Aufmerksamkeitserregung/Selbstdarstellung - wieso?

Ich muß hier in diesem Forum das beobachten, was mir im realen Leben auch auffällt:

Viele Personen möchten auf sich aufmerksam machen, sich selbst darstellen. Dazu stellen sie provokative Thesen auf, greifen andere an…

Doch wozu das ganze?

Fühlen sich solche Personen wirklich so unbedeutend, dass sie sich die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit mit allen Mitteln erkämpfen wollen?

Wieso muß der Mensch immerzu von seiner Umwelt beachtet und bestätigt werden?

Ist das Individuum so schwach?

Euer Desperado

Wieso muß der Mensch immerzu von seiner Umwelt beachtet und
bestätigt werden?

Oh, Desparado, ich finde das auch desperat.

Ein von mir geschätzter Kirchenfunktionär, der einzige von mir geschätzte Kirchenfunktionär, pflegte zu sagen:

„Es menschelt überall, selbst im Himmel.“

Warum also nicht bei WWW?

Da hilft nur eins: Einfach gar nicht ignorieren! :wink:

Beste Grüße Fritz Ruppricht

Hallo, Desperado,

Viele Personen möchten auf sich aufmerksam machen, sich selbst
darstellen. Dazu stellen sie provokative Thesen auf, greifen
andere an…
Doch wozu das ganze?

Der Mensch als „Herdentier“ fühlt sich nur dann wohl, wenn er in der Gruppe einen festen, sicheren Platz in der Rangfolge einnimmt, den ihm keiner streitig macht.
Vor allem „Jungtiere“ müssen natürlich beim Einfügen in diese Hackordnung sich irgendwie dazwischendrängeln und versuchen Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erringen. Nicht immer mit den geeigneten Mitteln.

Was wir in unserer Gesellschaft heute sehr auffällig beobachten können, ist, dass das Ansehen eines Individuums nicht so sehr davon abhängt, wie nützlich es für die Gesellschaft ist, sondern nur, wie lautstark es auftritt, um die Aufmerksamkeit der Medien zu erringen. Egal ob Popstar, Sportler oder Politiker, allen ist es eigentlich egal, was von ihnen geschrieben oder gesagt wird, wichtig ist nur die Häufigkeit der öffentlichen Nennung. Wie anders kann man sich sonst ein Phänomen Zlatko oder Feldbusch erklären. Dass diese Oberflächlichkeit natürlich nur geringe Nachhaltigkeit haben kann, ist jedem klar, der etwas nachdenkt. Wer heute von dern Medien hochgejubelt wird, ist morgen warscheinlich megaout.

Marie von Ebner-Eschenbach hatte schon recht damit, dass das Nachgeben der Klugen zur Regierung der Dummen führt.

Gruß Eckard.

?
falls du mich nicht auch gemeint hast, gebe ich folgenden senf dazu:
die selbstdarstellung dient dem handel! handel mit emotionen, meinungen, gefuehlen, problemen, und das, was sonst so reinkommt.
handel= austausch: und hier geht es los! ich versuche, ueber meinen handel/austausch andere menschen kennenzulernen.
das gelingt auf diese art sogar!
wenn ich mich hier also „produziere“ , wird es mehr reaktionen geben, als wenn ich hier als graue maus nur beobachte.
in diesem sinne
khs

Hi Desperado,

och, so schlimm find ich das gar nicht. es wird hier ja auch oft genug heftig kritisiert, wenn eine/r mal zu besserwisserisch rumdoziert.
aber wundern tut es mich doch manchmal auch, wenn inhaltlich über normen und deren gültigkeit diskutiert wird, und gleichzeitig dabei überhebliche formulierungen und rechthabereien dominieren.
da frag ich mich auch manchmal, ob sich denn jemand über die normen, über die er diskutiert, auch schon mal für sich selbst gedanken gemacht hat :smile:

Grüße
M.

Das einfachste Beispiel. Dein eigenes Posting. Sagt es nicht sehr viel aus?

Hallo Eckard,

Der Mensch als „Herdentier“ fühlt sich nur dann wohl, wenn er
in der Gruppe einen festen, sicheren Platz in der Rangfolge
einnimmt, den ihm keiner streitig macht.
Vor allem „Jungtiere“ müssen natürlich beim Einfügen in diese
Hackordnung sich irgendwie dazwischendrängeln und versuchen
Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erringen. Nicht immer mit
den geeigneten Mitteln.

Genau darauf wollte ich hinaus: Ein Mensch will sich in die Hackordnung einfügen, möglichst an eine hohe Position. Alte Menschen haben bei diesem Kampfe gegen den Rest der Gesellschaft, für einen Platz in der Gesellschaft, schon lange resigniert.

Aber wieso braucht eine Gesellschaft eine Rangordnung?

Ich stelle nun die naive These auf, dass es ohne eine bestimmte Gruppenordnung jedem Individuum besser gehen würde, denn es müßte keine Kräfte für die Erkämpfung oder den Erhalt des Platzes in der Rangordnung aufwenden.

Die Rangfolge wird allerdings nicht nach dem Nutzen einer Person, sondern nach seiner potentiellen Macht verteilt.

Bekannt ist gleich mit mächtig.

Aus diesem primitiven Kreis kann man als einzelner Mensch nicht ausbrechen, er erdrückt das Individuum, wenn es sich außerhalb stellen will.

Ein Mensch der sich nicht vor anderen darstellt, sondern für sich selbst lebt, rutscht für die Menschen in der Hackordnung an unterste Stelle.

Die Ungerechtigkeit der Gesellschaft gegen das Individuum.

Gruß

Desperado

Hallo, Desperado

Alte Menschen haben … schon lange resigniert.

Das muß nicht so sein. Sie haben nur ihren Platz in der Gesellschaft gefunden, eingenommen und füllen ihn (mit all seinen Rechten und Pflichten) aus - von Ausnahmen immer abgesehen.

Aber wieso braucht eine Gesellschaft eine Rangordnung?

Weil sie sonst nicht länger eine Gesellschaft wäre, sondern ein Haufen von Idealisten. Nicht ganz von ungefähr ist dem Wort „idiotäs“, das bei den alten Griechen noch den Menschen bezeichnete, der sich nicht um gesellschaftliche Belange kümmerte, seine heutige Bedeutung zugewachsen!
Eine Gesellschaft ist dadurch gekennzeichnet, dass (und da ist der Mensch so gut wie das Schaf) sie sich in eine gemeinsame Richtung bewegt, entwickelt. Das ist nur dann möglich, wenn die „Brownsche Molekülbewegung des Einzelnen“ irgendwie eine gemeinsame bevorzugte Richtung annimmt.

Ich stelle nun die naive These auf, dass es ohne eine
bestimmte Gruppenordnung jedem Individuum besser gehen würde

Jeder für sich? Allein gegen alle? Ich befürchte, dass genau das eine Welt voller Ellenbogen unter der Knute der Stärkeren wäre.

Die Rangfolge wird allerdings nicht nach dem Nutzen einer
Person, sondern nach seiner potentiellen Macht verteilt.
Bekannt ist gleich mit mächtig.

So sieht es in unserer Gegenwart aus, aber es sieht nur so aus. Es ist die dumpfe Masse, die dem Glamour und Glitter hinterherhechelt, in der Hoffnung auf ein Quentchen mehr Bekanntheit. Es ist ein globaler Minderwetigkeitskomplex, dieses krampfhafte Schreien um Beachtung. Einer versucht den anderen zu übertönen, aber wenn ihnen dann jemand zuhört, kommt nicht mehr heraus als „Wattehattedudeda“. Auf lange Sicht wird das sich auch wieder legen.

Aus diesem primitiven Kreis kann man als einzelner Mensch
nicht ausbrechen, er erdrückt das Individuum, wenn es sich
außerhalb stellen will.

Aber wer schräg zum Strom schwimmt, kommt auch ans Ufer!

Ein Mensch der sich nicht vor anderen darstellt, sondern für
sich selbst lebt, rutscht für die Menschen in der Hackordnung
an unterste Stelle.

Nur für die, denen hohle Selbstdarstellung wichtig ist, die zu dumm oder zu bequem sind hinter die Maske zu sehen.
Der wichtigste Mensch, dessen Hochachtung und dessen Respekt man stets bewahren sollte, ist man selbst. Wem das gelingt, der wird auch die Achtung anderer finden.

Die Ungerechtigkeit der Gesellschaft gegen das Individuum.

Wo steht denn, dass eine Gesellschaft gerecht sein soll? Sie wird immer bestenfalls selbstgerecht sein.

Kein Grund zur Verzweiflung
Et hett noch emmer jut jejangen, wie man in Köln zu sagen pflegt!
Gruß Eckard.