Hallo nochmal,
Ich würde mir so einen Wagen auch nicht kaufen, da die 107er
alles besser können und in der ersten Sewrie recht günstig
sind.
Und somit bist du eben nicht „im Thema“ - man kauft einen Oldtimer eben nicht, weil er „irgendwas kann“ (und schon gar nicht besser als seine Nachfolger, sonst wären sie nämlich seine Vorgänger!), sondern weil man eben dieses Auto haben möchte, ungeachtet seiner überholten Technik und komfortmäßigen Unzulänglichkeiten.
Jeder W126 kann alles besser als mein W108, und den W126 würde ich auch noch um kleines Geld an fast jeder Ecke bekommen können. Trotzdem würde mir nicht im Traum einfallen, meinen Wagen gegen einen moderneren einzutauschen.
Es wurde hier jedoch erwähnt, dass Adenauer-Benze für nicht
allzu viel Geld erhältlich wären. Nicht allzu viel bedeutet
hier also um die 30.000 Euro. Daher mein Kommentar zum 190 SL,
den es für 15 TEUR als rettbares Restaurierungsobjekt aus den
USA gibt.
15.000 Euro für ein Restaurationsobjekt ist richtig - aber dazu mußt du dann mindestens nochmal dasselbe für die Restauration hinzurechnen (wenn du viel selbst machen kannst!)
Soviel „Spielgeld“ ist auch nicht jedem gegeben …
Wie ich sagte: überteuert.
Einen R129 in gutem Zustand, 1. Hd., 150 TKM, Bj. `91, gibt´s
oft schon für 10 - 15 TEUR.
Wie ich schon sagte: wer einen Oldtimer haben will, der kauft sich keinen R129, weil dieser schneller, sparsamer, komfortabler und sicherer ist.
Der Kauf eines Oldtimers ist eben nicht einfach nur die Anschaffung eines Vehikels mit einem bestimmten Nutzen, sondern eine Frage des persönlichen „Habenwollens“.
Versuch doch mal, jemandem der einen Ovali-Käfer in jahrelanger Kleinarbeit restauriert hat, von den Vorzügen des New Beetle zu überzeugen! Der Mann wird dich ansehen, als hättest du einen rostigen Nagel im Kopf - trotz ABS und Airbags, der vierfachen Motorleistung und Newagengarantie.
Er möchte halt lieber ein fünfzigjähriges Auto haben, mit Seilzugbremsen und unsynchronisiertem Getriebe, ohne Sicherheitsgurte und mit einer Lenksäule, die den Fahrer mit Sicherheit bei einem Unfall durchbohren würde wie ein Zahnstocher eine Olive.
Eine ORDENTLICHE Flosse wirst du nicht unter 6.000 bis 7.000
Euro bekommen - was bei mobile.de als „gut“ für 4.000
angeboten wird, ist allenfalls ein Restaurationsobjekt oder
eine Wanderbaustelle!
Ich habe mir die Autos nie angesehen, da mich die „Flosse“
nicht so interessiert. Einen Zustand 3-4 (was landläufig als
„gut“ bezeichnet wird) gibt´s jedoch sicherlich für um die
4.000 Euro.
Wenn man mal die Zahlen von Classic-Data zugrundelegt (was man immer mit Vorbehalt machen sollte, weil die Preise bei objektiver Betrachtung der Zustandsnoten eher noch höher liegen), dann liegt ein W110 230 bei 6400 (Zustand 3) bis 3100 Euro (Zustand vier).
Der W110 200D dürfte nach Liste 6100 (Zustand 3) bis 2500 Euro (Zustand vier).
Die Bezeichnung „gut“ verdient ein Auto aber erst, wenn es tatsächlich mindestens Zustand 3 erreicht hat - alles andere sind Restaurationsobjekte.
(Zur Verdeutlichung: „Note vier“ wird definiert als Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert; nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig. Leichte bis mittlere Durchrostungen. Kleinteile können fehlen oder defekt sein. Relativ leicht zu reparieren oder restaurieren. )
Ich würde Oldies nur über Oldtimer-Markt kaufen.
Ich habe die Internet-Börden nur angeführt, um eine leichte
Nachprüfbarkeit meiner Preisangaben zu gewährleisten.
Klar, aber gerade diese unspezifischen Internetbörsen verzerren das Bild!
Wirklich gute Autos stehen hier nur sehr selten - dafür aber um so öfter Autos, deren Besitzer keine Ahnung haben, wie desolat der Zustand ihres Wagens tatsächlich ist (oder die hoffen, einen Käufer zu finden, der den wahren Zustand nicht erkennen und einschätzen kann.)
Ich habe mir schon einige Autos aus mobile.de angesehen, die allesamt als „sehr gut“ beschrieben wurden und auch beim folgenden Telefonat als „absolut rostfrei“ angepriesen wurden.
Leider endeten die meisten der Begutachtungen so:
http://www.diesel-king.de/W108/schrott.htm
Mir ist benwusst, dass gerade bei Mercedes, Porsche und
Ferrari viele Oldiebesitzer zu finden sind, die vollkommen
intolerant alles, was nicht 100%ig original und im Zustand 1 -
1- befindlich ist, zerreissen.
Ich bin kein fanatischer Originalitätsverfechter, und vom Zustand 1 ist mein eigener Wagen auch Lichtjahre entfernt.
Aber es ärgert mich immer wieder, wenn durch solche Basteleien selten gewordene Autos noch seltener werden…
Gerade deshalb verliert die Oldtimerei an Fans und es kommt
weniger Nachwuchs. Wenn jemand einen ordentlichen 280 E Coupé
/8 mit alten Leuchten ausrüstet,
wenn es nur dabei bleibt, ist es ja ok - ist leicht und problemlos wieder rückrüstbar.
die Kiste selbst pflegt und
wartet und jeden Tag damit fährt, finde ich persönlich das
jedenfalls cooler als die Typen (ohne Dir persönlich etwas
unterstellen zu wollen natürlich), die ihren vom englischen
Restaaurator in Zustand 1+ versetzten 300 SL Gullwing
allmorgendlich in der Garage ansehen und dann mit dem S 400
CDI zur Arbeit gondeln…
OK, der W198 300SL soll dann wohl meinen W108 darstellen, und der S400 CDI meinen smart CDI - den Wink mit dem Zaunpfahl habe ich durchaus verstanden.
Trotzdem weiß ich nicht, was daran „cool“ sein soll, ein altes Auto im winterlichen Alltagsbetrieb zu verschleißen - das geht nämlich rasend schnell.
Meinen 280S fahre ich regelmäßig, finde ihn aber zu schade und zu teuer, um ihn im täglichen Innenstadtverkehr herunterzureiten - dafür ist der smart halt Klassen besser geeignet.
Wir haben vor 10 Jahren mal einen 240D 3.0, US-Version, auf
alt getrimmt. War kein Problem, denn zierliche Chromspiegel
kann man auch direkt an die Tür montieren, die von den 70er
Alfas passen bestens.
Wie und womit hast du die dreieckige Fläche vorne im Scheibenausschnitt abgedeckt, an der der originale Spiegel festgeschraubt war?
Daher plädiere ich, der aktuell noch nicht mal einen Oldie
hat, dafür, dass man in der Szene mehr Toleranz walten lässt,
denn sonst besteht sie irgendwann nur noch aus silberhaarigen
Zahnärzten, die über Zustand 1 oder 1- debattieren und dabei
noch nicht mal selbst einen Reifen wechseln können.
Ich bin weder silberhaarig noch Zahnarzt und kenne Autos im Zustand 1 nur vom Ansehen (und auch da nur exakt zwei Stück).
Die Ventile meines W130 kann ich selbst einstellen, und ein Radwechsel stellt mich auch nicht vor ungeahnte Schwierigkeiten.
Trotzdem lasse ich vieles in einer Werkstatt machen, und schäme mich auch nicht dafür.
Allerdings gebe ich zu, daß es auch die von dir beschriebenen Leute gibt, auf einem solchen Stammtisch bin ich vor einigen Wochen einmal zu Gast gewesen. (Keine wirklich erbauliche Erfahrung - ständig hat man mich darauf angesprochen, daß das Auto nicht poliert sei, die neuen Lederwangen der Sitze eine leichte Farbabweichung hätten, eine Roststelle unter der Schwellerleiste hervorschauen würde und eine Zierleiste im Kühlergrill eine Druckstelle hätte)
Da lobe ich mir doch „meinen“ Stammtisch, auf dem jedes Mal irgendein rostiger oder öliger Brocken durch die Reihen gereicht wird, und wo mein Auto auf dem Parkplatz nicht etwa den untersten Punkt markiert, sondern zu den besseren zählt…
Schönen Gruß,
Robert