Hallo,
ich habe da eine kleine Frage, die vor einigen Tagen aufkam.
Dabei ging es um die erste Atombombe und die Kapitulation von
Deutschland. Ich meine gehört zu haben, dass die Amerikaner noch kurz
vor Ende des zweiten Weltkrieges die Atombombe bereits fertig gestellt
hatten und die A-Bombe, die eigentlich für Deutschland bestimmt war
durch die frühzeitige Kapitulation dann letztendlich Hiroshima traf.
Wie verhält es sich denn damit?
Gruß
Kai
Hallo,
Ausserdem gab es praktisch keine unzerstörten
Grossstädte in Deutschland mehr. Sprich, keine Testziele mehr
Es gab eine Reihe von Städten mittlerer Größe, die in etwa der Kapazität einer Hiroshima-Bombe entsprachen - im Süden Ulm, Pforzheim, Heilbronn - und die vor Mitte/Ende 44 nichts abgekriegt hatten, was ihrer militärischen Bedeutung (Industrie, Infrastruktur, Wohnraum für Zivilbevölkerung) entsprochen hätte. Sie wurden nicht peu à peu, sondern in einem oder wenigen Angriffen erst gegen Kriegsende pulverisiert.
Im Fall Heilbronn kommt dazu, dass ab 1942 öfters eine einzelne, aus vergleichsweise großer Höhe ziemlich genau gezielte Bombe das Stadtgebiet traf - daraus entstand die Legende vom „Bomba-Karle“, dem Volksmund nach ein Emigrant, der noch einzelne Rechnungen zu begleichen hatte. Würde aber auch zum Test von - für damalige Verhältnisse „smartem“ - leitfunkgestütztem Abwurf passen.
Ist dieses auch eine Legende, oder kennt jemand irgendwelche brauchbaren Quellen zu der These, dass die genannten Städte für den Einsatz von A-Bomben vorgesehen waren und dann eher der Vollständigkeit halber vernichtet wurden, als sich abzeichnete, dass Deutschland noch vor der Bombe fertig wäre?
Die Wirkung der Bombe zu zeigen, lag der US-Führung wohl schon am Herzen: In Japan hat sie ja auch nichts zu einem schnelleren Kriegsende beigetragen, sondern wurde halt angewendet, „weil es sie gab“.
Schöne Grüße
MM
Hallo,
Es erschien den anderen Wissenschaftlern undenkbar, dass die
deutschen nicht das militärische Potenzial der kernspaltung
erkennen und mit Hochdruck umsetzen würden. zumindest bei Pkt
2. lagen sie da (gottseidank) falsch.
Ja, es lag tatsächlich nichts vor, die Deutschen waren bei Kriegsende weit von der Möglichkeit, eine Bombe zu bauen entfernt. Das ist eigentlich erstaunlich. Ich habe gelesen, dass selbst am amerikanischen (Manhattan-) Projekt arbeitende (Exil-) Forscher meinten, dass sich die deutschen Forscher wohl kaum bewegen lassen würden, für Hitler sowas zu bauen. Das Verhalten und die Meinung von Heisenberg ist auch nicht mehr restlos zu klären, insbesondere sein Besuch bei Niels Bohr kommt ja immer wieder ins Gerede.
… Offenbar war klar, dass die Deutsche Niederlage,
nachdem die Aliierten bereits den Rhein in Sichtweite und im
januar die ganze Deutsche Ostfront kollabiert war, dass ein
Nuklearangriff auf D militärisch nur noch von zweifelhaftestem
Wert war.
Der Einsatz der Bombe gegen Japan war militärisch auch nur unter zwei Aspekten sinnvoll:
- Des „Tests am lebenden Objekt“ - das und nichts anderes wollte man … Japan lag im Prinzip schon am Boden, Alternativen wie z.B. eine Demo-Explosion vor der Küste Japans hatte man verworfen. So sagen heute auch viele Historiker: das war schlichter Völkermord.
- Stalin die eigene Stärke demonstrieren, was aus dem Zeitplan, den Vorgängen und Aussagen Trumans um und während der Potsdamer (?) Konferenz hinreichend bekannt ist. Der kalte Krieg war ja schon seit einer Weile voll im Gange!
Ausserdem gab es praktisch keine unzerstörten
Grossstädte in Deutschland mehr. Sprich, keine Testziele mehr
„Testziele“ - genau das sagte ich oben …
Gruß, Stucki
Hallo,
Ausserdem gab es praktisch keine unzerstörten
Grossstädte in Deutschland mehr. Sprich, keine Testziele mehr
Es gab eine Reihe von Städten mittlerer Größe, die in etwa der
Kapazität einer Hiroshima-Bombe entsprachen - im Süden Ulm,
Pforzheim, Heilbronn - und die vor Mitte/Ende 44 nichts
abgekriegt hatten, was ihrer militärischen Bedeutung
(Industrie, Infrastruktur, Wohnraum für Zivilbevölkerung)
entsprochen hätte. Sie wurden nicht peu à peu, sondern in
einem oder wenigen Angriffen erst gegen Kriegsende
pulverisiert.
Nun, Hiroshima hatte ca 400 000 Einwohner, Nagasaki 250 000… Vor Anfang 1945 war überhaupt nicht klar, ob das manhattan-Project überhaupt erfolgreich sein würde. Ausserdem war den verantwortlichen vor dem Trinity-Test nicht so ganz klar, was die gebauten Waffen für einen „Bums“ haben würden. (Einigen Theoretischen Physikern war es zwar klar, aber grau ist alle Theorie…)
Die Wirkung der Bombe zu zeigen, lag der US-Führung wohl schon
am Herzen: In Japan hat sie ja auch nichts zu einem
schnelleren Kriegsende beigetragen, sondern wurde halt
angewendet, „weil es sie gab“.
Das ist wohl eine der Umstrittendsten Fragen überhaupt. Sie zerfällt in Zwei Teile:
-
Wie klar ist die Aussage, dass Japan zum Zeitpunkt der Bombenangriffe kapitulationsbereit war (Kapitulationsreif steht ausser Frage…) Dies ist etwas, was sich wohl niemals wirklich beantworten lässt.
Allerdings steht fest, dass ein hoher Militär, ohne den der japanische Staatsrat nicht entscheidungsfähig war, nach dem Angriff auf Hiroshima nicht zu den Beratungen über eine mögliche Kapitulation kam, weil er „wichtigeres zu tun“ hatte. (stellt sich mir die Frage, was?) Und auch nach Nagasaki kam es nur deshalb zur Kapitulation, weil der Kaiser persönlich intervenierte…
-
Wie sah die Lage für die USA aus.
- Subjektiv sahen sie nur, dass die USA gerade zwei ungeeuer verlustreiche Kämpfe abgeschlossen hatten: Okinawa und Iwo Jima. Es wurde befürchtet, dass eine Invasion der Japanischen Hauptinseln über eine Million Verluste auf US-Seite verursachen würde, und sich der Krieg noch bis weit in das jahr 1946 hinziehen würde.
- Ebenso war der Kriegseintritt der SU gegen Japan nunmehr ein Ärgerniss, die USA wollten „Die Sache zu Ende bringen“. das Testen dieser neuen Waffen war natürlich ebenfalls ein Beweggrund
- Die Wirkung der Atombomben war im wesentlichen psychologisch: So forderten manche konventionellen Bombenangriffe mehr Opfer als die Atomangriffe (kein Witz) Aber „eine Bombe - Eine Stadt“ war niederschmetternd.
- Der Krieg wurde von beiden Seiten her ungeheuer brutalisiert geführt. Insbesondere als die Behandlung der Kriegsgefangenen durch die Japaner so schön langsam durchsickerte, gaben auch die USA alle Hemmungen auf.
Was wäre gewesen, wenn es eine angekündigte Testexplosion in der Bucht von Tokio gegeben hätte? Wir werden es wohl nie erfahren…
Witz am Rande: Es gab innerhalb des japanischen Militärs Bestrebungen, im Falle der Kapitulation vorher alle Kriegsgefangenen zu ermorden. In wie weit die durch die Atomwaffen verursachte sehr schnelle Kapitulation dies verhinderte, bleibt eine interessante Spekulation…
So schön es sich heute anhört, die damalige Politik der USA bezüglich Atomwaffen zu verurteilen, man muss auch die damalige Zeit beachten, um die Beweggründe zu verstehen. Auch wenn man aus der heutigen Distanz sagen kann, dass viele Entscheidungen damals falsch waren…
Grüssle
Mike
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Hallo Michael,
zur grundsätzlichen Problematik von „was-wäre-gewesen“-Fragen: ok. Dass eine Kapitulation in Japan für Politik und Militär viel mehr Thema war als in Deutschland, ist aber m.E. eindeutig. Das sagt noch nichts über die tatsächliche Bereitschaft, das stimmt.
- Wie klar ist die Aussage, dass Japan zum Zeitpunkt der
Bombenangriffe kapitulationsbereit war (Kapitulationsreif
steht ausser Frage…) Dies ist etwas, was sich wohl niemals
wirklich beantworten lässt.
Allerdings steht fest, dass ein hoher Militär, ohne den der
japanische Staatsrat nicht entscheidungsfähig war, nach dem
Angriff auf Hiroshima nicht zu den Beratungen über eine
mögliche Kapitulation kam, weil er „wichtigeres zu tun“ hatte.
(stellt sich mir die Frage, was?)
Dieses Detail braucht man nicht mit „was-wäre-gewesen“ anzugehen. Die damaligen Regeln für das Verhandeln mit Japanern gelten heute unverändert. Wenn ich in einer Einladung zum Gespräch betreffend die Übernahme eines japanischen Unternehmens auch nur am Rande darauf hinweise, dass dieses Unternehmen am Weltmarkt keine Bedeutung mehr hat, wird mein Verhandlungspartner monate- und jahrelang wichtigeres zu tun haben, und wenn er dreimal dadurch pleite geht. Insofern darf man es schon fast als glückliche Fügung betrachten, dass trotz des Gesichtsverlustes in Hiroshima und Nagasaki Japan nicht bis zum Allerletzten verteidigt wurde, sondern kapituliert hat.
Der Kaiser war der einzige, der sich ohne Gesichtsverlust vorbehaltlos für eine Kapitulation aussprechen durfte.
Schöne Grüße
MM
Soweit mir bekannt war, haben es die Allierten vom Erfolg des D-Days abhängig gemacht. Wär das Eindringen in die Festung Europa in der Normandie fehlgeschlagen, so wollte man das Deutsche Reich mittels Atombomben ausschalten.
Ich kann leider keine Quelle nennen. Irgendwo habe ich das mal gelesen.
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