Auch Galeria-Filiale in Wuppertal schließt - Zu wenig Widerstand?

Nun soll auch die Galeria-Filiale in Wuppertal schließen, und somit wird es nun immer schwieriger in dieser Region an Kleidung zu kommen.
Das Geschäft war immer voll; man mußte sich manchmal sogar anstellen, wenn man in die Umkleidekabine wollte. Eine Unterschriftenliste lag auch aus, um die Schließung noch zu verhindern. Gab es diesbezüglich zu wenig Widerstand aus der Bevölkerung?
Was machen denn im nächsten Jahr die vielen Menschen, die etwas zum anziehen brauchen? Wuppertal hat ein großes Einzugsgebiet.
Soll der Paketbote dann selbst die Unterwäsche fein verpackt beim Nachbarn abgeben? Die Besteller sind ja meistens nie da.
Oder gibt’s dann ab nächsten Jahr immer was „zu gucken“, wenn’s keine Hosen mehr zu kaufen gibt?
Und der zusätzliche Stress auf der Straße, wenn doppelt so viele Paketdienste auf der Straße unterwegs sind. Wo sollen die denn alle halten? Es gibt doch jetzt schon so wenig Parkmöglichkeiten dort.

Sie gehen zu C&A. Oder Peek & Cloppenburg. Oder KiK. Oder Woolworth.
Oder sie googeln nach „bekleidung wuppertal“ und finden jede Menge Geschäfte, Stores und Boutiquen.

Diejenigen, die empört vor dem geschlossenen Galeria-Kaufhaus auf die Revolution warten, erfrieren im Winter. Deswegen ist das nur ein kurzfristiges Problem.

6 Like

Es gab diesbezüglich zu wenig Umsatz aus der Bevölkerung, das ist ziemlich banal.

Bei Deinem letzten Aufschrei haben Dir mehrere frühere häufige Kaufhof-Kunden beschrieben, wie sich ihnen aus der Sicht des enttäuschten Kunden der Niedergang darstellte.

Es würde schon reichen, wenn Galeria sie noch in ordentlicher Qualität - für die Kaufhof früher mal stand - anböte.

Schade, dass sich dieses Kaufhaus an seinen Kunden vorbei orientiert hat.

trägt man dann halt wie ich solche von FHB und solche von manomama, die viele Jahre halten. Dann braucht man nicht besonders viele zu kaufen. Hab übrigens noch nicht lange einen Sakko zum Container gebracht, den ich vor über 30 Jahren bei Kaufhof gekäuft hatte - nicht, weil er verschlissen gewesen wäre, sondern um meiner Gattin eine Freude zu machen, der das Teil wegen Farbe und Schnitt nie gefallen hatte. Am Container hab ich mich persönlich von dem Stück verabschiedet: Auch das war Kaufhof im vergangenen Jahrhundert - ein Sakko für dreißig Jahre.

Die Fähnchen, die dort jetzt im „Sale“ hängen, interessieren mich nicht.

Schöne Grüße

MM

1 Like

Die Galeria-Mitarbeiter haben diesen Beitrag entweder nicht entdeckt oder haben mittlerweile resigniert.

Moin,

haben nahezu nichts damit zu tun. Wenn Kunden woanders einkaufen, dann fehlt ausreichend Umsatz und damit auch das Geld, die Löhne zu bezahlen. Und dann?

-Luno

Du wirst Dich vielleicht erinnern oder auch nicht, aber gegenüber von der heutigen Galeria, die früher einfach nur Kaufhof hieß, gab es früher ein Hertie-Warenhaus, das zunächst auf Karstadt überging und 2000 oder so geschlossen und 2006 abgerissen wurde. Da mein Onkel dortselbst arbeitete, könnte ich Dir einiges über die betrieblichen Abläufe des Hauses erzählen, aber am Ende war es nicht ein paar Kleinigkeiten, die zur Schließung führten, sondern schlichtweg fehlende Nachfrage.

Dem Kaufhof ging es letztlich nicht besser. Sowohl Karstadt als auch Kaufhof hat es auch nicht geholfen, dass 1986 quasi um die Ecke der Akzenta-Markt eröffnete. Natürlich verlagerten auch andere Neueröffnungen und Umgestaltungen u.a. am Wall oder an der Morianstraße.

Und als wenn das alles nicht gereicht hätte, wurde halt der online-Handel immer beliebter und das Konzept von Galeria, auf gut vergleichbare Konsum- und Luxusgüter (wie z.B. Parfum) und Standard-Klamotten von der Stange zu setzen, hat in dem Kontext auch nicht besonders funktioniert. Übrigens nicht nur in Wuppertal nicht, sondern eigentlich nirgends.

Das ist auch der Grund dafür, dass die ganze Karstadt-Kaufhof-Gruppe seit 2020 inzwischen zweimal ein Insolvenzverfahren durchlaufen hat und angesichts der Entwicklungen bei den Bauprojekten des Karstadt-Eigentümers Benkö(*), würde ich auch nicht darauf wetten, dass es in zwei Jahren überhaupt noch einen Galeria-Markt unter dem Namen gibt.

Der langen Rede kurzer Sinn: Betriebe bleiben nicht erhalten, weil das jemand gerne hätte, sondern wenn sie rentabel sind. Wenn sie nicht rentabel sind, werden sie über kurz oder lang geschlossen und die Warenhäuser am Neumarkt waren halt nicht mehr rentabel und der Hauptgrund dafür ist und war, dass zu wenig Leute da zu wenig Kram eingekauft hat. Natürlich hat das auch wieder Ursachen, aber im Kern bleibt es dabei: zu wenig Kunden, zu wenig Umsatz – > Schließung.

(*) So kam in Hamburg der Bau des Elbtowers zum Stillstand, weil Geld fehlt und auch in Düsseldorf ruhen die Arbeiten am Carsch-Haus. Dass inzwischen Investoren ihr Geld von Signa bzw. Benkö zurück haben wollen (d.h. sie übten Put-Optionen aus, haben also einen Anspruch auf Auszahlung), ist da sicherlich auch nicht hilfreich.

Falls die ganze Immobilienbutze von Benkö zusammenbricht, werden auch die Banken den von mir schon länger angekündigten Spaß haben. .

2 Like

Moin,

Vielleicht machst du mal einen Abgleich mit der Realität. laufen alle Menschen bei dir nackt auf der Straße? Wenn nein, woher haben sie ihre Bekleidung?
Dass Kaufhäuser ein Auslaufmodell sind und das nicht nur seit einigen wenigen Jahren, ist doch kein Staatsgeheimnis. Dazu aus https://rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/galeria-karstadt-kaufhof-niedergang-der-warenhaeuser_aid-79254185

Es ist ein weiterer Tiefpunkt in dem seit rund vier Jahrzehnten andauernden Niedergang der Warenhäuser. Ihre Blütezeit erlebten die Filialen in den 70er Jahren, als sie dem Fachmagazin „Textilwirtschaft“ zufolge einen Marktanteil von etwa 15 Prozent eroberten. Vier große Ketten warben damals um die Gunst der Kunden: Karstadt, Kaufhof, Horten und Hertie.
Doch dann sorgten neue Konkurrenten wie innerstädtische Einkaufszentren, Shopping-Center auf der grünen Wiese, spezialisierte Filial- und Fachmarktketten und später auch der Onlinehandel für ein Ende des Höhenfluges der „Alles-unter-einem-Dach-Anbieter“. Die Marktanteile schrumpften, und die ersten Anbieter verschwanden vom Markt. Im November 1993 schluckte Karstadt Hertie. Fast zeitgleich übernahm Kaufhof Horten. Die Marktbereinigung brachte nur vorübergehend Erleichterung.

Wo siehst du doppelt so viele Paketdienste auf der Straße? Der homöopathische Marktanteil von rund 1,4 % Marktanteil ist doch schon heute nahezu bedeutungslos. Dazu aus https://www.ifhkoeln.de/warenhaeuser-ein-ueberholtes-konstrukt/

Könnte man nicht durch eine strategische Adaption Überleben sichern? Gerade in den so vielen kleinen Standorten wird diese Frage sicherlich oft gestellt werden.

„Ja, es muss sein“ ist leider die Antwort. Transformation und Strukturwandel machen auch nicht vor einem Handelsformat mit prestigeträchtiger Tradition halt. Sicherlich sind besondere Ausprägungen z. B. im Hochpreissegment oder in Nischen-Warengruppen auch oft der Grund, wie und warum Warenhäuser doch überleben könnten.

1,4 Prozent Marktanteil: Warenhäuser verlieren immer mehr

Es beginnt jedoch schon beim Begriff. WARENHAUS … vielen Waren auf einer Fläche ist die Idee von gestern. Das Warenhaus der Gegenwart ist online und kein Haus mehr. Vielfalt im Sortiment kann heute nicht mehr örtlich abgedeckt werden.

Dies macht sich auch in der Relevanz dieses Handelsformats bemerkbar. War es in der Vergangenheit das Handelsformat der Wahl – alles bequem unter einem Dach, der moderne Konsumpalast – ist das Konstrukt Warenhaus in Zeiten des Onlinehandels mehr und mehr überholt. Das zeigt sich eingängig auch am Marktanteil, den Warenhäuser in den vergangenen Jahren am Einzelhandel in Deutschland hatten: Waren es 1992 noch 6,0 Prozent Marktanteil, ist die Bedeutung seither jährlich geschrumpft. 2019 waren es bereits nur noch 1,8 Prozent Marktanteil und für das vergangene Jahr 2022 liegen unsere Hochrechnungen am IFH KÖLN gerade einmal noch bei einem Marktanteil von 1,4 Prozent am Gesamteinzelhandel für das Format Warenhaus. Wäre dort nicht die überaus lange und prestigeträchtige Tradition, wir würden über diesen verschwindend kleinen Teil im Gesamtmarkt kaum berichten.

Kurz und echt schmerzhaft: Ein Kaufhaus wie Galeria mag für dich ganz persönlich eine Bedeutung haben, aber davon kann man keine Löhne bezahlen, denn für sehr viele andere Kunden hat es überhaupt keine Bedeutung mehr, außer einem romantisch-verklärten „Da einzukaufen, war früher echt toll!“. Es ist ein schon länger überholtes Modell, zumal es in Wuppertal mindestens 4 Einkaufstempel gibt: City-Arkaden Wuppertal, Rathaus Galerie, Wicküler City und Primark. Wo siehst du da unüberwindliche Schwierigkeiten, Kleidung einzukaufen?

Was kann Galeria denn dagegen setzen?

-Luno

Hallo,

um das Stichwort noch aufzugreifen: ich kann mich noch daran erinnern, wie ich früher oft sowohl durch den Kaufhof als auch durch den damaligen Hertie ging. Das Publikum hatte damals größtenteils das Alter meiner Großmütter, von denen ich dorthin „gezerrt“ wurde - also in den 80ern so um die 70. Mit den ganzen Investitionen, Umbauten und Sortimentsänderungen hat man nicht erreicht, dass jüngere Menschen das Warenhaus wieder für sich entdecken, sondern gleichzeitig noch das ältere, ohnehin aussterbende Publikum vergrault, das seine Kurzwaren, Hauskittel und Seife ständig woanders suchen musste und später gar nicht mehr fand.

Mal davon abgesehen, dass sich das ganze Konzept „Warenhaus“ überlebt hat, weil es zu teuer ist, zu wenig Auswahl hat und die Menschen zwingt, sich in nicht immer attraktive Innenstädte zu begeben, ist es nun einmal nicht ausreichend, sich auf die Konsumentengruppe „Gewohnheitstier im fortgeschrittenen Alter“ zu konzentrieren - was letztlich auch ein Grund dafür ist, dass bspw. Boecker (in Wuppertal früher am Wall) nach zwei Insolvenzen vor ein paar Jahren aus dem Markt ausschied und mit bspw. SinnLeffers, Bonita und Pohland etliche andere Ketten mit unterschiedlichem Erfolg Insolvenzverfahren durchliefen (und manche nicht nur einmal).

Gruß
C.

Servus,

dass man so einen Übergang beim angepeilten Publikum auch gut hinkriegen kann, zeigt im Kontrast dazu IKEA: Es dürfte mittlerweile mindestens die vierte Kleingeneration sein, die das Gefühl hat, Ikea würde mit ihr zusammen zuerst erwachsen, dann reif und nach und nach auch ein bisselchen spießig, dabei sind aber permanent winzige Änderungen und Anpassungen an Gestaltung und Materialien und auch am Sortiment vorgenommen worden, so dass sich die jeweils nachrückenden Jahrgänge auch angesprochen fühlten.

Schöne Grüße

MM

1 Like
  • hier ist der Clip, mit dem Ikea demnächst den Rollstuhl aus Robinienholz, bereift mit Naturkautschuk, vorstellen wird:

(Chuck Berry war bei dieser Aufnahme ungefähr 70 Jahre alt…)

In diesem Sinne

MM