beschäftigt sich das Molekül-Orbital-Modell nicht
ausschließlich mit zwischen-atomaren Bindungen? Also lediglich
mit der Elektronen-Verteilung zwischen zwei Atomen?

Nicht unbedingt. Wenn ich mich an die Vorlesung richtig erinnere (die lediglich 10 Jahre zurück liegt), dann war ging das in etwa so: zwei Atome bringen je ein Orbital mit. Aus ihnen entsteht durch Linearkombination zwei Molekülorbitale (nämlich ein bindendes und ein antibindendes). Bei drei Molekülen sind es schon drei Orbitale, die zu drei MOs kombiniert werden, usw. Als Termschema ist das noch darstellbar. Als Elektronenwolke um die Atome natürlich nicht mehr.

Nein, kann man nicht. Bei einem Isolator sind alle
Energieniveaus innerhalb eines Bandes voll besetzt. Das
Pauli-Prinzip verbietet den Elektronen ihren Platz zu tauschen
(weil keiner frei ist). Deswegen können Isolatoren den Strom
nicht leiten.

Ich dachte Isolatoren (Halbleiter im Grundzustand) leiten den
Strom nicht, weil die verbotene Zone zwischen Valenzband und
Leitungsband zu breit ist, als dass Elektronen sie überwinden
könnten?

Richtig. Ich wollte nur erklären, warum die Elektronen des Valenzbandes innerhalb ihres Bandes nicht beweglich sind.

Nach dem, was ich bisher so an Infos gefunden habe, sollte das
Bändermodell ab 3 Atomen anwendbar sein. Bei 3 Atomen gibt es
zwei Potential-Töpfe, womit auch zwei Bänder möglich wären…

Ähm… was genau stellst Du Dir unter einem „Band“ vor? Und wo sollen die Potenzial-Töpfe sein, von denen Du sprichst? Sagt Dir der Begriff „Bloch-Wellen“ etwas? Sorry, wenn ich das frage, aber ich bin mir im Moment nicht sicher, ob wir hier über Veranschaulichungsmodelle oder knallharte Festkörperphysik sprechen.

Michael

Bei Benzol verteilen sich die π-Elektreonen des Rings
beispielsweise über sechs C-Atome

hast Du dafür zufällig eine Grafik parat?

http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/Der…

Wie gesagt, ich meine nicht die Elektronen/Orbitale an sich,
sondern die Modellvorstellung mit bindenden und antibindenden.

Davon abgesehen, daß ich nicht weiß, wo Du da den Unterschied siehst, gibt es auch nicht bindende MO. Im HF2- bilden sich beispielsweise aus den voll besetzten s-Orbitalen von zwei F--Ionen und dem unbesetzten s-Orbital eines Protons ein voll besetztes bindendes, ein voll besetztes nicht bindendes und ein nicht besetztes antibindendes MO. Das Ergebnis wird auch als 3-Zentren-4-Elektronenbindung bezeichnet (obwohl nur zwei der 4 Elektronen bindend sind). Ein bekanntes Beispiel für 3-Zentren-2-Elektronenbingunen ist das Diboran.

Das hab ich bisher immer nur für den Raum zwischen 2
Atomen gesehen.

Das ist der einfachste Fall, aber bei weitem nicht der einzige.

??? Dann sind wir wieder bei meinem anfänglichen Problem:
Warum werden aus xyz äquivalenten Energie-Niveaus der
einzelnen Atome durch „zusammenschieben“ xyz verschiedene
Energie-Niveaus ?!

Das müßte man sich im Einzelfall ansehen. Grundsätzlich ist es aber so, daß die Energie der resultierenden MO auch gleich sein kann. Ein einfaches Beispiel ist das H3+ Molekül, bei dem aus zwei halb besetzten s-Orbitalen zweier Wasserstoffatome und dem unbesetzten s-Orbital eines Protons ein voll besetztes bindendes MO und zwei unbesetzte antibindende MO gleicher Energie hervor gehen. Möglicherweise hängt die Aufsplittung von n Atomorbitalen zu n Molekülorbitalen unterschiedlicher Energie damit zusammen, daß alle Atomorbitale besetzt sind. Dazu müßte sich mal jemand äußern, bei dem die Vorlesung nicht so lange zurück liegt.

Hallo!

Naja, beschäftigt sich das Molekül-Orbital-Modell nicht
ausschließlich mit zwischen-atomaren Bindungen? Also lediglich
mit der Elektronen-Verteilung zwischen zwei Atomen?

Nicht unbedingt. Wenn ich mich an die Vorlesung richtig
erinnere (die lediglich 10 Jahre zurück liegt), dann war ging
das in etwa so: zwei Atome bringen je ein Orbital mit. Aus
ihnen entsteht durch Linearkombination zwei Molekülorbitale
(nämlich ein bindendes und ein antibindendes). Bei drei
Molekülen sind es schon drei Orbitale, die zu drei MOs
kombiniert werden, usw. Als Termschema ist das noch
darstellbar. Als Elektronenwolke um die Atome natürlich nicht
mehr.

Genau so ein Termschema habe ich bislang noch nicht gesehen. Die kenne ich nur für zweiatomige Betrachtungen. Aber wenn Du sagst die anderen gibt’s auch…

Nein, kann man nicht. Bei einem Isolator sind alle
Energieniveaus innerhalb eines Bandes voll besetzt. Das
Pauli-Prinzip verbietet den Elektronen ihren Platz zu tauschen
(weil keiner frei ist). Deswegen können Isolatoren den Strom
nicht leiten.

Ich dachte Isolatoren (Halbleiter im Grundzustand) leiten den
Strom nicht, weil die verbotene Zone zwischen Valenzband und
Leitungsband zu breit ist, als dass Elektronen sie überwinden
könnten?

Richtig. Ich wollte nur erklären, warum die Elektronen des
Valenzbandes innerhalb ihres Bandes nicht beweglich sind.

Nach dem, was ich bisher so an Infos gefunden habe, sollte das
Bändermodell ab 3 Atomen anwendbar sein. Bei 3 Atomen gibt es
zwei Potential-Töpfe, womit auch zwei Bänder möglich wären…

Ähm… was genau stellst Du Dir unter einem „Band“ vor?

Die Bänder stelle ich mir jeweils beiderseits verbotener Zonen vor.

Und wo
sollen die Potenzial-Töpfe sein, von denen Du sprichst?

Die Potentialtöpfe sind die U-förmigen Stellen des periodischen Potentials (nach dem Bloch-Theorem bzw. Kronig-Penney-Modell)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kronig-Penney-Modell

Sagt
Dir der Begriff „Bloch-Wellen“ etwas?

Bloch"Wellen" nicht. Nur das die eben genannte Periodisierung der Elektronen nach dem Bloch-Potential. Selbiges?

Sorry, wenn ich das
frage, aber ich bin mir im Moment nicht sicher, ob wir hier
über Veranschaulichungsmodelle oder knallharte
Festkörperphysik sprechen.

Wichtiger wäre mir die Anschaulichkeit. Doch mehr und mehr rutscht das hier leider wieder ab in die Theorie :wink:

Ich versuch’s nochmal anders auf den Punkt zu bringen:
Beim periodischen Potential liegen die einzelnen Energie-Niveaus auf gleicher Höhe nebeneinander. Bei den Bändern liegen die Niveaus auf einmal übereinander. Das ist mein grundlegendes Problem.

thx
moe.

Bei Benzol verteilen sich die π-Elektreonen des Rings
beispielsweise über sechs C-Atome

hast Du dafür zufällig eine Grafik parat?

http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/Der…

Das meinte ich nicht :wink:

so sieht das Molekülorbitalmodell (Termschema) für eine Bindung zwischen zwei Atomen aus (links Stickstoff, rechts Sauerstoff)
http://edv.cs.tu-berlin.de/~noway/FKP/no_moschema.gif
Aber so ein Molekülorbital für wasweissich-wieviele Atome?? Hab ich noch nie gesehen und kann ich mir so jetzt auch nicht vorstellen.

Wie gesagt, ich meine nicht die Elektronen/Orbitale an sich,
sondern die Modellvorstellung mit bindenden und antibindenden.

Davon abgesehen, daß ich nicht weiß, wo Du da den Unterschied
siehst, gibt es auch nicht bindende MO.

Unterschied: Dein Link (Orbitale) vs. mein Link (Orbital-Modell --> Termschema)

Im
HF2- bilden sich beispielsweise aus den
voll besetzten s-Orbitalen von zwei F--Ionen und
dem unbesetzten s-Orbital eines Protons ein voll besetztes
bindendes, ein voll besetztes nicht bindendes und ein nicht
besetztes antibindendes MO. Das Ergebnis wird auch als
3-Zentren-4-Elektronenbindung bezeichnet (obwohl nur zwei der
4 Elektronen bindend sind). Ein bekanntes Beispiel für
3-Zentren-2-Elektronenbingunen ist das Diboran.

Das hab ich bisher immer nur für den Raum zwischen 2
Atomen gesehen.

Das ist der einfachste Fall, aber bei weitem nicht der
einzige.

??? Dann sind wir wieder bei meinem anfänglichen Problem:
Warum werden aus xyz äquivalenten Energie-Niveaus der
einzelnen Atome durch „zusammenschieben“ xyz verschiedene
Energie-Niveaus ?!

Das müßte man sich im Einzelfall ansehen. Grundsätzlich ist es
aber so, daß die Energie der resultierenden MO auch gleich
sein kann.

Das spricht doch gegen das Zustandekommen eines „Bandes“. Wenn alle Niveaus der einzelnen Atome auf gleicher Höhe bleiben, kann es doch keine Aufspaltung der Niveaus geben…

Ein einfaches Beispiel ist das
H3+ Molekül,

H3+ ?? Jedem Chemiker stellt’s die Haare zu Berge, wenn er sowas hört :wink:

bei dem aus zwei halb
besetzten s-Orbitalen zweier Wasserstoffatome und dem
unbesetzten s-Orbital eines Protons ein voll besetztes
bindendes MO und zwei unbesetzte antibindende MO gleicher
Energie hervor gehen. Möglicherweise hängt die Aufsplittung
von n Atomorbitalen zu n Molekülorbitalen unterschiedlicher
Energie damit zusammen, daß alle Atomorbitale besetzt sind.

Was meinst Du mit „alle“? Alle bindenden und nicht-bindenden? eher nicht, oder?

Dazu müßte sich mal jemand äußern, bei dem die Vorlesung nicht
so lange zurück liegt.

vielleicht hab ich ja noch Glück, bevor das Thema ins Archiv gedrängt wird.

thx
moe.

Bei Benzol verteilen sich die π-Elektreonen des Rings
beispielsweise über sechs C-Atome

hast Du dafür zufällig eine Grafik parat?

http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/Der…

Das meinte ich nicht :wink:

Doch, das meintest Du. Vielleicht erkennst Du es hier besser:

http://www.uni-mainz.de/FB/Chemie/Draeger/ChfB/VChfB…

Wie gesagt, ich meine nicht die Elektronen/Orbitale an sich,
sondern die Modellvorstellung mit bindenden und antibindenden.

Davon abgesehen, daß ich nicht weiß, wo Du da den Unterschied
siehst, gibt es auch nicht bindende MO.

Unterschied: Dein Link (Orbitale) vs. mein Link
(Orbital-Modell --> Termschema)

Ich sehe den Unterschied noch immer nicht.

??? Dann sind wir wieder bei meinem anfänglichen Problem:
Warum werden aus xyz äquivalenten Energie-Niveaus der
einzelnen Atome durch „zusammenschieben“ xyz verschiedene
Energie-Niveaus ?!

Das müßte man sich im Einzelfall ansehen. Grundsätzlich ist es
aber so, daß die Energie der resultierenden MO auch gleich
sein kann.

Das spricht doch gegen das Zustandekommen eines „Bandes“.

Nein, das spricht nicht dagegen. Es sagt schließlich nur, daß es auch anders sein kann, aber nicht, daß es unbedingt anders sein muß.

Wenn
alle Niveaus der einzelnen Atome auf gleicher Höhe bleiben,
kann es doch keine Aufspaltung der Niveaus geben…

Ja, wenn… Aber das tun sie im Metall offenbar nicht.

Ein einfaches Beispiel ist das
H3+ Molekül,

H3+ ?? Jedem Chemiker stellt’s die Haare zu Berge, wenn er
sowas hört :wink:

Das kann ich nicht bestätigen.

bei dem aus zwei halb
besetzten s-Orbitalen zweier Wasserstoffatome und dem
unbesetzten s-Orbital eines Protons ein voll besetztes
bindendes MO und zwei unbesetzte antibindende MO gleicher
Energie hervor gehen. Möglicherweise hängt die Aufsplittung
von n Atomorbitalen zu n Molekülorbitalen unterschiedlicher
Energie damit zusammen, daß alle Atomorbitale besetzt sind.

Was meinst Du mit „alle“? Alle bindenden und nicht-bindenden?

Bindende und antibindende Atomorbitale? Ich glaube Du verwechselst da was.

Hallo!

Und wo
sollen die Potenzial-Töpfe sein, von denen Du sprichst?

Die Potentialtöpfe sind die U-förmigen Stellen des
periodischen Potentials (nach dem Bloch-Theorem bzw.
Kronig-Penney-Modell)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kronig-Penney-Modell

Ah, okay, da klärt sich zumindest eins: Im Wikipediaartikel ist das Potenzial verkehrt herum dargestellt (Das geht auch aus dem Text hervor): Die Pontenzialtöpfe stehen in der Grafik nach oben, statt (wie meistens) nach unten. (Im Text steht z. B. „Potenzialtöpfe der Tiefe U0 …“; Im Artikel „Bändermodell“ steht die Achse richtig rum). Die Potenzialtöpfe befinden sich dort, wo die Atomrümpfe sind.

Sagt
Dir der Begriff „Bloch-Wellen“ etwas?

Bloch"Wellen" nicht. Nur das die eben genannte Periodisierung
der Elektronen nach dem Bloch-Potential. Selbiges?

Ja.

Die Bänder stelle ich mir jeweils beiderseits verbotener Zonen vor.

Ich habe so ein Gefühl, dass Du Dir die Bänder irgendwie räumlich vorstellst, und ich glaube, diese Vorstellung ist falsch. Ein Band ist einfach eine Gruppe von Energieniveaus, die einigermaßen den gleichen Energiebetrag haben. Die Zugehörigkeit eines Elektrons zu einem Band sagt überhaupt nichts über seinen Aufenthaltsort aus. Auch die verbotenen Zonen haben keinen Raum im Festkörper, sondern es sind Energiebeträge, die für Elektronen nicht erlaubt sind. (Im chemischen Bändermodell entstehen die verbotenen Zonen durch die Abstände der Molekülorbitale, in der Blochschen-Theorie passen Elektronen mit „verbotenen“ Energien nicht zur Periodizität des Kristalls).

Ich hoffe, ich konnte Dir irgendwie weiterhelfen.

Michael