Auf dem Pausenhof

wie würdet Ihr reagieren:
jeden Mittag hole ich meine Kinder von der Schule ab. Mit mir warten einige Eltern, unter anderem auch eine Frau, die praktisch ihr Kind immer wegen irgendetwas lautestens anschreit, wenn es zu ihr kommt: Jacke vergessen, hat getrödelt, Jacke nicht zugemacht, irgendetwas auf dem Boden geschliffen…usw.
Ich stelle mir vor, dass die Frau nicht nur auf dem Pausenhof mit ihrer Tochter so umgeht.
Letztens stand jemand neben mir, die auf diese unfreundliche Mutter schimpfte. Gut, über Erziehungsmethoden können wir Eltern immer streiten. Aber was sollten wir tun, wenn sie dem Mädchen mal wirklich eine runterhaut. Es schien manchmal kurz davor.
Weggucken oder einmischen?

viele Grüße
Claudia

Hallo Claudia,

Aber was sollten wir tun, wenn sie dem
Mädchen mal wirklich eine runterhaut. Es schien manchmal kurz
davor.

Macht es denn wirklich einen Unterschied, ob sie das Kind niederschreit oder eine runterhaut.
Bei den Diskussionen um eine gewaltfreie Erziehung konzentrieren sich alle Beteiligten auf die physische Gewalt. Jeder Klaps ist ein Verbrechen, aber Vernachlässigung ist in Ordnung, wenn man sie als freie Selbstbestimmung des Kindes deklariert.

Weggucken oder einmischen?

Einmischen!
Da gibt es verschiedenste Möglichkeiten, die auch dem friedlichsten Menschen möglich sind.

  • Z.B. hingehen und scheigend zuschauen, aus 1 m entfernung.
  • Die Frau freundlich ansprechen, ob sie bezüglich ihrer Verfassung Hilfe braucht.
  • In einer Gruppe auf die Frau zugehen, dies ist besonders wirksam, usw…

Gruß
Carlos

Hallo Claudia,

wenn man genuine Gewalt beobachtet, also z.B. Faustschläge oder laut klatschende Ohrfeigen, dann ist die Sache natürlich eindeutig: Retten, Schützen, Anzeigen.

Eindeutig ist auch, daß ein paar Minuten kritisches Beobachten auf dem Pausenhof oder dergleichen ausgrenzendes Verhalten den Erziehungsstil dieser Mutter nicht nachhaltig ändern wird. Und auf eine ihr Kind schimpfende Mutter zugehen und „Hilfe anzubieten“ erscheint mir auch eher lebensfremd.

Es gibt einfach Mütter (bei Vätern habe ich das noch nicht beobachtet), die ihr Kind so oft und laut anschreien, daß man meinen könnte immer, die dazu noch hundertmal pro Tag Prügel androhen und ihm trotzdem keine Gewalt antun.

Der amerikanische Erziehungsberater Dr. Dobson sagte einmal, wenn das erste Kind ins Haus gekommen ist, dann hat man einige Monate lang Zugriff auf den Lautstärkeregler. Danach ist die in der Familie herrschende Lautstärke für alle Zeit festgelegt.
Ich kenne eine Familie, deren erstes von drei Kindern mittelgradig schwerhörig war. Wie leider so oft wurde die Schwerhörigkeit erst nach Jahren erkannt, dann allerdings bald operativ behoben.
Die Familienlautstärke aber war festgelegt. Auch die folgenden Kinder werden bis auf den heutigen Tag bei der kleinsten Sache mit einer Lautstärke angeschrien, als gelte es, ein Kind drei Häuser weiter zu schimpfen. Dabei ist es eine liebevolle und wohlhabende Familie, nur halt so gschroamaulat.

Solange man jemanden nur vom Pausenhof her kennt, würde ich davon abraten, Lehrer oder gar das Jugendamt einzuschalten. Vielleicht ist die betreffende Mutter einfach nur recht im Streß (womöglich besonders auf dem Pausenhof unter Zeitdruck); und mit erheblicher Macht bewehrte Sozialpädagogen z.B. auf eine im Kampf mit dem Alltag stehende Alleinerziehende zu hetzen, das kann auch schlimme Folgen haben.

Wenn Du wirklich das Gefühl hast, daß da möglicherweise etwas nicht stimmt, dann solltest Du versuchen, die Familie näher kennenzulernen.

Ein Schuljahr ist jetzt vorüber, und niemand hat bisher auch nur einen kleinen Klaps gesehen. Dann wirds wohl kein Grund zur Sorge sein.

Gruß
Wolfgang Berger

Hallo Wolfgang!

dass mit der anzeige wird nicht so einfach gehen.
eltern haben immer noch ein gewisses züchtigungsrecht
und über sinn und unsinn über ohrfeigen lässt sich streiten.

die sache sieht erst anders aus, wenn das kind öfters große blaue flecken aufweist.

mfg
Ulrike

dass mit der anzeige wird nicht so einfach gehen.
eltern haben immer noch ein gewisses züchtigungsrecht
und über sinn und unsinn über ohrfeigen lässt sich streiten.

Aber gibt es nicht inzwischen ein Recht der Kinder auf gewaltfreie Erziehung?
Oder ist das Gesetz doch gescheitert? Ich bin mir nicht mehr sicher.

Ciao
Kaj

Hallo Claudia,

ich bin wenig verwundert, dass Du geschrieben hast, dass Du neben jemandem standest, der über diese Mutter schimpfte.
Weißt Du, ob jemand schimpft oder nicht, das tut einer Erziehung keinen Abbruch. Und eine Mutter, die ihr Kind jeden Tag (und ich denke, dass die Mutter allmählich glaubt, an eine Wand zu reden) immer wieder an bestimmte Dinge ermahnen muß und keinen Erfolg sieht, wird irgendwann eben zum schimpfen übergehen.
Mir sind solche Mütter allemal lieber als solche, die sich über so eine Mutter hinter deren Rücken den Mund zerreißen. Diese Mutter zeigt, dass nicht alle Tage Hochstimmung herrscht und sie tadelt ihr Kind an Ort und Stelle. Andere Mütter tadeln ihr Kind erst, wenn keiner mehr dabei ist und dieses mitbekommen könnte und eben solche Mütter sind dann auch häufig diejenigen, die über andere schimpfen.
Ich an deiner Stelle würde einfach mal lächelnd an der Mutter vorbei gehen und sagen:„Gell, wir Mütter habe es auch nicht einfach.“ Ich glaube kaum, dass diese Mutter ihr Kind mißhandelt, dazu ist sie meiner Meinung nach viel zu offen (sie macht in der Öffentlichkeit aus ihrem Herzen keine Mördergrube!).
Aber einer über andere schimpfender Mutter würde ich ohne zu zögern den Rücken zudrehen, denn solche Menschen haben schon viel Unheil angerichtet!

MfG User

Hallo Claudia,

ich schließe mich dem Artikel von „User“ voll und ganz an.

Wenn das Mädchen einmal eine Ohrfeige bekommt, würde ich gar nichts tun, auch wenn ich persönlich gegen Schläge bin.
Es kann einfach mal passieren…Kindewr, und das weißt du, können einen wirklich auf die Palme treiben.
Nun sind wir alle verschieden, ich habe meine Kids nur sehr selten „geohrfeigt“, wenn ich es genau nehme, dann hat nur mein älterer Sohn zu spüren bekommen, dass ich stärker bin. Allerdings habe ich nie geschlagen, und ins Gesicht schon gar nicht. Ich habe ihn nur mal etwas härter am Arm festgehalten und ein einziges Mal mit der flachen Hand auf den Po gehauen…danach war ich fertig, obwohl Deniz noch nicht einmal geweint hat, weil es war wirklich nicht doll.
Warum ich das erzähle ? Damit du weißt, dass ich prinzipiell gegen Gewalt bin, in welcher Form auch immer.

Allerdings kann es eben sein, dass, wie User schon sagt, dieses Spiel zwischen Mutter und Tochter schon länger geht…die Tochter will gewisse Dinge nicht kapieren und die Mutter verliert irgendwann die Geduld…nicht schön, aber auch nicht tragisch.

Sollte diese Ohrfeige aber sehr heftig ausfallen oder aber sich wiederholen, dann würde ich vermutlich die Mutter einmal ansprechen, wenn die Gelegenheit günstig ist, sprich, wenn ich mal wieder vor der Schule warte und sie auch da ist. Dann aber auch nicht vor andern Müttern oder Vätern.

Auf keinen Fall aber würde ich es in dem Moment tun, wo es die Ohrfeige gesetzt hat, vorausgesetzt, es war wirklich nur eine Ohrfeige und keine Mißhandlung.
In dieser Stimmung wird die Mutter von dir nichts annehmen können und die Tochter wird sich bestätigt fühlen…bestätigt für etwas, dessen Zusammenhang und Hintergrund wir nicht wirklich kennen.

Und noch etwas, Claudia…wir können nicht für alle Menschen auf dieser Welt dasein. Einmal bist du dabei, das nächste Mal dann wieder nicht. Ich denke wirklich, es gibt schlimmeres für ein Kind, als eine leichte Ohrfeige.
Die Frage ist, inwieweit du dich in die Erziehung anderer einmischen möchtest bzw. inwieweit du dies zulassen würdest !?

Dir einen schönen Sonntag,
liebe Grüße,
Vanessa

tja, man hat auch ein recht auf wohnung…warum gibt es dann obdachlose?

zwischen vorhandenen gesetzen und deren befolgung ist leider ein großer unterschied

mfg
ulrike

Hallo User,

Während ich beim Hauptthema mit Dir übereinstimme, finde ich das:

Aber einer Eer andere schimpfender Mutter wEde ich ohne zu
zögern den REken zudrehen, denn solche Menschen haben schon
viel Unheil angerichtet!

zu moralinsauer.

Gruß
Wolfgang

eine Frage des Prinzips
Hallo User,

vom Prinzip würde ich Dir recht geben…

Mir sind solche Mütter allemal lieber als solche, die sich
über so eine Mutter hinter deren Rücken den Mund zerreißen.

Aber einer über andere schimpfender Mutter würde ich ohne zu
zögern den Rücken zudrehen, denn solche Menschen haben schon
viel Unheil angerichtet!

…aber in diesem Zusammenhang passen Deine Überlegungen nicht.
Es ging gar nicht einmal darum, über die schimpfende Mutter herzuziehen, sie hinter ihrem Rücken zu diskriminieren, sondern wir „Tuschelnden“ haben eine gemeinsame Beobachtung gemacht, und waren uns darüber einig, dass uns diese Umgangsform - eigentlich würde ich es sogar „Begrüßung“ nennen, wenn es passen würde - nicht gefällt.
Nun hätte mich wohl die Mutter nicht angesprochen, wenn wir nicht beide Unbehagen empfunden hätten, und es mir anzusehen war.
Eigentlich haben wir uns nur darüber unterhalten, was wir als Außenstehende tun würden, wenn sie das Mädchen vor unseren Augen verhauen würde. Über die Frau selber haben wir dann gar nicht mehr gesprochen. Es ging uns beiden ums Prinzip, da wir das Gefühl geteilt haben, dann eingreifen zu wollen, wenn ein Schwächerer Gewalt erleiden muß.
Wie gesagt, es ist nur eine Frage des Prinzips gewesen. Bitte nicht unterstellen, dass wir 2 empfindlichen Mütter uns über die unfreundliche Mutter stellen wollten.

mfg
Claudia

Hallo Claudia,

sorry, ich habe nicht gesagt, dass ich euch für zwei überbesorgte Mütter halte, die über eine andere herziehen. Ich sagte, dass ich jemandem, der hinter dem Rücken über jemanden spricht, meckert, nörgelt, ohne zu zögern den Rücken zudrehen würde (oder ihm sagen, dass ich, wenn mir was missfällt, es demjenigen selber sage). Menschen, die hinter dem Rücken der anderen über einen (egal was betreffend) reden, machen irgendwann das selbe auch mal bei einem selber und weil ich nicht möchte, dass man hinter meinem Rücken redet, mache ich das auch bei anderen nicht. Lieber sage ich garnichts und warte eine günstige Gelegenheit ab, um dann das Gespräch mit der Mutter zu suchen.

-)

MfG User

Hallo Claudia,

wie wär’s denn mal einen Bezug aufzubauen: z.B. mit der Mutter irgendwie ins Gespräch zu kommen meinetwegen übers Wetter. Und so einen Kontakt herzustellen. Dann lässt sich nach und nach eher mal so erspüren, was da los ist, bzw. auch wie es dem Kind damit geht.

Hinter dem Rücken mosern ist ziemlich schwach und bringt gar nichts…

Liebe Grüße, Angelika

grundsätzlich ja
Hallo Angelika,

normalerweise habe ich keine besonderen Berührungsängste, wenn ich mit jemanden reden will. Aber diese Mutter ist muskulös wie Herkules, ziemlich tätowiert, kurz geschorene gebleichte Haare, immer in so Nato-Aufmachung (khaki, Cargohosen usw.). Gut, man soll ja nicht nach Äußerlichkeiten gehen. Aber sie hat ihre festen Gesprächspartnerinnen auf dem Hof, denen sie nicht von der Seite weicht, und sie scheint auch keine neuen Kontakte zu suchen. Außerdem scheint sie meist schlecht gelaunt zu sein. Bei so jemanden verläßt mich Mut und Motivation. Ergäbe sich zufällig eine Gelegenheit zu einem Gespräch (man steht nebeneinander, hat kurzen Augenkontakt, ein Schweigen wäre unhöflich…) würde ich mich nicht scheuen, ein Gespräch anzufangen. Aber käme man da schon zu dem Thema Erziehungsmethoden auf dem Pausenhof?
Ganz ehrlich, soweit geht meine Hilfsbereitschaft für das Kind nicht, diese Distanz durch aufgesetzte Freundlichkeit zu überbrücken. Ich würde nicht schweigen, wenn sie das Kind schlagen würde, was wahrscheinlich kein Dialog werden würde.
Ich wollte hier im Forum wissen, wie andere Elternteile es handhaben würden, wenn sie sähen, dass ein Kind gehauen würde. Eingreifen oder Raushalten.
Wie Vabe so schön gesagt hat: „manchmal macht es keinen Sinn mehr, sich als Retter der Welt zu engagieren.“ Es gibt Grenzen für die eigenen Möglichkeiten.

viele Grüße
Claudia

Hallo Claudia,

tjo, denn: hab ich Dich wohl ein bisschen falsch verstanden - da bleibt nix als beobachten und im Falle eines Falles eingreifen, sprich Polizei oder Jugendamt informieren…

Liebe Grüße, Angelika