Hallo,
ich habe eine Frage zu der Katastrophe von Tschernobyl:
Im eigentlich Test wurde ja die Verbindung zwischen Reaktor und Turbinen getrennt, so dass der Druck im Reaktor immer weiter anstieg.
Doch warum ist dann die Leistung in den letzten paar Sekunden vor der Explosion so hoch angestiegen?
Der Strom wird doch erzeugt, indem die Drehbewegung der Turbine einen Generator antreibt.
Aber dann müsste doch die Leistung langsam sinken, da die Turbinen nur noch auslaufen.
Und eine zweite Frage: Das Unglück ist passiert, da sich der Reaktor erhitzt hat, weil die Turbinen nicht mehr so viel Strom erzeugt haben.
Versorgen die Turbinen/der Generator etwa auch die Kühlwasserpumpen?
Mit besten Grüßen,
Alexander.
Hallo,
ich habe eine Frage zu der Katastrophe von Tschernobyl:
Im eigentlich Test wurde ja die Verbindung zwischen Reaktor
und Turbinen getrennt, so dass der Druck im Reaktor immer
weiter anstieg.
Doch warum ist dann die Leistung in den letzten paar Sekunden
vor der Explosion so hoch angestiegen?
Der Strom wird doch erzeugt, indem die Drehbewegung der
Turbine einen Generator antreibt.
Aber dann müsste doch die Leistung langsam sinken, da die
Turbinen nur noch auslaufen.
Und eine zweite Frage: Das Unglück ist passiert, da sich der
Reaktor erhitzt hat, weil die Turbinen nicht mehr so viel
Strom erzeugt haben.
Versorgen die Turbinen/der Generator etwa auch die
Kühlwasserpumpen?
Hallo Alexander,
Missverständnis - Die Leistung ist nicht vor der Explosion angestiegen, der Leistungsanstieg WAR die Explosion. Das ist ungefähr so, wie wenn du deinen Backofen mit einer Überlandleitung verbindest und er leistet dann kurzzeitig 1 Million Watt; du bist dann besser nicht in der Küche, eine Chance, die die Besatzung von Tschernobyl nicht hatte.
Es handelt sich nicht eine Explosion im üblichen Sinn, aber bei der Leistung verdampft alles mögliche, so dass die Wirkung einer Explosion entspricht. In Tschernobyl reichte das, um den tausende Tonnen schweren Deckel anzuheben. Dazu kam natürlich eine entsprechend extrem gesteigerte Strahlung, Pech für die Menschen und die Umwelt.
Mit den Turbinen hat das so gut wie nichts zu tun, die Leistung wird ausschliesslich durch Kernreaktionen bestimmt und daher durch Wegfangen überzähliger Neutronen gesteuert. Zieht man die Steuerstäbe raus, steigt die Leistung egal ob gekühlt wird oder nicht; wird die Leistung nicht durch die Kühlung weggeschafft, schmilzt halt das ganze System, produziert dabei aber brav weiter Wärmeenergie. Ist dann der einschliessende Mantel beschädigt, wird durch die grosse Hitze der hochradioaktive Reaktorinhalt hoch in die Atmosphäre geblasen und verteilt sich über Kontinente.
Kernkraft-Befürworter werden jetzt gleich antworten, bei uns kann das alles nicht passieren, unsere Kraftwerke sind sicher (so sicher wie die Rente von Norbert Blüm). Es ist schon richtig, dass nicht GENAU das Gleiche passieren kann, aber es gibt genug andere Möglichkeiten.
Gruss Reinhard
Hi,
Doch warum ist dann die Leistung in den letzten paar Sekunden
vor der Explosion so hoch angestiegen?
Der Strom wird doch erzeugt, indem die Drehbewegung der
Turbine einen Generator antreibt.
du darfst die thermische Leistung des eigentlichen Reaktors nicht mit der elektrischen Leistung der Generatoren verwechseln!
Wenn ich die Generatoren entkoppele sinkt natürlich die elektrischen Leistung, aber mit der thermischen aus dem Kernzerfall hat das in erster Linie nix zu tun.
Und eine zweite Frage: Das Unglück ist passiert, da sich der
Reaktor erhitzt hat, weil die Turbinen nicht mehr so viel
Strom erzeugt haben.
Nein, das ist wohl nicht richtig. Das Unglück war schon etwas komplizierter. Lies doch mal den wikipedia-Artikel und stelle dann noch mal Fragen zu Dingen, die dann noch unklar sind:
http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschern…
Versorgen die Turbinen/der Generator etwa auch die
Kühlwasserpumpen?
Normalerweise schon. Wenn die Turbinen aber nicht laufen bzw. gerade auslaufen muss der Strom dafür woanders herkommen.
Was in der Zeit dazwischen passiert war ja gerade das Ziel des Testlaufes:
" Geplanter Versuchsablauf
Auch ein abgeschaltetes Kernkraftwerk ist auf die Versorgung mit elektrischer Energie angewiesen, beispielsweise zur Aufrechterhaltung der Kühlung und für die Instrumentierung und Überwachung. Im Normalfall wird der Bedarf aus dem öffentlichen Energieversorgungsnetz gedeckt. Ist das nicht möglich, laufen Notstromaggregate an.
Im Rahmen einer zwecks Wartungsarbeiten anstehenden Abschaltung des Reaktors sollte nun gezeigt werden, dass die Rotationsenergie der auslaufenden Turbinen bei gleichzeitig unterstelltem Netzausfall ausreicht, die Zeit von etwa 40 bis 60 Sekunden bis zum vollen Anlaufen der Notstromaggregate zu überbrücken."
(wikipedia)
VG,
J~
Danke euch beiden!
Also ist nicht die elektrische Energie in den letzten Sekunden angestiegen, sondern die thermische Energie (na gut, ist ja auch irgendwie logisch
)
Und der Grund, warum sich der Reaktorkern so start erhitzt hat war
- die Spitzen der Steuerstäbe waren aus Graphit
- die Kühlwasserpumpen funktionierten nicht mehr, da sie den Strom von den Turbinen bekommen hätten, die ja ausgeschaltet waren. Und das Notstromaggregat hätte erst dann funktioniert, als es schon zu spät war.
Also wurde nicht die Verbindung zwischen Reaktor und Turbinen getrennt, sondern nur die Stromversorgung der Kühlwasserpumpen (… die von den Turbinen kommt).
Und jetzt noch die Katastrophe in Kurzfassung, ob ich alles richtig verstanden habe:
Die (thermische) Leistung sollte von 3200 MW auf 700-1000 MW heruntergefahren werden, um Kühlwasser zu sparen.
Aufgrund eines Bedienfehlers wurde die Leistung aber auf 30 MW heruntergefahren (immer noch thermische Leistung?), und schlussendlich auf fast 0 MW.
Anstatt den Reaktor nun ganz zu abschalten und anschließend neu zu starten wurden einfach alle Steuerstäbe herausgezogen, wodurch die thermische Leistung aber nicht mehr höher als auf 200 MW steigen konnte (wegen der Xenonvergiftung).
Obwohl solche Tests nur bei 700-1000 MW stattfinden dürfen, wurde er trotzdem durchgeführt.
Es wurden also die Kühlwasserpumpen abgeschaltet, um einen Stromausfall nachzuahmen. Das Notaggreagt griff aber zu spät und der Reaktor wurde immer heißer, heißer, bis es „bumm“ gemacht hat.
Ach, ich hab noch was vergessen: Ich möchte bei meinem Referat nächstes Jahr, für das ich jetzt schon den Text schreibe
, einen Vergleich machen, wieviel 1000 Megawatt elektrische Leistung sind.
Hat dazu irgendjemand eine Idee?
Wenn ich richtig gerechnet habe, könnte man damit eine 100 Watt Glühbirne mehr als 365 Jahre leuchten lassen.
Hallo,
nein, nicht ganz.
Wie richtig erkannt, ist hier immer die Rede von der thermischen Leistung des Reaktors, also die Hitze durch die Kernreaktion.
Das Problem war, daß der Reaktor durch das Herumspielen in einen instabilen, quasi unkontrollierbaren Zustand geriet. Am Ende hätte kein Kühlsystem die Katastrophe verhindern können.
Es ist wichtig, die Funktionsweise von Reaktoren zu verstehen. Das Uran wird von Neutronen gespalten, die dabei wiederum Neutronen freisetzen. Allerdings hängt die Effizienz der Spaltung von der Geschwindigkeit der Neutronen ab. Mit langsamen, also gebremsten Neutronen funktioniert es viel besser. Man regelt die (thermische) Leistung eines Reaktors durch zwei Mechanismen: 1) Die Absorberstäbe, die Neutronen einfach wegnehmen und 2) den Moderator, welcher Neutronen abbremst und damit die Kernspaltung anfacht.
Man muß also sowohl die Menge als auch die Geschwindigkeit der Neutronen regulieren.
Dummerweise wirken aber auch Teile des Reaktors selbst, wie zB das Kühlwasser, sowohl als Moderator als auch als Absorber, und das auch noch abhängig vom momentanen und vorherigen Betriebszustand.
Der Reaktortyp von Tschernobyl wie in dieser Hinsicht einige ungünstige Eingenschaften auf.
Zusammen mit der Fehlbedienung führte das zur Katastrophe, nämlich daß der Reaktor in einen Zustand geriet, in dem die Kettenreaktion nicht mehr zu stoppen war. Am Ende produzierte der Reaktor so eine ungeheure Menge Neutronen, daß sogar die ungebremsten Neutronen ausreichten, die Kernreaktion am Laufen zu halten. Ab diesem Punkt gab es keine Rettung mehr. In wenigen Sekunden geriet der Reaktor in helle Glut, mit den bekannten Folgen.
Gruß
Moriarty
Hallo,
man darf Leistung (Watt) nicht mit Energie verwechseln. Leistung ist Energie pro Zeit. 1000000 Watt sind ein Megawatt oder 1000 Kilowatt. Dies über eine Stunde hinweg erbracht sind 1000 Kilowatt-Stunden, also die Energie, die man auf der Stromrechnung bezahlt.
Mit 1000 Megawatt kann man zehn millionen 100-Watt Birnen brennen lassen, und zwar so lange, wie man diese Leistung zur Verfügung hat.
Gruß
Moriarty
Mit 1000 Megawatt kann man zehn millionen 100-Watt Birnen
brennen lassen, und zwar so lange, wie man diese Leistung zur
Verfügung hat.
Würde das Kraftwerk also eine Stunde lang in Betrieb sein, könnte man damit also 10 000 000 100-Watt Birnen eine Stunde lang brennen lassen.
Danke vielmals!
Danke auch hier für deine Antwort!
Aber hab ich das nicht eh´ geschrieben?
Ich glaub, ich steh wieder mal auf meiner kilometerlangen Leitung…
Zusammen mit der Fehlbedienung führte das zur Katastrophe,
nämlich daß der Reaktor in einen Zustand geriet, in dem die
Kettenreaktion nicht mehr zu stoppen war.
Er wurde überkritisch.