Auf welchem Material werden Filme gedreht

Guten Tag,

ich will wissen, auf welchem Material Filme gedreht werden.

Hollywood Filme sehen anders aus als z.B. deutsche Filme. Und Aufnahmen von Camcordern halt noch ganz anders.
Oder liegt das an was ganz anderem als an dem Filmmaterial?

Danke schön…

Hollywood-Kino wird in der Regel, so wie auch das deutsche Kino, auf 35mm-Film gedreht.

Der Unterschied besteht im Handwerk, im Zeitaufwand und letztlich im Geld. Mit einer teuren Spiegelreflexkamera kann man z.B. ja auch Schnappschüsse genauso wie tolle Kunstbilder machen.
Durch das wesentlich höhere Budget haben die Kameramänner in Hollywood einfach viel mehr Zeit, „das Bild einzurichten“, d.h. aufwendiger zu leuchten, die aufwendigere Brennweite zu wählen, etc.
In deutschen Filmen ist das Geld oft knapp und da müssen die Szenen halt mit weniger und einfacheren Kameraeinstellungen in weniger Drehtagen als in Hollywood gedreht werden.

Des Weiteren werden die Filme in der Postproduction weiter bearbeitet (Körnung, Farbe, etc.). Auch hier ist Geld ein Faktor.

Deutsche TV-Filme werden in der Regel auf 16mm gedreht und bis vor Kurzem auch hauptsächlich im TV-affinen 4:3-Format. Und natürlich ist hier das Geld und die Zeit noch knapper.

Soaps, Telenovelas und der ganze Rest im TV wird elektronisch aufgenommen. Logischer Weise ist hier der künstlerische Anspruch am Geringsten. Die Lichtsetzung, die Kamerapositionen, der Schnitt ist alles Industrie-Standart.

Auf dem Stoff …
…, aus dem die Träume sind. :wink:

Zumindest ist das bei guten Filmen so.

Gruß

Günter

Der Unterschied zwischen USA und Europa im Film ist zunächst ein finanzieller. Die Kamera macht ja nicht das Bild, sondern die Schauspieler, die Ausstattung, die Beleuchtung, die Kulissen usw. Und dafür gibt es in USA in jeder hinsicht einfach mehr, weil sie starkt auf Großproduktionen ausgerichtet sind. Übrigens sehen ja auch große Filme aus dem Ausland, die hier gedreht werden, meist besser aus, als wir das hier in aller Regel hinbekommen. Ob nun Tarantino, Von Trier, Kubrick, Daldry, Spielberg oder Singer. Sobald hier eine ausländische Produktion gedreht wird, sieht es sofort anders (meist besser) aus, als unsere Filmteams es mit den zur Verfügung gestellten Mitteln hinbekommen würden. Es gibt aber gottseidank auch Ausnahmen.

Übrigens gibt es auch in USA Filme, die eher nach deutschen LowBudget-Filmen aussehen. Nur findet sich dafür kein Vertrieb nach Europa, und so bekommen wir primär nur die „Sahnestückchen“ zu sehen und nur manchmal verirrt sich eine kleine Perle hier rüber.

Und die unterschiede zwischen Camcorder und Camcorder sind je nach Modell frappierend. Da kann man keine generelle Aussage treffen. Bei Material von einer Sony EX3 musste ich schon mal 5x hinschauen, ob es jetzt Film ist, oder digitales Video. Grundsätzlich ist es noch so, dass Film erstmal sehr viele Details auflösen kann, auch wenn es körnig wird. Dann haben wir bei Film ohne Ende Farbnuancen… das ist bei digitalem Video im Vergleich sehr eingeschränkt. Dann noch das Verhalten bei sehr hellen Bildbereichen, wo Video irgendwann nur noch 100% Weiss zeigt, bei Film aber doch noch Details zu sehen sind (etwa im Scheinwerferlicht eines Autos).

Man kann auch aus günstigen Camcordern (so ab 600€) inzwischen schon sehr gute Ergebnisse rauskitzeln. Bei den meisten Amateuren stellt sich jedoch bald frust ein über langweilige Bilder und man beschwört die Götter der Farbkorrektur, des 35mm-Adapters (um geringere Schärfentiefe zu erhalten) und anderen oberflächlichen Dingen. Und das ist der Punkt! Solange es nichts zu erzählen gibt, werden Bilder auch nur wenig fesseln können. Wenn es wirklich spannend ist und interessant, dann spielt es kaum eine Rolle, ob es mit ner Aiptek (ok, das ist schon unterste Schubse), MiniDV, HDV, HDCAM, Super8, 16mm, 35mm oder 65mm ist.

Und auch da haben uns die Amerikaner einiges voraus. Auch, wenn es oft genug nicht stimmt. Aber das Dramaturgiehandwerk ist dort sehr ausgereift, und das schlägt sich auch in den Bildern nieder. Wim Wenders Filme (die neuen!!!) sehen zwar sehr oft sehr schick aus, aber dramaturgisch gesehen, sind es doch oft öde Filme.