Auf Schusters Rappen

das heißt doch „zu Fuß gehen“, woll?
Warum eigentlich?

Ich stelle mir unter Schusters Rappen das schwarze Pferd vom Schuster vor, und dann bezöge sich das Sprichwort wohl eher aufs Reiten…

war „Rappen“ vielleicht früher auch ein Ausdruck für Schuhe?

Oder war „auf Schusters Rappen“ zu reiten früher einfach die billigste Art der Fortbewegung, und somit hat sich die Bedeutung heute aufs zu Fuß gehen verlagert?

Wer weiß was?
fragt Martina

Schuster ( nur Ausbesserer, die unterste Charge der Schuhmacher ) waren wohl mit den Schneidern die ärmsten Schweine schlechthin unter den Handwerkern . Keiner von ihnen hätte sich je ein Pferd o.ä. leisten können, alles wurde zu Fuß erledigt. Der jedenfalls steckte noch in einer Bekleidung, die logisch aus Resten u.dgl. bestand und zur Unauffälligkeit des miserablen Schuhwerks gleich schwarz ( = Rappe f. schwarzes Pferd ) gefärbt wurde .

Aud diesen Umstand ( der Armut ) weißt auch ein anderes Wort, welches der deutsche Volksmund kennt, hin: „Der Schuster hat die schlechtesten Schuh´“.

HM

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Oder war „auf Schusters Rappen“ zu reiten früher einfach die
billigste Art der Fortbewegung, und somit hat sich die
Bedeutung heute aufs zu Fuß gehen verlagert?

So ist es, Martina.
„Schusters Rappen“ ist eine scherzhafte Bezeichnung für Schuhe.
Die gleiche Redewendung gibt es auch im Englischen, da heißt es „shanks mares“.
Arme Leute konnten sich nur zu Fuß fortbewegen, mußten sich daher auf die vom Schuster hergestellten „Reittiere“ beschränken.
Grüße
Eckard.

Hallo !

Auf Schusters Rappen reisen (reiten, ankommen): zu Fuß gehen. Die schwarzen Schuhe wurden scherzhaft die Rappen des Schusters genannt. Abraham a Sancta Clara brauchte diese Redensart bereits literarisch in seinem ‚Judas‘ (I, 197): »Auf deß Schusters Rappen reiten«. Gottfried Seume dichtet sinngemäß (Werke, I, 212):

Darauf lief ich, wie ein Don Quischott,
Hinab, hinan die Erde,
Bald Kuhschritt und bald Hundetrott,
Auf meines Schusters Pferde.

Früher sagte man auch statt dessen: ‚Auf seiner Mutter Fohlen reiten‘, z.B. heißt es in Behaims ‚Buch der Wiener‘ (203, 29):

Wir musten all zu fußen gan,
man sach viel manchen werden man
reiten auff seiner muter voln.

Diese Wendung ist bereits in mittelhochdeutscher Zeit belegt. In Heinrichs von Freiberg ‚Tristan‘ wird Keie, als er zu Fuß anstatt zu Pferde heimkehrt, von einem anderen Ritter verspottet:

Twar als alt als ich bin,
so gesach ich iuch, ritter wert,
geriten nîe so guot ein pfert,
als ir nu tuot in dirre zît.
ir und iuwer rössel sît
zwâr mît einander geborn
»Keie uf siner muoter vüln
ist gesezzen!«einer sprach,
darnach aber ein ander jach:
er ritet der zwelfboten pfert.

Die letzte Zeile der Spottrede wird heute meist in lateinischer Form als ‚per pedes apostolorum‘, zu Fuß wie die Apostel, gebraucht. In Köln nennt man die Füße deshalb die ‚Apostelpferde‘, und die niederdeutsche Redensart ‚Spann din Apostelpeerd an!‘ meint: mach dich auf die Beine! Diese Wendung wird schon 1653 von Johann Wilhelm Lauremberg in seinen ‚Schertzgedichten‘ (4. Gedicht, V. 141) literarisch verwertet:

Ick quam in eine vörnehme Stadt
up mine Apostel Peerde gereden.

Vergleiche italienisch ‚andare sul cavallo di San Francesco‘: auf dem Pferd des heiligen Franziskus reiten. Die Redensart ist ebenfalls spöttisch gemeint, weil die armen Franziskanermönche zu Fuß gingen, im Unterschied zu den reichen Benediktinern, die zu Pferde reisen konnten. Vergleiche auch französisch ‚aller su la haquenée des cordeliers‘ (veraltet).
[Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Schuster, S. 1 ff. Digitale Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S. 5731 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 4, S. 1421 ff.) © Verlag Herder]

Gruß Max