Aufbruch in die neue Welt

… hier mal ein Beitrag eines Unternehmensberaters zu diesem Thema, Eure Meinung würde mich interessieren!

Strukturelle Schwächen im Providergeschäft und ihre Folgen

Neben der real existierenden Welt erweist sich das World-Wide-Web in zunehmendem Maße als Eldorado für die Wirtschaft. Ohne nennenswerte Zeitverzögerung lassen sich Waren und Dienstleistungen vermarkten, Dokumente verschicken, Bewerbungsgespräche führen und Konferenzen schalten. Das Web erinnert an die Zeiten der Pilgrim-Fathers die, enttäuscht über die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen im alten Europa, in die neue Welt aufbrachen, um im unberührten Land ihr Glück zu machen.
Internetprovider stellen in dieser Vision die Fährmänner dar, die den Auswanderungswilligen ihre Passage ins Netz ermöglichen. Auch für sie herrscht Gründerstimmung, angesichts der immer noch stetig steigenden Zahlen von Internet-Usern scheinen die Verdienstmöglichkeiten unbegrenzt. Und so wundert es nicht, wenn in dieser Branche viele „Glücksritter“, ausgerüstet lediglich mit minimalem technischen Gerät und ihrem Computerfachwissen den Sprung in die Selbständigkeit wagen und mit nur „bedingt hochseetauglichen Booten“ ins Fährgeschäft einsteigen.
Um in dieser Branche eine Chance zu haben, so der allgemeine Tenor, müsse man ein hohes Maß an Flexibilität und Innovationsfähigkeit beweisen, stets das Ohr am Puls der Zeit haben und sich keineswegs durch Neuentwicklungen der Konkurrenz schrecken lassen.
Mittlerweile herrscht in der Branche Katerstimmung. Reihenweise senken Anbieter die Segel, weil ihnen die Kosten über den Kopf wachsen und trotz beeindruckender Umsatzzahlen kein Gewinn zu erwirtschaften ist.
Woran scheitern diese Start-Ups?
Vielfach fühlt man sich an den Bill-Gates-Traum erinnert, wenn man sich die Geschichten von Providern anschaut. Die Geschichten der zahllosen Klein- und Kleinstanbieter ähneln sich auf erstaunliche Weise. Da steht zumeist ein innovativer, kreativer Kopf am Beginn, ausgerüstet mit einigen Servern und Erfahrung im Programmieren. Beim Einstieg ins Geschäft kommt dieser kreative Kopf jedoch nicht an den Riesen Telekom oder MediaWays vorbei. Was dem Endverbraucher zum günstigen Festpreis angeboten wird, muß minutengetreu mit dem Lieferanten der Netzkapazitäten abgerechnet werden. Obschon das Monopol der Telekom gebrochen zu sein scheint, hält sie vielfach nach wie vor die Rechte an der berüchtigten „letzten Meile“, will heißen, der Provider bezahlt für die Bereitstellung der Verbindung und die Nutzung des Netzes der Telekom. Der Markt der Anbieter von Kapazitäten ist extrem klein und die Alternativen quasi nicht vorhanden, denn hinsichtlich der Preisgestaltung sind sich die Riesen ausnahmsweise so gut wie einig.
Kapazitäten bei einem der Anbieter zu erwerben scheint zunächst dennoch nicht problematisch. Aber schon im nächsten Schritt liegen die Gründe für das Scheitern im weiteren Verlauf begründet. Während bei traditionellen Wirtschaftsunternehmen der Idee für ein neues Produkt die Planungsphase folgt, in der neben der Ressourcenplanung auch die Kalkulation der Deckungsbeiträge durchgeführt wird, schreiten viele Anbieter im Netzgeschäft gleich zur Tat. Kaum einem Kunden ist bewußt, wie schnell das neue Boot voll Wasser läuft, bewegen sich die Anbieter von Internetzugängen für den Endverbraucher doch alle innerhalb eines schmalen Preisfensters. Und gemäß der Erfahrung „1 Mrd. Chinesen können nicht irren“ gehen die Verbraucher davon aus, das diese Angebote durchkalkuliert und gewinnbringend sind.
In der Realität sieht es jedoch anders aus. Je nach Aggressivität des Einstiegsangebotes strömen die Kunden in Scharen zum neuen Anbieter und stellen ihn gleich vor eine ganze Reihe von neuen Problemen. Während im Hintergrund die Verbindlichkeiten gegenüber dem Netzanbieter wachsen, kämpfen mangelhaft qualifizierte Mitarbeiter an Service-Hotlines mit verärgerten Kunden, wenige qualifizierte Netzwerktechniker mit viel zu vielen technischen Problemen, die Verwaltungen und Rechnungsabteilungen mit dem Nichtvorhandensein von Anweisungen für den Umgang mit dem Kunden. Um wieder den Vergleich mit einem Boot zu benutzen: Wer nicht im Stande ist, ein Boot zu steuern, dem nutzt es wenig, wenn er eines besitzt, als Transportmittel ist es dennoch wertlos und kann nur zum Untergang führen. Und so haben in den vergangenen Monaten eine große Anzahl von Internetprovidern einsehen müssen, daß eben nicht nur Innovationsfreude und technisches Know-how Garanten für den Erfolg sind.

Einzig die Anbieter, die ein starkes Unternehmen im Rücken haben, das seine traditionell gewachsenen Strukturen auf den Providerbereich übertragen haben, haben langfristig eine Überlebenschance oder die Anbieter, die die Zeichen der Zeit erkennen und sich den Gesetzen der Wirtschaft unterwerfen. Der „Aufbruch in die neue Welt“ ist sicherlich zu schaffen und die Gewinnmargen enorm, nur darf man diese Reise nicht in einem Schlauchboot ohne Steuermann mit Navigationskenntnissen .

Sorry Jutta,

ohne Quellenangabe gebe ich keinen Kommentar ab.

greetings
Ratte