Aufnahme von Patenkind, Übernahme Umbaumaßnahmen ?

Hallo allerseits,
heute erreichte mich ein Brief meines Schwagers, von meiner verstorbenen Schwester. Er hat mittlerweile wieder geheiratet und viele Kinder, sowohl eignene als auch mit der neuen Frau.

Er gibt in dem Brief bekannt dass er eine neue Familie für seine älteste Tochter (14) sucht, da er sie nicht mehr in der Familie ertragen kann. Die genauen Vorfälle kenne ich nicht.
Da ich der Patenonkel bin liegt mir natürlich daran dass sie nicht in ein Heim kommt. Wir haben selbst zwei Kinder (1,5 & 4) und würden mein Patenkind eventuell aufnehmen. Da er sogar eine terminfrist bis 12.12.08 gestellt hat, kommt natürlich erst mal nur eine Übergangslösung in Frage bis nach Weihnachten. Für die komplette Aufnahmen bei uns müssten wir allerdings das dachgeschoss ausbauen, was aber nicht so einfach ist da wir nur in Miete wohnen.
Vorausgesetzt der Vermieter stimmt einem Ausbau zu, bekommt man für so etwas Unterstützung vom Amt ?

Falls jemand Erfahrung oder eine hilfreiche meinung dazu hat, dann bitte schreiben.
Danke für eure Hilfe.

Gruß
A. Schwarzkopf

Hi,

deine Gedanken finde ich sehr lobenswert und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Und auch wenn die Einstellung des leiblichen Vaters mir völlig fremd ist, denke ich, dass Familie genau für solche Situationen da ist und man sich auch als Pate genau dazu verpflichtet.

Ich würde dir aber den Rat geben, deine Entscheidung nicht von den räumlichen Gegebenheiten abhängig zu machen, denn diese können mitunter ein größeres und länger andauerndes Problem darstellen. Wenn deine Einstellung die deiner Familie ist und ihr diese zusammen tragen wollt, dann ist Platz, zumindest interimmäßig das geringste Problem. Die Behördengänge bleiben euch sicherlich auch nicht erspart und somit habt ihr sicherlich noch einige Gelegenheit um Hilfe zu frage.

Ich drücke euch und dem Kind die Daumen.

Viele Grüße
MeToo

Hallo Achim,

ich schließe mich MeToo an. Aber ich finde du solltest dich mit deinem Schwager kurzfristig auseinander setzen um die Beweggründe für seinen Brief kennenzulernen.

Gruß

Samira

Hallo,

wie soll ich es sagen, ohne dass es allzu unhöflich in die Richtung desjenigen klingt, der helfen will:

Eltern haben kein Recht dazu ihre Kinder „los zu werden“, und man kann die Kindessorge nicht einfach so handeln wie Wertpapiere. Weder gegen Geld noch gratis und umsonst.

Wenn hier ein Vater offensichtlich überfordert ist, dann kann die Lösung nicht darin bestehen ein Kind „zu verschenken“/„das Eigentum hieran aufzugeben“/„es zu entsorgen“. Dies mag auf den ersten Blick die einfachste Variante zu sein, vergisst aber vollkommen, dass ein Kind Anspruch auf seine Familie hat, und kein totes Objekt ist, über das andere Menschen einfach verfügen können.

Ich würde den Brief daher zunächst mal als Hilferuf ansehen, und mit professioneller Hilfe versuchen herauszubekommen was da schief läuft und wie man richtig helfen kann. Ansprechpartner hierfür ist zunächst einmal das zuständige Jugendamt. Im Rahmen der dann zu entwickelnden Lösung muss das Kindeswohl Prio #1 haben, und es kann durchaus sein, dass vor diesem Hintergrund eine - zunächst befristete - Herausnahme aus der Familie ein Teil der Lösung sein kann. Ob dabei die Aufnahme in deiner Familie sinnvoll ist, muss man gut überlegen. Denke auch daran, dass Du eigene Kinder hast, und auch die damit fertig werden müssten, wenn ein sicherlich aufgrund der Vorgeschichte ziemlich traumatisiertes Kind mit in die Familie kommt.

Gruß vom Wiz

Hallo Achim,

so her Dein Ansinnen auch ist, Du gehst arg blauäugig an die sache heran.

Zum einen unterschätzt Du die Probleme offensicht massiv, den ‚einfach mal so‘ will der Vater seine Tochter sicher nicht loswerden (hoffentlich), da scheint es arg zu krachen und das wird auch bei Dir sich nicht in Luft auflösen.

Zum anderen wird nichts, aber auch gar nichts ohne das Jugendamt gehen und das wird dem Vater erst mal was husten, seine Tochter ‚zu entsorgen‘.

Besser und für alle langfristig befriedigender, wird wohl eine Familientherapie sein und wenn die schon gelaufen sein sollte und erfolglos war, wirst Du als Laie kräftig gegen die Wand laufen und die Sache sehr wahrscheinlich verschlimmern, Deine Familie (incl. Deiner Kinder) in die Sache hineinziehen und höchstwahrschenlich in (sehr) hohem Maße belasten.

Mein Rat:
Mit dem Vater sprechen
Mit dem Jungendamt sprechen
Eine Familientherapie durchführen lassen, denn das Verhalten der jungen Dame wird nicht von ungefähr kommen
Wenn die Familientherapie scheitern sollte, lass um himmelswillen Deine Finger aus dem Spiel, Du kannst nur verlieren und es wird mit großer Wahrscheinlichkeit dem Mädchen nicht helfen.

Gandalf

Hallo Achim

Eigentlich Wort für Wort Gandalf nur zustimmen kann. :smile:

Euch allen viel Glück und auch viel gute Unterstützung vor Ort bei allem!

*wobei mich diese „Fristsetzung“ des Vaters ehrlich gesagt ganz besonders irritiert und stutzig macht…mal ganz abgesehen von der grundsätzlichen „Entsorgungsabsicht“*

LG

Hallo,

wie schon meine Vorposter geschrieben haben, einfach so eine neue Familie für sein Kind suchen geht nicht.

Abgesehen von der menschlichen Seite gibt es hier viele rechtliche Hürden.

Man kann das Sorgerecht für ein Kind nicht einfach so abgeben.
Ist ohne eine Entscheidung des Familiengerichts nicht möglich.

Solltet ihr das Mädchen wirklich aufnehmen, habt ihr keinerlei Sorgerecht, ihr könnt das Mädchen nicht mal bei der Gemeinde und der SChule anmelden, ihr hättet kein Recht auf ein Lehrergespräch und kein Recht, Schulnoten zu erfahren oder das Zeugnis einzusehen, und das sind noch die einfachsten Sachen. Spätestens bei einer Auslandsreise habt ihr Sendepause.

Ihr könnt kein Kindergeld beantragen.
Wer kommt für Kost und Logis auf?
An wen geht in Zukunft die Halbwaisenrente?
Habt ihr überhaupt eine Pflegeerlaubnis vom Jugendamt?

Wenn ihr das Mädchen wirklich aufnehmen wollt, wendet euch an den Vater und sagt ihm, dass eine Aufnahme nur möglich ist, wenn die rechtliche Seite geklärt ist, und das macht ausschliesslich das Jugendamt.

Allerdings entscheidet dann auch das Jugendamt, ob das Mädchen überhaupt aus der Familie genommen wird, und wenn, wirklich zu euch kommt, in eine andere Pflegefamilie oder in eine betreute Wohnform.

Grüße
dragonkid
PS Auf dem Amt hatten wir schon einen ähnlichen Fall, nach ein paar Monaten wollte die Mutter das Kind, dass sie (wie sich hinterher herausstellte) in privater Absprache bei Freunden gelassen hatte, wieder zurück.
Das Kind wollte nicht mehr, da hat die Mutter die Freunde wegen Kindesentführung angezeigt, die Polizei stand mit einem Grossaufgebot morgens um 4 vor dem Haus und holte das Kind mit Gewalt. Und das zu Recht, leider…

PS Auf dem Amt hatten wir schon einen ähnlichen Fall, nach ein
paar Monaten wollte die Mutter das Kind, dass sie (wie sich
hinterher herausstellte) in privater Absprache bei Freunden
gelassen hatte, wieder zurück.
Das Kind wollte nicht mehr, da hat die Mutter die Freunde
wegen Kindesentführung angezeigt, die Polizei stand mit einem
Grossaufgebot morgens um 4 vor dem Haus und holte das Kind mit
Gewalt. Und das zu Recht, leider…

Und damit sowas oder was ähnliches nicht passiert, und der Pate nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte hat, den offiziellen Weg gehen und schauen, ob eine Pflegschaft beantragt werden kann. Ich würde schnell mal bei Jugendamt nachfragen, was übehaupt kurz- oder langfristig möglich ist, praktisch , finanziell und rechtlich.

Und ich würde das Mädchen fragen, was es denkt und gerne hätte.

In dem Alter sind ja alle Menschen bisschen komisch:smile:
Aber wenn man so „entsorgt“ werden soll, das muss ganz schön frustig sein.

Gutes Gelingen
Allu

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Hallo,

meine ersten Gedanken/Fragen:
Was sagt denn das Mädchen dazu?
Wie gut kennst du, bzw. ihr (Familie)das Mädchen?
(Warum) Hast du bisher von der Situation nichts mitbekommen?
Mag sie euch überhaupt, bzw. kamt ihr bisher gut miteinander aus?
Wo liegt das Problem in der Familie deines Schwagers?
Warum ruft dich dein Schwager nicht an, sondern schreibt dir einen Brief?

Es gibt noch so viele Fragen, die wichtig zu wissen wären, bevor es an die Umsetzung geht.

TM