Noch ein paar Ergänzungen …
Guten Abend,
Bei den Nazis fühlten sich schließlich
große Teile der Arbeiterschaft wohl und ein striktes
Führerprinzip mit klaren Verhältnissen, wo oben und unten ist,
war dem Landadel allemal lieber als etwa Sozialdemokratie.
Völlig klar! Das sagte Herbert Wehner auch mal (sinngemäß): Die „Nationalsozialisten“ waren so geschickt in der Besetzung der Begriffe („national“, „sozial“ u.a.m.), dass sich eben sehr viele angesprochen fühlten.
Die NSDAP kam 33 nicht durch Putsch und Gewalt an die Macht,
sondern durch Wahlen.
Dazu muss man aber sagen, dass die Wahlzustimmung zu den Nazis ihren Höhepunkt bereits 1931 (?) überschritten hatte, ja, man hatte schon fast resigniert! Aber dann kam die Krise und dieser Hindenburg …
Nach 1933 wurden die
Rüstungsbeschränkungen von Versailles ignoriert, es wurde
aufgerüstet, dem Militär Priorität eingeräumt. Im Dt. Reich
entsprach es langer Tradition, daß viele Wehrmachtsoffiziere
dem Adel entstammten. Diese Kreise identifizierten sich
mehrheitlich mit der wachsenden Bedeutung des Militärs.
Nicht erst 1933 wurden die Rüstungsbeschränkungen ignoriert, das geschah schon Mitte der 20er Jahre durch die Reichswehr. Natürlich konnte man nicht offen aufrüsten. Aber große Projekte verlangen eine gute Planung. Und die konnte man sehr wohl machen - natürlich im Geheimen, ohne Wissen der Reichsregierung! Das Militär hat die Niederlage des 1. WK nie verwunden und wollte einen Revanchekrieg! Sehr schön beschrieben ist das in einem ZEIT-Artikel (März 1997, „Der große Plan“) hervor: 1925 wurde geplant, welche Stärke (Mannschaft, Material, wirtschaftliche Resoursen usw.) man braucht und wann man soweit sein könnte. Man lese uns staune: Ca. 1939/40 könnte man soweit sein! Hitler brauchte das nur noch umzusetzen! Die 1925 veranschlagten 2,8 Mill. Mann standen incl. Material bereit!
Für mich erschütternd: Die 1925 planenden Offiziere waren natürlich in Hitlers Wehrmacht dabei und zum Teil bis in die 60er Jahre beim Aufbau der Bundeswehr.
Eben wegen der unseligen Rolle der Wehrmacht hat man sich mit der Gründung der Bundeswehr schwer getan (vielleicht ist sogar Straussens Aussage „Jedem Deutschen soll die Hand abfallen, der noch mal eine Waffe in die Hand nimmt“ davon berührt. Aber die Aufrüstung wurde ja von den Amerikanern gefordert.
Wir müssen letztlich heilfroh über den Einsatz aller
Alliierten einschließlich der Russen sein, insofern kämpften
sie tatsächlich für Deutschland, ohne es zunächst selbst zu
wollen oder zu wissen. Weder die Attentäter v. 20. Juli 44
hatten Demokratisches im Sinn, noch hätte es dieses Volk
absehbar aus eigener Kraft zustande gebracht, sich aus seiner
obrigkeitlich-feudalistischen Tradition zu lösen.
Daher rührt denn ja wohl auch Hildegard Hamm-Brüchers provokative Aussage vor einigen Tagen: Ich bin froh, dass das Attentat gescheitert ist (sinngemäß)!
Auch wenn man dieser harten Aussage nicht zustimmen muss, so ist es höchst zweifelhaft, dass es bei geglücktem Attentat besser geworden wäre.
Gruß, Stucki