Attentäter des 20. Juli

Noch ein paar Ergänzungen …
Guten Abend,

Bei den Nazis fühlten sich schließlich
große Teile der Arbeiterschaft wohl und ein striktes
Führerprinzip mit klaren Verhältnissen, wo oben und unten ist,
war dem Landadel allemal lieber als etwa Sozialdemokratie.

Völlig klar! Das sagte Herbert Wehner auch mal (sinngemäß): Die „Nationalsozialisten“ waren so geschickt in der Besetzung der Begriffe („national“, „sozial“ u.a.m.), dass sich eben sehr viele angesprochen fühlten.

Die NSDAP kam 33 nicht durch Putsch und Gewalt an die Macht,
sondern durch Wahlen.

Dazu muss man aber sagen, dass die Wahlzustimmung zu den Nazis ihren Höhepunkt bereits 1931 (?) überschritten hatte, ja, man hatte schon fast resigniert! Aber dann kam die Krise und dieser Hindenburg …

Nach 1933 wurden die
Rüstungsbeschränkungen von Versailles ignoriert, es wurde
aufgerüstet, dem Militär Priorität eingeräumt. Im Dt. Reich
entsprach es langer Tradition, daß viele Wehrmachtsoffiziere
dem Adel entstammten. Diese Kreise identifizierten sich
mehrheitlich mit der wachsenden Bedeutung des Militärs.

Nicht erst 1933 wurden die Rüstungsbeschränkungen ignoriert, das geschah schon Mitte der 20er Jahre durch die Reichswehr. Natürlich konnte man nicht offen aufrüsten. Aber große Projekte verlangen eine gute Planung. Und die konnte man sehr wohl machen - natürlich im Geheimen, ohne Wissen der Reichsregierung! Das Militär hat die Niederlage des 1. WK nie verwunden und wollte einen Revanchekrieg! Sehr schön beschrieben ist das in einem ZEIT-Artikel (März 1997, „Der große Plan“) hervor: 1925 wurde geplant, welche Stärke (Mannschaft, Material, wirtschaftliche Resoursen usw.) man braucht und wann man soweit sein könnte. Man lese uns staune: Ca. 1939/40 könnte man soweit sein! Hitler brauchte das nur noch umzusetzen! Die 1925 veranschlagten 2,8 Mill. Mann standen incl. Material bereit!
Für mich erschütternd: Die 1925 planenden Offiziere waren natürlich in Hitlers Wehrmacht dabei und zum Teil bis in die 60er Jahre beim Aufbau der Bundeswehr.
Eben wegen der unseligen Rolle der Wehrmacht hat man sich mit der Gründung der Bundeswehr schwer getan (vielleicht ist sogar Straussens Aussage „Jedem Deutschen soll die Hand abfallen, der noch mal eine Waffe in die Hand nimmt“ davon berührt. Aber die Aufrüstung wurde ja von den Amerikanern gefordert.

Wir müssen letztlich heilfroh über den Einsatz aller
Alliierten einschließlich der Russen sein, insofern kämpften
sie tatsächlich für Deutschland, ohne es zunächst selbst zu
wollen oder zu wissen. Weder die Attentäter v. 20. Juli 44
hatten Demokratisches im Sinn, noch hätte es dieses Volk
absehbar aus eigener Kraft zustande gebracht, sich aus seiner
obrigkeitlich-feudalistischen Tradition zu lösen.

Daher rührt denn ja wohl auch Hildegard Hamm-Brüchers provokative Aussage vor einigen Tagen: Ich bin froh, dass das Attentat gescheitert ist (sinngemäß)!
Auch wenn man dieser harten Aussage nicht zustimmen muss, so ist es höchst zweifelhaft, dass es bei geglücktem Attentat besser geworden wäre.

Gruß, Stucki

Hi!

Stauffenberg in die Nähe der Ideen des Kreisauer Kreises zu
einem demokratischen Gemeinwesen zu rücken, gehört in die
Kategorie der nachträglichen Glorifizierung. Das Attentat und
die Tatsache, daß die engsten Leute um v. Stauffenberg ihre
Tat noch am gleichen Abend mit dem Leben bezahlten, ist so
spektakulär, daß die Vorgänge bis heute benutzt werden,
Widerstand der Wehrmacht oder gar allgemein deutschen
Widerstand gegen ein verbrecherisches Regime zu belegen.
Sicherlich muß man 60 Jahre später in Freiheit und ohne
Bedrohung lebend und in einem weichen Sessel sitzend, mit
Wertungen zurückhaltend umgehen. Trotzdem: Stauffenberg war
der Akteur eines dilettantisch ausgeführten Attentats, das
hunderte vollstreckte Todesurteile zur Folge hatte und durch
die aussichtslose Kriegslage motiviert war und nicht etwa vom
Streben nach demokratischem Gemeinwesen und Menschenrechten.

Im Großen und Ganzen stimme ich dir da zu. Ergänzend dazu sollte man allerdings berücksichtigen, dass es aus Militärkreisen bereits vorher mehrere Versuche gegeben hatte, Hitler zu töten (z.B. bei Hitlers Besuch des Oberkommandos der Heeresgruppe Mitte im Frühjahr 1943), also noch vor der Teilnahme Stauffenbergs an den Widerstandsoperationen.

Ob es eine staatsdemokratische Tendenz unter den Wehrmachtsoffizieren gegeben hat, speziell bei Stauffenberg, wage ich nicht zu beurteilen. Es gab zumindest schriftlich fixierte Ziele, die zumindest eine Bewegung in Richtung Wiederherstellung der Weimarer Demokratie andeuten.

Grüße
Heinrich

Hi!

a) Wiedereinführung des Rechtsstaates

Waren die Ermächtigungsgesetze nicht auf die Kriegszeit
begrenzt?

Das Ermächtigungsgesetz (eigentlich ‚Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich‘) wurde am 24.März 1933 erlassen und war usprünglich auf vier Jahre begrenzt (ergo bid 1937). Durch den Tod Hindenburgs zog Hitler die Befugnisse von Reichspräsident und Reichskanzler in seiner Person zusammen, was zu einem „Open End“ beim Ermächtigungsgesetz führte. Von einer Begrenzung auf die Kriegszeit kann also nie die Rede gewesen sein, schon gar nicht beim Erlass des Gesetzes.

b) Wiederherstellung der Moral im privaten und öffentlichen
Leben

Waren denn Korruption, Raub, Vergewaltigung, Diebstahl,
rechtsfreie Räume etc. im Deutschen Reich damals ein
flächendeckendes Problem?

Wenn du unter Korruptiion, Raub, Diebstahl usw. auch Zwangsenteignung, Rassegesetze, Verlust der Bürgerrechte usw. siehst, dann durchaus. Aber generell ging es wohl mehr um Moral im politischen Umgang miteinander, angefangen vom Blockwart bis rauf zur obersten politischen Spitze.

c) sofortige Beendigung der Judenverfolgung

War die Judenverfolgung damals nicht schon ziemlich
abgeschlossen?

Nun, meines Wissens haben die Konzentrationslager in Deutschland bis unmittelbar vor Ende des Krieges funktioniert. Nicht umsonst gab es in den letzten Kriegstagen die „Todesmärsche“.
Gegenfrage: Wie kommst du darauf, dass ab Sommer 1944 keine Juden mehr ermordet wurden?

d) Bekämpfung der Nazi-Propaganda

War das die Wortwahl? Wollte man im Krieg die eigene
Kriegspropaganda ausschalten? Wünschte man feindliche
Kriegspropaganda?

Man wollte die Propaganda der Nazis ausschalten, die dem deutschen Volke Glauben machen wollte, der Krieg sei noch zu gewinnen - und was sonst noch alles an Lügenmärchen erzählt wurde.

Ansonsten lies bitte in der genannten Quelle nach.

e) freier Geist, freies Gewissen, freier Glaube, freie Meinung

Wollte man deutsche Stalinisten fördern; sollte Nazi-Glaube
erlaubt bleiben oder verboten werden? Wollte man das
Hakenkreuz verbieten?

Die Details entziehen sich meiner Kenntnis. Da man aber die Nazis als Verbrecher am Volke ansah, dürfte der Fortbestand von NS-Organisationen problematisch gesehen werden.

f) Ende des Missbrauches der Jugend, Rückkehr zu
christlich-religiösen Werten

Hatte Hitler nicht bereits sowas ähnliches für die
Nachkriegszeit versprochen und geplant?

Kommt darauf an, was du unter Missbrauch der Jugend verstehst. Der Einsatz von jungen Menschen in einem Angriffskrieg bzw. die Besetzung von erobertem Territorium nach einem Angriffskrieg dürfte durchaus als Missbrauch angesehen werden (nach Hitlers Vorstellungen sollte das Deutsche Reich nach Ende der Kampfaktionen in einem Zustand dauerhaften Krieges weiterbestehen, etwa in den geplanten Bollwerken am Ural). Und außerdem: was Hitler verprach, war nicht unbedingt das, was er wirklich wollte (siehe z.B. sein Versprechen nach dem Münchener Abkommen, keine weiteren territorialen Forderungen in Europa zu haben).

g) Steuerung der Wirtschaft, solange Krieg oder Mangel
herrscht

War die Wirtschaft unter Hitler denn ungesteuert?

Falsch verstanden.
Die Wirtschaft sollte solange durch die Reichsregierung gesteuert bleiben, bis der Krieg beendet war. Danach sollte eine - vermutlich - freie Marktwirtschaft herrschen. Eine wie unter den Nazis durchgeführte Mehr-Jahres-Planwirtschaft war definitiv nicht das Ziel der neuen Reichsregierung nach einem erfolgreichen Staatsstreich gegen Hitler.

h) Gesundung des Staatshaushaltes

Wer wollte das nicht!

Die NS-Politiker. Denen war der Staatshaushalt so etwas von sch***-egal!

i) Verteidigung des Reiches (d.h. Rückzug auf die
Reichsgrenzen, Fortsetzung des Krieges)

Das ist für mich eigentlich jetzt das zentrale: die
Widerständler handelten (putativ?) für das Deutsche Reich und
nicht gegen es. Die BRD ist gegen das Deutsche Reich; darum
ist es schäbig, wenn BRD-Vertreter sich auf Attentäter des 20.
Juli berufen.

Den Satz „die BRD ist gegen das Deutsche Reich“ müsstest du mir näher erklären. So weit ich informiert bin, hat die BRD sich von Beginn an als Rechtsnachfolger der Deutschen Reiches verstanden und die daraus resultierenden Konsequenzen getragen - ganz im Gegensatz zur DDR, die ihre eigene politische Existenz nie in der Folge des Deutschen Reiches gesehen hat, sondern als etwas völlig neues und einmaliges auf deutschem Boden.

Grüße
Heinrich

Hallo Heinrich!

Ob es eine :staatsdemokratische Tendenz :unter den
Wehrmachtsoffizieren gegeben :hat, speziell bei :Stauffenberg, wage ich nicht :zu beurteilen. Es gab :zumindest schriftlich
fixierte Ziele, die zumindest :eine Bewegung in Richtung
Wiederherstellung der :Weimarer Demokratie andeuten.

Stauffenberg, Jahrgang 1907, entstammte einer Offiziersfamilie und hatte seit seinem 19. Lebensjahr nichts anderes als Militär kennengelernt. Er war wie so viele seiner Zeitgenossen völkisch geprägt, im Sinne ethnischer Überhöhung des Deutschtums. Mit heutigem Sprachgebrauch würde man ihn als Antisemiten und Rassisten bezeichnen. Friedliche Nachbarschaft in Europa war für Stauffenberg und weite Kreise seiner Zeit eine Selbstverständlichkeit, sofern sich die Nachbarn unterordnen. Seine Biographie gibt nichts anderes her als einen Stabsoffizier, ein Kind seiner Zeit, beliebig weit entfernt von demokratischen Ideen, fern jeden Gedankens an Interessenausgleich zwischen den Völkern und europäischen Nachbarn und im übrigen ohne vertiefte Kenntnis ziviler Staatsstrukturen. Schon von daher ist es abwegig, ihm eine Urheberschaft an Schriften zu einem demokratischen Staatswesen auch nur zuzutrauen.

Die Nationalsozialisten - ein solcher war Stauffenberg bis zum Schluß - können für sich keinerlei „politische Erfindung“ in Anspruch nehmen. Das war ein populistischer Haufen, der die ohnehin vorhandene Grundstimmung zum Programm erhoben hatte. Stauffenberg ging damit völlig konform. Als ausgebildeter Soldat sah er die aussichtslose Lage des Krieges. Aber er war weder zum Demokraten noch zum Pazifisten mutiert. Er hielt lediglich die Entscheidungen der obersten Kriegsführung angesichts der aussichtslosen Lage für verantwortungslos. Hitler, Himmler und Goering sollten deshalb mit einem Attentat beseitigt werden. Weil diverse Anläufe scheiterten, kam man unter Zeitdruck zum Entschluß, daß die Ermordung Hitlers genügen würde, sofern man schnell genug wesentliche Schaltstellen besetzt.

Der Kreisauer Kreis war von ganz anderem Kaliber und anfänglich keine Widerstandsgruppe. Stille Opposition wäre treffender. Schon ab 1933, also mehr als ein Jahrzehnt vor dem Attentat, trafen sich auf dem Gut in Kreisau ganz unterschiedliche Leute privat und harmlos. Das war eine bunte Gruppe aus Juristen, Staatsrechtlern, Verwaltungsleuten und (erst später) mit Eugen Gerstenmaier einem Kirchenmann. Nach seinem Rücktritt als Leipziger Bürgermeister gehörte auch Goerdeler zu den gelegentlichen Besuchern. Man hielt Hitler für einen Spuk, der sich über kurz oder lang von alleine, durch Putsch oder wie auch immer erledigen würde und machte sich Gedanken, wie das Gemeinwesen in der Ära danach ausehen könnte. Gewaltaktionen kamen überhaupt nicht in Betracht, wurden sogar strikt abgelehnt.

Kontakte zwischen der Gruppe um Stauffenberg und Mitgliedern des Kreisauer Kreises gab es, wenn auch sehr spät. Die einzige Gemeinsamkeit war der Wunsch, daß Hitler weg muß. Ansonsten konnten Menschen kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite Intellektuelle unterschiedlicher Prägung, u. a. auch Sozialdemokraten und Kommunisten und auf der anderen Seite stramm völkische Offiziere, waschechte Nazis. Die hätten sich nicht einmal freiwillig gemeinsam an einen Tisch gesetzt.

Mit der Kenntnis der Biographien etlicher Beteiligter komme ich zum Ergebnis, daß die wunderschönen demokratischen Träume eines dezentral organisierten Gemeinwesens aus der Ecke Moltke, Wartenburg, evtl. Goerdeler stammten und die heute konstruierte Nähe zu v. Stauffenberg im wesentlichen Wunschdenken entspricht. Wir brauchen eben einen entschlossenen, aufopferungsvollen Helden als leuchtendes Vorbild.

Auf die Gefahr hin, mißverstanden zu werden: Wir müssen heute froh sein, daß das Regime damals noch eine Weile unverändert weitermachte. In einem anderen Beitrag wurde der treffende Vergleich mit einem Süchtigen gebracht, der erst völlig am Boden liegen muß, um zu Verstand zu kommen. Die kollektive Sucht - die Krankheit der Köpfe - war der lange vor den Nazis tief verankerte Militarismus, Rassenwahn und Nationalismus, mit dem kein friedliches Leben, kein freies Wort und keine freien Gedanken in Europa möglich waren und bis heute nicht möglich gewesen wären.

Stauffenberg hatte nie vor, an den grundlegenden Verhältnissen seiner Zeit etwas zu ändern und Leute wie vom Kreisauer Kreis und etliche andere waren einsame Rufer in völkisch vernagelter Umgebung.

Gruß
Wolfgang

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Moin,

da überschätzt Du leider das Gedächtniss der Massen.

Was verstehst du unter „Gedächtnis der Massen“ ?

Der erste Weltkrieg hat bis zu seinem Ende wesentlich mehr
Opfer gefordert, als der zweite bis zum 20.7.44
Ich bin (leider) der Meinung, daß mit dem Tot Hitlers zu
diesem Zeitpunkt eine neue Dolchstoßlegende geboren worden
wäre und die Reaktion nach dem Krieg wesentlich stärker
geworden wäre.

Wie wir an anderer Stelle hier gesehen haben, reicht der Versuch des Attentats für den, der eine Dolchstoßlegende braucht, ja bereits aus. Es wird immer Menschen geben, die Gründe fürs Scheitern instrumentalisieren. Auch das letztendliche Scheitern Deutschlands wurde instrumentalisiert.

Ich behaupte allerdings, den meisten Leuten war das völlig egal, und zwar sowohl nach dem ersten, als auch nach dem 2 Weltkrieg. Sie waren einfach nur froh, dass es endlich vorbei war.

Gruß
Marion

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Moin Wolfgang,

Auf die Gefahr hin, mißverstanden zu werden: Wir müssen heute
froh sein, daß das Regime damals noch eine Weile unverändert
weitermachte. In einem anderen Beitrag wurde der treffende
Vergleich mit einem Süchtigen gebracht, der erst völlig am
Boden liegen muß, um zu Verstand zu kommen. Die kollektive
Sucht - die Krankheit der Köpfe - war der lange vor den Nazis
tief verankerte Militarismus, Rassenwahn und Nationalismus,
mit dem kein friedliches Leben, kein freies Wort und keine
freien Gedanken in Europa möglich waren und bis heute nicht
möglich gewesen wären.

Wir alle wissen nicht, was gewesen wäre wenn, wir können lediglich vermuten, und da du oben ziemlich harten Tobak auffährst, wäre ich gespannt, wie du deine Ansicht begründen willst. Dies allein aus der Biographie von Stauffenberg heraus begründen zu wollen, halte ich für zu schwach. Wäre Stauffenberg der geblieben, der er war, hätte er nicht mal an Attentate gedacht.

Gruß
Marion

Hallo Wolfgang,

… Als ausgebildeter
Soldat sah er die aussichtslose Lage des Krieges … Er hielt
lediglich die Entscheidungen der obersten Kriegsführung
angesichts der aussichtslosen Lage für verantwortungslos.
Hitler, Himmler und Goering sollten deshalb mit einem Attentat
beseitigt werden.

Im Prinzip stimme ich deinen Ausführungen zu. Dass die Leute um Stauffenberg keine Demokratie wollten, schon gar nicht im heutigen Sinne, ist schon häufig gesagt worden, nur eben immer sehr leise. Dass sie aber das Regime beseitigen wollten nur einfach, weil sie „die Entscheidungen der obersten Kriegsführung angesichts der aussichtslosen Lage für verantwortungslos“ hielten, erscheint bei der von dir beschriebenen Geisteshaltung dieser Leute doch etwas gewagt und viel zu kurz gegriffen.
Soll heißen, da hast du noch Erklärungsbedarf!

Gruß, Stucki

Hallo,

Hehe, das verwechselst Du mit Wehrmacht und Waffen-SS
überhaupt. Waren nicht die Soldaten „immer bereit, ihr Leben
zum Wohle des deutschen Volkes einzusetzen“?

Erstens glaube ich, dass die meisten Soldaten die an der Ostfront eingesetzt wurden, lieber daheim in Deutschland gewesen wären. Nur wußten sie auch, dass Befehlsverweigerung auch ein Todesurteil ist. Und inwiefern ist das kämpfen an der Ostfront zum Wohle des deutschen Volkes gewesen?

Jeder Soldat wusste, dass er sein Scheitern an der Ostfront
mit dem Leben bezahlen würde und viele Millionen gingen
demnach in den Tod.

Er hat es sich i.d.R. nicht ausgesucht, ob er da kämpfen will oder nicht. Natürlich sind viele am Anfang voll Begeisterung in den Krieg gezogen, geblendet von Hitlers Wahnvorstellungen. Aber ich glaube kaum, ob er nach 2 Wochen Ostfront - sofern er da noch lebte - noch immer so begeistert war.
Aber Befehlsverweigerung war auch sein Todesurteil. Also hat er gekämpft. Aber 1000x lieber wäre er einfach daheim geblieben!

Hehe, genau das ist die Einstellung jedes einfachen
Landsers
gewesen; „ohne materielle Motive“ („persönliches“ Plündern
streng verboten) Unheil vom Deutschen Volk abwenden.

Blablabla, sie sind fürs Vaterland gestorben… die Sprüche kennen wir. Erstens war der Krieg ganz und gar nicht zum Wohle des deutschen Volkes und das einzige was sich der Landser im Schützengraben bei -10°C gedacht hat war: „Ich will wieder heim. Hört auf mit dem Scheiss.“

OK, ein Teil der Wehrmachtsführung versuchte einen
Putsch. Was taten die Westalliierten? Was taten die
Sowjets? Die Alliierten legten weiterhin eine Stadt
nach der anderen sinnfrei in Schutt und Asche, die Russen
schlugen mit unglaublicher Macht dir Ostfront in Stücke.

Was hätten denn dann die Allierten deiner Meinung nach tun sollen? Mit Hitler verhandlen? Warten bis sie selbst erobert werden? Und was hätten die Russen an der Ostfront machen sollen, ausser die deutschen Truppen zu zerschlagen? Hätten sie mit ihnen Tee trinken sollen? Es war KRIEG!

Kein Mitleid, kein Verständnis von deren Seite.

Verständnis für eine Armee, die ganz Europa selbst in Schutt und Asche gelegt hat?
Mitleid für eine Armee, die ihre Angehörigen und Landsleute getötet hat?
Wie stellst du dir das vor?

Nur ein
noch härteres Zupacken. Die Schwäche ausnutzen, die sich
durch die Desillusionierung der Wehrmacht ergab. Ohne
das geringste Zögern.

Ja, schließlich sahen sie sich und ihr Land woll wirklich bedroht. Sie wären ja auch nicht das erste Land, dass Hitler angegriffen und erobert hat und dort dann jede Menge Menschen in KZs verfrachtet hat.
Beispiel: Du gehst im Park. Du siehst wie ein Mann plötzlich ein Messer zieht und die Person neben dir niedersticht. Dann kommt er auf dich zu und will das gleiche mit dir machen. Ihr fallt beide hin, das Messer gleitet ihm aus der Hand. Du kannst hingreifen. Was machst du jetzt?
Redest du mit ihm. Gibst du ihm nur einen leichten Stups auf den Oberarm oder rupfst ihm ein paar Haare aus? NEIN.
Du schnappst dir das Messer und versuchst ihn irgendwie möglichst schwer zu verwunden oder zu töten.

Was hier gewürdigt wird ist das Engagement von Menschen, für
jemand anderen einzustehen, und dies mit dem Leben zu
bezahlen.

Meines Erachtens trifft das (für jemand anderen
einzustehen,
und dies mit dem Leben zu bezahlen
) für Mitte/Ende 1944
praktisch nur noch auf die Waffen-SS und ausgewählte
Wehrmachtseinheiten zu.

Und für wen haben sie gekämpft? Für wen sind sie eingestanden? Sie haben verständlicherweise gekämpft, um nicht selbst getötet zu werden. Was ist daran bitte so überaus toll? Das hätte jede Armee gemacht, wenn sie in die Enge getrieben wird… daran ist nun wirklich nichts edles oder besonderes!
Mit genau dem gleichen Argument kann ich schließlich die russischen oder die allierten Soldaten ehren. Dann machen wir gleich wieder Krieg, schließlich tun wir dann alle was für unser Volk, oder wie?

Die militärische Krise nach dem Attentat war
atemberaubend. Die adligen Attentäter haben eben *keinen*
ausreichenden Einsatz gewagt, haben inkompetent und
unverantwortlich
gehandelt, *indem sie den Tod Hitlers nicht absicherten* und
damit
den „worst case“ für Deutschland erzeugten.

Der Worst-Case?
Der Worst-Case für Deutschland hat 1933 begonnen,als Hitler an die Macht kam, und nicht 1944. Der Tod Hitlers wäre auf jeden Fall eine Befreiung für Deutschland gewesen, egal was danach kommt. Und schlimmer konnte es auch nicht werden, oder was hätte 1944 noch schlimmer kommen können?

mfg
deconstruct

Hallo Heinrich,

entschuldige bitte, wenn ich auf Deine nachstehenden Antworten nicht näher eingehe; die hier fällige Ideologiekritik würde ins uferlose
führen.

Aber zu diesem Jakob Gapp aus der von Dir empfohlenen Netzseite möchte ich mal nachfragen. Ich hab den mal ein wenig gegugelt.

Gapp war ein Pfarrer und pazifistischer Nazi-Gegner, habe ich gelesen. Er ist von Freisler zum Tode verurteilt worden, weil er öffentlich einen militärischen Sieg der englischen Streitkräfte befürwortet hätte, die sich bereits klar als menschenverachtende Terroristen herausgestellt hatten. 1996 wurde das Urteil aufgehoben, und bald darauf erfolgte die Seligsprechung.

Beruhte das Urteil Freislers auf falschen Tatsachen? War seine Beweisaufnahme getürkt? Hat Gapp in Wahrheit nie öffentlich den Engländern den Sieg gewünscht, und ist deshalb das Todesurteil postum aufgehoben worden?

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger