Hallo Ralf,
Bei dem beschriebenen Radweg muß es sich wohl um einen der
seltenen Fälle handeln, die weder gefährlich noch schikanös
noch beschädigt sind. Aber vielleicht hast Du Dir den Radweg
gar nicht richtig angeschaut…
Doch das habe ich - ich nutze ihn nämlich selbst regelmäßig.
Wenn sich Rennradfahrer unter diesen Umständen entschlossen
haben, prinzipiell jeden Radweg zu meiden, ist das völlig
verständlich.
Verständlich für den Radfahrer, aber nicht für die restlichen Strassenbenutzer.
Wenn Du sagst, Du nutzt den Radweg nicht weil er gefährlich, beschädigt oder schikanös ist so kann man genausogut den Spieß umdrehen und sagen, dass genau dieses Verhalten (Nutzung der Strasse bei Vorhandensein von Radwegen) auch gefährlich und schikanös ist. Dass der Radweg nicht so ausgelegt ist, dass die volle Geschwindigkeit eines Rennrades ausgenutzt werden kann kann nicht als Rechtfertigung angeführt werden, die Strasse entgegen den Vorschriften geltenden Rechtes zu nutzen. Sonst könnte man ja genausogut sagen, wenn auf der Strasse ein Stau ist, fahre ich mit meinem Motorrad auf dem Radweg oder mit dem Auto auf dem Standstreifen der Autobahn.
Das Risiko trägt er ja selbst. Und es auch
völlig verständlich, daß ihm Deine „Fürsorge“ nervt. Davon
haben wir nämlich schon genug: komischerweise laufen die
meisten guten Ratschläge von Autofahrerseite darauf hinaus,
daß Radfahrer als Störgröße für „Freie Fahrt für freie Bürger“
verschwinden.
Mit demselben Argument „Freie Fahrt für freie Radfahrer“ hast Du Dir doch gerade die Benutzung der Strasse legitimiert. Du (die Radfahrer) dürfen also und die Autofahrer nicht.
Und das ist auch der tiefere Sinn der Radwege.
Naja da kann man sicherlich wie so oft getrennter Meinung sein. Festhalten kann man doch, dass sich Radfahrer und andere Strassenbenutzer in vielen Dingen erheblich unterscheiden: Geschwindigkeit, Sichtbarkeit, Größe, etc.
Da machte es doch schon Sinn, hier unterschiedliche Fahrbahnen zu schaffen.
Wenn ich mit dem PKW zur nächsten Ortschaft fahre (25km),
begegne ich regelmäßig mindestens einen anderen PKW-Fahrer,
der sich über das Gesetz hinwegsetzt oder/und sich und
andere(!) gefährdet. Ich hätte also genug zu tun, mich ständig
unter der Rubrik „Vierräder“ über die PKW-Fahrer zu
beschweren. Doch ich sehe Deinen Namen dort auch nicht.
Vermutlich hast Du es auch nie gemacht. Ist es bei Euch nicht
normal, daß z.B. Tempo 50 überschritten wird?
Ich gebe gerne zu, dass ich mich auch über andere Verkehrsteilnehmer ärgere. Hierbei kann ich jedoch nicht so eine eindeutige Gruppe ausmachen wie bei den Rennradfahrern (ich meine jetzt natürlich nicht alle und pauschal aber eine gewisse Zuordnung des Verhalten zur Art des Fahrrads, zur Farbe der Bekleidung und zur Gefährlichkeit der Brille). Wenn sich viele rote VW-Polo Fahrer durch eine ständige Übertretung geltender Verkehrsregeln auszeichnen würden, dann würde ich aber auch das Forum „Rote Polo Fahrer“ suchen und da meinen Senf abgeben. Und ich habe in einem Geländewagenforum mit der Forderung diese unsinnigen Bullenfänger abzuschrauben, ähnliche Reaktionen erhalten.
Ich kann es ja gut nachvollziehen, dass es nervt, wenn man schnell vorankommen möchte und dass es mehr Spass macht auf der Strasse zu fahren. Aber es gibt auch ganz viele Sachen, die mich nerven oder mir Spass machen - wenn ich jedoch andere und mich gefährde kann ich das halt nicht alles machen.
denne
Ulli